Archiv – Seite 27 – Jazzclub Biberach e.V.

Peter Autschbach & Samira Saygili

Am 06.05.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Das Duo Peter Autschbach und Samira Saygili agiert gleichermaßen mitreißend wie gefühlvoll und bleibt dabei stets äußerst unterhaltsam. Die beiden überzeugen mit überschäumender Spielfreude und unwiderstehlichem Charme. Wenn Peter Autschbach zur Gitarre greift, ist Genuss garantiert. Samira Saygili trifft mit jedem ihrer gefühlvollen und ausdrucksstarken Töne ins Schwarze. Wenn sie Chaplins „Smile” singt, zaubert sie den Menschen mit ihrer warmen und kraftvollen Stimme ein Lächeln ins Gesicht.

08.04.2022: Rainer Böhm & Norbert Scholly

Rainer Böhm und Norbert Scholly im Jazzkeller

Mit Warp-Antrieb durch die Galaxis

BIBERACH – Unprätentiös, mit nur wenigen erklärenden Worten dafür aber mit vielen Tönen, durchmaßen die beiden Musiker in Überlichtgeschwindigkeit einen wahren Kosmos an musikalischen Ausdrucks- und Gestaltungsmöglichkeiten. In schwindelerregender Virtuosität oder, wie Norbert Scholly in seiner Hommage an Käpt’n Kirk und dessen Enterprise in Star Trek anmerkte, mit futuristischem Warp-Antrieb, startete das Duo aus der ungewöhnlichen Kombination von Klavier und Gitarre seine höchst kreative Reise durch Raum und Zeit. Die Idee, den Raum zu krümmen um durch einen Raum-Zeit-Tunnel weit entfernte Ziele binnen eines Lidschlages zu erreichen, geht auf Einsteins Relativitätstheorie zurück. Die Manipulation der Zeit oder wenigstens unseres Empfindens davon, ist jedoch auch eine Kernaufgabe von Musik, der sich das Duo in besonderem Maße verschrieben hatte: Die Zeit verging während des Konzertes im Jazzkeller tatsächlich wie im Flug und die Phantasie des begeisterten Publikums durchmaß unendliche Weiten.

Der gebürtige Ravensburger Rainer Böhm, Inhaber zweier Professuren in Nürnberg und Mannheim und mit unzähligen nationalen und internationalen Preisen bedacht, hat mit Norbert Scholly einen kongenialen Partner gefunden. Lehraufträge für Jazzgitarre in Mainz und Weimar, europäische Solistenpreise, Kompositionsaufträge und unzählige Tourneen als Solist und gefragter Sideman markieren seine ungewöhnliche Karriere als Gitarrist mit einem charakteristischen Personalstil aus kammermusikalischer Intensität und plastischer Phrasierungsgabe.

Aus der Vielfalt der gestalterischen Mittel ragte bei beiden Künstlern eine permanente Metamorphose der Begleitfiguren, oft in rhythmisch-permutativer Ausgestaltung heraus. Die vielfältigen Kombinationen der Stilmittel führten dabei nicht etwa zu einer Beliebigkeit oder Oberflächlichkeit sondern forderten bewusstes, strukturelles Hören geradezu heraus. Perlende Läufe am Kawaiflügel und gestaltkräftige Melodielinien auf der Gitarre in ständiger Interaktion und nonverbaler Kommunikation wechselten mit rasanten, beeindruckend synchronen Unisonopassagen, die nur gelingen können, wenn beide Musiker auf derselben Wellenlänge funken. Auch ungerade Taktarten, 5er oder 7er, ja selbst die Überlagerung verschiedener Metren konnten die beiden Magier in ihrem Spielfluss und ihrer geradezu überschäumenden Spielfreude nicht ausbremsen.

Neben gleichermaßen eleganten, rasanten und temperamentvollen Stücken wie „El Movimiento del Gato Negro“ von Norbert Scholly fanden auch kontemplative Titel wie „Kennys World“ von Rainer Böhm als Hommage an Kenny Wheeler ihren Weg unter die Haut des begeistert applaudierenden Publikums. Beide Titel finden sich, wie die meisten anderen Stücke des Abends auf der jüngsten CD des Duos, die sich als Mitbringsel für den Osterhasen nach der inspirierten und inspirierenden Zugabe von „Georgia on my mind“ großer Beliebtheit erfreute.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Rainer Böhm & Norbert Scholly

Am 08.04.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Mit dem Gitarristen Norbert Scholly und dem Pianisten Rainer Böhm haben sich zwei Virtuosen auf ihrem Instrument zusammengetan. In ihrem Zusammenspiel entsteht eine Musik, die durch anmutige Melodien und Harmonien geprägt ist. Lyrisch und erzählerisch ist diese Musik, in der jede Note und jeder Ton zum Strahlen gebracht wird. Nachdenklich, fragil, voll zaghafter Poesie. Ein Duo, das mit der Kraft von Melodien umzugehen weiß – und kunstvoll das Piano und die Gitarre zueinander in Beziehung setzt.

18.03.2022: Gabriel Mbanda Quintett

Gabriel Mbanda Quintett präsentiert neue CD im Jazzkeller

Begeisterte Aufbruchsstimmung mit „Iwiye“

BIBERACH – An Selbstvertrauen fehlte es dem umtriebigen Wahlbiberacher Gabriel Mbanda aus Kamerun sicher nicht. Vor ausverkauftem Haus – pandemiebedingt leider nur mit 60 Prozent der Kapazität, 3G-Regel und FFP2-Maske – erschien der afrikanische Bandleader des Quintetts ganz alleine mit seinem Kontrabass auf der mit reichlich technischem Equipment vollgestellten Bühne des Jazzkellers. Mit einem kontrapunktisch angelegten Vokalsolo interagierte er mit seiner eigenen Basslinie und schlug so unmittelbar eine Brücke zu dem erwartungsvollen Publikum bevor er noch die Band dazu holte.

In einem ausgewogenen, transparenten Soundkontext agierten – nach nur drei gemeinsamen Proben in Stuttgart – die fünf Musiker ohne merkliche Abstimmungsprobleme mit sichtlicher und hörbarer Begeisterung die Stücke aus der Feder von Gabriel Mbanda. Mit dem ebenfalls in Biberach lebenden Peruaner Cesar Gamero an diversen Perkussions-Instrumenten, dem Ulmer Jazzschlagzeuger Christian Krischkowsky, dem Münchner Trompeter Julian Hesse und dem vielfach preisgekrönten Stuttgarter Martin Sörös am Kawaiflügel hatte Mbanda eine erlesene Auswahl an Musikern zusammengestellt, die bestens harmonierte und keineswegs nur einen Pflichttermin absolvierte.

Gegenüber Mbandas aktueller während der Coronazeit entstandenen CD-Produktion „Iwiye“ waren die Livedarbietungen um eigentlich überflüssige Background-Sounds und bloße Klangteppiche entschlackt, ruhten aber dennoch in schwebender Leichtigkeit auf einem tragfähigen Gefüge aus perkussiven, hochenergetischen Stimulanzien der Schlagzeugabteilung und einem dezent mit Effekten angereicherten Wohlfühl-Sound. Iwiye – die Morgenröte – steht, wie der gleichnamige Titelsong, für eine hoffnungsvolle Aufbruchsstimmung, für einen optimistischen, persönlichen Stilmix ohne Berührungsängste und vielleicht auch für neue Hoffnung auf eine Zeit nach Corona.

Die spannende Polarisierung zwischen schlichten, meist pentatonisch oder repetitorisch angelegten, eingängigen Melodien sowie der samtig-einschmeichelnden Stimme Mbandas, griffigen, ostinaten Begleitformeln im E-Bass, einfühlsamen Flügelhornpatterns, brillanten und variantenreichen Klavier-Fill-Ins und einer hochkomplexen Rhythmussektion, die auch in ungeraden Taktarten wie 5/4- oder 7/8-Takten souverän groovte, hauchte den Texten Leben ein, gab ihnen Überzeugungskraft und Tiefe. In seiner Moderation versäumte es Mbanda glücklicherweise nicht, seinen Zuhörern Übersetzungen der Songtexte und weitere Hintergrundinformationen zu liefern.

So gestand er offen ein, dass der Kontakt zu karibischen Musikern, deren Musik sich ja ebenfalls aus afrikanischen Wurzeln speist, ihn in ein divergentes Spannungsfeld zur Musik des heutigen Kamerun versetzte. Es zeichnet ihn aus, dass er – nicht nur in dem Titel „Mu Samba“ – eine sensible Liaison zwischen den unterschiedlich interpretierten afrikanischen Wurzeln und weltmusikalischer Offenheit fand. Der Titel „Struggles of Joseph“ spiegelte die Auseinandersetzung mit biblischen Themen wieder, während er in Stücken wie „For You“ sich offen an sein Publikum wandte und dieses aktiv einbezog. Durfte dieses im Titel „Léyè Mbe“ bereits im Unisono mitsingen, brachte der als Zugabe erneut gespielte Titel noch eine weitere Steigerung. Zu einem dreistimmigen Kanon des kurzerhand eingelernten Publikums, aufgeteilt auf die Vokale „a“, „i“ und „o“, improvisierte Mbanda über der einprägsamen Melodie spontan noch eine Überstimme im Scatstil und erntete auch dazu langanhaltenden Applaus, der von den aufgekratzten Musikern mit einer weiteren Zugabe belohnt wurde.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Gabriel Mbanda Quintett (neuer Termin!)

Am 18.03.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 23, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung

Achtung Terminverschiebung!
Das Konzert findet nicht wie ursprünglich geplant am 11. März, sondern am 18. März statt!

Unterhaltsam und dennoch mit veritablem Kunst- und Wahrheitsanspruch verarbeitet Mbanda in seinen Kompositionen divergente Einflüsse zu einem eindrucksvollen Personalstil, gespeist aus seinen eigenen multikulturellen Wurzeln zwischen Afrika und Europa, geprägt von persönlichen Lebensumständen und beeinflusst durch seine internationalen künstlerischen Mitstreiter aus fünf Kontinenten (auf der aktuellen CD). Seine sanfte und doch wandelbare Stimme vermittelt dabei zwischen einer gewissen Coolness, die sich manchmal auch wie eine abgeklärte Distanziertheit zum Alltäglichen und Profanen anfühlt, und einer individuellen, charismatischen Wärme und sympathischen Nähe, die neue Horizonte eröffnet, irgendwo
zwischen Jazz und Weltmusik.

Besetzung:
Gabriel Mbanda (Bass, Vocals)
Julian Hesse (Trumpet/Horn)
Christian Krischkowsky (Drums)
Martin Sörös (Keys)
Cesar Gamero (Percussion)

11.02.2022: Maltett

Hochenergetischer Formel 1 Jazz mit dem „Maltett“

BIBERACH – Die letzten Sheets seiner Eigenkompositionen wurden erst auf der Autofahrt nach Biberach fertig. Neu oder umgeschrieben um den kurzfristig ausgefallenen Trompeter durch einen weiteren Tenorsaxophonisten zu ersetzen. Adrian Gallet aus Reilingen bei Hockenheim sprang ein für den erkrankten Jakob Bänsch, der seinerseits bereits Gabriel Rosenbach aus der Stammbesetzung des fünfköpfigen „Maltetts“ ersetzen sollte. Auf diese Weise kam das, trotz der derzeit üblichen Maskerade von Anfang an hell begeisterte Fanpublikum im Jazzkeller in den Genuss, die stilistische Entwicklung von wenigstens drei der fünf jungen Musiker im Verlauf der letzten vier Jahre zu verfolgen.

Neben dem Kopf des „Maltetts“, dem Jazzschlagzeuger Malte Wiest aus Oberhöfen bei Biberach, waren auch die beiden Tenorsaxophonisten bereits 2018 mit „Tenor Madness“ als eine der jüngsten Jazzbands des Landes im Jazzkeller zu hören. Die „unbekümmerten Exkursionen durch die weiten Gefilde des Jazz“ von damals haben seither nichts an Frische verloren, hingegen deutlich an Substanz und Tiefe gewonnen. Die ersten Ansätze seines Personalstils werden nach einigen Hochschulsemestern in Mainz bei dem quirligen Ausnahmedrummer nun deutlich konturierter.

Spielt das Schlagzeug im modernen Jazz generell eine immer zentralere Rolle, wirkt stimulierend und antreibend und längst nicht mehr nur begleitend mit einer Wiederholung immer gleicher Rhythmuspatterns, so erfährt dieses Prinzip besonders auch bei Malte Wiest eine weitere Steigerung. Hochdifferenzierte, komplexe Strukturen von filigran bis brachial, technisch ausgefeilt, musikalisch eigenständig, druckvoll und in permanenter Interaktion mit den Mitspielern ließen eben diesen dennoch genügend Freiraum für eigene Akzente.

Lukas Wögler, Tenorist der Stammbesetzung und „Ersatztrompeter“ Adrian Gallet am zweiten Tenorsaxophon zeigten, dass sie es zwischenzeitlich nicht verlernt haben, in der ungewöhnlichen Instrumentenkombination zu dialogisieren, zu konkurrieren und dennoch zu harmonieren. Gerade auch die bei scharfen und absichtsvollen Dissonanzen souverän und in sauberer Intonation durchgehaltenen Reibungen erhöhten die schon aus der komplexen Rhythmik resultierenden Spannungsimpulse, trieben die Stücke in einer ausgefeilten Dramaturgie unaufhaltsam zu immer neuen Höhepunkten. Wie in der Formel Eins gehörten abrupte Brems- und Beschleunigungsmanöver, hohe Kurvengeschwindigkeiten und Höchstgeschwindigkeit auf den freien Strecken zur Dynamik des Quintetts.

Zunächst mit etwas gebremstem Schaum, vielleicht auch der pandemiebedingt generell reduzierten Konzerttätigkeit geschuldet und deutlich an den doch etwas angespannten Mienen der Akteure abzulesen, lockerte sich die Atmosphäre im zweiten Set deutlich. Ausgehend von dem voller Leidenschaft aufspielenden Kontrabassisten Grégoire Pignède ließen sich die Mitakteure mehr und mehr von seiner Spielfreude und Lockerheit anstecken. Eifriger Szenenapplaus und anfeuernde Rufe aus den Reihen der Zuhörer erweckten auch den aus Schramberg stammenden Pianisten Valentin Melvin zu immer virtuoseren Einlagen am Kawaiflügel. Für eine willkommene klangliche Abwechslung sorgte dabei das legendäre Fender Rhodes E-Piano, dessen charakteristischer Sound an die R’n’B-, Soul- und Jazz-Rock-Ära erinnerte.

Die Eigenkompositionen des Schlagzeugers aus der Kaderschmiede von Markus Merz, besonders „Aero“ und „Take Two“ aber auch das kryptische „Mu Eins“ oder der als Zugabe gespielte, eigenwillige „Blues Or Not Blues“ ließen neben den meist gegen den Strich gebürsteten Standards der großen Meister keine signifikanten Schwächen erkennen. Besonders Kompositionen von Wayne Shorter (Speak No Evil, Nefertiti) mit Anklängen an den Jazz-Rock der 70er Jahre oder als eines der Highlights des Abends, die „Fried Pies“ von Wes Montgomery, zeigten die Wurzeln und Kraftquellen des überaus dynamischen Bandkonzeptes auf und zeichnen möglicherweise auch den durchaus erfolgsversprechenden, zukünftigen Weg der Newcomer vor. Das Selbstbewusstsein, einen abwechslungsreichen Abend mit Eigenkompositionen zu beschließen, ist jedenfalls schon vorhanden.

Text und Fotos: Helmut Schönecker