Archiv – Seite 28 – Jazzclub Biberach e.V.

Maltett

Am 11.02.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 23, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Das MALTETT ist die jüngste Formation des Schlagzeugers Malte Wiest. In klassischer Jazz-Quintett-Besetzung spielt die Gruppe in erster Linie Originals aber auch Lieblingstücke der 5 Musiker. Stark geprägt vom Jazz der 60er-Jahre aber auch vom modernen Straight-Ahead-Jazz findet das MALTETT seinen eigenen jungen und frischen Klang.

Besetzung: Jakob Bänsch (tr); Lukas Wögler (tsax); Valentin Melvin (p); Grégoire Pignède (b); Malte Wiest (dr)

21.01.2022: Laura „Quiet Land“

LAURA sings – Quiet Land

Mit Schwung aus der kulturellen Depression

BIBERACH – Überaus freudige, erwartungsvolle Gesichter eines aufmerksamen Publikums in der locker entspannten Atmosphäre des Biberacher Jazzkellers korrespondierten zum Auftakt der neuen Konzertsaison mit drei hochmotivierten, spielfreudigen Künstlern um die aufstrebende junge Jazzsängerin Laura Kipp. Mit ihrem 2021 von Jens Loh und Cornelius Claudio Kreusch produzierten Debut-Album „LAURA QUIET LAND“ schaffte es die aus Reutlingen stammende, gefeierte Newcomerin innerhalb kürzester Zeit in die TOP 2 der Amazon Bestseller Charts im Bereich „Vocal Jazz“. Genau dieses taufrische Album präsentierte Laura nun Live im bereits Tage vorher ausverkauften Jazzkeller (pandemiebedingt leider nur mit 50% der üblichen Gästezahl und 2G+) und obwohl Weihnachten schon vorbei ist, ging das handsignierte Album nach dem Konzert weg wie warme Semmeln.

Jens Loh, nach mehreren Auftritten im Biberacher Jazzkeller in der örtlichen Szene beileibe kein Unbekannter mehr, gilt nicht umsonst als einer der besten Kontrabassisten Deutschlands. Als Komponist, gefragter Sideman, Bandleader und Produzent hat er sich einen großen Namen gemacht und diesem im inspirierten Live-Act jetzt mal wieder alle Ehre. Seine unnachahmlichen, teils akkordischen, teils plastisch-melodischen und häufig durch seine Singstimme gedoppelten Improvisationen atmen zeitgenössischen Jazz in Reinform.

Der in Chicago gebürtige Schlagzeugdozent der Stuttgarter Musikhochschule, Eckhard Stromer, erwies sich als nimmermüdes Kraftwerk und Energiezentrum des illustren Quartetts. Zuletzt vor knapp drei Jahren mit dem hochdekorierten Axel-Kühn-Trio in Biberach zu hören, ließen besonders seine temperamentvollen quirligen Soli die Augen größer, die Ohren weiter und den Beifall lauter werden.

Der klassisch ausgebildete, französische Jazzmusiker und Bill Evans Schüler William Lecomte zauberte mit seinem zupackenden, variantenreichen Klavierspiel und hochvirtuosen Improvisationen mehr als nur einen Hauch der großen, weiten Welt in den gut abgestimmten Bandsound. Relaxte, balladenhafte Patterns, dynamische Funky-Rhythmen, rasante Skalen oder vollgriffige Riffs in der Komplexität elaborierter Klavierkonzerte ließen einen schon vom Zuhören schwindelig werden.

Mit diesem hochkarätigen Klaviertrio allein wäre eigentlich bereits ein niveauvolles und inspirierendes Konzert angesagt gewesen. Die Bühnenpräsenz, das Outfit, die natürliche und doch wandelbare Stimme, und vor allem die Energie und künstlerische Überzeugungskraft von Laura Kipp vermochten es nicht nur, die ausgebufften Profis dieser Truppe zu bändigen und allzeit die Strippen in der Hand zu halten. Ohne dominant zu wirken, ließ sie sich von ihren Männern auf Händen zu veritablen Höchstleistungen tragen und faszinierte mit einer verblüffenden Stilsicherheit und Reife, außerordentlicher Expressivität, traumwandlerischer Intonation und prickelnden Groove.

Die vielseitigen Kompositionen des neuen Albums „Quiet Land“ von Jens Loh mit den Texten von Laura Kipp vermitteln eine warmherzige, positive Lebensfreude, die sich auch an den kleinen, alltäglichen Dingen des Lebens entzündet. Ein erholsamer Gang durch den „Jardin de Luxembourg“ in Paris und Lauras, von ihrer zweiten Wahlheimat Paris inspirierte Eigenkomposition „Meme si tu dors“ gehen ebenso unter die Haut wie die Vokalise-Passagen und entspannten Scatsilben in „Still“ oder „S’goed Niet Goed“. Eingängiges Musical- oder Latin-Feeling, der durch den Einsatz einer Clavietta (William Lecomte) mit französischem Esprit angereichte Song „All we ever tried“, das als Hommage an ihren anwesenden Bruder gedachte „Little Stevie“ und besonders der bereits für das nächste Album vorgesehene, komplexe und vielversprechende Titel „Oh, I could write a book“ lassen einen gereiften Stil erkennen, der trotz seiner stilistischen Bandbreite keinen Gedanken an Eklektizismus aufkommen lässt.

Nach einem solchen Saisonauftakt dürfte es trotz renommierter Namen für die Bands der monatlich nachfolgenden Jazzkonzerte heuer nicht leicht werden. Der Weg aus der kulturellen Depression ist jedoch mit großem Schwung beschritten und die Hoffnung ist groß, dass der Silberstreif nicht in einem erneuten Lockdown versandet.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Abgesagt! – Dixie’s Treibhausventil

Am 23.01.2022 um 11:00 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 23, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Leider musste die Veranstaltung wegen eines Corona-Falls im Umfeld der Band kurzfristig abgesagt werden! Wir bemühen uns um einen Ersatztermin.

Seit nunmehr 50 Jahren spielen die sechs Musiker ihren Dixieland in all‘ seinen Ausprägungen, aber immer so heiß und spontan, dass dies wohl über kurz oder lang das Treibhaus zum Platzen brächte – hätten sie nicht mit „Dixie‘s Treibhausventil“ eine virtuelle Spezialarmatur zum „Dampfablassen“

Gegründet von den Gebrüdern Weindel – in der Region alles andere als unbekannt- hat es diese Band mit wenigen Besetzungswechseln geschafft über viele Jahrzehnte ihre unbändige Spielfreude und Spontaneität zu erhalten, sowie die Verpflichtung einzuhalten, sich auf »ihr« Publikum einzustellen.

In Interpretation von den Originalen kaum noch zu unterscheiden, musiziert die Jazzband in der typischen Besetzung mit Trompete, Saxofon, Posaune, Bass, Klavier und Schlagzeug. Nach langem Bemühen ist es dem Jazzclub Biberach wieder einmal gelungen nach einigen Jahren wieder einmal Dixie’s Treibhausventil zur Freude aller Fans des traditionellen Jazz nach Biberach zu verpflichten. Zur Abrundung des Programmes gibt es wieder die beliebten Weißwürste zum Weißbier-Frühschoppen.

Besetzung: Johannes Weindel (p), Daniel Sernatinger (sax), Burkhart Spellenberg (tb), Matthias Herrmann (dr), Chris Hertel (b), Michael “Fisch” Maisch (tp)

Laura „Quiet Land“

Am 21.01.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Dem Urteil eines Mannes, der nicht nur die Geschichte des Jazz auf wie hinter der Bühne mitgeprägt, sondern als Produzent auch Michael Jackson zum „King of Pop“ gemacht hat, sollte man vertrauen: „Diese junge Frau braucht sich um ihre Karriere nicht zu sorgen. Sie ist hervorragend, und ihr alle werdet in Zukunft noch von ihr hören“ – sagt Quincy Jones über Laura. Was 2017, als sich die beiden bei den Stuttgarter Jazz Open kennenlernten, noch eine Prophezeiung für die damals 21-jährige Sängerin Laura Kipp war, bestätigt sich jetzt. Mit ihrem Debütalbum „Quiet Land“ unter dem Signum LAURA legt sie mit einer Kombination von Attributen ein Album vor, wie es selbst in diesen Zeiten, da viele exzellente junge Jazzer die verschiedensten Musikgenres und -stile umarmen, rar ist: Jugendliche Frische trifft auf erstaunliche Reife, Charisma auf Understatement, die Freiheit und Intellektualität des Jazz auf die unmittelbar emotionale Kraft von Pop, Soul und Chanson. Gegensätze, die sich hier wirklich anziehen und nicht nur Spannung erzeugen, sondern zu einem famosen Ganzen verschmelzen.

Besetzung: Laura Kipp (voc); Jens Loh (b); William Lecomte (p); Eckhard Stromer (dr)

Abgesagt! – Rootbears-Weihnachtskonzert

Am 22.12.2021 um 20:00 Uhr

Ort: Biberach, Schützenkellerhalle

Beschreibung
Liebe Rootbears-Freunde!

Der Weihnachts-Jazz am 22. Dezember mit den Rootbears muss leider ausfallen.

Wir waren sehr froh, dass wir wieder in den Konzertbetrieb starten konnten, mit 3 Konzerten seit September. Die Entwicklung der Corona-Lage und die erforderlichen Zugangs- und Hygieneregelungen machen das Rootbears-Konzert leider nicht durchführbar.

Darüber sind natürlich auch die Rootbears sehr unglücklich, hier das Statement der Band zur Konzertabsage:

Liebe Rootbears-Freunde,

unsere Hoffnungen wurden enttäuscht. Es wird auch in diesem Jahr kein Rootbears-Konzert geben.

Trotz des festen Vorhabens, das Konzert auch unter etwas widrigen Umständen stattfinden zu lassen, haben wir nun die Reißleine gezogen. Wenn überhaupt die Möglichkeit bestünde, wären das keine Konzertbedingungen, die irgendjemand genießen könnte.

Wir sind sehr traurig darüber.

Hanspeter, Magnus, Martin, Rüdiger und Thomas

(Foto: Manfred Fakler)

12.11.2021: Travon Anderson & Walter Fischbacher Trio

Mit Vollgas in die gute Laune

Travon Anderson und Walter Fischbacher Trio begeistern im Jazzkeller

BIBERACH – Waren viele Fans von Elisabeth Lohninger zunächst noch etwas enttäuscht darüber, dass die Diva wegen einer Stimmbandentzündung ganz kurzfristig nicht im Duett mit Travon Anderson beim Freitagskonzert des Jazzclubs auftreten konnte, so schmeichelte sich die samtweiche, dabei jedoch höchst modulationsfähige und ausdrucksstarke Stimme der amerikanischen Gospel- und Soul-Koryphäe den nach 2G-Regeln nur in reduzierter Zahl zugelassenen Gästen alsbald in die Herzen. Der energetisch zupackende Jazz-Rock-Fusion-Groove des international besetzten Walter Fischbacher Trios tat ein Übriges um die Stimmung zu heben und das Damoklesschwert der Pandemie in Vergessenheit geraten zu lassen. Es zeugte von der Professionalität des Trios und vor allem des routinierten Sängers Travon Anderson (und dessen ausgedehnter Sonderprobe am Nachmittag), dass es dem verbleibenden Programm an nichts mangelte.

Die immense Ausdruckstiefe und stilistische Bandbreite des in New York lebenden Sängers adelte selbst Titel von Gregory Porter, Tina Turner, Sting oder den Beatles. Keinesfalls dahinter zurück blieben aber die Originalkompositionen von Elisabeth Lohninger, die neben anderen Highlights im Abendprogramm auch auf ihrer jüngsten, im Lockdown von ihr und Walter Fischbacher in deren New Yorker Tonstudio „Lofish“ produzierten CD „Life Lines“ zu finden sind. Der Titelsong „Alegria“, mit lebhaften lateinamerikanischen Rhythmen verbreitete ganz im Wortsinn Lebensfreude pur, „Shadows Fall“ im relaxten Bossa-Feeling ging bevorzugt in die Beine, ließ manchen Fuß oder Kopf mitwippen. Selbst Sting‘s „Shape Of My Heart“ atmete durch Travon Anderson dessen entspannte Grandezza. Ausgedehnte, spielerische Schlagzeugsoli von Ulf Stricker, oft auch im virtuosen Dialog mit Walter Fischbacher am Kawaiflügel sowie inspirierte, melodische Soli am schlanken Reisekontrabass lösten wahre Begeisterungsstürme aus. Bei einem größeren Publikum hätte wohl der Saal getobt.

Walter Fischbachers Konzept, bekannte Titel aus der Rock-Pop-Soul-Ära der letzten Dekaden gewissermaßen als zeitgenössische Standards zu covern, ist durch und durch der Idee des Jazz verpflichtet, glücklicherweise ohne sich dadurch fesseln zu lassen. Liebevoll und überaus kundig mit den stilistischen Mitteln der über hundertjährigen Jazztradition aufbereitet und arrangiert, manchmal auch bewusst gegen den Strich gebürstet, jedoch immer sorgfältig in einen frischen, zeitgenössischen Fusion-Sound gekleidet und aus leidenschaftlich sprühender Spielfreude gespeist, animierten die Songs zum Mitfühlen, zum Miterleben und gelegentlich sogar zum aktiven Mitmachen.

Lang anhaltender Beifall sichtlich dankbarer Besucher fand sein Feedback in zwei Zugaben und – sicherlich auch der Vorweihnachtszeit geschuldet – einem reißenden Absatz der mitgebrachten CDs. Das Rundumwohlfühlpaket Fischbacher-Anderson vermittelte mehr als nur einen Hoffnungsschimmer in einer grauen, pandemiegeprägten Zeit. Befreites Durchatmen und zufriedene Gesichter des Publikums nach dem Konzert, lächelnde, aufgekratzte Musiker sowie entspannte Veranstalter wirkten nicht nur wie ein erfüllter Augenblick niveauvoller Unterhaltung sondern bargen das Versprechen auf eine hoffnungsvolle Zukunft.

Text: Dr. H. Schönecker
Fotos: W. Volz (Titelfoto), H. Schönecker (Galerie)