Archiv – Jazzclub Biberach e.V.

Rootbears

Am 22.12.2017 um 20:00 Uhr

Ort: Schützenkellerhalle Biberach

Beschreibung
Für viele Biberacher ist dieses Event aus der Vorweihnachtszeit nicht mehr wegzudenken: Am Donnerstag, 22. Dezember wird das traditionelle Konzert der Rootbears wieder im bewährten Rahmen über die Bühne der Schützenkellerhalle gehen. Die fünf Musiker laden ein zu ihrem swingenden Allerlei, mit dem sie rechtzeitig vor Heiligabend ihrer treuen Fangemeinde einen unterhaltsamen Abend bereiten. Ein Konzertereignis, bei dem man als Zuhörer auf alles gefasst sein muss, nur nicht darauf, dass die Bären ihren Wurzeln, nämlich dem ehrlichen, handgemachten akustischen Jazz untreu werden. Es verspricht wie immer ein Programm voller launiger Überraschungen zu werden – mit ungewöhnlichen Instrumentaleinlagen, gewagten Arrangements und einer Nähe zwischen Akteuren und Publikum, die man ansonsten nur im eigenen Wohnzimmer erleben kann.

Es spielen Rüdiger Przybilla (Saxophon), Hanspeter Schmid (Posaune), Magnus Schneider (Piano, Akkordeon), Martin Schmid (Bass) und (neu in der Besetzung) Thomas Kleinhans (Schlagzeug).

Rootbears heißt übersetzt Wurzelbären – nicht zu verwechseln mit „root beer“, der amerikanischen Limonade aus Kräuter- bzw. Wurzelextrakten.

Veranstalter ist der Jazzclub Biberach, der auch die Bewirtung übernimmt.

Eintritt 12 Euro (ermäßigt 9 Euro)
Kartenvorverkauf ab 01.12.2017 bei der Stadtbuchhandlung Biberach; keine Kartenreservierung beim Jazzclub

08.12.2017: Carlas Saxaffair

Jazzige Weihnachtspost – neue CD von Carlas Saxaffair vorgestellt

Frisch, frech, fröhlich, freier Weihnachtsjazz

BIBERACH – Weihnachten gegen den Strich gebürstet, Zuckerguss und akustische Hochglanzverpackung traditioneller und längst von profaner Werbung vereinnahmter und glattpolierter Weihnachtslieder entsorgt und damit einen unverstellten Neuzugang ermöglicht, haben die Mannen um Wolfgang Eisele (Sopran- und Altsaxophon) im letzten Jazzclubkonzert des Jahres im Jazzkeller der Bruno-Frey-Musikschule. Informativ und launig anmoderiert von Stefan Dudda (Bariton-Saxophon) kam auch ohne Glühwein und Punsch die vorweihnachtliche Stimmung nicht zu kurz.

In den modernen Arrangements von Wolfgang Eisele nahmen die vielfach als abgenudelt betrachteten traditionellen Weihnachtslieder, gänzlich befreit vom falschen Pathos, gewissermaßen eine neue Identität an. Schon die Transformation in die besondere Satzstruktur und Klanglichkeit der Saxophonfamilie, noch mehr aber die große stilistische Bandbreite der eingewobenen Gegenwartsmusik und das Fehlen von Rhythmus- und Begleitinstrumenten erforderten vom Zuhörer eine Neuausrichtung gewohnter Hörweisen. Da war die Fußschelle von Wolfgang Eisele in „Jingle Bells“ nur noch eine leise Reminiszenz, die der kammermusikalischen Transparenz und dem strukturimmanenten Groove einen nur noch parodistischen Kontrapunkt setzen wollte.

Eingestreute Improvisationen lockerten die dichten Arrangements immer wieder auf. Neben dem Arrangeur an Sopran- und Altsaxophon traten vor allem Fritz Rebstein am Alt- und gelegentlich Helmut Stegen am Tenorsaxophon solistisch hervor. Eingefleischte Jazzfans dürften zwar weitgespannte, komplexe oder gar hochvirtuose Improvisationen vermisst haben, das Besondere manifestierte sich jedoch sinnfällig und unzweifelhaft in der abwechslungsreichen inneren Struktur der Songs in die sich mit „Soulige Weihnacht“ auch eine durchaus popmusiktaugliche Eigenkomposition Eiseles gemischt hatte.

Weit entfernt vom üblichen Geplätscher weihnachtlich-musikalischen Hintergrundrauschens erfordern die Songs von Carlas Saxaffair allerdings ein bewusstes Hinhören. Nur so lässt sich feststellen, dass der vorweihnachtliche Adventskranz aus vier Saxophonen auch mal fünf Kerzen trägt, gewohnte Stücke im ungewohnten 5/4-Takt stehen, sich gar polyrhythmisch realisieren oder auch, dass brave klassische Chorsätze in reharmonisierter Gestalt frech und frisch daherkommen. Trotz allem Hintersinn durchaus erfreulich war der jederzeit respektvolle Umgang mit den teilweise jahrhundertealten Melodien. Keine billige Ironie oder brachiales Umbrechen stellte gewachsene kulturelle Traditionen in Frage, ungewöhnliche Zugangsweisen und vielfach vergessene Traditionen, wie etwa die der musikalischen Parodie, wurden von Stefan Dudda mit großem pädagogischem Geschick in übergeordnete Zusammenhänge eingebettet und erklärt.

Text & Fotos: Helmut Schönecker

Carlas Saxaffair

Am 08.12.2017 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Ein Adventskranz mit vier Saxophonen? In die besondere Zeit vor Weihnachten, dem Advent, möchte Sie das außergewöhnliche Quartett Carlas Saxaffair begleiten.

Texte, Gedichte, Geschichten zur Weihnachtszeit verbunden mit eigen arrangierten und komponierten Weihnachtsliedern geben Ihnen Zeit zum Hören, Nachdenken, Fühlen, zur inneren Mission oder Ankunft.

Die modernen Arrangements des Saxophonisten Wolfgang Eisele versprechen ein innovatives Hörerlebnis. Ob Tochter Zion, Kommet ihr Hirten, Jingle bells , funky Bethlehem, …Weihnachtslieder erscheinen in einem neuen jazzigen oder klassisch sakralen Gewand, speziell harmonisiert, rhythmisiert und interpretiert.

Gedichte, kuriose Anekdoten, Gegebenheiten und Fakten rund um „Weihnachten“ und die Saxophonarrangements lassen es zu, in die ganze Bandbreite der schönen, emotionalen, stillen, lauten, glänzenden, klirrenden Weihnachts- und Adventszeit einzutauchen.

Stille Nacht? Saxophon total mit Carlas Saxaffair!

Ein sensibles Klang- und Rhythmus-Konzept mit 4 Soloinstrumenten, in dem auf Vorlagen und Schablonen völlig verzichtet wird, berührt und fasziniert das Publikum und die Presse:

„Carlas Saxaffair bewegt das Herz des Publikums“
„…Die Inszenierung war perfekt ..Und sofort war das Publikum in die Welt Carlas involviert. ..Ein Klang, der sensibel geformt wird, intuitiv ausgewogen und von einer hohen Perfektion beseelt ist.…Durch eine große Gefühlswelt ist das Publikum an diesem Abend gegangen, jubelnder Applaus dankte für das exzellente Hörerlebnis.“

Besetzung:
Wolfgang Eisele – Sopran Alto, Arrangement, Komposition
Helmut Stegen – Tenor
Fritz Rebstein – Alto
Stefan Dudda – Bariton, Text

Sehen – Hören –- www.carlas-saxaffair.de

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

24.11.2017: Haberecht 4

Haberecht 4 zu Dritt im Jazzkeller

Kerstin Haberecht unter Volldampf

BIBERACH – Als der Vierte im Bunde, der Wahlberliner Drummer Mathis Grossmann, eine knappe Stunde vor Konzertbeginn von Frankfurt aus im Biberacher Jazzkeller anrief, dass die Deutsche Bahn ihm satte vier Stunden Verspätung beschert, war die Aufregung um Kerstin Haberecht zunächst groß. Immerhin hatte man die CD „Essence“ vergangenes Jahr im Quartett eingespielt und ein Auftritt ohne Schlagzeug, nur im Trio, schien zunächst undenkbar. Gutes Zureden vom veranstaltenden Jazzclub, der Mut der Verzweiflung und eine kurze aber intensive Vorbereitungsphase haben die Trio-Premiere aber dann doch zu einem ungeahnten Überraschungserfolg werden lassen.

Der unermüdlich im perfekten Timing und in federnder Leichtigkeit groovende Kontrabassist Bastian Weinig und mit Nicolas Hering ein glänzend aufgelegter Pianist mit einer breiten stilistischen Ausdruckspalette und stupender Spieltechnik konnten vieles von dem auffangen, was üblicherweise der Mann am Drumset übernimmt. Dennoch verblieb für die Komponistin und Bandleaderin Kerstin Haberecht am Alt- und Sopransaxophon eine Mammutaufgabe. In Sachen Kondition und Konzentration stand sie ständig unter Volldampf und musste oft an ihre Grenzen oder gar darüber hinausgehen. Im Rückblick darf jedoch nur Positives konstatiert werden, das erzwungene Experiment hat sich dank der Professionalität der Musiker durchaus gelohnt und das Publikum begeistert.

Nicht nur die eher verträumten oder balladesken Stücke wie der mit einer wunderschönen mit dem Bogen gespielten Bassmelodie über dem gleichförmig tickenden Klavier eingeleitete „Schlafloser Februar“, die „Schöne Stille, Stille Schöne“ oder der erste Teil von „Metamollphose“ sondern auch die lebhafteren Teile oder Nummern wie „Machine“ gewannen durch  die Reduktion an Transparenz und Intensität. Weit gespannte Saxophonkantilenen, ausgedehnte und hochexpressive, teils auch hochvirtuose Soloimprovisationen in einem sorgfältig austarierten kontrapunktischen Geflecht mit den beiden sensibel reagierenden Mitakteuren erzählten pittoreske Geschichten oder musikalische Erinnerungen an außergewöhnliche Emotionen aus Haberechts persönlicher Erfahrungswelt. Mit den Originalen im Ohr fehlten hier und da vielleicht doch etwas die häufig klangmalerischen Beiträge des Schlagzeuges oder auch dessen treibender Groove. Vor allem fehlten aber Erholungsphasen für die verbleibenden Akteure, die somit beständig unter Feuer standen und gerade in den kontemplativen Teilen vielleicht dann doch nicht die gewohnte kontemplative Versenkung vermitteln konnten.

Aufgelockert durch einige Standards wie etwa Wayne Shorters vor allem von Miles Davis bekannt gemachten „Footprints“ oder auch ganz neuen Kompositionen, die erst auf der nächsten CD von Haberecht erscheinen werden, verging der Konzertabend gleichwohl viel zu schnell und machte dabei Appetit auf mehr. Der ebenso unmittelbare wie feinsinnige Personalstil Haberechts, frischer Modern Jazz der kommenden Generation, atmet eine große Natürlichkeit und bezieht genau daraus auch seine künstlerische Überzeugungskraft. Haberecht hat Recht und tut das Richtige.

Text und Fotos: Helmut Schönecker