Archiv – Jazzclub Biberach e.V.

08.06.2018: Organic News

Jazzclub mit Saisonabschluss nach Maß

Organic News rocken den Jazzkeller

BIBERACH – Temperament, Leidenschaft, überschäumende Spielfreude und ein begeistert mitgehendes Publikum ließen den Saisonabschluss des Jazzclubs mit der Trioformation „Organic News“ zu einem echten Highlight im Halbjahresprogramm werden. Sein ehemaliger Meisterschüler, der 25jährige Lukas Großmann, ersetzte den in den USA weilenden Martin Meixner und war kongenialer Partner der Jazz- und Funk-Urgesteine Klaus Graf und Michael Kersting. Gemeinsam ließen es die drei so richtig krachen und durften nach euphorischem Applaus der zahlreichen Gäste erst nach drei Zugaben von der Bühne.

Mit Stücken von der vor zwei Jahren produzierten CD „Organic News“ aber auch einer ganzen Reihe neuerer Eigenkompositionen von Großmann und Kersting sowie erfrischend unkonventionell arrangierten Titeln wie die Disconummer „Stayin‘ Alive“ von den Bee Gees, gestaltete das Trio um seinen künstlerischen Brennpunkt Klaus Graf ein mitreißendes Programm mit hohem Unterhaltungswert. Mit stimmungsvollen Titeln wie „Man From Mars“ – aus aktuellem Anlass dem deutschen Kommandanten der ISS, Alexander Gerst, gewidmet – oder auch dem groovigen „Psyclopes“ und „Full House“ entführte das Ausnahmetrio in entrückte Sphären voller Inspiration und Tiefe. Der einmal mehr von einer Uhl X3 Smooth und einem originalen Leslie Tonkabinett gelieferte legendäre Hammond B3-Sound von Lukas Großmann mischte sich bestens mit dem häufig auch elektronisch gedopten Saxophonsound. Dass der gefeierte Solosaxophonist der SWR Bigband, Klaus Graf, in der Tradition von Michael Brecker oder Bob Mintzer in seinem Trio eine digitale Klangfarben-Spielwiese gefunden hat, die ihm mittels Wah-Wah, Harmonizer und anderen Modulationseffekten sogar Wege in die Mehrstimmigkeit eröffnet, kommt dem druckvollen unter die Haut gehenden und dennoch variablen Bandklang in bester Soultradition zugute. Erfreulicherweise litt die Virtuosität und Dichte der Soloimprovisationen in keiner Weise unter den Soundspielereien.

Der Berliner Drummer Michael Kersting verstand es bestens, seine zupackenden und variantenreichen Grooves auch zur Stimulanz der Solisten einzusetzen. Ein ums andere Mal war er es, der neben motivierenden Zurufen und Sonderapplaus aus dem Publikum die brillanten Soli befeuerte, die Solisten zu Höchstleistungen trieb und die Stimmung zum Kochen brachte. Einige wenige Schlagzeugsoli zeigten, dass er hinter seinen Mitmusiker in nichts zurückstehen musste.

Unter Berufung auf einen seiner Schüler, den kürzlich zum Sieger im Wettbewerb um den internationalen Biberacher Jazzpreis gekürten Jakob Manz, dessen Version von Klaus Grafs Komposition „Game On“ auf Youtube bereits mehr Klicks hat als alle anderen seiner Kompositionen zusammengenommen, stellte Klaus Graf den Biberachern seine eigene Trioversion vor. Etwas unterkühlter und reifer mit noch differenzierterer Virtuosität, Präzision und Transparenz klang das Original, vom fehlenden Basspart einmal abgesehen, doch noch einen Tick souveräner und überzeugender als die Wettbewerbsversion des hochbegabten Schülers.

Text: H. Schönecker / Fotos: H. Schönecker

Organic News

Am 08.06.2018 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Avant – Groove – Blues – Soul – Funk

Die mit Klaus Graf, Martin Meixner (live durch Lukas Grossmann vertreten) und Michael Kersting prominent besetzte Trioformation ORGANIC NEWS legte 2016 mit GAME ON ihr erstes gemeinsames Album vor. Drei Ausnahmemusiker präsentieren darauf Eigenkompositionen sowie Arrangements und spannen dabei einen genreübergreifenden Bogen von Ornette Coleman bis David Sanborn und Peter Bernstein, von Joni Mitchell bis Sting und JayZ. Authentischer Vintage Sound, furioses Zusammenspiel der Klangfarben von Altsaxofon, Hammondorgel und Schlagzeug, erweitert durch den Einsatz elektronischer Effekte beim Saxofonsound: It‘s cooking, it‘s steaming, it‘s hot and organic!!!

Klaus Graf (Professor für Jazzsaxofon an der Musikhochschule Nürnberg und Solo-Saxofonist der SWR Bigband) gilt (u.a. laut Sammy Nestico, 2007) als einer der weltbesten Altsaxofonisten. Neben seinen beiden „Hauptberufen“ spielt er gerne mit seiner Band ORGANIC NEWS und hat dazu vor knapp zwei Jahren auch das erste Album GAME ON produziert. Mit diesem, seinem Lieblingsprojekt gastiert er nun im Biberacher Jazzkeller. Mit dem in Berlin lebenden, gebürtigen Stuttgarter Schlagzeuger Michael Kersting verbindet ihn eine langjährige persönliche und musikalische Freundschaft. Lukas Grossmann schätzt Klaus Graf als tollen jungen Pianisten und Hammond-Spezialisten.

Die Verwendung von elektronischem Equipment beim Saxofonspiel geht auf Grafs Begeisterung über Michael Brecker und Bob Mintzer zurück, welche diese Klangerweiterung bereits in den 1980 Jahren mit großem Erfolg praktizierten. Über einen seiner Söhne flossen auch Inspirationen von Robert Glasper, Snarky Puppy und The Mars Volta in seinen Saxofonsound ein. ORGANIC NEWS stehen für Avant, Groove, Blues, Soul und Funk und werden den Jazzkeller garantiert zum Kochen bringen.

Interesting take on the organ trio format – I enjoyed the music! (Bob Mintzer)
Klaus Graf ist für mich der most funky player!!! A true SOULMAN!!! Die Platte ist wild und voller guter Vibes und Roots! Und die wilden Kerle Martin Meixner und Michael Kersting kochen Soulfood! Album holen, anschalten und lostanzen!! Absolutes Must-have! (Joo Kraus)

Besetzung:
Klaus Graf – alto sax
Lukas Grossmann – hammond organ
Michael Kersting – drums

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

04.05.2018 Stadt der Musik (Telawi/Georgien)

Auftritt der georgischen Band „Stadt der Musik“ im Jazzkeller im Rahmen des 30-jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft Biberach – Telawi

Besetzung:
Rusudan Manveli (voc, keyb, git)
Mirsa Bochorishvili (git)
Mikheil Chitashvili (b)
Giorgi Khucishvili (dr)

Fotos: Wolfgang Volz

Konzert mit der Gruppe „Stadt der Musik“ aus Telawi

Am 04.05.2018 um 20:30 Uhr

Ort: Biberach an der Riss, Jazzkeller

Beschreibung
Am Freitagabend um 20:30 Uhr tritt „Stadt der Musik“ im Biberacher Jazzkeller auf. Die Musiker stammen aus Biberachs Partnerstadt Telawi. In der Gruppe spielen neben erfahrenen Musikern, wie Bandleader Guram Sulkhanisshvili, auch junge Nachwuchstalente mit. Ihr Repertoire umfasst alles, was den Musikern gefällt, es wechseln sich georgische Melodien mit westlichen Rock- und Popsongs und auch Jazz-Standards ab, alle Songs interpretiert im Stil der Telawier „Stadtmusikanten“. Das Konzert im Jazzkeller wird gemeinsam vom städtischen Kulturamt, dem Telawi-Ausschuss im Städte Partner Biberach e.V. und dem Jazzclub Biberach e.V. veranstaltet. (Der Eintritt beträgt einheitlich 13 Euro).

Stadt der Musik – Music Town

Am 04.05.2018 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung

Georgische Lieder und westliche Rock- und Jazz-Klassiker zum Jubiläum

Zum 30-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Telawi und Biberach tritt die georgische Band „Stadt der Musik“ am Freitag, den 4. Mai, um 20:30 Uhr im Biberacher Jazzkeller auf. Die acht Musiker stammen aus Biberachs Partnerstadt Telawi. In der Gruppe spielen neben erfahrenen Musikern auch junge Nachwuchstalente mit. Ihr Repertoire umfasst alles, was den Musikern gefällt, es wechseln sich traditionelle und moderne georgische Weisen mit westlichen Rock- und Popsongs als auch Jazz-Standards ab, alle Songs interpretiert im Stil der Telawier „Stadtmusikanten“.
Das Konzert wird gemeinsam vom Städtischen Kulturamt, dem Telawi-Ausschuss im Städte Partner Biberach e.V. und dem Jazzclub Biberach e. V. veranstaltet.

Eintritt 13 €, keine Ermäßigungen
Keine Platzreservierung, kein Kartenvorverkauf, Abendkasse und Theke ab 19:45 Uhr geöffnet.

27.04.2018: The Mband

Biberacher „The Mband“ vermittelt viel Freude

Superstimmung mit Gabriel Mbanda im ausverkauften Jazzkeller

BIBERACH – Voller Elan und vor übervollem Hause läuteten die Local Heroes der „The Mband“ in internationaler Besetzung einen beschwingten Konzertabend im Jazzkeller ein, mit African Soul, Funk, Salsa, Blues, Jazz und unbändiger Spielfreude. Gabriel Mbanda, in Biberach lebender, gebürtiger Kameruner Komponist, Sänger und E-Bassist, hat mit dem aus Peru stammenden Wahlbiberacher Perkussionisten Cesar Gamero, dem aus der Region stammenden Samuel Erb am Drumset und dem Jazzpianisten Joe Fessele, ebenfalls kein Unbekannter in Biberach, ein faszinierendes Projekt begründet. In bestem Deutsch erläuterte Mbanda die Hintergründe seiner Kompositionen und animierte ein begeistertes Publikum ein ums andere Mal sogar zum Mitsingen.

Grundlage der beseelten und authentisch wirkenden Kompositionen von Gabriel Mbanda waren häufig Lieder aus seiner alten Heimat, gesungen mit sympathischer und dabei äußerst wandelbarer Stimme in der Originalsprache oder auf Englisch. Ein „Lolodorfer Blues“ – der Name der 45.000 Einwohner-Stadt im Südwesten Kameruns geht, nach Gabriel Mbanda, noch auf die mit unguten Erinnerungen verbundene Kolonialzeit zurück – groovte im flotten Funkrhythmus, viele weitere Stücke wie „Nenn“, „Nasibi“ oder „Massoma“ waren durch lateinamerikanische Rhythmen geprägt. Besonders Cesar Gamero erstaunte immer wieder durch hochdifferenzierte, mehrschichtige Rhythmen, die er in gewohnter Zurückhaltung und dadurch äußerst banddienlich einer riesigen Batterie an entsprechendem Equipment entlockte. Nur bei gelegentlichen Soli trat er aus dem Schatten seiner Mitspieler hervor und ließ seiner Leidenschaft ungebremsten Lauf.

Im Titel 360° hing auch musikalisch „alles mit allem zusammen“: Weltmusik par excellence vom ehemaligen Gewinner des „World Music Awards“. Ein Konglomerat aus verschiedenartigen Rhythmen, zusammengehalten vom äußerst präzise agierenden Drummer Samuel Erb und geprägt durch knackige, hochvirtuose Slaptechnik von Gabriel Mbanda am E-Bass, ganz im Stil von „Drum & Bass“, pulsierte als hochenergetisches Gemisch durch den Äther, immer wieder auch angefeuert durch kubanische Piano-Licks vom Pianisten Joe Fessele. Fessele, der neben eigenen Projekten hier zwar nur als „Sideman“ antrat, spielte sich demgemäß nicht in den Vordergrund, hatte aber sichtlich Spaß am Geschehen und setzte mit gelegentlichen Improvisationen herausragende und vielumjubelte Akzente.

Ein ausgewogener, transparenter Band-Sound, äußerst abwechslungsreiche Kompositionen und überzeugende Arrangements, hohe Emotionalität und eine geschickte Dramaturgie ließen einen über dreistündigen Konzertabend mit viel Szenenapplaus in Windeseile vergehen. Schade für viele Fans, dass man diese Musik (noch) nicht als CD mit in den Alltag nehmen kann. Umso mehr Grund dazu, kein Konzert dieser „The Mband“ zu verpassen.

Text: Helmut Schönecker
Fotos (Galerie): Helmut Schönecker
Foto (Beitragsbild): Wolfgang Volz