Jazzclub Biberach e.V.

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Der Biberacher Jazzpreis ist ein international ausgeschriebener Preis für den Jazznachwuchs.

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Im Archiv finden Sie Ankündigungen und Kritiken von fast allen Konzerten seit der Jahrtausendwende.

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Knudsen Fessele Streit Trio

Am 03.02.2023 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
„Peace, please!“ ist das aktuelle Leitmotiv des Knudsen-Fessele-Streit-Trios, das zum wiederholten Male im Biberacher Jazzkeller gastiert. Das eingespielte Trio hat heuer eine Stückauswahl in seinen Instrumentenkoffern, die sich immer wieder um das nicht immer friedliche Zusammenleben von Menschen dreht. Es geht um Kommunikation, Liebe und Gefühle in verschiedenster Weise, ganz nach der Maxime „Make Jazz, not War“. In all seinen Facetten soll dies aber ganz friedlich auf unterhaltsam-kurzweilige Weise dargestellt werden. Dabei erzählt Knudsen auch mal die eine oder andere interessante Geschichte zur Musik. Die Vielseitigkeit des Trios zeigt sich in coolen Swingtiteln, gekonnt gesungen von Knudsen, oft auch mit Streit im Duett. Lieblingstücke, die auch mal im heißen Latinogewand daher kommen und sich mit nordisch-sphärischen Balladen abwechseln.

Lea Knudsens Gesang hat schon viele Menschen begeistert und berührt. Ihre Leidenschaft für die Jazzmusik fand sie bereits als Kind im Jazzclub ihres Vaters in Dänemark. Später spielte sie in verschiedenen Formationen in Kopenhagen. Jazzpianist und Arrangeur Joe Fessele verbindet gekonnt die Kunst des Jazzklaviers mit variantenreichem Spiel und eigenem Stil. Er studierte Jazz und Weltmusik in Bern und Rotterdam. Saxofonist, Flötist und Sänger Norbert Streit glänzt mit einzigartiger Bühnenpräsenz und Wortwitz und war ebenfalls Student an der Berner Swiss-Jazzschool.

Zusammengewachsen ist das kreative Kollektiv durch unzählige Auftritte in Jazzclubs, Kultureinrichtungen und Open-Airs. Wie beim Jazz so üblich, wird ganz friedlich interagiert, gekonnt arrangiert und leidenschaftlich improvisiert.

20.01.2023: Rolf Richie Golz Trio

Rolf Richie Golz Trio im ausverkauften Jazzkeller

Fulminanter Start in die Heimattage-Reihe des Jazzclubs

Ein fulminantes Konzert im Rahmen der Heimattage 2023 bescherte vor ausverkauftem Saal das Trio des Biberacher Urgesteins und Ausnahmepianisten Rolf Richie Golz. Zusammen mit seinen beiden Mitstreitern Gero Gellert am E-Bass und Matthias Daneck am Schlagzeug – beide auch mit Biberacher Wurzeln – startete die Band nach einer launigen Einführung des Bandleaders mit dem Song „Little Moment“ gleich so richtig durch, um die zunächst spürbare Anspannung auf der Bühne zu vertreiben und mit Romantic Jazz at its best und einem virtuos gespielten Bass-Solo schon nach wenigen Minuten den ersten Szenenapplaus des Publikums einzuheimsen. Weiter gings mit „Crazy man“ (wie schon die erste Nummer und die meisten noch folgenden eine Komposition von Golz), in welcher sich das Trio dann schon sehr eingegroovt präsentierte und mit Genuss ein wenig Kakofonie und Anleihen am Free Jazz zelebrierte. Ausnahme-Drummer Daneck zog hier schon mal alle Register der Trommel- und Beckenbearbeitung und es wurden sämtliche Facetten der Dynamik aufgegriffen. Rasend schnelle Unisono-Läufe, welche alle auf dem Punkt endeten, ließen schon jetzt die Stimmung im Saal erheblich ansteigen. Die dritte Nummer wurde von Golz als „Heimatlied“ angekündigt. Die Idee zu „Nowhere“ kam ihm beim Spaziergang bei Ampfelbronn (oder wie der Schwabe sagt: im „Ogreachata“). Auch hier dann wieder der sehr spannende musikalische Kontrast zwischen laut und leise, harmonisch und dissonant, adagio und allegro, sparsam und volles Register. Mit „Summer in Norway“ gelang dem Trio ein gelungenes akustisches Bild der skandinavischen Landschaft und bei geschlossenen Augen konnte man die Fjorde regelrecht an sich vorbeiziehen sehen. Die mit allen Wassern gewaschenen Instrumentalisten vermochten – wie bei allen Stücken eigentlich – aus der Minimalbesetzung der Combo ein Maximum an Ausdruck aus sich herauszuholen. Der „Tanz in den Mai“, von Gellert komponiert, begann mit einem starken Bass-Solo, dezent mit Hall verfeinert und ebenfalls einen Kontrast zum Trio-Spiel setzend. „The Chance“, eine ältere Komposition von Golz aus den 80ern bot den Zuhöhrern feinstes Zuspielen von Melodiefragmenten zwischen Bass und Piano und mit „Jazzy Chocolate“ ging es beschwingt à la Sonny Rollins in die Pause.

Mit dem gleichnamigen Stück, inspiriert vom französischen Pyrenäendorf namens „Estialescq“ wurden dann kongenial wieder musikalische Bilder erzeugt, die einen sofort in die Berglandschaft zwischen Frankreich und Spanien versetzten und gelegentlich klang hier der großartige Lyle Mays durch. Beim Umschreiben der „schwäbischen Mentalität“ kam Golz die Idee zu „However“, welches pianistisch auch stark an Bruce Hornsby einnerte. Sehr emotional wurde es bei „Song for my Father“. Hier konnte Gellert einmal mehr den warmen und weichen Klang seines Höfner-Basses sehr nah an den Sound eines Fretless-Bass bringen. Das – fast schon obligatorische – Schlagzeugsolo wurde dann in die nächste Kompositon „Dance with the Eleven Eights“ integriert. Einmal mehr zeigte Daneck auf Weltklasseniveau (er spielt nicht umsonst seit Jahren in der Band von Ute Lemper) seine Mühelosigkeit bei der Meisterung dieser rhythmisch (11/8tel) äußerst anspruchsvollen Hürde. Louis Bellson, Gene Krupa & Co. hätten ihre wahre Freude daran gehabt. Die einzige Komposition aus der Feder von Daneck war dann „What without the beauty within“, die einen ungewöhnlichen Mix aus Bossa, House und Romantic Jazz mit Nuancen von Klassik zum Erklingen brachte.

„Seven dreams“ als erste Zugabe, sowie danach noch „My Song“ (comp. Keith Jarrett) als „Rausschmeißer“ ließen nach minutenlang anhaltendem Applaus den Abend im Jazzkeller für alle Beteiligten sehr gelungen enden. Da das Konzert in Bild und Ton aufgezeichnet wurde, darf man sich als Zuhörer schon jetzt auf eine Veröffentlichung dieser Performance freuen.

(Nachbericht von Peter Zoufal, Fotos von Wolfgang Volz)

Vogelfrei-FM

Am 10.02.2023 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Die Biberacher Brüder Alex und Jochen Vogel (Bass und Gitarre), der einheimische Schlagzeuglehrer Markus Merz sowie der peruanische Perkussionist und Wahlbiberacher Cesar Gamero bilden das Quartett „Vogelfrei-FM“. Und die Musik der Combo ist tatsächlich vogelfrei… wild, unbeugsam, bunt, listig, unberechenbar, dreckig, ungehobelt, romantisch, charmant, virtuos, entspannt und witzig! Ein Kernelement sind dabei eingängige Melodien gepaart mit atemberaubenden Grooves. Wenn man eine Stil-Schublade öffnen will, findet man alles zwischen Fusion, Latin, Funk, Jazz, Blues, Klassik, Flamenco und Worldmusic. Die Musiker, die trotz räumlicher Nähe erst kürzlich zusammengefunden haben, verschmelzen hier jahrzehntelange Erfahrung in diesen so heterogenen Bereichen zu einer außergewöhnlichen Einheit.

02.12.2022: Barbara Jungfer Trio

Barbara Jungfer Trio mit „Jazz goes Folk – Folk goes Jazz“

Querfeldein durch die deutsche Volksliederlandschaft

BIBERACH – Mit einer edlen, in Jazz und Rock gleichermaßen angesagten Deimel-Gitarre aus deutscher Produktion, gelegentlich auch rockig mit Verzerrer gespielt, sowie mit einem ebenso angesagten Fender-Röhrenverstärker gastierte die blondgelockte, in München lebende „Berliner Göre“, die schon in Klaus Doldingers (Tatort-Titelmelodie, Das Boot) legendärer Band „Passport“ mitgewirkt und Tourneen um die ganze Welt gespielt hat, im Biberacher Jazzkeller.  Die renommierte Jazzgitarristin, die den Blues gewissermaßen im Blut hat und die im urbanen, multikulturellen Hexenkessel der Großstadt zuhause ist, überraschte – mit bodenständigen deutschen Volksweisen. Der Brückenschlag zwischen den deutschen Volksliedern und dem Jazz überzeugte jedoch rundum, setzte ganz neue Energien frei und stieß beim Biberacher Publikum auf große Resonanz. Zum einhelligen Bedauern der Musikerin und ihrer zahlreichen neuen Fans kommt die neu produzierte CD „Folksongs“ leider erst Anfang nächsten Jahres auf den Markt.

Ein konzertanter Besuch im Senegal vor vielen Jahren, bei dem die afrikanischen Zuhörer sich auch nach deutscher Folklore erkundigten, ließ nach Jungfers Worten spontan eine erste Improvisation über ein deutsches Volkslied entstehen und wurde damit zur Initialzündung für das aktuelle Projekt. Die bekannten Melodien im Ohr, hatte das konzentriert lauschende Publikum meist wenig Mühe, die jeweilige Vorlage zu erkennen. Umso interessanter war es, die musikalische Verarbeitung der alten Ohrwürmer zu verfolgen. Blues- und jazztypisch rhythmisiert, ungewöhnlich phrasiert, harmonisch verfremdet und klanglich aufbereitet, entfalteten die altbekannten Melodien einen ganz neuen Reiz, wirkten frisch und unverbraucht. „Die Gedanken sind frei“, lautete der erste Titel und erwies sich als Leitlinie für das folgende Programm. Im Verlassen eingefahrener Bahnen, im Neudenken der Tradition liegt die eigentliche Freiheit und gerade die Freiheit im Umgang mit seinen Sujets ist auch der Markenkern des Jazz. Das Motto der Projektes: Jazz goes Folk, Folk goes Jazz wurde damit unmittelbar sinnfällig.

Einen durchaus willkommenen Gegenakzent setzten die eingestreuten, ebenfalls durch einprägsame Melodien durchzogenen Eigenkompositionen der Bandleaderin. Ohne konzentriert auf das Erkennen folkloristische Wurzeln achten zu müssen, konnten sich die Zuhörer mit geschlossenen Augen entspannt zurücklehnen und auf den Schwingen von Barbara Jungfer in exotische Gefilde entschweben. Der Einsatz von charakteristischen Folklore-Instrumenten wie Rahmentrommel, Maultrommel oder auch Kuhglocke durch den quirligen Jazzdrummer Stefan Noelle etwa in der Eigenkomposition „Alpenklang“ sorgten auch in diesem Fall für das folkloristische Kolorit und den Programmzusammenhalt.

Sonor groovend am Kontrabass war die Stuttgarter Karoline Höfler nicht nur für das harmonische Fundament des Trios zuständig. In ausgedehnten Improvisationen, oft auch im Dialog mit Barbara Jungfer, übernahm sie durchaus auch melodische Aufgaben. Besonders stimmungsvoll geriet dabei etwa die im Flageolett in hoher Lage gespielte Melodie von „Der Mond ist aufgegangen“. Durchaus melodisch spielte aber auch der Münchner Stefan Noelle am erweiterten Schlagwerk. Fein aufeinander abgestimmte Becken, oft auch tonmalerisch eingesetzt, eine auf den Kontrabass und die jeweilige Tonart eingestimmte Rahmentrommel und generell eine, die Struktur der Stücke akzentuierende, meist dezent energisierende Spielweise gingen weit über eine bloße Rhythmusbegleitung hinaus und fügte sich organisch ins Bandkonzept.

Bereits in „Tubi Fish“, der ersten von insgesamt drei, teilweise frei improvisierten Zugaben, ließen die drei Künstler ihrer Spielfreude ungebremsten Lauf und die Stimmung kulminieren. Gerne hätte man dieser Wohlfühlmusik auch noch länger gelauscht.

Text und Fotos: Helmut Schönecker