Jazzclub Biberach e.V.

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23.02.2018: B3

Fusion-Jazz lockt viele Besucher in den Biberacher Jazzkeller

Der Auftritt der Jazzrock-Band „B3“ aus Berlin – zu Recht von der Band selbst als „Finest Fusion“ angekündigt – sorgte am Freitag für einen vollen Jazzkeller. Die meist sehr eingängige Mischung aus Rock und Jazz mit Einflüssen aus Soul, Funk und Blues wurde angereichert durch virtuose Soli auf Hammond-Orgel und Keyboards (Andreas Hommelsheim) und E-Gitarre (Ron Spielman, der sich bei einigen Stücken auch als Sänger als Ausnahmekünstler erwies) und angetrieben vom Groove der Rhythmussektion mit Christian Krauss am Bass und Lutz Halfter an den Drums.

Die Instrumentalstücke stammten überwiegend von dem als Filmmusikproduzent erfolgreichen Andreas Hommelsheim, der in seinen Ansagen auch den Anstoß lieferte zu Traumreisen beispielsweise an den Strand von Kolumbien oder zu Kamelkarawanen in der Wüste, auch Szenen seiner ersten Ehejahre wurden musikalisch umgesetzt.

Begeistert waren am Ende sowohl das Jazzclub-Stammpublikum als auch viele Musikliebhaber, die man sonst eher bei Rockkonzerten antrifft und die den Weg in den Jazzkeller teilweise wohl zum ersten Mal gefunden haben. Die mittlerweile 3 CDs der Berliner Musiker fanden großen Absatz, vielfach auch gleich im Dreierpack.

Fotos: Wolfgang Volz

Jochen Feucht Trio

Am 02.03.2018 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Luftig-filigraner Kammerjazz

Mit seinem siebten Album LIGHT PLAY stellt der Saxophonist und Klarinettist Jochen Feucht sein neues Trio in ungewöhnlicher Besetzung vor: in dem Vibraphonisten Dizzy Krisch und dem Gitarristen Günter Weiss hat Feucht kongeniale Mitstreiter für seine Musik gefunden. In traumwandlerischem Zusammenspiel entsteht luftig-filigraner Kammerjazz – meditativ und gleichzeitig aufregend; einfach schön und doch komplex; virtuos und dabei stets unaufdringlich. Neun der zehn Titel auf LIGHT PLAY sind Eigenkompositionen von Feucht, auf zweien von ihnen ist als Gast der in Kalkutta lebende Tabla-Spieler Suman Sarkar zu hören.

Jochen Feucht, der bei LIGHT PLAY auch auf Bassetthorn und Flöte zurückgreift, hat seine Kompositions- und Spielweise konsequent weiterentwickelt und hat doch seit langem seinen Stil gefunden und ist ihm treu geblieben. Das Laute, Effekthascherische ist ihm dabei nach wie vor fremd. In der ihm eigenen persönlichen Bescheidenheit und Zurückhaltung liegt auch musikalisch seine Stärke: Niemals will und muss Feucht der Schnellste, der Stärkste, der Größte sein und gerade dadurch erlangt seine Musik Reife und Gelassenheit – und zwar sowohl beim Schreiben als auch in der Performance. Wie schon die letzten unter seinem Namen erschienenen Alben („Open Time“/2006, „Por Toda Minha Vida“/2009 und „Conversations“ mit Olaf Polziehn/2010) lässt sich auch LIGHT PLAY nicht ohne weiteres in Schubladen stecken: Feucht spielt souverän mit den Genres und Stilen. Hier sind wunderbar unverkopfte Melodien, die auch aus einem Popsong stammen könnten, dort finden sich klassisch anmutende Anleihen und dann wieder ein Flirt mit Sounds aus der Weltmusik. Die Musik seines Trios bleibt stets klanglich offen und dabei trotzdem (oder gerade deswegen) vor allem immer eines: „echter“ Jazz.

Der in Tübingen lebende Dizzy Krisch zählt heute zu den großen Vibraphonisten der europäischen Jazzszene und ist bei zahlreichen CD-, Hörfunk- und Fernsehproduktionen vertreten. Seine stilistische Vielfalt erstreckt sich vom „Klassischen Jazz“ bis hin zu experimenteller Klang-und Improvisationskunst, aber auch bis in die moderne Auseinandersetzung mit der barocken und klassischen Musik.

Der Stuttgarter Gitarrist Günter Weiss hat seine Wurzeln in der Folklore, der Klassik, dem Blues und dem Rock. Er ist heute als gefragter Solist und Begleiter in den unterschiedlichsten musikalischen Universen zuhause. Ein Schwerpunkt seines Schaffens war jedoch immer der Jazz. Lehrtätigkeiten und Gastprofessuren, Konzertreisen und Kompositionsarbeiten führten ihn um die ganze Welt.

www.jochen-feucht.de/

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

02.02.2018: Nicole Johänntgen ‚Henry‘

Alte Jazz-Traditionen frech modernisiert

Nicole Johänntgen setzt neue Standards

BIBERACH – New Orleans Jazz mit Respekt aber ohne nostalgische Verklärung verarbeitet, belebt und aufgefrischt, aus dem Geist der Gegenwart neu überdacht, beseelt und mit überschäumender Spielfreude in eine authentische, überzeugend avantgardistische Form gegossen und damit neue Standards gesetzt hat Nicole Johänntgen mit ihrem schwedisch-deutsch-schweizerischen Quartett und ihrem aktuellen Programm „Henry“ beim Freitagskonzert des Jazzclubs im ausverkauften Jazzkeller.

Traditionellen Jazz ohne Geschichtsvergessenheit augenzwinkernd für die Gegenwart fruchtbar gemacht, inspiriert durch einen Besuch in der alten Jazzmetropole am Golf von Mexiko während eines halbjährigen Studienaufenthaltes in New York, hat die in Zürich lebende Saxophonistin und Komponistin auf der ihrem Posaune spielenden Vater Heinrich „Henry“ Johänntgen gewidmeten gleichnamigen CD. Fast greifbar wurde der Geist dieser Zeit über die vielen Jahrzehnte hinweg etwa im tieftraurig beginnenden Titel „Slowly“, der die vielzitierte Szene einer Prozession anlässlich der Beerdigung eines lieben Freundes heraufbeschwor. Obwohl sich, entgegen der ursprünglichen Tradition das Tempo auf dem Rückweg vom Friedhof nicht plötzlich änderte, blitzte doch in den virtuosen rhythmischen Passsagen des Schlagzeugs (Clemens Kuratle) immer wieder die Lebensfreude der Hinterbliebenen auf.

Hoch motiviert, voll konzentriert, mit hör- und sichtbaren Entzücken und unbändigem Spaß bis zur Selbstvergessenheit besonders in Titeln wie „Tanzbär“ oder „The Kids from New Orleans“, hier auch mit einer faszinierenden, hochvirtuosen Tuba-Improvisation von Jörgen Welander. Unter Verwendung der von Jazzlegende Albert Mangelsdorff entwickelten Technik des mehrstimmigen Spiels durch gleichzeitiges Hineinsingen ins Instrument verblüffte Welander ebenso wie der ihm auch darin in Nichts nachstehende Schweizer Posaunist René Mosele. Ob in bluesartig schwermütigen Titeln wie „Oh Yes My Friend“ mit kollektiven Improvisationen und typisch dreistimmigen Melodiepassagen, in tief melancholisch im larmoyanten Tonfall gehaltenen Titeln wie „They missed love“ oder in der als Hommage an „Nola“ eingefangenen heiteren Lebhaftigkeit und Leidenschaft der Jazzmetropole – immer war der respektvolle Umgang mit den Stilvorlagen spürbar.

Im zweiten Set schaukelte sich die wechselseitige Begeisterung von Musikern und Publikum schließlich zu einer ungeahnten Intensitätssteigerung auf, bei eifrig wippenden Füßen, Szenenapplaus und stimulierenden Zurufen war der berühmte Funke unverkennbar übergesprungen. Zwei von Johänntgen mitgebrachte völlig neue Kompositionen, noch mit Arbeitstiteln wie „Funky 2“ oder „Die weite Sicht“ versehen und gewissermaßen druckfrisch, wurden vor einem euphorischen Publikum zur Uraufführung gebracht und sofort begeistert gefeiert. Leidenschaftliche Improvisationen zwischen Saxophon und Posaune rissen auch hier die zahlreichen Gäste immer wieder zu Beifallsstürmen hin. Natürlich durfte die Topformation am Ende des kurzweiligen Konzertes nicht ohne eine Zugabe von der Bühne. Mit Arthur Blythes „One mint Julep“ erklang die einzige Fremdkomposition des Abends. Viele überzeugte Fans schleppten anschließend noch reihenweise handsignierte CDs mit nach Hause und Nicole Johänntgen hat wohl in Biberach erneut viele frische Follower gefunden.

Text & Fotos: H. Schönecker