Jazzclub Biberach e.V.

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Der Biberacher Jazzpreis ist ein international ausgeschriebener Preis für den Jazznachwuchs.

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Peter Autschbach TA2

Am 23.02.2024 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

Instrumentale „Vielsaitigkeit“ – in Form von organisierter Unabhängigkeit und treibendem Groove in der Tradition legendärer Fusion-Bands wie Return To Forever, John McLaughlin’s Mahavishnu Orchestra oder den Dixie Dregs loten die vier Musiker um den renommierten Jazzgitarristen Peter Autschbach mit ihrem Können und ihrer Spielfreude die Grenzen von Rock, Pop und Jazz aus. TA2 präsentiert seine akustischen Wanderungen durch die Musiklandschaften in einem eigenen, wiedererkennbaren Gruppensound. In einer erstklassigen Besetzung lässt er seinem herausragenden Jazz-Rock-Spiel freien Lauf. Die aus Belarus stammende Violinistin Marta Danilkovich veredelt mit präzisen Läufen meisterlich das Klangbild. Mit sauberen Unisono-Läufen zwischen Gitarre und Geige, komplexen Drum-Solos von Jan Melnik und Nico Deppisch am knackigem E-Bass besticht Autschbachs neue Band mit unglaublicher Musikalität und Frische.

Besetzung:

Peter Autschbach (git)
Marta Danilkovich (vl)
Jan Melnik (dr)
Nico Deppisch (b)

www.ta2.de

Eintritt: 22 Euro, Jazzclub-Mitglieder 18 Euro, Studierende 10 Euro,
freier Eintritt für Biberacher Schülerinnen und Schüler

02.02.2024: Hübner-Kraus-Hübner Trio

Jazzkonzert zu Ehren von Richie Beirachs 75. Geburtstag

Musikalisches Testament mit Freunden

BIBERACH – Gleich zur Eröffnung des eigentlich zusammen mit dem amerikanischen Weltklasse-Pianisten Richie Beirach geplanten Konzertes gewährte das ungewöhnliche Trio aus Joo Kraus und den Brüdern Gregor und Veit Hübner einen unverstellten Blick in den „Werkzeugkasten“ eines Jazzmusikers. Im nahezu ausverkauften Jazzkeller sprühten die drei befreundeten Musiker, die in dieser speziellen Konstellation im Jazzkeller eine Uraufführung hinlegten, geradezu vor Energie. Galt es doch den erkrankten Richie Beirach, mit dem die Hübners (Violine und Kontrabass) zu dessen 75. Geburtstag eine Tripel-CD mit dem Titel „Testaments“ produziert hatten, hochkarätig zu ersetzen.

Die Suche nach einem kurzfristig verfügbaren Pianisten aus der selben Liga blieb leider vergeblich, der befreundete Trompeter Joo Kraus aus Ulm hatte jedoch zufällig Zeit und Lust in dieser so ungewöhnlichen Konstellation aufzutreten, er hatte den Mut oder die Chuzpe auch auf für ihn neuen, ungewohnten Pfaden zu wandeln. Galt es doch, Kompositionen, die ursprünglich für Violine, Klavier und Kontrabass konzipiert waren ohne Anlauf in neuer Besetzung umzusetzen. Unvermittelt konnten die erstaunten Besucher jetzt erleben, dass der renommierte Jazzgeiger Gregor Hübner seine Violine auf dem Flügel parkte und als veritabler Pianist und ehemaliger Klavierschüler von Richie Beirach selbst in die Tasten griff. Die Melodie übernahm dann etwa Joo Kraus an der Trompete, wenn er diese nicht gerade durch diverse Perkussionsinstrumente, Congas, Beatboxing oder wie seine beiden Mitstreiter mit einer ganzen Batterie virtuos gehandhabter elektronischer Helferlein via Fußpedal oder auch durch einen Wechsel an den Flügel ersetzte. Damit brachte er nicht nur spielerische Abwechslung ins Geschehen, er machte so auch ein manches Mal den Weg für Gregor Hübner frei, der dann auf der Violine zeigen konnte, wo seine wahre Leidenschaft liegt. Mit Hilfe der versiert eingesetzten Elektronik entstand immer wieder der Eindruck, es stünde ein ungleich größeres Ensemble auf der Bühne.

Eine der unzähligen Definitionen des Jazz bezieht sich auf die Freiheit, alles wegzulassen, was einem nicht passt (oder das, was eben gerade nicht geht). Ebendies konnte gleich zu Beginn des Konzertes beim Blick in den „Werkzeugkasten des Jazzmusikers“ in Echtzeit beobachtet werden. Die konstruktive Dekonstruktion des bekannten Jazzstandards „Equinox“ von John Coltrane und das kreative und gleichermaßen virtuose Spiel mit dessen Einzelteilen glich der Aufwärmphase eines Profisportlers vor dem großen Einsatz. Als eine der wenigen Fremdkompositionen des Abends gab sie den frühen Hinweis auf ein überaus spannendes, abwechslungsreiches künstlerisches Techtelmechtel zwischen den Musikern. Es folgten in ästhetisierter Form politische Kommentare in „Angry Times“, ein faszinierendes Kontrabass-Solo über ein persönliches Erlebnis von Veit Hübner oder eine ergreifende Elegie auf die kürzlich verstorbene „Heike“. Der musikalische Herzschlag Afrikas in „African Heartbeat“ pulsierte neben quirligen „Impressionen aus Brooklyn“. Indische und lateinamerikanische Einflüsse, Anklänge an die klassische Moderne sowie zahlreiche spontane Ingredienzien kombiniert mit einer gehörigen Portion Spielfreude und Spielwitz kennzeichneten ein reichhaltiges und hochkarätiges Programm, gewissermaßen in historischer Einmaligkeit. Gegen Ende des offiziellen Teiles widmete das spontan gebildete Trio mit dem von ihm komponierten „Sunday Song“ und „Cape of good Hope“ auch noch explizit eine Hommage an den erkrankten Richie Beirach.

Gregor Hübners Kompositionen, oft ursprünglich für sein eigenes Streichquartett komponiert, nahmen in dieser Besetzung ganz neue Gestalt an, kamen frisch und ungeniert im neuen Gewand daher. Veit Hübners Kompositionen, besonders ein ausgedehntes Solo nach der Pause oder sein „Lied für Heike“ gingen in ihrer Intensität unter die Haut. Bei dem experimentell angehauchten musikalischen Abenteuer der befreundeten Musiker kam ein in jeglicher Hinsicht originelles und unvergleichliches Programm heraus. Die Funken sprühten, das Publikum jubelte, die Musiker hatten sichtlich Spaß, eine Zugabe jagte die nächste. Und nach dem Konzert gingen sogar die mitgebrachten Tripel-CDs zur Neige. Einmal mehr erwies sich, dass menschliche Nähe und gegenseitiges Vertrauen gerade bei einer in großen Teilen improvisierten Musik wie dem Jazz Grundvoraussetzung für inspirierte und wahrhaftige Kunst sind. Wohl dem, der das erleben durfte.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

The Jakob Manz Project

Am 25.02.2024 um 19:00 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

Mit ihrem frischen und zupackenden Sound gehört The Jakob Manz Project zu den
erfolgreichsten Bands des jungen deutschen Jazz. Kaum eine andere junge Band löst bei
ihrem Publikum derartige Begeisterungsstürme aus. Egal ob Club oder große Festival-Bühne, die unverwechselbare Energie dieser Band durchdringt jede Konzertstätte bis in die
hinterste Ecke und katapultiert dessen Publikum in ihre vielschichtige Musik. Im Januar 2024
erscheint ihr zweites Studio Album „The Answer“ bei ACT Music, einem der renommiertesten
Jazz Labels Europas.

Ausgehend von ersten Konzerten 2017, vorwiegend im Großraum Stuttgart, erspielte sich
die Band rasch mehrere erste Preise, darunter den Biberacher Jazzpreis 2018 und den
Future Sounds der Leverkusener Jazztage 2018. Bandleader Jakob Manz war gerade 16
Jahre alt und tourte bereits mit dem Bundesjazzorchester (BuJazz0) durch Kanada, die USA
und Osteuropa. Nach ihrem vielbeachteten Debut Album Natural Energy (ACT 2020) tourte
die Band deutschlandweit, und trat bei einigen der größten Jazz Festivals Deutschlands auf,
unter anderem den Leverkusener Jazztagen, ELBJAZZ und Jazz Baltica. Im Jahr 2023
folgten erste Konzerte auf internationalen Festivals, unter anderem in Schweden und Rumänien.

Direkter und klarer Sound, reichhaltige Dynamik und emotionale Tiefe – das sind die
herausragenden Aspekte ihrer Musik. Die Musik der Band ist sehr stark von Jazz Rock und
Funk inspiriert, wird jedoch durch die vier Künstlerpersönlichkeiten mit ihren zahlreichen
Einflüssen aus Soul, Pop, Weltmusik oder Hip-Hop angereichert. Auch wenn das Saxofon
des jungen Bandleaders meist im Mittelpunkt steht, spiegelt sich in jedem Livekonzert ganz
klar jedes musikalische Individuum der Band wider. Das erkennt man auch anhand der
vielfältigen Stücke, bei denen es sich um Eigenkompositionen der jeweiligen Bandmitglieder
handelt. Von eingängigen Grooves, durch leidenschaftliche Soli, über raffiniertes
Zusammenspiel bis hin zu kristallklaren, sphärischen oder gar melancholischen Klängen
verspricht The Jakob Manz Project einen dynamischen Abend, den man so schnell nicht
vergisst!

Besetzung:

Jakob Manz (as, recorder)
Hannes Stollsteimer (piano, keys)
Frieder Klein (b)
Leo Asal (dr)

Eintritt: 22 Euro, Jazzclub-Mitglieder 18 Euro, Studierende 10 Euro,
freier Eintritt für Biberacher Schülerinnen und Schüler

19.01.2024: Rebecca Trescher Quartett

Musikalische Grenzgänger zwischen Jazz und moderner Kammermusik

Rebecca Trescher Quartett wandelt abseits ausgetretener Pfade

BIBERACH – „Sometimes It’s Good to Walk Alone“ lautet eine der beim Freitagskonzert im Jazzkeller vorgestellten Kompositionen der in Tübingen geborenen Klarinettistin Rebecca Trescher. Unbeirrt und notfalls eben alleine geht diese denn auch souverän ihren eigenen künstlerischen Weg durch die „Silent Landscapes“, so der Titel ihrer neuesten CD, den sie in ihrem gut besuchten Konzert bei den Jazzbibern als „stilles Ländle“ übersetzte. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jazzpreis 2022 für die „Komposition des Jahres“, seit 2022 im weltgrößten US-amerikanischen Jazzmagazin „Downbeat“ als „Rising Star“ gelistet und ebenfalls im Jahr 2022 als Gewinnerin des „Neuen Deutschen Jazzpreises“ überzeugt die an der Hochschule für Musik in Nürnberg zunächst klassisch als Musikpädagogin und danach in einem Masterstudium zur Jazzkomponistin ausgebildete Künstlerin auch international mit ihrem ganz eigenen Weg zur Musik.

Hochdifferenzierte, minutiös ausgearbeitete Kompositionen in kammermusikalischem Zuschnitt, durchsetzt mit spontanen Improvisationen bei deren immer wieder neuen Interpretationen in jazztypischer Interaktion mit dem, durch den hohen Anspruch zum aktiven Zuhören durchaus geforderten Publikum kennzeichnen das avantgardistische Œuvre von Rebecca Trescher. Hilfreich für ein tieferes Verständnis erweisen sich dabei so blumige Titel wie „Seeking Spider“. Die spinnenfüßige Leichtigkeit des flüchtigen Tierchens, im einleitenden Klavierpart spritzig und federnd in glasklar perlenden Tonkaskaden dargestellt von Andreas Feith, wird jäh unterbrochen und konterkariert durch krachend klatschende Geräuschklänge von Jan Brill am Schlagzeug (Biberacher Jazzpreis für beste Komposition 2014 mit dem Kölner Trio „Turn“), die sich im Verbund mit dem agilen Kontrabassspiel von Lukas Keller zu einem munteren Groove einer am Ende für die Spinne zum Glück vergeblichen Jagd des Kammerjägers entwickeln. Eine samtig weiche Klarinettenmelodie kontrastiert das hektische Geschehen, weckt Sympathie für das Krabbeltier und leitet zu einem spritzigen Unisono aller Beteiligten über, welches sich im weiteren Verlauf in einer freien, tonmalerischen Passage beruhigt, bevor die Jagd erneut weitergeht.

Aus seinem eigenen Debütalbum „Surviving Flower“ aus dem Jahr 2020 erklang neben Rebecca Treschers Stücken die gleichnamige Komposition des heute in Nürnberg als freischaffender Künstler lebenden Pianisten und Komponisten Andreas Feith. Der Steinway-Jazzpiano-Solowettbewerb-Preisträger erhielt 2017 unter anderem auch den bayrischen Kunstförderpreis und war 2020 Finalist des Neuen Deutschen Jazzpreises. Mit der zutiefst depressiven Niedergeschlagenheit einer im finsteren Armageddon erloschenen Welt empfing das Stück seine sichtlich berührten Hörer bevor sich in Form der aus der Asche des Niedergangs hervorbrechenden, überlebenden Blume neue Hoffnung regte und sich im emotional tief beeindruckten Publikum befreites Aufatmen einstellte. Am Ende gab es enthusiastischen Beifall, gerne gewährte Zugaben und CDs zuhauf.

Text und Fotos: Dr. Helmut Schönecker, Jazzclub Biberach