Jazzclub Biberach e.V.

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Hier finden Sie unsere bevorstehenden Veranstaltungen sowie eine Rückschau auf vergangene Konzerte.

Jazzpreis

Der Biberacher Jazzpreis ist ein international ausgeschriebener Preis für den Jazznachwuchs.

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Im Archiv finden Sie Ankündigungen und Kritiken von fast allen Konzerten seit der Jahrtausendwende.

Aktuelles

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Giulia e Amici

Am 13.11.2020 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Trotz Corona möchte der Verein Städte Partner Biberach e. V. (StäPa) zusammen mit dem Kulturamt der Stadt Biberach etwas städtepartnerschaftliches Flair verbreiten, und hat im Rahmen ihrer „Internationalen Wochen“ zwei Doppelkonzerte mit Musikern aus der italienischen Partnerstadt Asti bzw. mit Bezug nach Asti geplant:

Für Freitag und Samstag, 13. und 14. November, wurde das Jazztrio „Giulia e Amici“,
für Freitag und Samstag, 27. und 28. November, der Saitenzauberer Beppe Gambetta eingeladen.
Mehr Informationen zu den Künstlern gibt‘s weiter unten.

Die Konzerte finden in Zusammenarbeit mit dem Jazzclub Biberach e. V. im Jazzkeller (Untergeschoss der Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 23) statt, Beginn ist jeweils um 20:30 Uhr. Der Eintritt beträgt 17 €, ermäßigt 15 € (Schüler, Studenten, Mitglieder von StäPa und Jazzclub).
Coronabedingt sind die Plätze im Jazzkeller limitiert, und die Eintrittskarten müssen vorab beim Homeoffice des StäPa reserviert werden, bevorzugt per E-Mail an info@StaePaBC.de, oder per Telefon unter der Nummer 01590 1977 084 (der Anrufbeantworter ist aktiviert). Noch verfügbare Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

Giulia e Amici

Das Trio wird gebildet von der Sängerin Giulia Rossi, dem Bassisten Pino Castagnaro und Roberto Bazzano am Piano, das Repertoire besteht vorwiegend aus eigenen Arrangements von Jazz-Standards und italienischen Klassikern.

Giulia Rossi singt bereits seit ihrem 12. Lebensjahr, bevorzugt Jazz und Blues. Aber sie trat auch mit Hardrock-, experimental rock- und Soulbands auf, mit der Folkrock-Formation Pesci Piumati Neri e Rossi gastierte sie bereits bei den Biberacher Rondellkonzerten. Aktuell tritt sie vorwiegend zusammen mit Pino Castagnaro, mit dem sie gemeinsam die CD „Standards“ veröffentlicht hat, oder dem Gitarristen Beppe Rosso oder als Leadsängerin der ISO Big Band auf.

Pino Castagnaro begann seine musikalische Karriere auf dem E-Bass, spielte zuerst Pop und Italo-Rock. Nach seinem Collageabschluss wechselte er auf den Kontrabass und tritt seither in zahlreichen Formationen mit namhaften Musikern vorwiegend in Asti und Norditalien auf. Auch er trat bereits in Biberach auf: mit dem Swallow Jazz Trio bei den Italienischen Wochen 2012.

Das Trio vervollständigt Roberto Bazzano, der im zarten Alten von sechs Jahren mit dem Pianospiel begann. Nach dem Konservatorium spielte auch er in Pop- und Tanzbands, richtete sich mit 20 Jahren sein eigenes Tonstudio ein und arbeitete hauptsächlich als Produzent und Tontechniker mit vielen Musikern und Labels zusammen. Heute spielte er, neben seinen Aktivitäten rund um sein Studio, wieder vermehrt selbst, bevorzugt Jazz und Soulmusic.

26.09.2020: Doppelkonzert Le Bang Bang + Siyou’n’Hell

Vom Treffen in der Hölle und dem doppelten Urknall

Jazzplosionen im gemischten Doppel mit Stimme und Bass

BIBERACH – In der ausverkauften Gigelberghalle zelebrierte der Jazzclub Biberach den zweiten Teil seines Saisonauftaktes im Rahmen des vom Land geförderten „Kultursommers 2020“ unter strengen Hygieneauflagen. Gleichwohl brandeten Wellen der Begeisterung durch die lichten Reihen. Die Freude und Überraschung auch auf Seiten der Musiker war hör- und spürbar, die anfängliche Skepsis schnell verflogen. Bravorufe, anfeuernde Pfiffe, rauschender Applaus, zahlreiche Zugaben und Worte der Hoffnung auch von Seiten des Veranstalters waren mehr als nur der Silberstreif am Horizont. Die allgemeine Erkenntnis: Wir machen weiter, egal wie. Ohne Kultur wären wir schließlich Barbaren.

Mit launigen Worten von Moderator Jojo Riedel eingeleitet, startete das gemischte Doppelkonzert mit dem schwäbischen Stimme-Bass-Duo „Siyou’n’Hell“. Die in Kamerun geborene Sängerin Siyou und die Ulmer Basslegende Hellmut Hattler leben in einer engen zwischenmenschlichen Beziehung, zu spüren, zu sehen und zu hören auch auf der Bühne (Closer Me). Dieses innige Verhältnis war wohl auch das Amalgam einer ungewöhnlichen Fusion zwischen Gospel, afrikanischen Wurzeln, Pop, Soul, Rock und Jazz. Eingeleitet mit einer stimmungs- und eindrucksvollen Version von „Sometimes I feel like a motherless child“ folgten überwiegend Eigenkompositionen. Obwohl Hattler nach eigenem Bekunden selten einmal Coverversionen spielt, musste er nach einer mitreißenden und sehr weitgehenden Bearbeitung des Beatles-Songs „Come Together“ gestehen, dass er in dieser Konstellation die Begeisterung des Publikums und seiner temperamentvollen Duo-Partnerin uneingeschränkt teilt. Trotz der räumlichen Abstände heizten die beiden Energiebündel die Stimmung gehörig an. Der satte, druckvolle Bass, knackige Funky-Slaps und Grooves, ergänzt um Shaker oder Kalimba durch die Gospelqueen Siyou, die mit ihrer kraftvollen Stimme das Rock-Jazz-Fusion-Idiom vom E-Bass genretypisch verkörperte, fanden zu einer originellen Einheit mit intensiver positiver Ausstrahlung, die Lust auf mehr machte.

Nach einer ausgiebigen Lüftungspause war das Publikum wieder aufnahmefähig für das, obwohl in gleicher Besetzung aus Stimme und Bass angetretene, völlig kontrastierende Bandkonzept des Münchner Duos „Le Bang Bang“. Trotz zunächst überzogener Lautstärke und gelegentlichen Übersteuerungen wirkte deren Musik filigraner, differenzierter und von größerem Ausdrucks- und Dynamikumfang als die erste Formation. Das „Bang“ des Urknalls stand hier vor allem für die Pulverisierung der gewählten Vorlagen. Aus dem verbleibenden Feinstaub entstand, ganz im Sinne des ursprünglichen Jazz, das Neue, das Ureigene und Besondere. Beinahe noch überzeugender und interessanter erschienen jedoch die Eigenkompositionen von Sven Faller und Stefanie Boltz. Herausragend in ihrer Eindringlichkeit etwa die Komposition „Istanbul“ des Kontrabassisten, entstanden anlässlich eines Konzertes in der quirligen türkischen Millionenstadt. Berührungsängste mit großen Rocktiteln von ACDC oder Radiohead, der schillernden Cindy Lauper oder dem Garagen-Grunge von Nirvana gab es keine. Der dritte Musiker der Formation allerdings lag Sven Faller zu Füßen: Eine umfangreiche Sammlung von, in der Gitarristen-Branche „Tretminen“ genannten Fußschaltern und Effektgeräten, Samplern und Sequenzern als elektronische Helferlein. Natürlich durften auch die Münchner nicht ohne Zugabe von der Bühne. Ein kurzes Interview des Moderators Jojo Riedel mit den Veranstaltern ermöglichte einen Blick auf die aufwändigen Vorbereitungen für Veranstaltungen in Coronazeiten aber auch einen vorsichtigen Ausblick auf künftige Planungen des rührigen Clubs.

Text und Fotos: H. Schönecker

Giulia e Amici

Am 14.11.2020 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Trotz Corona möchte der Verein Städte Partner Biberach e. V. (StäPa) zusammen mit dem Kulturamt der Stadt Biberach etwas städtepartnerschaftliches Flair verbreiten, und hat im Rahmen ihrer „Internationalen Wochen“ zwei Doppelkonzerte mit Musikern aus der italienischen Partnerstadt Asti bzw. mit Bezug nach Asti geplant:

Für Freitag und Samstag, 13. und 14. November, wurde das Jazztrio „Giulia e Amici“,
für Freitag und Samstag, 27. und 28. November, der Saitenzauberer Beppe Gambetta eingeladen.
Mehr Informationen zu den Künstlern gibt‘s weiter unten.

Die Konzerte finden in Zusammenarbeit mit dem Jazzclub Biberach e. V. im Jazzkeller (Untergeschoss der Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 23) statt, Beginn ist jeweils um 20:30 Uhr. Der Eintritt beträgt 17 €, ermäßigt 15 € (Schüler, Studenten, Mitglieder von StäPa und Jazzclub).
Coronabedingt sind die Plätze im Jazzkeller limitiert, und die Eintrittskarten müssen vorab beim Homeoffice des StäPa reserviert werden, bevorzugt per E-Mail an info@StaePaBC.de, oder per Telefon unter der Nummer 01590 1977 084 (der Anrufbeantworter ist aktiviert). Noch verfügbare Restkarten sind an der Abendkasse erhältlich.

Giulia e Amici

Das Trio wird gebildet von der Sängerin Giulia Rossi, dem Bassisten Pino Castagnaro und Roberto Bazzano am Piano, das Repertoire besteht vorwiegend aus eigenen Arrangements von Jazz-Standards und italienischen Klassikern.

Giulia Rossi singt bereits seit ihrem 12. Lebensjahr, bevorzugt Jazz und Blues. Aber sie trat auch mit Hardrock-, experimental rock- und Soulbands auf, mit der Folkrock-Formation Pesci Piumati Neri e Rossi gastierte sie bereits bei den Biberacher Rondellkonzerten. Aktuell tritt sie vorwiegend zusammen mit Pino Castagnaro, mit dem sie gemeinsam die CD „Standards“ veröffentlicht hat, oder dem Gitarristen Beppe Rosso oder als Leadsängerin der ISO Big Band auf.

Pino Castagnaro begann seine musikalische Karriere auf dem E-Bass, spielte zuerst Pop und Italo-Rock. Nach seinem Collageabschluss wechselte er auf den Kontrabass und tritt seither in zahlreichen Formationen mit namhaften Musikern vorwiegend in Asti und Norditalien auf. Auch er trat bereits in Biberach auf: mit dem Swallow Jazz Trio bei den Italienischen Wochen 2012.

Das Trio vervollständigt Roberto Bazzano, der im zarten Alten von sechs Jahren mit dem Pianospiel begann. Nach dem Konservatorium spielte auch er in Pop- und Tanzbands, richtete sich mit 20 Jahren sein eigenes Tonstudio ein und arbeitete hauptsächlich als Produzent und Tontechniker mit vielen Musikern und Labels zusammen. Heute spielte er, neben seinen Aktivitäten rund um sein Studio, wieder vermehrt selbst, bevorzugt Jazz und Soulmusic.

25.09.2020: Cornelius Claudio Kreusch

Begeisterung trotz Distanz mit reduziertem Publikum im Jazzkeller

Saisonauftakt macht Hoffnung und gibt neuen Mut

BIBERACH – Nach einleitenden Dankesworten des Künstlers für den Mut von Veranstalter und Publikum, nach der langen pandemiebedingten Auszeit im Rahmen des vom Land Baden-Württemberg geförderten „Kultursommer 2020“ wieder den kulturellen Neueinstieg zu wagen, vorsichtig und unter verantwortungsvoller Beachtung eines aufwändigen Hygienekonzeptes wieder aus dem „social distancing“ hervorzukriechen und in die unverzichtbare Präsenzkultur zurückzukehren, begann das erste Konzert des Jazzclubs seit Anfang März mit dem Finalisten des ersten internationalen Biberacher Jazzpreises 1990, dem international renommierten Münchner Ausnahmepianisten und Weltbürger Cornelius Claudio Kreusch.

Nicht wie angekündigt mit einem Paukenschlag sondern mit einem nachdenklich und verhalten, ja fast zögerlich auftretenden, feinfühlig modellierten Thema, charaktervoll und gestaltkräftig in einer freien Improvisation verarbeitet, eröffnete Cornelius Claudio Kreusch einen Parforceritt durch ein breites stilistisches Spektrum von Jazz und Weltmusik. Unter dem Motto „Heart & Soul“ entfaltete sich in der entspannten, stimmungsvollen Wohnzimmeratmosphäre des auf Teelichtstärke verdunkelten Jazzkellers mit zunehmender Dynamik ein intensiver Kommunikationsprozess zwischen Künstler und Publikum. Wie durch eine lebensrettende Bluttransfusion bekam das bleiche Gespenst der musikalischen Live-Kultur dank des kraftvollen Lebenssaftes des sprühenden Münchner Energiebündels CCK wieder Farbe und Substanz und begann hoffnungsvoll zu pulsieren. Und auch umgekehrt schien die begeisterte Publikumsreaktion den Künstler sichtlich zu stimulieren. Durch seine spontanen Anmoderationen gelang es ihm, unterstützt durch die räumliche Nähe, ein durch sein Spiel vermitteltes Urvertrauen aufzubauen und so einen direkten Kanal zum Innersten seiner Zuhörer zu legen. Diese schienen befreit aufzuatmen und wie ein Schwamm das lange Vermisste aufzusaugen.

Dabei machte es Cornelius Claudio Kreusch seinen Zuhörern durchaus nicht leicht. Seinen unnachahmlichen Personalstil zu fassen, die komplexen, oft auch von Brüchen durchzogene Strukturen zu verfolgen, das Nebeneinander hochvirtuoser Passagen, die auch den geübten Zuhörer schwindlig werden lassen und solchen Stellen, die in ihrer schlichten Eindringlichkeit unmittelbar überzeugen, erfordert permanente Aufmerksamkeit. Andererseits wirken gerade dadurch seine abwechslungsreichen Kompositionen wie ein Fitnessprogramm für das musikalische Erleben, wie eine Frischzellenkur für die ausgedörrten Seelen. Und genau das funktioniert eben nur im lebendigen Miteinander. That’s live, that’s Jazz.

Wer im „Ping Pong Finale“ des ersten Sets schmunzelnd die ins Flügelinnere gelegten Tischtennisbälle unter den synkopierten Akzenten emporspringen sah oder deren charakteristisches Murmeln unter tremolierenden Pianissimo-Akkorden vernommen hat, fühlte sich unvermittelt in die Jugendjahre des genialen Pianisten zurückversetzt, in die Zeit in der das Stück entstand. Einer Zeit in der die Freiheiten des Jazz noch mit jugendlicher Unbekümmertheit einhergingen, unter dem Stichwort „Aleatorik“ experimentierfreudig eine Zufallsmusik in der Tradition eines John Cage generierten und durch die Verwendung der runden Plastikbällchen nach dem Zufallsprinzip (lat. alea = Würfel) eine musikalische Quadratur des Kreises bewirken sollten. Kreusch hat, neben den sich übereinander türmenden, klangmächtigen Akkorden und den rasanten, mitunter aberwitzig virtuosen Sechzehntelketten, sich eben jene spielerische Frische und Spontaneität bewahrt, welche einer überbordenden Dramatik und Schwere ihren Platz zuweist und damit den gereiften Musiker auszeichnet.

In diese Kategorie fielen auch Stücke wie „Funky Monkey“ aus dem zweiten Set, in denen sich Kreusch unter dem Motto „Here & Now“ in witziger Analogie auf allseits bekannte Standards, wie etwa auf den „Pink Panther“ von Henry Mancini, bezog. Die charakteristischen Quintparallen mit ihrem auftaktigen Beginn und die aus tiefer Lage chromatisch ansteigende Basslinie waren gerade noch erkennbar, jedoch verdichtet, überzeichnet, parodiert und karikiert. Der ursprüngliche Swingcharakter blitzte innerhalb der kraftvoll zupackenden Funky-Rhythmen in einzelnen Improvisationsschnipseln immer wieder durch, gelegentliche Walkingbässe taten ein Übriges zur augenzwinkernden Spielfreude. Der Saisonauftakt des Jazzclubs hielt angesichts dieser ästhetischen Urgewalt nicht nur was er versprach, er setzte einen neuen Höhepunkt in einer schwierigen Zeit und machte Hoffnung und gab neuen Mut.

Text und Fotos: H. Schönecker