Jazzclub Biberach e.V.

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Der Biberacher Jazzpreis ist ein international ausgeschriebener Preis für den Jazznachwuchs.

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Barbara Jungfer Trio

Am 02.12.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
In „Folksongs“ verarbeitet Barbara Jungfer traditionelle deutsche Volkslieder und auch Eigenkompositionen. Jedoch kleidet sie diese in farbenfrohe, exotisch anmutende Gewänder, unterlegt sie mit außereuropäischen Rhythmen und Klängen und lässt sie mal erdig grooven oder meditativ erklingen. Jazz goes Folk, Folk goes Jazz. Unterstützt wird sie von der Jazzpreisträgerin Karoline Höfler am Kontrabass und Stefan Noelle am Schlagzeug, beide äußerst versiert und nicht nur musikalisch weit gereist.

Besetzung:
Barbara Jungfer (g), Karoline Höfler (b), Stefan Noelle (dr)

26.11.2022: Beppe Gambetta

Wahre Liebe rostet nicht

Beppe Gambetta zum Heimspiel im Jazzkeller

BIBERACH – Seit über zehn Jahren ist der Genueser Flatpicking-Gitarrist oder neuhochdeutsch „Singer/Songwriter“ Beppe Gambetta in Biberach und Umgebung eine feste Hausnummer. Dementsprechend gut gefüllt war der Jazzkeller bei dem von Jazzclub und Musiknachtverein gemeinsam organisierten Konzert am Samstagabend. Der in New Jersey lebende Künstler mit den italienischen Wurzeln hat sich, tatkräftig unterstützt durch den Warthausener Hans Bernd Sick, einen großen und treuen Fankreis in der Region erschlossen. Dafür und für dessen „völkerverbindende Aktivitäten“ im Allgemeinen sprach ihm Gambetta am Ende des Konzertes seinen herzlichen Dank aus. Nach der pandemiebedingten zweijährigen Unterbrechung nahezu aller kulturellen Liveaktivitäten konnte Gambetta jetzt mit einem neuen, hochinteressanten und unterhaltsamen, von ihm selbst launig moderierten Programm aufwarten.

Der Flatpicking-Meister Gambetta, in den Fußstapfen des legendären Doc Watson, von dem er auch musikalisch inspiriert wurde, mit dem er eng befreundet war und zu dessen Beerdigung er auch spielen durfte, machte seinem Vorbild alle Ehre. Nicht nur sein neues Buch über die Wurzeln des „Flatpicking-Spiels“, das er in vorweihnachtlicher Voraussicht wärmstens anpries, auch die mitgebrachte neue CD „Where The Wind Blows“ oder „Dove Tia O Vento“, aus der auch ein Großteil des Programms gespeist wurde, dürfte in der Fachwelt ein Meilenstein des Flatpicking werden.

Aber beim virtuosen Gitarrenspiel hört das Phänomen „Beppe Gambetta“ noch längst nicht auf. Eine ausdrucksvolle und vielseitige Singstimme, stilistisch offene Kompositionen aus der Welt- oder Independent-Musikszene, oft auch kurz „Indie“ genannt, ein begnadeter Conférencier und Geschichtenerzähler und gleichzeitig ein freundlicher, umgänglicher, hoch gebildeter Zeitgenosse verbirgt sich hinter dem Namen. Gambetta ist ein hochsensibler Künstler, der persönlich tiefen Anteil nimmt an den derzeit leider wenig erfreulichen Entwicklungen in der Welt. Und genau dies spiegeln auch seine Stücke wieder, genau dies lässt sie authentisch und bedeutungsvoll wirken, erhebt sie über gewöhnlichen Indie-Pop.

Vor wenigen Tagen erst spielte er während seiner mehrwöchigen Europatournee in der Schillerstadt Marbach. Seine Komposition „Amica Libertà“ offenbarte dort, wie er selbst bekannte, in besonderem Maße ihre tiefere Bedeutung. Friedrich Schiller und allen von Gewalt und Krieg bedrängten Menschen hatte er diese Komposition gewidmet. Auf Schillers Zitat „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ und damit auf die Freiheit der Kunst von materiellen und vor allem auch politischen Zwängen hat er sich in diesem Titel wie in dem „Independent“ genannten Musikstil explizit bezogen. Die genreübergreifende Mischung aus neu arrangierten, italienischen oder amerikanischen Volksweisen und brandneuen Eigenkompositionen mit Gegenwartsbezug, diverse Assoziationen wie im Song „Wise old man“, im Titelsong der CD „Dove Tio O Vento“ (Wo der Wind uns hinbläst), im traurigen „Lamento“ (Klagelied) oder auch in dem elegischen Abgesang auf „La musica nostra“, verweisen auf einen gereiften Personalstil, auf eine gewisse Abgeklärtheit oder Altersweisheit des lebenserfahrenen Künstlers aber auch auf einen möglichen, von Kunst und Kultur geleiteten Ausweg aus der tristen Gegenwart.

Die fruchtbare Zusammenarbeit mit seinem elektronischen Helferlein „Gino“, welches ihm, mit dem Fußschalter bedient, erst den Weg in eine komplexe Mehrschichtigkeit und zu ausgedehnten, selbstbegleiteten Soloimprovisationen ermöglichte, ließ dichte, wohlklingende, durch die mitgebrachte Soundanlage veredelte Klangpreziosen entstehen. Gleich drei Zugaben brauchte es um das enthusiastische Publikum zufrieden zu stellen, die Stücke und ihre Botschaften dürften noch lange nachwirken.

Text und Fotos: Dr. Helmut Schönecker

Rootbears | Weihnachts-Jazz

Am 22.12.2022 um 20:00 Uhr

Ort: Biberach, Schützenkellerhalle

Beschreibung
Wie beinahe jedes Jahr kurz vor Heiligabend treffen sich die fünf „Rootbears“ und ihre Fans zum x-ten Mal gewohnt gut gelaunt zum legendären Weihnachtskonzert.

Rüdiger Przybilla (sax)
Hanspeter Schmid (tb)
Magnus Schneider (acc, p)
Martin Schmid (b)
Thomas Kleinhans (dr)

Eintritt 16 Euro (ermäßigt 10 Euro), Kartenvorverkauf ab 3. Dezember bei der Stadtbuchhandlung.

25.11.2022: LBT (Support: Daktylus Jazz Utopia)

Konzertkooperation: „Daktylus Jazz Utopia“ als Support von „LBT“

Psychedelic Revival – Zurück in die Zukunft

BIBERACH – Als Vorband für das Konzert mit dem renommierten Leo Betzl Trio, als Kooperation zwischen dem Verein Lilienthal und dem Jazzclub Biberach, in der Kulturhalle Abdera angetreten, konnte die lokale Formation „Daktylus Jazz Utopia“ bereits eine stattliche Besucherzahl begrüßen und begeistern. Für die älteren Jahrgänge unter den Besuchern war ihre Musik ein „Flashback“ in die 60er und 70er Jahre, als Bandnamen wie „Pink Floyd“, „The Doors“ oder „Deep Purple“ und Musiker wie Jimi Hendrix, Jim Morrison oder Janis Joplin für die Anfänge psychedelischer Rockmusik standen. Der experimentelle Umgang mit dem Sound und zunehmend komplexere Songstrukturen im Rock waren damals neuartig. Ausgedehnte Soloimprovisationen, der freie Umgang mit den Formen und die Besetzung des Orgeltrios aus Hammond-Orgel, Gitarre und Schlagzeug verweisen auf die Wurzeln im Jazz. Oft auch durch Drogen inspiriert, sollte der Horizont erweitert und der Weg in transzendente Sphären gebahnt werden. Woodstock und die Anfänge des legendären Club 27 fallen in diese Zeit. Andi Schnell an der E-Gitarre, Bernward Schäfer an der elektronischen Orgel und Lazzaro Locher am Schlagzeug machten ihre Sache nicht nur handwerklich ganz ordentlich. Spirit und Sound stimmten, die Coverversionen – etwa von Jimi Hendrix aber auch die Eigenkompositionen von Bernward Schäfer heizten dem Publikum bereits kräftig ein. Als Andi Schnell in typischer Hendrix-Manier während eines ausgedehnten, virtuosen Gitarrensolos die Gitarre hochnahm und zärtlich mit der Zunge liebkoste schlugen die Wogen der Begeisterung hoch. Der Begriff „Utopia“ im Bandnamen wird jedoch noch mit Leben und neuen Ideen zu füllen sein. Bisher klingt er noch stark nach „Revival“.

LBT – Leo Betzl Trio – Jazz meets Techno meets Jazz

Gleichförmigkeit und Mechanik im computergenerierten Techno aufzubrechen und mit der Idee des Jazz und der Livemusik zu versöhnen, ist der innovative Ansatz des Leo Betzl Trios – LBT, vor Jahresfrist auch mit dem BMW Welt Jazz Award und dem Burghauser Jazzpreis bedacht. Neben dem Namensgeber, Initiator und Pianist Leo Betzl überzeugte am umgebauten, gestrichenen, gezupften oder auch mal geschlagenen Kontrabass Maximilian Hirning, der auch für einen Teil der Kompositionen verantwortlich zeichnete. Das nimmermüde Kraftwerk der Truppe am höchst fantasievoll erweiterten Schlagzeug war Sebastian Wolfgruber. Gleich die ersten Beats kamen in der mittlerweile gut gefüllten Kulturhalle technotypisch satt und kraftvoll. Eine sonor schmatzende Kickdrum mit fetten Wumms, an der unteren Hörgrenze wummernde Tiefbässe und viele repetitive Elemente, kombiniert mit einem experimentell extrem erweiterten, durchaus auch psychedelischen Klangspektrum, überaus druckvoll abgemischt, ließen die Vorband im Nachgang doch vergleichsweise blass aussehen. „Faszinierend, dass die auch ohne elektronische Instrumente und automatisierte Patterns wie waschechter Techno klingen“ waren Stimmen aus dem verblüfften Publikum zu vernehmen. „Unglaublich, was die aus Klavier, Kontrabass und Schlagzeug herausholen“ war verbreitete Meinung. Oder mit der Stimme eines langjährigen Jazzclub-Stammgastes: „Ich wusste gar nicht, dass ein klassisches Jazzklaviertrio auch so klingen kann“. Aber was den einen vor Verwunderung und Staunen die Ohren und Augen aufgehen ließ, ließ die anderen ungeniert und extroviert sich in Ekstase tanzen. Der kraftvolle Groove ließ die Halle vibrieren und das Blut kochen. Selbst manche der geladenen Honoratioren gingen ab wie Schnitzel. Fast unmerklich für die einen und durchaus erfreulich für die anderen war der in der Livemusikszene häufig geschmähte Techno richtig lebendig geworden, professionell und handgemacht, mit echtem, von Herzen kommendem Puls durchzogen und mit improvisatorischen Elementen virtuos durchsetzt. Dass dabei auch viele fantastische, oft selbstentwickelte akustische Instrumente wie etwa einen auf den Beckenständer montierten Fahrradspeichenkranz oder präparierte, speziell gedämpfte Saiten des Klaviers in der Tradition eines John Cage und vieles mehr eine Rolle spielten, machte das Erlebnis umso frappierender. Dieser Weg könnte durchaus weiter ins Land Utopia führen. Ob die Titel der textlosen Songs – auf der neuen Doppel-CD finden sich solche wie „Zappa“, „Parks Bells“ oder „Changing Moods“ – auch als Verstehungshilfe taugen, muss wohl jeder mit sich selbst ausmachen.

Text und Fotos: Helmut Schönecker