Jazzclub Biberach e.V.

Konzerte

Hier finden Sie unsere bevorstehenden Veranstaltungen sowie eine Rückschau auf vergangene Konzerte.

Jazzpreis

Der Biberacher Jazzpreis ist ein international ausgeschriebener Preis für den Jazznachwuchs.

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Im Archiv finden Sie Ankündigungen und Kritiken von fast allen Konzerten seit der Jahrtausendwende.

Aktuelles

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Biberacher Jazzpreis 2018

Am 21.04.2018 um 18:00 Uhr

Ort: Stadthalle
(Theaterstraße 4-8, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Wettbewerb für junge Jazzmusikerinnen und -musiker

Die 5 Finalisten stehen fest:
– Heavy Therapy, Berlin
– Johanna Summer Trio, Dresden
– Malstrom, Köln
– The Jakob Manz Project, Stuttgart
– Janika Löttgen Quartett, Essen

Ablauf:
– 18.00 Uhr Beginn
– ca. 21.30 Uhr Kurzkonzert Olivia Trummer
– ca. 22.05 Uhr Preisverleihung

Seit über einem viertel Jahrhundert (1990) vergeben der Jazzclub Biberach e.V. und das Kulturamt der Stadt Biberach den Jazzpreis, der sich in der Jazz-Nachwuchsszene großer Beliebtheit erfreut. Eine renommierte Jury um Dieter Ilg und das Publikum bewerten die jungen Musiker. Diese spielen um über 5.000 Euro Preisgeld.
Die Preisverleihung findet im Rahmen eines sich anschließenden Kurzkonzertes mit der Pianistin Olivia Trummer statt.

Alle Infos zur Veranstaltung:
http://kulturkalender-biberach.de/jazzpreis/start/

Tickets gibt es für 10 € (ermäßigt 7,50 €) unter www.kartenservice-biberach.de oder an der Abendkasse

13.04.2018: Andi Kissenbeck Trio

Andi Kissenbeck Trio mischt den Jazzkeller auf

Traditioneller Hammond-Sound lockt viele Fans zu den Jazzbibern

BIBERACH – Im langsamen Chorus oder im schnellen Tremolo oder irgendwo auf dem Weg dazwischen, die Töne der legendären Hammondorgel über ein originales Leslie-Tonkabinett mit rotierenden Lautsprechern abgespielt, sind lebendig und ausdrucksstark, in ihrer Charakteristik unter allen elektronischen Tonerzeugern einzigartig und seit den 1950er Jahren stilprägend. Andi Kissenbeck hat sich als Organist und Bandleader diesem großen Erbe kompromisslos verschrieben. Jazz-, Funk-, R & B-, Rock- oder Latin-Stücke von verträumt bis feurig pulsierten im Sound der viel gepriesenen Hammond B3 und gehen auch heute noch buchstäblich unter die Haut. Kongenial unterstützt wurde der Münchner Orgelprofessor im Biberacher Jazzkeller durch den jungen Senkrechtstarter Paul Brändle an der Jazzgitarre und den Topdrummer Guido May, der seine Meriten unter anderem als Jazz- und Funkschlagzeuger von Diana Krall, Maceo Parker oder Pee Wee Ellis verdient hat.

Mit dem Swingstandard „I remember you“ eröffnete das Trio einen unterhaltsamen und fulminanten Jazzabend in einer federnden Leichtigkeit, wie sie wohl nur bei jenen Künstlern zu finden ist, die ihre eigene Musiksprache gefunden haben, die sich wort- und blicklos verstehen, weil sie auf einer Wellenlänge schwingen. In den Anmoderationen von Andreas Kissenbeck klang zwar gelegentlich eine didaktische Note an, wenn der von seinem Metier begeisterte Jazzprofessor über die Wurzeln seiner Musik oder die physikalisch-technischen Grundlagen des Hammond-Sounds dozierte.  Während seiner Improvisationen war davon jedoch rein gar nichts mehr zu spüren und der Vollblutmusiker versank Hals über Kopf in seinen atemberaubenden Interpretationen. Immerhin erfuhr auch der Nicht-Keyboarder auf diese Weise, dass ein schwäbischer Tüftler aus der Nähe von Ulm das geschafft hat, was seit Jahrzehnten weltweit niemand auf die Reihe bekam. Durch „Physical Modelling“ entwickelte er mit der „Uhl X3 Smooth“ ein leicht transportables Instrument mit den Eigenschaften der alten, zentnerschweren Tone-Wheel-Orgel.

Anklänge an die New Orleans Ära gab es danach mit der gar nicht so traurigen Beerdigungsmusik „Just a closer walk with thee“ und dem charakteristischen „Second Line Groove“. Rock- und Bluestitel vom Gitarristen Paul Brändle komponiert und in den traditionellen Fender-Sound verpackt, wechselten mit wundervoll „funky“ groovenden Coverversionen. Selbst vor „Moon River“, dem oscarprämierten Filmsong von Audrey Hepburn in „Frühstück bei Tiffany“ scheute das Trio nicht zurück. Auf welch subtile Weise die ehrwürdige Melodie von Henry Mancini von dem begnadeten Trio dabei in die hippe Gegenwart „geshuffelt“ wurde, darf als beispiellos gelten. Noch einmal mehr Fahrt nahmen die drei inspirierten Musiker dann im zweiten Set auf. Flotte 5/4 Takte („Beatrice“ von Sam Rivers), freche Funky-Nummern, tiefsinnige Balladen aber auch der besonders vom wie entfesselt aufspielenden Drummer Guido May geprägte Duke-Ellington-Titel „Caravan“ ließen die Wogen der Begeisterung immer höher schlagen und so durften die gefeierten Heroen des Abends schließlich auch nicht ohne Zugabe von der Bühne.

Text und Fotos: H. Schönecker

The Mband

Am 27.04.2018 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Der Komponist, Bassist, Gitarrist und Sänger Gabriel Mbanda unternimmt mit uns eine moderne musikalische Reise zu seinen afrikanischen Wurzeln, begleitet von dem Jazz-Pianisten Joe Fessele, dem peruanischen Percussionisten Cesar Gamero und dem Schlagzeuger Samuel Erb. Der Abend bewegt sich zwischen den Welten von Soul, Funk, Blues und Jazz.

Bei dem Komponisten und Sänger Gabriel Mbanda handelt es sich um einen exquisiten Musiker und einen afrikanischen Ausnahme-Bassisten.

Die Musik des kamerunischen Weltmusikpreis-Gewinners (2011) bewegt sich in den Welten von Soul, Funk, Blues und Jazz, wobei die afrikanischen Wurzeln Mbandas und seiner Musik stets unüberhörbar bleiben und seinen Songs ein ganz besonderes Flair verleihen.

Mit seiner Band zieht ein frischer afrikanischer Wind durch die europäischen Jazz-Clubs, der gekonnt die Leidenschaft, den Rhythmus und das Temperament Afrikas innerhalb bekannter Genres etabliert und seine Zuhörer einlädt, sich mit auf eine ganz besondere Reise zu begeben.

Besetzung:
Gabriel Mbanda: Vocals, Bass & Accoustic Guitar
Joe Fessele: Keys
Cesar Gamero: Drums & Percussions
Samuel Erb: Drums

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

09.03.2018: Tuija Komi Quartett

Jazz-Diva Tuija Komi im Hoch

Von der zauberhaften Magie des Augenblicks

BIBERACH – Chefin im Ring war ohne Zweifel die finnische Sängerin Tuija Komi. Mit ihrem hochkarätig besetzten Quartett war sie nach knapp sechs Jahren wieder einmal zu Gast bei den hoch erfreuten Jazzbibern. Neben einigen bewährten Songs aus ihrem breitgefächerten Repertoire, darunter die witzig-freche Interpretation von „Pippi Langstrumpf“, gab es einen starken Vorgeschmack auf die nächste CD. Ende März geht es ins Studio und die Stücke sind bereits aufs Feinste ausgearbeitet. Schon der Opener „Music is Magic“ verwies auf das Motto der Künstlerin und begeisterte vom ersten Ton an. Die originelle und sympathische Moderation der in München lebenden Diva trug dabei nicht unwesentlich zur entspannten Wohnzimmeratmosphäre und zu einem erfüllten und kurzweiligen Konzertabend bei.

Der weitgereiste und vielbeschäftigte Pianist, Arrangeur und Komponist Walter Lang lieferte den roten Faden durch die Kompositionen des Abends. Während Tuija Komi, besonders eindrucksvoll in „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“, unbeirrt und zutiefst von der wundervollen Melodie erfüllt, den weitgehend original belassenen Gesangspart mit innigem Ausdruck interpretierte, setzte die von Walter lang arrangierte Begleitung einen völligen Kontrapunkt dagegen. Diese Konstruktion erwies sich in jeder Hinsicht als frisch, unkonventionell und stark kontrastierend. Genau dies verlangte aber auch einen starken Widerpart von der Singstimme. Nachdem auf Tuijas Nachfrage eine Besucherin aus der ersten Reihe die Vorgeschichte des Songs treffsicher auf den Punkt gebracht hatte, wurde überaus sinnfällig, wie gerade dieses spezielle Arrangement den Inhalt und die Symbolik des Songs verkörperte. Die von ihrem gewalttätigen Mann misshandelte Gabriella findet trotz aller Widerstände über den Gesang ihren Weg in ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben.

Völlig nebensächlich aus welcher stilistischen Ecke die Inspirationen kamen, Soulballaden, balkanisch gewürzter Latin Jazz, Lieder aus dem Land der Mitternachtssonne, Schlager von ABBA, eingängige Lieder aus Film und Fernsehen, Weltmusik, Finn-Pop, R’n’B, Swing, Jazz Waltz, Tango, Drum & Bass oder auch Gospel, immer klangen die Stücke authentisch und wie aus einem Guss. Die zauberhafte Magie von Tuijas Stimme und die eigenständigen bis eigenwilligen Interpretationen adelte jede Vorlage. Maßgeblich dazu bei trugen aber auch die Männer im Hintergrund. Der Slowake Peter Cudek am zerlegbaren Reisekontrabass und der dezent aber immer inspiriert groovende Martin Kolb am Drumset bildeten mit dem souveränen Walter Lang zusammen ein eingespieltes homogenes Team.

Vor allem Walter Lang erwies sich in seinen ausgedehnten Solo-Improvisationen als außerordentlich fesselnder musikalischer Geschichtenerzähler. Wie Scheherazade aus 1001 Nacht, deren kraftvoller Rhetorik und deren kunstvoll verwobenen Erzählfäden sich der Sultan nicht entziehen konnte, schlug auch Lang mit seinen fantasievollen, klugen Exkursionen voll überschäumender Leidenschaft und tiefer Melancholie das enthusiastisch jubelnde Publikum in seinen Bann. Trotz der späten Stunde gab es mit „If I had my live to live over again“ auch noch eine Zugabe mit klarem Bezug zum Leben der ehemaligen Siemens-Projektmanagerin und „Voice of Germany“-Teilnehmerin, die ihren dankbaren Zuhörern einen großen Abend voller magischer Momente und erfüllter Augenblicke geliefert hat.

Text und Fotos: H. Schönecker