Gute-Laune-Jazz aus der Hauptstadt zum Auftakt der Herbstsaison
Torsten Zwingenberger lässt es wieder krachen
BIBERACH – Seine schwere Krankheit, derentwegen das vom Jazzclub bereits für letztes Jahr geplante Konzert verschoben werden musste, hat der renommierte Berliner Ausnahme-Drummer nun glücklich überstanden. Mit neuer Lebensfreude, top motiviert und bestens gelaunt bestritt er mit seinem neuen Quartett und der neuen CD „Best Boost“ im Gepäck das Auftaktkonzert der neuen Konzertsaison des Jazzclubs im Jazzkeller. In Zwingenbergers neuer Formation finden sich die angesagtesten Berliner Musiker des Genres. Carmelo Leotta (Bass), Kenneth Berkel (Piano) und Patrick Braun (Saxophon) komplettieren das energiegeladene 4tet, welches eine frische europäische Variante amerikanischer Jazztradition vertritt.
Besonders die Kompositionen und Arrangements von Berkel und Leotta vermitteln einen zeitgemäßen Zugang zum modernen Swing. Neu gedacht, gegen den Strich gebürstet und mit durchweg herausragenden Solo-Improvisationen aller Musiker durchsetzt, wird hier Tradition zu neuem Leben erweckt und erreicht so eine breite Akzeptanz, Popularität ohne nostalgischen Beigeschmack. Berkels höchst gefühlvolle, lyrische Ballade „Listening“ gehört auf „Spotify“ nicht umsonst zu den Top-Scorern, Leottas verträumter Song „Walk in Closet“ gibt inspirierende Einblicke in einen gut gefüllten, begehbaren Kleiderschrank mit vielen modischen Accessoires. Patrick Braun, einer der gefragtesten Band- und Studiomusiker Berlins an Saxophon und Klarinette erinnert mit seinem höchst expressiven Spiel an große Vorbilder wie Ben Webster, Grover Washington Jr. oder Duke Ellingtons langjährigen Saxophonisten Johnny Hodges. Sanft und einfühlsam, wo erforderlich aber auch virtuos, rau und direkt beseelen und durchglänzen seine Melodien und erfrischenden Improvisationen die allesamt authentisch wirkenden Songs.
Die geschickte Dramaturgie der Stücke fesselte das begeisterte Publikum bis zum kulminierenden Boogie-Woogie-Finale. Die Zugabe „September in the Rain“, einem vielfach, unter anderem von den Beatles, Rod Stewart und Dinah Washington gecoverten Standard von Harry Warren aus den 1930er Jahren, erweckte angesichts des längst überfälligen Regens in der Region ungewohnte Sehnsüchte, anhaltenden Beifall und inspiriertes Merchandising mitgebrachter CDs.
Fotos von Dr. Helmut Schönecker:
Fotos von Wolfgang Volz:
Im Jubiläumsjahr „50 Jahre Jazzclub Biberach“ folgen in den nächsten Wochen weitere Programm-Highlights: Im Oktober die Newcomer „NuMoksha“ aus der Region, internationale Größen zum 100jährigen Geburtstag von Miles Davis und John Coltrane sowie sinfonischer Jazz mit „Arco Sinfonica“ in der Stadthalle. Im November folgt Rebekka Bakken – die Sirene aus dem Norden – in der Stadthalle und zu den eigentlichen Jubiläumsfeierlichkeiten des Jazzclubs geben sich der Weltmeister auf dem Instrument des Jahres, Salvo La Ferrera (Akkordeon), sowie der legendäre Bassist Hellmut Hattler mit „Siyou’n’Hell“ in der Schützenkellerhalle die Ehre. Filmkomponist Uwe Schenk (Soko Stuttgart) und der Ex-Biberacher Saxophonist Jochen Feucht stellen im Dezember ihr neues Projekt vor und die legendäre Kultband der urigen „Rootbears“ beschließt traditionell das Biberacher Jazzjahr.
Text & Beitragsbild: Dr. Helmut Schönecker