Jazzclub Biberach e.V.

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24.05.2019: Sigi Schwab Tribute Band

Zu Ehren von Sigi Schwab: „Sigis Schwaben“ zeigen sich im Jazzkeller in bester Feierlaune

BIBERACH – Großartige Konzerte müssen beileibe nicht immer nur von international renommierten, hochdekorierten und weitgereisten Künstlern kommen. „Warum denn in die Ferne schweifen“, mag sich ein mancher Besucher im Jazzkeller gefragt haben, „wenn doch das Gute so nahe liegt?“ Vier Biberacher Musiker haben sich vor rund einem Jahr in einem „Sigi Schwab Tribute Projekt“ nach Jahren des Nebeneinanders zu einer neuen Formation zusammengefunden, die jetzt vor ausverkauftem Haus eine spektakuläre Premiere feierte. „Sigis Schwaben“, das sind die Brüder Jochen und Alex Vogel, der Warthausener Markus Merz und der peruanische Wahlschwabe Cesar Gamero.

Pfeifen, Zirpen, Zwitschern, Brüllen, Röhren, Knurren und viele weitere hand- oder mundgemachte Tier- und Naturlaute aus dem Amazonas-Dschungel eröffneten lautmalerisch das außergewöhnliche Konzert. In den Fußstapfen des Ludwigshafener Gitarristen und Komponisten Sigi Schwab – musikalische Jugendliebe besonders von Jochen Vogel – entführten die Musiker ein von Anfang an hell begeistertes Publikum in eine faszinierende Klangwelt zwischen sphärisch schwebenden Klängen und zupackenden Rhythmus-Grooves. „Das ist ja wie eine Zeitreise in die 1970er Jahre“ ließ ein schon etwas älterer Gast verlauten. „Erinnert mich an Wolfgang Dauner und Eberhard Weber, die ja auch schon öfter in Biberach waren“ entgegnete ein anderer.

Wie im Fluge verging die erste Viertelstunde – genau so lange dauerte das psychedelisch durchwirkte Eröffnungsstück „Amazonas“. Insgesamt nur fünf Kompositionen, neben einem eindrucksvollen und hochvirtuosen Solo von Jochen Vogel auf der 12saitigen Gitarre (Ladakh), füllten den ersten Programmteil. Komplexe lateinamerikanische Rhythmen – eine Domäne von Markus Merz und Cesar Gamero – dominierten, immer wieder durchbrochen durch melodische Teile, dichte Unisonopassagen zwischen Gitarre und elektronischem Glockenspiel etwa in „Belo Horizonte“, pittoresk lautmalerische Partien mit Chimes und anderen exotischen Klangfarben in „Machu Picchu“, mitunter kontrapunktiert durch marschartige Rhythmen auf der Snaredrum. Das berühmte „Rondo A Tre“, ebenfalls mit Jazzrock-, Fusion- und Weltmusikanklängen beschloss den ersten Teil.

Noch kurzweiliger verlief das zweite Set. Nach einer recht temperamentvollen „Jogging-Runde“ zum Auftakt und einer inspirierten, ternär swingenden bluesigen „Blue Serenade“ geriet besonders der Titel „Silversand“ vom gleichnamigen Album aus dem Jahr 1985 zu einem echten Highlight. „Wilde Improvisationen“ in die Jochen Vogel auch ungeniert Motive aus den unterschiedlichsten Genres – darunter auch profane Kinderliedchen wie „Hänschen klein“ oder „Alle meine Entchen“ – einfließen ließ, öffneten die Tür zum lebendigen Live-Jazz sperrangelweit. Zum großen Bedauern der über 100 Gäste ging aber auch der zweite Teil viel zu schnell seinem Ende entgegen. Zwei Zugaben, die „Flatfoot Fantasy“ und eine euphorisierte Version von „Belo Horizonte“ beschlossen einen genussvollen Konzertabend und klingen noch weit in die konzertante Sommerpause des Jazzclubs hinein.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

10.05.2019: Charles Davis | Four or more Flutes

„Fluturistischer“ Triumph der leisen Töne

Charles Davis mit „Four or more Flutes“ im Jazzkeller

BIBERACH – Rund 20 Flöten, von der höchst selten zu hörenden Kontrabassflöte über diverse Barockflöten, die typisch gebogenen Tenor- und Altflöten, über die weitverbreitete große Flöte bis hin zum kleinen Piccolo aus verschiedenen Materialien und in wechselnden Kombinationen von fünf gestandenen Musikern aus drei Ländern gespielt. Auf der Bühne fand sich ein Arsenal wie aus einem Musikinstrumentenmuseum. Kann aus einer solchen Zusammenstellung Jazz entstehen? Den Beweis lieferten Charles Davis und sein Ensemble „Four or mor Flutes“ beim Freitagskonzert des Jazzclubs.

Überwiegend leise Töne und feinsinnige Unterhaltung, hintersinniger Humor, ein überraschend variantenreicher Sound sowie eine enorme stilistische Bandbreite kennzeichneten den Auftritt der ungewöhnlichen Formation aus dem Bodenseeraum.

Überblasene, mit Atemgeräuschen überlagerte und damit geräuschhaft, perkussiv wirkende Flötentöne kennt man etwa von Ian Anderson und Jethro Tull. Durch Hineinsingen ins Instrument und in Verbindung mit den instrumentalen Klangfarben erzeugte, mehr oder weniger harmonische Kombinationstöne und Mischklänge machte zuerst der weltbekannte deutsche Posaunist Albert Mangelsdorff salonfähig. Den klanglichen Einsatz von Klappengeräuschen kennt man aus der experimentellen und modernen Musik. „Four or more Flutes“ erweiterten unter Einsatz all dieser Möglichkeiten und darüber hinaus durch zahlreiche Zisch-, Rausch- und Plosivlaute bis hin zu echtem Gesang oder gesprochener Sprache die verfügbare Klang- und Ausdruckspalette ohne Zuhilfenahme elektronischer Mittel bis an die Grenzen des Vorstellbaren.

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