Archiv – Seite 26 – Jazzclub Biberach e.V.

Cécile Verny Quartet

Am 23.09.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Das Cécile Verny Quartet ist eine echte Liveband, die aufgrund des einzigartigen Charismas ihrer Sängerin bereits mit dem ersten Song eine innige Verbindung zum Publikum aufbaut, ganz gleich, ob es sich dabei um Freunde des Jazz oder des Pop handelt. Ihre erstklassige Band geht mit Nonchalance, Understatement und Coolness zu Werke und sorgt für elastischen Puls, knackige Grooves oder bei Bedarf filigrane Farbtupfer.

Cécile Verny: vocal
Bernd Heitzler: bass
Andreas Erchinger: piano & keyboard
Lars Binder: drums & percussion

Jazzclub Biberach: Konzertübersicht 2021

Übersicht über alle Veranstaltungen des Jazzclubs Biberach im Jahr 2021:

Wegen der Corona-Pandemie fanden nur wenige, kurzfristig geplante Konzerte im Jahr 2021 statt, Flyer bzw. Plakate wurden nicht erstellt:

  • 25.06.2021: Florian Betz & Bodek Janke
  • 25.09.2021: Tango Sí!
  • 15.10.2021: Essichessenz
  • 12.11.2021: Travon Anderson & Walter Fischbacher Trio

Details zu allen Veranstaltungen finden Sie unter „Archiv“ / „Ankündigungen“,
Kritiken zu den einzelnen Konzerten finden Sie unter „Archiv“ / „Kritiken“.
Oder verwenden Sie die Freitext-Suchfunktion, die auf allen Seiten zur Verfügung steht.
Mit dem Suchbegriff „Konzertübersicht“ finden Sie sämtliche Jahresprogramme ab dem Jahr 2000!

21.05.2022: Biberacher Jazzpreis 2022 (Konzert: Grupa Janke Randalu)

Biberacher Jazzpreis 2022 – Herzschlagfinale in der Gigelberghalle

Vincent Meißner Trio aus Leipzig gewinnt im Fotofinish

BIBERACH – Mit nur einem halben Punkt Vorsprung kann sich das Leipziger Jazztrio um Vincent Meißner im hochklassigen Finale des internationalen Biberacher Jazzpreises 2022 knapp gegen seine Konkurrenten durchsetzen. Auf Rang 2 folgt das ungewöhnliche Duo „Lightville“ aus München, welches auch den Kompositionspreis erhält. Der Publikumspreis geht mit deutlichem Vorsprung an das Duo „Duolog“ aus Schweinfurt, welches es insgesamt auf Rang 3 schafft. Ebenfalls nur knapp abgeschlagen folgt das Duo „Dimension“ aus Backnang auf Rang 4. Der fünfte Finalist, das Augsburger Trio „Flo & Fauna“, konnte wegen einer Coronaerkrankung des Keyboarders nicht zum Finale antreten.

Aus der vierköpfigen Jury (Rebecca Trescher, Prof. Jürgen Seefelder, Oliver Hochkeppel, Dr. Helmut Schönecker) war zu vernehmen, dass die Qualität der Wettbewerbsbeiträge in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat und damit bereits die Vorauswahl zu einem schwierigen Unterfangen wurde. Die stilistische Bandbreite der fünf Finalisten, die in einem aufwendigen Verfahren aus rund 30 Bewerbern ausgewählt wurden, ließ bereits darauf schließen, dass hier sehr individuelle Ansätze auf hohem technischem und künstlerischem Niveau zu beurteilen sein werden. Liegt es in der Natur des Jazz, dass stilistische Offenheit und Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Sujets zum Wesenskern gehören, so ist aber vor allem die lebendige Improvisation ein wesentlicher Bestandteil.

„Duolog“ aus Unterfranken wollten erklärtermaßen die „einengenden Grenzen des Jazz“ erweitern. Im Bereich Sound ist Ihnen das zweifellos gelungen. Zeitgemäß mit Vocoder, Harmonizer und weiteren elektronischen Helferlein ausgerüstet, durch perfektes „mundgemachtes“ Beatboxing ergänzt, konnten sie die Brücke zum zeittypischen Dancefloor-, HipHop und Technosound schlagen. Ihre Besetzung schien damit mindestens zum Quartett erweitert. Der druckvolle Sound, eine hohe Energiedichte, meisterliche technische Umsetzung sowie die Kombination von Elektronik und natürlichen Instrumenten, wie etwa der ungewöhnlichen Akkordina überzeugten und begeisterten – vor allem das Publikum. Der Jury war dies nur ein dritter Rang wert. Zu konventionell blieben die Strukturen, zu patternhaft der Aufbau, zu weit weg vom Jazz das Resultat.

Genau ins Schwarze traf dagegen das junge Leipziger Trio mit seinem technisch und musikalisch brillanten Schweizer Kontrabassisten Josef Zeimetz, der noch vor der Preisverleihung in den Zug nach Basel steigen musste. Trotz des undankbaren ersten Startplatzes spielten sich die (Wahl-) Sachsen schnell frei und fanden zu einem abwechslungsreichen, ausdrucksvollen und hochenergetischen Spiel. Aus spontan erfundenen Motiven Ideen zu entwickeln, in höchster Präzision und technischer Meisterschaft zu komplexeren Gebilden auszuformen gehörte für die jungen Jazzer bereits zum Markenkern. Dass neben kreativen Eigenkompositionen fast unmerklich auch Motive aus bekannteren Stücken einflossen, gehört im Jazz zu den Grundkompetenzen.

Für den Kompositionspreis war dies jedoch nicht genug. Originell, innovativ und gestaltkräftig waren die Kompositionen der Pianistin Shuteen Erdenebaator aus Ulan Bator (Mongolei). Ihre lyrischen, weit ausgreifenden Melodielinien konnte sie auf dem wunderbar klingenden Bechsteinflügel eindrucksvoll, plastisch und hochmusikalisch umsetzen. Neben einer dreisätzigen Komposition zur Eröffnung war es vor allem ihr Stück „Answer from a distant hill“, welches im Duo mit dem Münchner Nils Kugelmann an der selten gespielten Kontra-Alt-Klarinette überzeugte. Klänge wie aus einer anderen Welt, tiefste Basstöne, Klappen- und Atemgeräusche, „heiße Luft“ als Ausdrucksmittel kontrapunktierten die sensiblen Klavierpartien. „Lightville“ verdiente sich neben dem Kompositionspreis auch noch den mit 1000 Euro dotierten zweiten Rang.

Das jüngste und ungewöhnlichste Duo „Dimension“ aus Backnang kam mit knappem Rückstand auf den vierten Rang. Carlotta Armbruster (Posaune) und Jonas Heck (Schlagzeug) setzten ganz auf freie Improvisation und spontane Interaktion. Multiphonics, das auf Albert Mangelsdorff zurückgehende, mehrstimmige Spiel auf der Posaune, rhythmisches Atmen ins Instrument ohne Mundstück, Klopfen mit der Hand aufs Mundstück und der Einsatz verschiedenster Dämpfer machten das Spiel abwechslungsreich und klanglich vielseitig. An der Dramaturgie der Stücke wird noch zu arbeiten sein.

25 Jahre nach ihrem eigenen Gewinn des Biberacher Jazzpreises zeigte die „Grupa Janke Randalu“ im Kurzkonzert, was wahre Meisterschaft ist. Im Rückgriff auf ihre gemeinsamen musikalischen Anfänge am Karlsruher Konservatorium filetierten der estnische Ausnahmepianist Kristjan Randalu und  der polnische Drummer Bodek Janke bekannte Nummern aus dem Realbook um diese dann auf umwerfende und frappierende Weise wieder neu zusammen zu setzen.

Fotos: Georg Kliebhan

Biberacher Jazzpreis 2022

Am 21.05.2022 um 18:00 Uhr

Ort: Biberach, Gigelberghalle

Beschreibung
Biberacher Jazzpreis 2022 | Sa, 21.05.2022

Der Biberacher Jazzpreis ist einer der wenigen international ausgeschriebenen Preise für den Jazznachwuchs und nach über 30 Jahren zu einer festen Einrichtung geworden. Das Finale findet 2022 zum vierzehnten Mal statt, in diesem Jahr zum ersten Mal in der Gigelberghalle. Vor allem jüngeren Jazzmusikerinnen und -musikern bietet der Wettbewerb eine Plattform, um sich zu präsentieren. Die fünf besten Formationen stellen sich einer renommierten Jury und dem Publikum. Sie spielen um mehr als 5000 Euro Preisgeld. In Zusammenarbeit und mit Unterstützung der Stadt Biberach ist für den Jazzclub Biberach die Idee, Jazz als zeitgemäße Kunstform für Jugendliche und junge Musiker zu vermitteln, nach wie vor attraktiv.

Dem Aufruf zur Bewerbung sind in diesem Jahr 25 Jazz-Formationen gefolgt. Die fünf besten Formationen wurden bereits von der Jury ausgewählt.

Weitere Informationen und Tickets unter www.kulturkalender-biberach.de

Die 5 Finalisten:

„Dimension“: Die Posaunistin Carlotta Armbruster und der Schlagzeuger Jonas Heck lernten sich als Vorstudenten der HMdK Stuttgart kennen und experimentieren in ihrem Duo „Dimension“ mit den Möglichkeiten dieser ungewöhnlichen Besetzung. Der bewusste Verzicht auf ein Harmonieinstrument bildet dabei die Grundlage für ein improvisatorisch freies, auf Interaktion ausgelegtes Musizieren auf der Basis von zeitgenössischen Stücken und Eigenkompositionen.
Besetzung: Carlotta Armbruster (Posaune, Melodica), Jonas Heck (Schlagzeug)

„Duolog“: Dieses Duo, bestehend aus Saxofon und Klavier, könnte ein jazztypisches Duo sein. Mit einer jazztypischen Besetzung und einer jazztypischen Klangfarbe. Doch die beiden Musiker Nico Graz und Jan-Peter Itze haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese einengende Definition aufzubrechen. Sie kreieren einen Sound, der zwar auf den natürlichen Klangfarben der Instrumente basiert, jedoch einen Raum für unzählige musikalische Möglichkeiten eröffnet.
Besetzung: Jan-Peter Itze (Klavier, Vocoder, Beatbox), Nico Graz (Saxofon, Accordina, Effekt)

„Flo & Fauna“: Bei einem metaphorischen Ausflug in den Wald präsentiert der Augsburger Bassist Florian Hartz mit seinem Trio Flo & Fauna relaxte, coole, zeitgemäße und einfach fette Fusion-Grooves inspiriert von diesem besonderen grünen Lebensraum. Der E-Bass steht hier also für das grundierende Wurzelwerk: mal funky, mal stoisch in repetitiven Disco-Patterns, dann wieder sehr sanglich gedacht. Es groovt gewaltig im Wald, bleibt dabei aber der Spielkultur eines echten Piano-Trios verhaftet.
Besetzung: Florian Hartz (E-Bass), Jakob Dinnebier (Schlagzeug), Valentin Seidl (Keys)

„Lightville“: Shuteen Erdenebaatar und Nils Kugelmann begegnen sich in „Lightville“ als Interpret:innen und Komponist:innen zugleich. Sie spielen mit Hoffnung und Spannung, erleben Kraft und Empfindlichkeit und begeben sich mit ihren Zuhörer:innen auf eine Reise zwischen Leidenschaft und Ruhe. Die Ausgewogenheit aus komponierter Musik und lebendiger Improvisation führt zu unvergesslichen Momenten, die sich nicht wiederholen lassen.
Besetzung: Shuteen Erdenebaatar (Klavier), Nils Kugelmann (Kontra-Altklarinette)

„Vincent Meißner Trio“: Um Ehrlichkeit geht es Vincent und seinen Mitspielern, die ist wichtiger, als hyperrevolutionär zu sein. Bilderstürmer sind hier nicht am Werk, dafür sehr formbewusste, mal witzig-euphorische, dann wieder balladesk-melancholische, in jedem Fall sehr facettenreiche Musiker, die auf der Grundlage von Vincents Kompositionen vielfarbige und immer wieder überraschende Momentaufnahmen extrahieren. Unbändige Spiellust an komplexen Formen und Rhythmen treffen auf viel Lust am Experiment und einen bemerkenswerten Sinn für ungewöhnliche und im Gedächtnis haftende Melodien.
Besetzung: Vincent Meißner (Piano), Josef Zeimetz (Bass), Henri Reichmann (Schlagzeug)

06.05.2022: Peter Autschbach & Samira Saygili

Neue CD „SING!“ geht auch im Livekonzert unter die Haut

Duo „Saygili-Autschbach“ rockt den Jazzkeller

BIBERACH – Das mehrfach preisgekrönte Duo „Saygili-Autschbach“ gastierte mit seinem neuen, während des Lockdowns entstandenen Album „Sing!“ im vorpandemisch überaus gut besuchten Jazzkeller und vermochte mit einem sensationellen Auftritt rundum zu begeistern. Peter Autschbach ist für die Biberacher Jazzfans ein alter Bekannter und wahrer Publikumsmagnet. Bereits zum fünften Mal gastierte der Ausnahmegitarrist in unterschiedlichen Besetzungen bei den Jazzbibern. Im zarten Alter von 58 Jahren hat er nun im Duo mit Samira Saygili 2020 nach seinem eigenen Bekunden erstmals an einem internationalen Wettbewerb in Bukarest teilgenommen und war dort gleich ins Finale gekommen. Im vergangenen Jahr gab es dann den deutschen „Singer-Songwriter-Preis 2021“, den 1. Preis als „Bester Gitarrist“ des Jahres 2021 und außerdem den Preis der „besten Komposition 2021“ für den Titel „Starlight“ der ebenfalls auf der präsentierten CD „Sing!“ enthalten ist.

Dass diese Preise im Rahmen der Veranstaltung „Deutscher Rock & Pop Preis“ verliehen wurden, tat der Begeisterung der zahlreichen Jazzfans keinen Abbruch. Für die progressiveren Fans experimenteller Jazz-Avantgarde gibt es schließlich in zwei Wochen das Finale des internationalen Biberacher Jazzpreises in der Gigelberghalle als Kompensation. Für einen entspannten und inspirierten Wochenausklang in fast schon nachpandemischen Zeiten waren die von Samira Saygili und Peter Autschbach gebotenen Stücke jedenfalls genau richtig, wie auch der stürmische Applaus und die zwei bereitwillig gewährten Zugaben bewiesen.

Beginnend mit Elton Johns „Your Song“ in einer an Al Jarreaus legendäre R&B-Version erinnernden und mit einer gehörigen Prise Jazz versehenen Darbietung gingen die musikalischen Preziosen von Anfang an unter die Haut. Die stilistische Bandbreite und künstlerische Reife der Stücke war für sich genommen bereits beeindruckend. Mal klang es eher chansonmäßig, mal kabarettreif, mal mit Scatsilben improvisiert, mit Songtexten auf Englisch, Deutsch und Französisch, ja sogar auf Türkisch, mal mit swingenden oder straight groovenden Rhythmen. Die wandlungsfähige Stimme Saygilis fand sich mal im rasanten Unisono mit der Gitarre, mal solistisch, dank Loopmaschine mit teils mehrschichtiger Gitarrenbegleitung in tiefgründig balladesker Poesie. Nicht einen Moment fehlte es jedoch an jazztypischer Spontaneität, prickelnder, mitreißender Sing- und Spielfreude, kreativem Einfalls- und Variantenreichtum bei den Improvisationen gepaart mit fesselnder Bühnenpräsenz. Und all das trotz total relaxt wirkender natürlicher Lockerheit des Auftretens.

Dem Andenken an ihren an Corona verstorbenen Vater widmete Samira Saygili den „Baba-Song“. Über ruhig pulsierenden Akkorden entfaltete sich eine innige, tief empfundene Hommage an ihren „Baba“, eine wehmütige Erinnerung an glückliche Zeiten aber auch den Dank dafür. Eine weitere, nicht auf der aktuellen CD „Sing!“ enthaltene Komposition, „Rodriques“, eine abgelegene zu Mauritius gehörende Vulkaninsel im Indischen Ozean und die Erinnerungen an einen Aufenthalt in einem der letzten Paradiese der Erde, faszinierte ebenso wie der spontane „Centerpiece Blues“, der ganz aus dem Augenblick heraus lebte und in vielen Facetten changierte. Beinahe transzendentalen Charakter entwickelte die erste Zugabe „Somewhere Over The Rainbow“ in einer höchst eigenständigen Interpretation, die eine begeisterte Konzertbesucherin gar zu der Aussage verleitete, das Stück künftig nur noch in dieser Version anhören zu wollen. In einer Reminiszenz an die Fahrstuhlszene im ersten Blues-Brothers-Film erklang zum Abschluss eine wunderbare, augenzwinkernde Parodie auf das „Girl from Ipanema“. Chapeau!

Text und Fotos: Helmut Schönecker