Archiv – Seite 66 – Jazzclub Biberach e.V.

09.10.2015: Voice Affair & Jazzchor Biberach

Doppel-Chorkonzert im Jazzkeller

„Voice Affair“ zaubert Bombenstimmung in die Hütte

BIBERACH – Jazz der ganz anderen Art gab es gerade im ziemlich überfüllten Biberacher Jazzkeller zu hören. Der neu gegründete „Jazz Chor Biberach“ und der in 20 Jahren „gereifte“ Jazz-Swing-Pop und Soul-Chor „Voice Affair“ gaben sich ein gutgelauntes Stelldichein. Unter der Leitung der Amerikanerin Lib Briscoe versprühten die Sängerinnen und Sänger den authentischen Charme einer originär swingenden und groovenden Musik, die ohne Umwege wie Öl in die Gehörwindungen des dicht gedrängten und begeisterten Publikums floss.

Mit drei munteren Jazztiteln „Agua de Beber“, „Je Veux“ und „Angel Eyes“ zeigte sich der erst seit wenigen Monaten probende „Jazz Chor Biberach“ erstmals der Öffentlichkeit und heizte gewissermaßen als „Vorgruppe“ die Stimmung an. Die Routiniers aus Ravensburg konnten danach mit einem homogenen, ausgewogenen Chorklang und großer Präzision in der rhythmischen Ausführung der glücklich zusammengestellten Titelliste das Publikum für sich einnehmen. Von reinen Jazztiteln eines Bill Evans oder Duke Ellington, die immer wieder durch Improvisationen der dezent groovenden Begleitband aufgelockert wurden, über unsterbliche Musicalmelodien von Cole Porter oder Hits wie „Hit the Road, Jack“, „Mas Que Nada“ und „Africa“ reichte der Melodiencocktail bis hin zu einem höchst diffizilen A-Cappella-Arrangement von „Stairway to Heaven“ oder einem von der Chorleiterin Lib Briscoe eigens eingerichteten Medley aus der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber. Hier konnte der Chor alle Register ziehen. Dichte, sauber intonierte Harmonien, schwebende Leichtigkeit in schillernden Klangfarben, zupackende Rock-Grooves oder zischende und knackige Beatbox-Elemente und dazu das effiziente auch ästhetisch ansprechende, ja fast schon tanzende Dirigat der Chorleiterin lieferten einen Augen- und Ohrenschmaus.

Fehlten dem echten Rockfan die druckvollen Bass-, Schlagzeug- oder auch verzerrten E-Gitarrensounds, den echten Jazzfans die Spontanität und Emotionalität ausgedehnter Instrumentalimprovisationen, so kamen die Freunde guter Chorbearbeitungen doch zu ihrem vollen Genuss. In reiner Intonation und mit modulationsfreudig changierenden Klängen übertrug sich der Spaß am eigenen Tun in vokaler Unmittelbarkeit auf das eifrig applaudierende Publikum, welches dafür mit zwei Zugaben belohnt wurde.  „Sir Duke“ von Stevie Wonder ließ noch einmal eine Welle der Begeisterung aufbranden bevor der von Ray Charles bekannt gemachte Soulschlager „Hit the Road, Jack“ den Kehraus einleitete.

 

gez. H. Schönecker

Voice Affair & Jazzchor Biberach

Am 09.10.2015 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Voice Affair

Das ist ein kleiner experimentierfreudiger gemischter Chor aus Ravensburg und Umgebung sowie aus dem Allgäu. Seit der Gründung im Jahr 1996 sind die 24 Mitglieder auf vielen namhaften Kleinkunstbühnen, in Kirchen und Konzertsälen in Oberschwaben zu hören. Das Programm wird sowohl a capella gesungen als auch von einer Combo begleitet. Piano, Drums, Saxofon und Bass legen ein solides Fundament für ideenreiche, swingende, jazzige und groovende Interpretationen von Jazzstandards, sowie einfühlsame Balladen und fetzige Popsongs. Dabei legt der Chor Wert darauf eine möglichst große Bandbreite von Stilrichtungen zuzulassen, um damit einzelnen Mitgliedern die Möglichkeit der eigenen solistischen Entfaltung zu geben.

Lib Briscoe, in Philadelphia geborene Gesangs- und Tanzpädagogin hat im Jahr 2007 die Leitung übernommen. Es ist ihr gelungen ein typisch amerikanisches Feeling für einen „jazzigen“ Chorgesang zu erzeugen. Viele von ihr selbst arrangierte Stücke lassen leicht ihre musikalischen Wurzeln erkennen.

Sehr gut besuchte Konzerte auf vielen Kleinkunstbühnen, sowie ausverkaufte Benefizkonzerte im Graf-Zeppelin-Haus in Friedrichshafen und im Schwörsaal in Ravensburg zeugen von einem hohen Beliebtheitsgrad des Chores. Erstmals fanden im Dezember 2011 auch weihnachtliche Konzerte statt.

Nicht zuletzt die Teilnahme beim SWR-Chorduell 2012 in Stuttgart, bei dem Voice Affair mit der SWR Bigband auftrat und dabei Platz 2 belegte, ist ein Beweis für eine solide Chorarbeit auf hohem Niveau. Die Bühnenpräsenz des Chores, sowie eine groovende, swingende Band garantieren ein mitreißendes Musikerlebnis.

www.voiceaffair.de

Jazzchor Biberach

Als „Vorgruppe“ zum Ravensburger Chor „Voice Affair“ gibt der Anfang des Jahres neu formierte Jazzchor Biberach (Ltg. & Klavier: Helmut Schönecker) erste Kostproben seines Repertoires zum Besten. In eher weiter Auslegung des Begriffes „Jazz“ gehören auch eher rockige oder bluesige Titel wie „The Heat Is On“ aus „Beverly Hills Cop“ (Solo: Andreas Linke mit Chor) oder jazzaffine neue französische Chansons wie „Je veux“ von ZAZ (Solo: Jasmin Mohn mit Chor) zum Programm. Bewährte Jazzstandards wie „Agua de Beber“ von A.C. Jobim oder „Angel Eyes“ von Matt Dennis mit wunderschön schrägen Jazzharmonien in speziellen Chorarrangements dürfen selbstverständlich nicht fehlen.

Eintritt 15/12 EUR

Karten & Reservierung: kasse@jazzbiber.de
bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts

25.09.2015: Sonore Wandbehänge

„Sonore Wandbehänge“ aus Dresden und Berlin gastieren im Jazzkeller

Eric Satie goes Jazz

BIBERACH – Das hätte sich der rebellische Stammvater des Minimalismus und Kubismus, Erik Satie, bestimmt nicht träumen lassen. Fünf junge Jazzmusiker mit dem klingenden Bandnamen „Sonore Wandbehänge“, die zum 150. Geburtstag Saties 2016 ihre erste CD auf den Markt bringen wollen, spielen fast ausschließlich Stücke des französischen Sonderlings, der seinerseits mit seinen Miniaturen den komplizierten Orchesterexzessen seiner Zeit und insbesondere Wagner etwas entgegensetzen wollte. Witzig. Sarkastisch. Sardonisch. Das Publikum im gut besuchten Jazzkeller hatte sichtlich Freude an dem Unterfangen des 2014 für seine Interpretation zeitgenössischer Musik mit dem BASF-eco-Preis prämierten Ensembles.

Selten wurde der philosophische Altmeister Adorno, der nicht nur mit seinem bissigen Lob über Satie („in den schnöden und albernen Klavierstücken Saties blitzen Erfahrungen auf, von denen die Wiener Schönbergschule sich nichts träumen ließ“) sondern auch mit seiner auf weitgehender Unkenntnis beruhenden, wütenden Ablehnung des Jazz offenbar daneben lag, so geist- und humorvoll widerlegt.

Hinter der lässigen Melancholie von Saties berühmter „Gymnopédie No. 1“, die in diversen Soundtracks und Bearbeitungen aufbereitet wurde, geraten seine skurrilen Klavierstücke oft in Vergessenheit. In der Instrumentation der „Sonoren Wandbehänge“ (der Name geht auf ein unveröffentlichtes Musikstück von Satie zurück) und immer wieder um improvisierte Teile erweitert, erwachen die schlichten Stückchen jedoch prickelnd zu neuem Leben. Die „Wandbehänge“ namentlich Frontmann Otto Hirte (sax, fl, cl), Leon Albert (g), Marius Moritz (p), der sich als sympathischer Moderator versuchte, sowie Sebastian Braun (kb) und Halym Kim (dr) geben den Vorlagen – ganz jazztypisch – mal mehr mal weniger Raum, lassen weg, was ihnen nicht zusagt und improvisieren dazu Neues im Idiom des 21. Jahrhunderts. Vor allem aber geben sie den Stücken Saties, ohne diesen ihre Würde und jeweiligen Besonderheiten zu nehmen, neue, teils auch recht komplexe Strukturen und Farben.

Unter den zahlreichen Stücken Saties ragten die zwei Stücke für einen Hund „Seul À La Maison“ (Allein zu Haus) und „Sévère Réprimande“ (Strenger Verweis) besonders hervor. Sie sprachen in ihrer pittoresken Anschaulichkeit für sich, regten die Fantasie der Zuhörer an und brachten nicht nur Hundehalter zum Schmunzeln. Zur Auflockerung gaben die „Sonoren Wandbehänge“ neben Satie auch noch zwei zeitgenössische Kompositionen des rumänisch-ungarisch-österreichischen Komponisten Györgi Ligeti (u.a. Filmmusik zu „Odyssee im Weltraum“) zum Besten. Auch hier erwies sich die Chuzpe der „Sonoren Wandbehänge“, bekannte und charakteristische zeitgenössische Kompositionen ungeniert durch die Brille des Jazzmusikers zu betrachten und auch mal gegen den Strich zu bürsten, als durchaus fruchtbar. Dem kunstsinnigen Publikum hat es jedenfalls gut gefallen.

gez. H. Schönecker

Sonore Wandbehänge

Am 25.09.2015 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
– Die Musik von Erik Satie –

Mystische Tänze antiker Kulturen, klingende Architektur und skurrile Geschichten zwischen den Zeilen finden sich in der Musik von Erik Satie (1866-1925), dem französischen Komponisten, dem zeitlosen Phonometrographen, der uns bis heute mit vielen Fragen zurücklässt. Diesen Fragen stellen sich „Sonore Wandbehänge“, indem sie seine Klavierkompositionen für ihre Besetzung instrumentieren und innerhalb dieser Stücke Improvisationsräume schaffen, um sie im Empfinden eines Musikers des 21. Jahrhunderts zu interpretieren.

Dafür wurde das Quintett im Januar 2014 beim Ensemblewettbewerb der HfM Dresden mit dem eco-Preis der BASF für die beste Interpretation zeitgenössischer Musik ausgezeichnet.

Besetzung:

Otto Hirte (sax, fl)
Leon Albert (git)
Marius Moritz (p)
Sebastian Braun (db)
Ha Lym Kim (dr)

Eintritt: 15/12 EUR

Karten & Reservierung: kasse@jazzbiber.de
bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts

http://www.sonorewandbehaenge.de/

19.06.2015: Verena Nübel Quartett

Jazzkeller: Verena-Nübel-Quartett zum Halbjahresabschluss

Verena Nübel macht Laune

BIBERACH – Mit leichtfüßig-urbanem Jazz ins Wochenende driften ist für viele Biberacher Jazzfans schon eine lieb gewordenen Gewohnheit. So lauschten zum Abschluss des Halbjahresprogrammes des Biberacher Jazzclubs beim Freitagabendkonzert im Jazzkeller wieder zahlreiche Gäste dem aus der Landeshauptstadt angereisten Jazz-Quartett, das im Rahmen des vom Deutschen Musikrates ausgerufenen „Tags der Musik 2015“ die aktuelle CD „Beat my Dog“ vorstellte.

Bandleaderin, Komponistin und Sängerin Verena Nübel moderierte sympathisch unprätentiös durch den Abend, wies gleich auf eine Besetzungsänderung und die möglichen Konsequenzen hin – der verhinderte Stammpianist musste kurzfristig durch Christoph Heckeler ersetzt werden – und stürzte sich dann beherzt ins musikalische Abenteuer. Jazz lebt von der Improvisation und die neue Konstellation sollte also eine kreative Neudefinition der CD-Titel mit sich bringen. Vor allem auch, weil dem Pianisten in einer Quartettformation mit Sängerin, Kontrabass und Schlagzeug in der Regel die Hauptgestaltungsaufgaben obliegen. Erleichtert wurden Heckeler diese Aufgaben allerdings durch einprägsame, gestaltkräftige Melodien in eingängigen Harmoniefolgen in durchaus konventionellen Strukturen sowie den – im Jazz nicht immer selbstverständlich – sorgfältig ausnotierten Kompositionen von Verena Nübel.  Heckelers stupende Technik, sein variantenreiches Spiel und seine pianistische Erfahrung ließen jedoch schnell vergessen, dass hier einer von der „Reservebank“ spielte.

Dass sich die mal skurrilen, mal ernsten, mal verträumten musikalischen Geschichten aus der Feder Nübels nicht ganz ohne Reibungsverluste ins neue Outfit übertragen ließen, kommt vielleicht am ehesten in einer Rückfrage eines Besuchers in der Pause zum Ausdruck, „wann denn nun endlich die leidenschaftlichen, temperamentvollen, frechen Stücke mit den im Vorbericht angekündigten Emotionen kommen“. In der Tat schienen die musikalisch reflektierten Lebenserfahrungen Nübels anfangs noch etwas verhalten rüber zu kommen. Eine gewisse Anspannung war unverkennbar. Am Beifall und am Mienenspiel der Musiker war dann jedoch zunehmend die wachsende Spielfreude abzulesen. Vor allem die souligen oder auch leicht funkigen Stücke, die facettenreichen Scatimprovisationen Nübels, die brillanten Klavierimprovisationen, die sicht- und hörbare Spielfreude von Roberto Volse am voll tönenden Kontrabass und dem verlässlich groovenden Felix Schrack am Schlagzeug, vor allem aber auch ein inspirierter „Red Cherry Blues“ über einen Kirschbaum aus Nübels Kindheit, ließen schnell vergessen, was anfänglich wohl die Leidenschaften etwas bremste.

Spätestens als die Zugaben ausgingen und eine Rumba aus dem ersten Set wiederholt werden musste, war auch den freudestrahlenden Interpreten des Abends klar, dass ihr Experiment gelungen war. Lediglich die Geschichte mit dem Hund blieb eigentümlich farblos.

Gez. Helmut Schönecker

 

Verena Nübel Quartett

Am 19.06.2015 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Verena Nübel Quartett – „Beat My Dog“

Am Freitag 19. Juni 2015 um 20:30 Uhr ist das Stuttgarter Verena Nübel Quartett im Jazzkeller zu Gast. Geschichten erzählen – skurrile, ernste, verträumte, darin liegt der Antrieb der Band um die Sängerin Verena Nübel. Kompositionen und Texte wie Fußabdrücke des eigenen Lebens und derer, die uns auf dem Weg begleiten. Jede Spur in einem eigenen musikalischen Gewand. Mal eingehüllt in eine traurige Ballade, mal impulsiv soulig mit einem Hauch von Funk. Das ausdrucksstarke Spiel des Quartetts weckt Emotionen, die das Publikum wie durch ein unsichtbares Band mit den Musikern verbinden.

Ach ja – und dann ist da noch die Geschichte mit dem Hund …

Lassen Sie sich überraschen von Verena Nübel (vocals), Christoph Heckeler (piano), Roberto Volse (bass), Felix Schrack (drums).