Archiv – Seite 60 – Jazzclub Biberach e.V.

Christoph Stiefel Inner Language Trio

Am 11.11.2016 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Christoph Stiefel & Inner Language Trio

„Hochgradig eingenständige Kammermusik, die sich als große Kunst entpuppt“, „… gehört zum Spannendsten, was der Piano-Jazz zur Zeit zu bieten hat!“, „Weltklasse Klangerlebnis!“ ,“Funky, superheiß und hochkomplex: der Kopf versucht die Struktur zu durchdringen während die Knie kaum still halten können…“

Solche und ähnliche Urteile kursieren momentan durch die (Fach)Presse, wenn von Christoph Stiefel und seinem Inner Language Trio die Rede ist. Im Trio neu mit dabei zwei herausragende Musiker der jüngeren Generation: Arne Huber am Kontrabass und Tobi Backhaus am Schlagzeug.

Christoph Stiefel befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit der Verschiebung und Überlagerung rhythmischer Muster, inspiriert von einer Kompositionstechnik aus dem Mittelalter, der Isorhythmik. Das Inner Language Trio bewegt sich mit diesem Kompositionskonzept zwischen Präzision und Entfesselung, in einem modernen Jazz-Piano-Trio Sound, der unwiderstehliche rhythmische Energie produziert. Es entsteht eine Musik, die gleichzeitig komplex und einfach, intellektuell und emotional, abstrakt und sinnlich ist.

Die letzte CD „Inner Language Trio live!“, wurde im Sept 2012 vom englischen Label Basho Records international veröffentlicht. Im Frühling 2014 ist die neue CD „Big Ship“ von Basho Records veröffentlicht worden.

Christoph Stiefel (piano), Arne Huber (bass), Tobi Backhaus (drums)

www.christophstiefel.ch

Eintritt 15/12 EUR

Reservierungen unter < kasse@jazzbiber.de > bis spätestens 12:00 Uhr am Tag des Konzerts.

21.10.2016: nic demasow

„Nic demasow“ im Jazzkeller

Vom atmosphärischen Rauschen zur Musik der Welten

BIBERACH – Ein interessiertes und aufmerksames Publikum im Jazzkeller ließ sich bereitwillig mitnehmen auf eine Reise ins noch weitgehend unbekannte Reich der „Musik 4.0“. Dekonstruktion und Neuaufbau nach eigenen gut nachvollziehbaren Kriterien dürften die kompositorischen Verfahren des Darmstädter Trios um Martin Sadowski mit dem Kunstnamen „nic demasow“ wohl am besten charakterisieren. Auf dieselbe Weise, passend zur Musik, entstand denn auch der Bandname aus den Anfangssilben der Namen ihrer Mitglieder.

Als Hommage an Terry Riley, einen der wichtigsten Vertreter der „Minimal Music“ der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts, trug der Opener des Konzertabends den Titel „In C“. Wie in der berühmten Vorlage rankte sich auch hier alles um den Zentralton c, womit sich aber die konkreten Gemeinsamkeiten schon erschöpften. Wie im musikalischen Minimalismus, der sich selbst als Reaktion auf die bis dahin dominierende, hochkomplexe und oft sehr abstrakte serielle Musik verstand, zerlegen auch der in Darmstadt lebende Martin Sadowski mit Biberacher Wurzeln mit seinen beiden Mitstreitern an Saxofon und Schlagzeug, Denise Frey (Sopran- und Alt-Saxophon) und Nico Petry (Schlagzeug), die Musik erst einmal in kleinste Patterns und Motive um diese dann zu neuen Strukturen zu formieren, zu neuem Leben zu erwecken, in neue Zusammenhänge zu bringen.

Unter massivem Einsatz elektronischer Klangmanipulatoren und – im Fachjargon oft auch als „Tretminen“ bezeichneten – Multieffektgeräten wurde das Instrumentalspiel des Trios oft nur noch als Materialquelle für die digitale Weiterverarbeitung benutzt. Sequenzierung, Verwendung von Mehrfach-Delays, ein sich permanent wandelndes Kontinuum zwischen Geräusch und harmonischem Klang, komplexe Übereinanderschichtungen rhythmischer, melodischer und harmonischer Motive erzeugten eine räumliche Tiefe und Intensität der Musik, die bei aller Vielfalt und mitunter psychedelischen Unbestimmtheit doch erstaunlich hohen Wiedererkennungswert und harmonische Ausgewogenheit erzielten. Dem ästhetischen Ideal der „Einheit in der Mannigfaltigkeit“ wuchs hier eine überraschend zeitgemäße Bedeutung zu. Weitere Titel wie „Raga“ in einem „Mash-Up“ mit „Reggae“ oder „1984“ in Anlehnung an Haruki Murakamis Kultroman „1Q84“ legten davon ebenso Zeugnis ab wie die Rückbeziehung auf „Bach“, „Samba“ oder „D’n’B“ (Drum & Bass) in den gleichnamigen Kompositionen Sadowskis.

Ein manches Mal auch an Filmmusik erinnernd („Cinematic“) entstand eine neuartige Musik, die zum Davonschweben einlud, zur Reise durch die Tiefen des Weltalls, vorbei an unbekannten Welten mit unbekannten Klängen und Farben. Unbekannte aber dennoch hörbar organisierte Welten mit einer schier grenzenlosen Vielfalt und je eigenen Galaxien mit immer neuen Formen und Schattierungen ließen diese Reise überraschend kurzweilig und unterhaltsam erscheinen. Der Strahlantrieb dieser Reise ins Unbekannte wurzelte einerseits in einem elementaren, digital vermittelten Spieltrieb, andererseits aber auch in immer wieder aus der Tiefe aufsteigenden Grooves und Rhythmuspatterns, besonders vom klangmächtigen 6saitigen E-Bass Sadowskis. Diese Patterns aus Blues, Rock oder Funk waren es denn auch vor allem, welche die nic-demasow’sche Musik erdeten und ihre Teile zusammen und vielleicht auch das Publikum auf der langen kurzweiligen Reise durch einen fantastischen Kosmos bei der Stange hielten. Jedenfalls wurden die drei hörenswerten Künstler nicht ohne Zugabe wieder in ihre Parallelwelt mit den zwei Monden entlassen.

gez. H. Schönecker

nic demasow

Am 21.10.2016 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
nic demasow

Elektronische Musik, Rock, Funk und zeitgenössische Musik: Das sind die Elemente, aus denen die Musik des Darmstädter Trios schöpft.

Die drei Musiker widmen sich der lebendigen Interaktion und Improvisation. Sie verwenden Themen und Motive persönlicher Vorbilder und entwickeln daraus eine eigene Musiksprache mit Wiedererkennungswert. Auf diesem Weg finden nic demasow über diverse musikalische Stile und Spielformen immer wieder zurück zum Ursprung der Jazzmusik. Die Eigenkompositionen bewegen sich zwischen auskomponierten Arrangements und freier Improvisation. Eine Live-Performance der besonderen Art erwartet Sie.

nic demasow besteht aus Denise Frey (Saxophone und Elektronik), Martin Sadowski (Bass, Gitarre, Elektronik) und Nico Petry (Drums, Percussion, Elektronik).

http://nicdemasow.de/

Eintritt 15/12 EUR

Kartenreservierungen unter kasse@jazzbiber.de bis spätestens 12:00 Uhr am Tag des Konzerts.

Paulina Lenda & Kruki

Am 14.10.2016 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Die vier Schweidnitzer Musiker Paulina Lenda (Gesang), Bartek Cooper (Bassgitarre), Mateusz Chocholek (Schlagzeug) und Piotr Krakowski (Gitarre) sind Freunde und machen Rockmusik mit Ausflügen in Grunge und Blues-Rock. Die Band ist in Polen wiederholt bei größeren Festivals und Wettbewerben erfolfreich aufgetreten, ebenso in verschiedenen TV-Shows. Paulina Lenda wurde 2005 als 15-Jährige bei einem „Got Talent“-Wettbewerb entdeckt, sie tritt auch als Solo-Sängerin auf und wird wegen ihrer tiefen, kräftigen und variationsfähigen Stimme vielseitig gelobt.

Das Quartett tritt auf im Rahmen der Polnischen Wochen in Kooperation mit dem Kulturamt und dem Partnerschaftsverein.

Eintritt 15/12 EUR

07.10.2016: Stefanie Boltz Quartett

Stefanie Boltz – Quartett im Jazzkeller

Love, Lakes & Snakes

BIBERACH – Der akustische „Vocal Jazz & Pop“ der von der Kritik hochgelobten Münchner Sängerin Stefanie Boltz mit ihrem Quartett elektrisierte und begeisterte die Gäste im bis auf den letzten Platz besetzten Jazzkeller. Die CD „Love, Lakes & Snakes“ mit ihrem Solo-Debut von 2014 überzeugte auch in der Liveversion. Die vielseitige Jazzsängerin komponierte zusammen mit dem Produzenten Sven Faller (Kontrabass) nahezu alle Titel des Albums. Abwechslungsreich und mit großer emotionaler Tiefe im Ausdruck entführten die eingängigen Melodien in eine ganz persönliche, atmosphärisch dichte Klangwelt voller Anmut.

Viele der Titel wie „Sunrise“ oder das pragmatische „Don’t leave your coffee by the bed“ kamen balladenhaft daher und entfalteten in sympathisch unaufgeregter Weise weite Klangräume in deren Tiefen noch Platz für durch die Liedtexte angestoßene eigene Gedanken und Gefühle blieb. Aber auch zupackend im R & B- oder Gospelstil groovende Titel wie „Honeybunny“, das rockig rasante „Take it all away“ oder countrymäßig fetzige Nummern wie „Molignon“, der von Stefanie Boltz‘ Erfahrungen auf dem gleichnamigen Südtiroler Klettersteig berichtet, nehmen die Zuhörer mit auf die Reise ins Innere des Boltz’schen Klangkosmos. Bei aller Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme bleibt Stefanie Boltz dabei doch immer natürlich und authentisch. Obwohl ihre beeindruckende Stimme unzweifelhaft im Mittelpunkt aller Interpretationen steht, ergeben sich doch auch für ihre Mitstreiter Paul Morello (Gitarre) und Tilman Herpichböhm (Schlagzeug), die sie ansonsten verlässlich auf Händen tragen, immer wieder gestalterische Freiräume, die sie in jazztypischer Weise auch improvisatorisch nutzten. Besonders Paul Morello aber auch Sven Faller ließen dabei immer wieder Kostproben ihres Könnens aufblitzen.

Dem eingefleischten Jazzfan unter den Zuhörern dürfte der improvisierte Anteil vielleicht etwas zu kurz gekommen sein. Vielleicht stieß auch die schlagerhafte Eingängigkeit mancher Songs des „Akustik Pop“ da oder dort auf eine gewisse Skepsis und Zurückhaltung. Entschädigt wurden aber auch die Puristen dafür durch gestaltkräftige, einprägsame Melodien mit dem Potential zu Evergreens, wie etwa den Refrain des stimmungsvollen Songs „Bright Life“. Entschädigt wurden sie auch durch die subtile Sinnlichkeit und Leidenschaft tief empfundener Kantilenen der temperamentvollen Sängerin, die überdies auch noch durch phänomenales Timing, präzise und nuancenreiche Intonation sowie eine charmanten Anmoderation der Titel bestach.

Zwei Zugaben und reißender CD-Absatz sprachen jedenfalls für die außerordentliche Zufriedenheit über die künstlerische Entwicklung von Stefanie Boltz, die bereits 2012 im Duo mit Sven Faller als „Le Bang Bang“ im Jazzkeller ihr Biberach-Debut gegeben und bereits damals viele Fans gefunden hatte.

gez. H. Schönecker