Archiv – Seite 60 – Jazzclub Biberach e.V.

Offshore

Am 23.09.2016 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
2009 gründete sich die Band Offshore aus Studenten der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Ihr Repertoire besteht ausschließlich aus Eigenkompositionen, die speziell auf die besondere Besetzung zugeschnitten sind und stets allen fünf Musikern reichlich Freiheiten gewähren. Eingängige Melodien und Rhythmen werden improvisatorisch an spontane Ideen angepasst. Bestehende Formteile werden geöffnet, neue hinzu improvisiert und ganze Stücke miteinander verbunden. Mit anderen Worten: aus der Quelle der Komposition wird geschöpft, was der Moment gerade musikalisch einfordert.

Die Band Offshore spielte unter anderem beim Bayerischen Jazzweekend 2010, dem WDR Jazzfest Köln 2013, der Jazzwoche Burghausen 2013, dem Jazzfestival Saarbrücken 2014, Jazzlights Oberkochen 2014 und der Jazzrally Düsseldorf 2015. Sie ist Preisträger des internationalen Nachwuchspreises „Startbahn Jazz 2010″, des „CONVENTO Jazzpreis 2011“ sowie Finalist und Solistenpreisträger (Dierk Peters) beim Europäischen Jazzpreis der Jazzwoche Burghausen 2011. Im Februar 2013 hat die Band ihr Debüt-Album „Côte De Cologne“ in der „Next Generation“-Reihe der JazzThing veröffentlicht und dieses 2013 im Rahmen von rund 40 Konzerten präsentiert.

Mit „Rootville“ (Doublemoon Records) liegt nun das zweite Album vor, über das die JazzThing (Ausg 9/14) schreibt :

„In dieser dichten, atmosphärischen, dramaturgisch vorbildlichen, harmonisch opulenten, kompositorisch anspruchsvollen und doch zugleich zugänglichen, die Fantasie anregenden Musik vermisst man nichts.“

Besetzung:

Christoph Möckel (Tenor-/Sopransax)
Dierk Peters (Vibrafon)
Constantin Krahmer (Klavier)
Oliver Lutz (Bass )
Fabian Rösch (Schlagzeug)

www.offshore-quintett.de
https://www.facebook.com/offshore.jazz/

03.06.2016: Lorenz Kellhuber

Gelungene Überraschung im Jazzkeller

Lorenz Kellhuber – Exerzitien statt B3 Power

BIBERACH – Der für das letzte Freitagskonzert des Jazzclubs vor der Sommerpause angekündigte Fusion-Mix aus Jazz und Rock von dem Quartett „B3“ aus Berlin musste krankheitsbedingt leider sehr kurzfristig abgesagt werden. Durch einen glücklichen Zufall war jedoch der mehrfach preisgekrönte Pianist Lorenz Kellhuber gerade in Süddeutschland unterwegs und konnte noch eine Station beim Biberacher Jazzclub einschieben. Und obwohl stilistisch völlig anders geartet, mussten auch diejenigen Gäste, welche die Programmänderung der Tagespresse nicht mehr entnehmen konnten, keine Enttäuschung hinnehmen.

Natürlich war der Sound ein völlig anderer. Und wer den prickelnden Klang der legendären Hammond B3 im rockigen Band-Ambiente erwartet hatte, musste seine Hörgewohnheiten kräftig umstellen. Dennoch war es nicht nur Lorenz Kellhubers  als Zugabe dargebrachte, durch den „Rhythm & Blues“ der späten 60er inspirierte Ballade „Little Wing“ von Jimi Hendrix, die jene Fusion verschiedenster Stilelemente unter dem Übergriff „Jazz“ überzeugend vermitteln konnte.

Lorenz Kellhuber Solo heißt, nach Ansage des Künstlers, ihm auf teils verschlungenen, teils aber auch äußerst geradlinigen Pfaden, immer aus der Perspektive des Jazz, durch kreative Tastenwelten hindurch zu folgen und in ein schillerndes Universum mal komplexer, mal minimalistisch meditativer Strukturen einzutauchen. Ließ Kellhubers erster Titel ohne Namen, vom pianistischen Anspruch, von der Ausdehnung und von der formalen Anlage her durchaus mit dem Kopfsatz einer großen klassischen Sonate zu vergleichen, noch an pianistische Vorbilder wie den ebenfalls klassisch ausgebildeten Keith Jarrett denken, so führte der kontrastierende zweite Titel, gewissermaßen als zweiter Satz in eine vollkommen andere Welt.

Psychedelische Anklänge oder auch Inspirationen durch die „Minimal Music“ kennzeichneten einen durch  einen kurzen harmonisch-melodisch gefälligen Rahmen eingefassten, schier endlos langen Mittelteil, der seinerseits auf einer vielhundertfach repetierten und dabei einer allmählichen Metamorphose unterworfenen Sekundfigur beruhte. Dieses Konstrukt führte entweder ins künstlerisch erfüllte Nirwana kontemplativer Vergeistigung oder aber bei ungeduldigen Zeitgenossen – wie manche suchende Blicke vielleicht suggerieren wollten – in die schiere Verzweiflung. Wer in größeren Zusammenhängen hörte, konnte die Repetitionsfigur jedoch als strukturelles Rückgrat begreifen, als Fels in einer Brandung aus synkopisch darunter und darüber gesetzten Akkordtürmen analog den elektronisch generierten Loops in zeitgenössischen HipHop- und Dance-Grooves. Für einen (Jazz-) Pianisten stellt dies eine echte Herausforderung dar, an der sich gleichwohl seit der barocken Passacaglia oder Chaconne in einer langen Tradition immer wieder die größten Meister virtuos-polyphoner Spieltechniken gemessen haben.

Heiter und beschwingt, ja beinahe tänzerisch ging es nach der Pause in der Art eines „Scherzo“, dem beliebten dritten Satz klassischer Sonaten, kurzweilig weiter. Als aber darauf bereits die Zugabe folgte, wurde dem konzentrierten Hörer überrascht klar, dass der Konzertabend bereits nach dem vierten Stück zu Ende ging. Ein großer Meister seines Faches, völlig zu Recht erster deutscher Gewinner der renommierten „Parmigiani  Montreux Jazz Solo Piano Competition 2014“ und bereits 2010 Finalist beim Biberacher Jazzpreis, spannte hier einen großen Spannungsbogen in einem frei improvisierten abendfüllenden Solokonzert. So hören sich Sieger an.

gez. H. Schönecker

Lorenz Kellhuber – Piano

Am 03.06.2016 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Leider musste die Band B3 krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Es ist uns gelungen, einen tollen Ersatz zu verpflichten: Lorenz Kellhuber (piano).

„Einer der interessantesten Jazzpianisten seiner Generation“ (Fono Forum)

„Er ist schon ein Teufelskerl, dieser Lorenz Kellhuber.“ (Jazz thing)

„Unglaublich gelassen und erfahren“ (Jazzpodium)

„Diese energiegeladene, innovative Musik gehört zum spannendsten, das ich seit langem gehört habe. Chapeau!“ (Concerto)

„State Of Mind“ EPK: https://youtu.be/JLGjQPG-lQE

Lorenz Kellhuber Trio – „Down Under“: https://youtu.be/osaaOk-Rw_8

Soundcloud: https://soundcloud.com/lorenzkellhuber

Website: www.lorenzkellhuber.com

Nicht erst seit seinem zweiten, von der Presse hoch gelobten Album „Cosmos“ gilt Lorenz Kellhuber als außergewöhnliches Talent in der Jazzszene. Im Sommer 2014 kührt ihn Monty Alexander als ersten deutschen Musiker zum Sieger der renommierten Parmigiani Montreux Jazz Piano Solo Competition. Im Juli 2015 spielte Lorenz Kellhuber dann beim 49. Montreux Jazz Festival und kürzlich wurde er in der Kategorie „Newcomer des Jahres“ für den Echo Jazz 2016 nominiert.

Eintritt 15/12 EUR

Reservierungen unter < kasse@jazzbiber.de > bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts.

13.05.2016: Swingin‘ Woods

Swingende Leichtigkeit mit der Barbara Bürkle Band im Biberacher Jazzclub

Swingin‘ Woods – Ein Name wird Programm

BIBERACH – Zum 50. Todestag von Nat „King“ Cole, dem legendären afroamerikanischen Jazzpianisten und Sänger im Grenzbereich zwischen Jazz und Pop, brachte Barbara Bürkle mit ihrer Band im vergangenen Jahr unter dem Titel „Swingin‘ Woods“ eine Tribute-CD heraus, die nun im Biberacher Jazzkeller den Löwenanteil eines vom Publikum begeistert aufgenommenen Programms ausmachte. Vor allem die swingende Leichtigkeit und die warme, leicht rauchige Stimme des großartigen Vorbildes kamen in den neuarrangierten Songs bestens zur Geltung. Cole’s historischem Verdienst um kleine, transparente Besetzungen ohne Schlagzeug, trug die unverkennbar swingfreudige Bandbesetzung aus Klavier (Thilo Wagner), Kontrabass (Jens Loh) und Gitarre (Christoph Neuhaus in Vertretung des erkrankten Lorenzo Petrocca) eindrucksvoll Rechnung.

Natürlich durften die großen Nat „King“ Cole Hits, wie das zum Standard gewordene „Gee, Baby, Ain’t I Good to You“ oder dem von Bürkle herausragend interpretierten „Nature Boy“ nicht im Programm fehlen, welches zusätzlich durch gefällige Swingtitel von Cole Porter oder Georg Gershwin aufgelockert wurde. Dabei beschränkten sich die Stücke keineswegs auf Coverversionen der Originale. Eine lebendige Auseinandersetzung mit den Sujets, überraschende, witzige und durchweg auch hochvirtuose Improvisationen ließen die Wogen der Begeisterung im bis auf den letzten Platz besetzten Jazzkeller immer wieder hochkochen.

Dem „virtuellen“ Duett „Unforgettable“ mit ihrem verstorbenen Vater verdankte die Anfang des Jahres ebenfalls verstorbene Natalie Cole drei Grammys und Barbara Bürkle eines der Highlights im Freitagskonzert des Jazzclubs. Im Unterschied zu „King“ Coles legendärer, immer etwas zu tief angesetzter Intonation saß bei Bürkle auch in den virtuosesten Passagen jeder Ton genau richtig. Ihre samtweiche, natürliche und lediglich in den allertiefsten Lagen etwas flachere Stimme kam besonders in den Balladen zur Geltung. Wie ihre hochkarätigen Mitstreiter hatte sie jedoch auch in den rasantesten Swingtiteln keinerlei Mühe. Ganz im Gegenteil. Gerade in den schnellen Nummern blühte das Quartett, allen voran der in geradezu genialer Leichtigkeit swingende Thilo Wagner, regelrecht auf, die Spielfreude wurde fast mit Händen greifbar und übertrug sich unmittelbar auf ein zunehmend gut gelauntes Publikum.

Zum absoluten Höhepunkt des Abends geriet Barbara Bürkle, die ihre Songs auch geistreich anmoderierte, das im Duo mit dem kurzfristig für Petrocca eingesprungenen und seinerseits hochdekorierten „Ersatz“ – Gitarristen Christoph Neuhaus. Charlie Chaplins legendärer Titel „Smile“ aus dem Spielfilm „Moderne Zeiten“ erlebte, wie seinerzeit durch Nat „King“ Cole eine tiefempfundene Reinkarnation. Ein ausgedehntes und weitausholendes Intro von Neuhaus näherte sich, diese konzentrisch umkreisend, allmählich der Kernmelodie an, die dann von Bürkle zärtlich aufgegriffen und in knisternd prickelnder Sanftheit ausgestaltet wurde, bevor in einer weiteren Gitarrenimprovisation dann auch die Rückseite der Medaille vorgestellt wurde.

Mit einer stimmungsvollen Interpretation des Klassikers „When I Fall In Love“ als Zugabe verabschiedete sich die alles andere als „hölzern“ swingende Formation aus der Landeshauptstadt. In den „Swingin‘ Woods“ fanden sich die aus Holz gemachten, natürlich schwingenden, akustischen Instrumente der Formation in einer fruchtbaren Synthese mit Bürkles sympathisch-natürlicher und nur dezent verstärkten Stimme zusammen, der Name war Programm geworden.

gez. H. Schönecker

 

Swingin‘ Woods – A Tribute to Nat King Cole

Am 13.05.2016 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Das Stuttgarter Quartett ist tief im Swing verwurzelt und vermag es, dem Zuhörer ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern mit einer Mischung aus Witz, Wärme und Virtuosität. Aufgrund seiner Besetzung drängt sich ein Programm förmlich auf: eine Hommage an Nat King Cole – den Pianisten mit der samtenen Stimme, dessen zahlreiche Aufnahmen bis heute sowohl Fans großer Balladen als auch Liebhaber von zupackendem Swing begeistern. Ob Klassiker wie „When I Fall In Love“ und „Straighten Up And Fly Right“ oder Kostbarkeiten wie „Beautiful Moons Ago“ und „The Trouble With Me Is You“ – stets werden die Titel auf stilvolle, frische Art und Weise interpretiert.

Im Sommer 2015 wurde anlässlich des 50. Todestages von Nat King Cole ihr gemeinsames Debütalbum bei mochermusic veröffentlicht und auf einer Tour vorgestellt. Die Sängerin Barbara Bürkle belegte 2010 bei der „Thelonious Monk Competition“ in Washington, D.C. den 4. Platz. Die Jury bestand hierbei u.a. aus Al Jarreau und Dee Dee Bridgewater. Der Pianist Thilo Wagner spielte u.a. mit Scott Hamilton, Jim Hall, Art Farmer, Slide Hampton und Clark Terry und ist mittlerweile auf mehr als 70 CDs zu hören. Lorenzo Petrocca war vor seiner Gitarrenkarriere bereits württembergischer Boxmeister. Konzerttourneen, u.a. mit seinem eigenen Quartett, führten ihn um die ganze Welt. Jens Loh ist ein weitgereister Bassist, der mit großen Musikern wie Richie Beirach, Nils Petter Molvaer und Ack van Rooyen zusammenarbeitete.

Besetzung: Barbara Bürkle (voc), Thilo Wagner (p), Lorenzo Petrocca (g), Jens Loh (b)

Eintritt 15/12 EUR

Reservierungen unter < kasse@jazzbiber.de > bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts.

29.04.2016: Subtone

Die Essenz des Guten:

Aufregender Modern Jazz mit „Subtone“ bei den Jazzbibern

BIBERACH – Noch vor einer Woche einer der Topacts auf der „jazzahead!“ in Bremen, gastierte mit „Subtone“ eine der innovativsten Bands der internationalen neuen Jazzszene im voll besetzten Biberacher Jazzkeller. Mit Max von Mosch (Tenorsaxophon, u.a. 2001 Gewinner des Biberacher Jazzpreises) und dem Bandleader Magnus Schrieffl (Trompete/Flügelhorn, 2011 Gewinner der National Trumpet Competition in den USA) gesellten sich zwei kongeniale Solisten zu dem ebenfalls preisgekrönten New Yorker Pianisten Florian Hoefner (2015 Stingray Rising Star Award in Montreal), die in rasanten Unisonopassagen das Publikum verblüfften und in inspirierten Soloimprovisationen entzückten. Matthias Pichler am Bass und Peter Gall am Schlagzeug, beides ausgewiesene Meister ihres Faches, komplettierten das Quintett zu einer schlagkräftigen, energiegeladenen Einheit die es verstand, ihr Publikum vom ersten Ton an zu fesseln und nachhaltig zu beeindrucken.

 

Die Weltstadt des Jazz, New York, hat der in Nürnberg geborene Pianist und Komponist Florian Hoefner bereits 2008 erobert. Seitdem lag dort sein Lebensmittelpunkt bis er vor zwei Jahren nach Neufundland übersiedelte, seiner Frau folgend, die dort eine Professur angenommen hatte. Die ersten Eindrücke von dort flossen ein in seine herausragende und preisgekrönte Komposition „Newfound Jig“, die er vergangenes Jahr mit seiner eigenen Band auf seinem im Dezember 2015 erschienenen Album „Luminosity“ einspielte. Nach wie vor spielt Florian jedoch auch in der 2005 in Berlin gegründeten Gruppe „Subtone“. Mit dieser gastierte er jetzt im Biberacher Jazzkeller und brachte damit mehr als nur einen Hauch Haupt- und Weltstadtjazz zu den Jazzbibern, deren Herzen er im Sturm eroberte.

 

Und eines der Highlights im Biberacher Programm war eben dieser vielgestaltige, dem lebhaften jahrhundertealten irischen Volkstanz nachempfundene „Newfound Jig“, der aus komplexen 3er Rhythmen in einem temperamentvollen Parforceritt besteht. Strukturelle Dichte, gestalterische Intensität und hohe Ausdruckstiefe waren trotz des Höllentempos hierbei keine Gegensätze, sondern eine Selbstverständlichkeit. Ebenso wie die Fähigkeit der fünf Musiker, allesamt auch herausragende Solisten, sich in eine gemeinsame Bandkonzeption einzufügen, die im Ergebnis mehr ergibt als nur die Summe ihrer Teile.

 

Weitere faszinierende Kompositionen, etwa „Windy Road“ oder „Fall Tune“ von Subtones viertem gemeinsamen Album „Roswithas Revenge“ um nur einige zu nennen, fetzten dem hellwachen Publikum auch ohne zusätzliche Verstärkung beinahe die Ohren weg. Druckvoller Powerjazz kann durchaus ohne überzogene Lautstärke auskommen. Kreislaufstimulierende und blutdrucksteigernde Mittel gibt es durchaus nicht nur in Pillenform – Zweieinhalb Stunden „Subtone“ sind dazu völlig ausreichend und noch dazu ganz ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

 

gez. H. Schönecker