Archiv – Seite 59 – Jazzclub Biberach e.V.

Síd (Biberacher Jazzpreis 2014)

Am 16.12.2016 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Síd

Ginnungagap* / Stille, eine schwarze Leere/ *
Ihre Worte verhallen in der beissenden Kälte/
kommen in Bewegung und drehen sich immer schneller
umarmt von samtener Stille/ Licht gebirt/ Leben erwacht
brauner Sand zerrinnt zwischen den Fingern/
Sand und Wasser/ ausharrend und leise wachsend im Mutterschoss der Erde.
Dunkelblaue Iris/ eine Umarmung der Unendlichkeit/
Holz wird zu Mensch, aus Knochen wird Leben gebaut/
mehr Bewegung/ ein lebender Sturm/ Vervielfachung der Einfachheit.

Síd entschlüsselt die Saga Völuspá aus der nordischen Edda in Töne und Farben, heiligt ihr innerstes Bewusstsein für alte und neue Geschichten aus dem Norden durch ihr musikalisches Sein. Es ist eine innere Reise in die alten, mythischen Anfänge der Erde, eine Rückbesinnung zum Eigentlichen und immer DaSeinWerdenden. Die samtene Umarmung einer Ahnung vom Alten. In flüsternden und gehauchten Wellen aus glanzloser Ehrlichkeit.

Síd war Gewinner des Internationalen Biberacher Jazzpreises 2014.

Besetzung:
Rea Dubach (vocals, guitar, effects)
Luzius Schuler (piano, rhodes, moog, effects)
Lukas Rutzen (drums)

http://readubach.com/projekte/sid/

Eintritt 15/12 EUR

Reservierungen unter < kasse@jazzbiber.de > bis spätestens 12:00 Uhr am Tag des Konzerts.

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25.11.2016: Thomas Scheytt

Stupender Piano-Blues für die Bauhütte Simultaneum

Thomas Scheytt „rockt“ die Friedenskirche

BIBERACH – Zum Warmspielen ließ es Thomas Scheytt, der schwäbische Pfarrerssohn und „Teufelskerl mit dem Blues im Blut“, der nach einem Philosophiestudium in Freiburg dort eine neue Heimat gefunden hat, mit einer Eigenkomposition und dem klassischen „Suitcase Blues“ von Sippie Wallace zwar noch etwas ruhiger angehen. Danach ließ sich jedoch das pianistische Temperament des zweifachen „German Blues Award“ Gewinners von 2015 auch im dankenswerterweise von Pfarrer Schmogro zur Verfügung gestellten sakralen Raum der Friedenskirche nicht mehr länger zügeln.

Im Takt wippten nicht nur die Füße des Ausnahmepianisten, auch unter den Kirchenbänken kam immer mehr rhythmische Bewegung auf. Als der vor zehn Jahren verstorbene, legendäre deutsche Jazzpianist Hans-Jürgen Bock, genannt der „Specht“, in Memoriam mit dem „Karussell-Ragtime“ von seinem langjährigen Freund und ehemaligen Schüler Thomas Scheytt geehrt wurde, gab es schließlich kein Halten mehr. Auch wenn die Akustik des Kirchenraumes manche pianistische Feinheit verschwimmen ließ, gab diese den Stücken doch auch eine orchestrale Klangfülle, die vor allem im tiefen Bassregister eine erstaunliche Dynamik entwickelte und den Stücken ganz ungewohnte tonmalerische Elemente entlockte. Und auch wenn das immer wieder auftretende, enthusiastische Mitklatschen des Publikums der klanglichen Transparenz zuliebe meist schnell wieder erstarb, war die Begeisterung der knapp 300 Besucher doch mit Händen zu greifen.

Thomas Scheytt, der sowohl als Solist als auch mit seinen Formationen „Netzer & Scheytt“ oder „Boogie Connection“ schon in Biberach zu hören war, hat sich hier mittlerweile einen großen Fankreis erworben, der zur Freude der Veranstalter von Bauhütte Simultaneum und Jazzclub Biberach die Kirche fast vollständig füllen konnte. Scheytt, der neben seinem brillanten und ausdrucksvollen Pianospiel auch für seine stiltypischen und niveauvollen Eigenkompositionen gefeiert wird und dessen dritte Solo-CD 2014 immerhin für den „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ nominiert wurde, hatte ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Natürlich durften seine wohl bekanntesten Stücke „Invitation To The Blues“ und „Tribute To Meade Lux Lewis“ von der Solo-CD „Inner Voices“ nicht fehlen. Dem regelmäßigen Hörer des Deutschlandfunks sind diese Melodien aus der Sendung „Informationen am Morgen“ bzw. „Information am Mittag“ bekannt und vertraut.

Mit zwei stark kontrastierenden Eigenkompositionen als Zugabe, dem heimatverbundenen, eher brachialen „Hell-Valley-Stomp“ (Höllental-Stomp) und der sehr emotionalen, fast hymnisch anmutenden Miniatur „Summer Night“, deren feierlicher Charakter im Kirchenraum erst so richtig zur Entfaltung kam, nahm das ungewöhnliche Konzert seinen Ausklang. Trotz einiger frei gebliebener Plätze, dürfte die auf Initiative von Pfarrer Johannes Walter zustande gekommene Veranstaltung nicht nur künstlerisch ein voller Erfolg gewesen sein.

 

gez. H. Schönecker

Thomas Scheytt (Kooperation mit Bauhütte Simultaneum)

Am 25.11.2016 um 19:30

Ort: Friedenskirche Biberach
(, )

Beschreibung
Zweifacher Gewinner des German Blues Award 2015

Thomas Scheytt – Piano Solo

Klassiker des Blues & Boogie Woogie und eigene Kompositionen

Thomas Scheytt gilt als „einer der besten zeitgenössischen Boogie- und Blues-Pianisten. Er verbindet in seinem Spiel hohes pianistisches Können mit einer unglaublichen, tiefempfundenen Ausdrucksvielfalt“ (Jazzpodium Deutschland).

Der 1960 geborene Schwabe und Pfarrerssohn erhielt früh Klavier- und Orgelunterricht und liebäugelte zeitweise mit einer Ausbildung zum Kirchenmusiker. Sein Wunsch, Philosophie zu studieren, war allerdings stärker, was ihn „geradewegs“ in eine Karriere als Bluesmusiker führte…

Scheytt gehört zu den meistbeschäftigten Musikern der europäischen Blues- und Boogie-Szene. Er ist seit über 20 Jahren nicht nur als Solist, sondern auch mit seinen Formationen „Netzer&Scheytt“ sowie dem Trio „Boogie Connection“ in Jazzclubs und auf Festivals im In- und Ausland zu Gast.

„Invitation To The Blues“ und „Tribute To Meade Lux Lewis“, zwei Stücke von Scheytts Solo-Piano-CD „Inner Voices“, werden seit Jahren regelmässig im Deutschlandfunk gespielt. Seine neueste CD „Blues Colours“ wurde 2013 nominiert für den „Preis der deutschen Schallplattenkritik“.

Die Wertschätzung, die er sich durch seine Konzerttätigkeit, seine Kompositionen und seine CD-Einspielungen erworben hat, findet ihren Ausdruck in Auszeichnungen wie dem Audience Award 2000 des SWR (zusammen mit Ignaz Netzer) oder dem Freiburger Musikpreis 2003. Großes Ansehen verschaffte ihm der zweifache Gewinn des German Blues Award 2015 in den Kategorien „Bestes Piano“ und „Bestes Duo“.

„Aus Deutschlands Südstaaten, dem südbadischen Freiburg, kommt einer der „schwärzesten“ Boogie- und Blues-Pianisten weißer Hautfarbe. Thomas Scheytt verbindet in seinem Spiel hohes pianistisches Können mit einer unglaublichen, tiefempfundenen Ausdrucksvielfalt. Im Gegensatz zu vielen Boogie-Pianisten, die mit besonders schnellen Stücken überzeugen wollen, zeigt Thomas Scheytt gerade in langsameren Bluesstücken seine ausgereifte Spielkultur und sein ungewöhnliches Feeling. Außerdem erweist er sich als hervorragender Blues- und Boogie-Komponist. Die Hälfte der Stücke stammt aus seiner Feder; sie erreichen das Niveau der amerikanischen Vorbilder.“ – Andreas Geyer, Jazzpodium Deutschland

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Für diese Kooperationsveranstaltung von Jazzclub Biberach und Bauhütte Simultaneum gibt es keine Kartenreservierungen. An der Abendkasse sind genügend Karten verfügbar, alle Plätze in der Friedenskirche bieten eine gute Sicht auf den Künstler.

18.11.2016: Albie Donnelly’s Big Thing

„Mr. Supercharge“ Albie Donelly lässt es ordentlich krachen

BIBERACH – Ausverkauftes Haus beim Freitagskonzert des Jazzclubs. Der legendäre Liverpooler Bandleader, Sänger und Saxophonist Albie Donelly, bekannt geworden mit seiner Band „Supercharge“ u.a. als Vorgruppe von Chuck Berry, B.B. King oder auch Queen, lieferte mit seinem Club-Projekt „Big Thing“ im Jazzkeller eine faszinierende Show an Saxophon und Stimme ab. Mit den beiden routinierten Sidemen Ralf Heinrich (Schlagzeug) und Walter Uhlig (Keyboard/Bass) sowie dem typisch britischem Humor in seinen Anmoderationen sang und spielte sich Albie Donelly schnell in die Herzen der zahlreichen Blues- und Soulfans.

„Ich habe selten einen so coolen und ausgebufften Musiker auf der Bühne des Jazzkellers gesehen“, kommentierte einer der langjährigen Stammgäste unter den Besuchern des Konzertes. Und in der Tat ließ die Bühnenpräsenz des Altmeisters nichts zu wünschen übrig. Seinem Animationsprogramm zur Einbeziehung des Publikums, den „Rich People“ in den vorderen Reihen und den „Poor People“ auf den „billigen“ Plätzen im Hintergrund, konnte sich niemand entziehen. Mit seinem angeborenen Talent zur Situationskomik, spielte er die beiden Gruppen gegeneinander aus und stachelte sie so zu vokalen Höchstleistungen an.

Musikalisch kaum hinter Donelly zurück blieben seinen beiden, eigentlich sogar drei Mitstreiter. Walter Uhlig zauberte in perfektem Multitasking mit seiner linken Hand am Keyboard einen preiswürdigen Walking Bass, ohne deswegen in der Freiheit für die wilden Licks und Improvisationen in der rechten Hand merklichen Einschränkungen zu unterliegen und ersetzte somit den sonst obligatorischen Bassisten.

Superdrummer Ralf Heinrich, vom permanent frotzelnden Donelly als „gerade noch menschlicher“ („maybe he’s a human being“) Schlagzeuger vor versammeltem Publikum grausam „mißhandelt“, zelebrierte neben seinen witzig, spritzigen Begleitrhythmen auch ein ausgedehntes, energiegeladenes Schlagzeugsolo in der Tradition eines Gene Krupa oder Buddy Rich vom Allerfeinsten.  Gut strukturiert mit substanziellen Patterns und klanglichen Varianten, die auch aus ungewöhnlichen Spieltechniken gespeist wurden, ließ Ralf Heinrich ein auch dramaturgisch ausgefuchstes Rhythmusgewitter über dem verblüfften Publikum niederprasseln. Wahre Sturzbäche aus Schweiß und stürmischer, nicht endenwollender Beifall waren sein verdienter Lohn.

Dass der stilistische Schwerpunkt des Konzertes eindeutig im Bereich der älteren Traditionen des Blues und Soul lag, tat dem Unterhaltungswert keinen Abbruch. Mit dem „Hootchie-Coochie-Man“ von Muddy Waters aus dem Jahre 1954 als Zugabe entließ Albie Donelly seine restlos begeisterten Fans wieder in den schnöden Alltag, der für viele mit einer Autogrammstunde bei dem bestens aufgelegten Altstar begann.

 

gez. H. Schönecker

Albie Donnelly’s Big Thing

Am 18.11.2016 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Albie Donnelly – „Mr. Supercharge“ – Big Thing

Der in Liverpool geborene Saxophonist, Leadsänger und Bandleader Albie Donnelly startete seine Karriere als Studiomusiker in London bei Produktionen mit Bob Geldorf, The Boomtown Rats, Graham Parker und anderen. Nachdem er 1973 seine Band Supercharge gründete ging er in England als „Supporting Act“ für Chuck Berry, B.B. King, und Queen auf Tour und trat im Hyde Park vor 100.000 begeisterten Zuschauern auf. Seitdem ist er in ganz Europa mit Supercharge erfolgreich. Zahlreiche Tourneen als Headliner, hauptsächlich in Deutschland, aber auch in den Niederlanden, Spanien, Frankreich, Polen und Australien belegen die außergewöhnliche Popularität der Band, deren Komponist und Texter er ist. Als Frontman, der bluesigen Gesang mit souligen Sax-Licks verbindet, hat er die Tradition von Größen wie Junior Walker und King Curtis fortgesetzt und auch weiterentwickelt.

Neben den großen Tourneen mit seiner Band Supercharge liebt Albie Donnelly auch die intime Atmosphäre der Jazz und Blues Clubs. Hier kann man Albie Donnelly’s Big Thing erleben.

Mit dabei sind Ralf Heinrich Schlagzeug, und Walter Uhling an der Orgel/(Bass). Diese Musiker präsentieren eine ebenso außergewöhnliche wie attraktive Variante von Jazz, Blues & Soul mit der sie ihr Publikum faszinieren. Mit seinem mal kraftvollen und rauen, dann wieder sanft und zärtlich schmeichelnden Saxophonspiel, seiner markanten Stimme und seinem unverkennbar britischen Humor zieht Albie Donnelly sein Publikum immer wieder in seinen Bann. Freuen Sie sich also auf eine musikalische Sternstunde mit den „großen DREI“, wir versprechen Ihnen „Big Thing“ – big fun!“

Eintritt 15/12 EUR

Reservierungen unter < kasse@jazzbiber.de > bis spätestens 12:00 Uhr am Tag des Konzerts.

11.11.2016: Christoph Stiefel Inner Language Trio

Christoph Stiefels „Inner Language Trio“ mit neuem Programm „Big Ship“

Ekstatisch aufgeladener Kammerjazz begeistert

BIBERACH – Vom ersten Ton an, vermochte das neu formierte „Inner Language Trio“ des Schweizers Christoph Stiefel das Publikum im Jazzkeller zu begeistern und zu fesseln. In kammermusikalischer Dichte und höchster Präzision fingen die weitgehend durchkomponierten Stücke trotz aller Transparenz in der Struktur dennoch unmittelbar an zu swingen, zu grooven, zu rocken.  Der in Anlehnung an die spätmittelalterliche Kompositionstechnik der Isorhythmik entstandene Personalstil Stiefels haucht dem modernen Jazz neues Leben ein, inspiriert die Improvisationskunst und räumt auf mit überkommenen Klischees.

Warum auch sollten ungewohnte, intelligente und komplexe Strukturen nicht die Füße mitwippen lassen? Warum sollten rational konzipierte Formabläufe nicht gleichzeitig eine unbändige Energie freisetzen und enthusiastische Begeisterung auslösen können? Vielleicht noch mehr als in der alten Besetzung kam durch die Musiker der jüngeren Generation, dem in Biberach wohlbekannten aus dem badischen Offenburg stammenden Arne Huber am Kontrabass und dem in Berlin lebenden Schlagzeuger Tobias Backhaus Präzision, Frische und neue Leidenschaft in Stiefels Musik.

Die durch einen Besuch im Hamburger Hafen inspirierte und von der Stadt Zürich und den Schweizer  Kulturstiftungen „prohelvetia“ und „Suisa“ geförderte neue CD „Big Ship“ zeugt ohne Zweifel davon, dass Christoph Stiefel zwischenzeitlich einen reifen Personalstil gefunden hat, der ihn in den erlauchten Kreis der Neuerer und wirklich großen Komponisten und Interpreten des zeitgenössischen Jazz erhebt. Christoph Stiefel zählt zu den „Dickschiffen“ des europäischen Jazz mit Auftritten – allein während diesen Tagen – in Oslo, Berlin, Köln, Rotterdam, München, Nürnberg, Zürich oder Basel. Und dazwischen glücklicherweise auch mal im Biberacher Jazzkeller, wo er erklärtermaßen gerne auftritt und auf ein aufmerksames und begeisterungsfähiges Publikum trifft. Seine Auseinandersetzung mit der Isorhythmik auf höchstem künstlerischem Niveau lässt ihn überdies zu einem Unikat im Jazz werden. Darin vielleicht vergleichbar dem mehrfach echogekrönten Freiburger Bassisten Dieter Ilg, dessen Auseinandersetzungen mit Beethoven, Verdi oder Wagner ebenfalls zu den Höhepunkten des europäischen Jazz gehören.

In Kompositionen wie „Isorhythm #4“ oder dem faszinierenden Titelsong „Big Ship“, vielleicht noch mehr in „Inner Language“ oder „Inner Roughs“, besonders aber im Opener des Abends „First Blossom“ werden die größeren Freiheiten innerhalb der neuen Besetzung deutlich. Besonders Arne Huber wird in der Szene für seine sensiblen Antennen und subtilen Interaktionen geschätzt. Gleich zum Auftakt wurde dies in der „ersten Blüte“ sinnfällig. Spontaneität beim Lösen von den strukturellen Fesseln, Souveränität und Witz bei der Rückkehr in die rahmenden Formen kamen in meisterlicher Weise zu Einsatz und die überschäumende Spielfreude des Trios gab es gratis dazu. Das Publikum wusste dies zu danken. Solch ein Stiefel, der nebenbei bemerkt auch durch hochvirtuoses Spiel am Flügel überzeugte, darf gerne wieder kommen.

 

gez. H. Schönecker