Archiv – Seite 54 – Jazzclub Biberach e.V.

The Last Show

Am 14.10.2017 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
„The Last Show“ – Musik aus Amerika der 50er/60er Jahre

Zum Zuhören, zum Träumen – auch zum Tanzen: Country, Rock´n´Roll, Rockabilly, Rhythm´n´Blues, Folk …. Vince Burnett (Gesang, Gitarre, Mandoline, …), Alain Michel (Harmonika, Gitarre, Gesang) und Stéphane Ranaldi (Schlagzeug) swingen mit Energie und Rhythmusgefühl eine Hommage an die Großen dieser Zeit, wie Presley, Buddy Holly, Johnny Cash, Hank Williams, Ray Charles, Bo Diddley, … Die Band „The Last Show“ aus Valence – das sind drei veritable und virtuose Kenner der energiegeladenen und swingenden Musik, der Lieder und des Zeitgefühls das diese Epoche ausmacht. Schließen Sie die Augen – und sie sind da!

Veranstaltung im Rahmen der Französischen Wochen in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Biberach sowie Städte Partner Biberach e.V.

Keine Kartenreservierung möglich; Abendkasse 15 €

06.10.2017: John Stowell – Manfred Junker Duo

John Stowell – Manfred Junker Duo im Jazzkeller

Meistergitarristen fesseln Biberacher Jazzpublikum

BIBERACH – Der in Konstanz lebende Manfred Junker ist im Biberacher Jazzclub ein alter Bekannter. In den verschiedensten Formationen war er in den letzten Jahren schon zu Gast im Jazzkeller und seine familiären Wurzeln mütterlicherseits liegen ebenfalls in der Oberschwabenmetropole. Bei seinem jüngsten Besuch im Jazzkeller hatte er allerdings eine gestandene Gitarrenlegende als Duopartner mitgebracht. Der gebürtige New Yorker John Stowell, der seit den 1970er Jahren als „reisender Minnesänger“ um die Welt tourt, fand in Junker einen kongenialen Mitstreiter und bei den Jazzbibern viele aufmerksame Zuhörer und sicher auch viele neue Fans.
Zu vielen Originalkompositionen Stowells komponierte Junker eigenständige Gitarrenstimmen, mal in Form eher rhythmisch geprägter Begleitfigurationen, oft aber auch in kontrapunktischer Verschränkung und komplementärrhythmischer Verzahnung in elaborierter Polyphonie. Die Intensität und kreative Vielfalt der gestalterischen Ideen, gepaart mit einer dezenten Virtuosität der beiden Meistergitarristen fesselten und begeisterten von Beginn an.
Das reibungslose Mit- und Ineinander der beiden Partien, deren chamäleonartige Rhythmus- und Strukturwechsel auch immer wieder durch längere Improvisationen aufgelockert wurden, verlangte nach aufmerksamen Zuhörern, ließ aber durchaus auch ein entspanntes Wegdämmern in die Transzendenz versunkener Kontemplation zu. Nicht immer war dabei die Dramaturgie in der Reihenfolge der Stücke besonders glücklich, wie auch Junker bei der Ankündigung einer stimmungsvollen Ballade für Zwei nach einer lyrisch-introvertierten Eigenkomposition anmerkte. Manch ein Gast schien während dieser hochkomplexen Darbietungen mitunter sehr tiefenentspannt in weit entfernten metaphysischen Gefilden zu verweilen, aus denen ihn erst der rauschende Schlussapplaus wieder zurückholen konnte.
Als besonderes Highlight erwies sich nach der Pause ein Wechsel der Instrumente. John Stowell und Manfred Junker adelten den Biberacher Gitarrenbauer Christoph Reck indem sie auf den von Reck bereitgestellten Gitarren ein gemeinsames Musikstück spielten und ihn danach ausdrücklich für seine in Handarbeit als Unikate gefertigten Gitarren lobten. Der Klang stand den Meistergitarren der beiden Gitarren-Heroen in keiner Weise nach, wirkte in seiner geschmeidigen Ausgewogenheit vielleicht sogar noch etwas klarer und transparenter als diese. Gegen die Praxistauglichkeit von Stowells zerlegbarer „Reisegitarre“, einer sündhaft teuren Spezialanfertigung im Format flugtauglichen Handgepäcks, kamen die Biberacher Meisterinstrumente allerdings nicht an.
Nach zahlreichen Eigenkompositionen von Stowell und Junker, darunter auch viele Titel der gemeinsamen Duo-CD „Here at last“ sowie einigen erfrischenden Arrangements von Thelonius Monk -, Miles Davis -oder John Scofield – Titeln, gab es am Ende gleich zwei Zugaben und reichlich Lob seitens der Musiker an ein überaus aufmerksames und CD-Kauf-freudiges Publikum.

Text und Foto: H. Schönecker

John Stowell – Manfred Junker Duo

Am 06.10.2017 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
John Stowell und Manfred Junker trafen sich erstmals 2012 für eine Tour, deren Programm vor allem auf Standards und einigen eigenen Stücken beruhte. Vom ersten Konzert an war offensichtlich, dass zwei Gitarristen zueinander gefunden haben, die auf gleicher Wellenlänge denken und trotz unterschiedlicher Backgrounds perfekt harmonieren!

Konzerte voller Intensität und positiver Energie spiegelten sich in den begeisterten Reaktionen des Publikums wider; schnell war klar, dass dieses Projekt weitergehen muss und so spielen die beiden 2017 bereits ihre sechste Herbsttour zusammen – freuen Sie sich auf spannende Dialoge und geschmackvolle Virtuosität, auf neue Stücke sowie auf die Highlights der 2014 erschienenen Duo-CD „Here at last“!

Der 1950 in Bedford Village, New York geborene John Stowell blickt auf eine Karriere zurück, die in den frühen 1970er Jahren beginnt und ihn seither als „reisenden Minnesänger“ (travelling minstrel) der Jazzgitarre in oft monatelangen Tourneen durch die ganze Welt reisen lässt – eine Liste seiner Sideman-Tätigkeiten liest sich als das „who‘?s who?“ des Jazz, seine eigenständige Art, Gitarre zu spielen hebt ihn als Innovator aus der Masse vieler Weltklassegitarristen heraus.

Manfred Junker (*1969) lebt seit dem Ende seines Musikstudiums 1996 in Konstanz. Er hat seither zwölf CDs als Leader eingespielt und ist vor allem mit eigenen Bands, aber auch als Sideman unterwegs. Das Gitarrenduo mit John Stowell ist für ihn eine grosse Ehre und eines der Highlights seines bisherigen Musikerlebens!

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

22.09.2017: Finn Wiest Quartett

APPLAUS, APPLAUS für das junge Finn Wiest Quartett

BIBERACH – Die vier Jazzteens des neu formierten Finn Wiest Quartetts legten bei ihrem ersten abendfüllenden Auftritt einen beispiellosen Senkrechtstart in eine vielversprechende Bandkarriere aufs Parkett. Im überfüllten Jazzkeller, vor erwartungsvollem Publikum mit vielen Freunden und jugendlichen Fans gab es von den ersten Tönen an tosenden und motivierenden Applaus für die Mitglieder des baden-württembergischen Landesjazzorchesters.

„Four stars were born“, sagte eine Stimme aus dem älteren Block des Stammpublikums. „Bei der Energie und dem Elan brauchen wir uns um unsere Zukunft keine Sorgen machen“.

Das vermeintliche Risiko, eine „unerfahrene“ junge Truppe für den Saisonauftakt der Jazzclub Konzertreihe zu engagieren hat sich als absoluter Glücksgriff erwiesen. Die unbändige Spielfreude, die virtuose Beherrschung ihrer Instrumente, die Mannigfaltigkeit der ungebremst sprudelnden und vor Kreativität strotzenden Ideen ließ über gelegentliche Brüche und seltene Unregelmäßigkeiten leicht hinweg sehen. Wie bei den ausgebufftesten Profis funktionierte die Kommunikation durch gelegentliche Blickkontakte und Handzeichen ausgezeichnet und spontan.

Der erst 16jährige Frontmann Jakob Manz am Altsaxophon spielte mit vollem Einsatz und unglaublicher Leidenschaft bis fast zur völligen Erschöpfung. Parallel zur Schule absolviert er bereits ein Vorstudium an der Musikhochschule Stuttgart, Prof. Klaus Graf versteht sich als sein Mentor. Viele begeisterte Besucher fragten sich, was der junge Mann denn noch lernen solle. Ausgedehnte Improvisationen, in denen, nur manchmal unterbrochen durch rauschenden Szenenapplaus, gelegentlich fast „die Pferde mit ihm durchgingen“ zeigten eine Differenziertheit und stilistische Vielfalt, die in den weiteren Unterrichtsjahren vielleicht gar nicht mehr so stark gezügelt werden sollten. Chapeau!

Der vielfach preisgekrönte Bandleader Finn Wiest am Schlagzeug gefiel vor allem durch eine nur optisch etwas unterkühlt wirkende Bühnenpräsenz, rhythmische Präzision und Vielfalt, Souveränität auch in vertrackteren Taktarten und Rhythmen und vor allem der Fähigkeit „den Laden zusammen zu halten“.

Nicolai Daneck am Kawaiflügel sprühte vor musikalischen Einfällen, die er mit spielerischer Eleganz, kultiviertem Anschlag und perlenden Läufen zu prickelndem Leben erweckte. Am Kontra- und gelegentlich am E-Bass wirkte Neil Richter als sicher groovendes Fundament. Von ihm wie auch von Daneck wurden auch eigene Kompositionen in das Programm eingebracht, das ansonsten von teilweise durchaus überraschend neuartig arrangierten Standards geprägt war.

Von dieser Band wird man sicher noch hören…

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Finn Wiest Quartett

Am 22.09.2017 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Hinter den „Jazz-Teens“ aus dem Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg verbergen sich die angehenden Musikstudenten Finn Wiest (19) aus Biberach, Nicolai Daneck (19) aus Freiburg, Neil Richter (19) aus St. Georgen und Jakob Manz (16) aus Dettingen (Ems). Die zum Teil mehrfach preisgekrönten Jazz-Newcomer lernten sich im Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg (Ltg. Rainer Tempel/Klaus Graf) kennen, wo sie seit Ostern 2016 (Jakob Manz seit Ostern `17) zusammen spielen. Durch gemeinsame Erfahrungen in Jam-Sessions entstand die Idee, als Combo aufzutreten.

Der 19jährige Namensgeber der Formation, Finn Wiest, aus dem „Drum & Percussion Studio“ von Markus Merz zählt zu den jungen Talenten, die nicht nur national (Bundespreise „Jugend musiziert“) sondern auch international (Italy Percussion Competition in Pescara) mehrfach die vordersten Plätze belegten und nach Aussage seines Lehrers als „Zweitbester weltweit“ gilt. Nach dem Abitur am Wieland-Gymnasium wird Finn Wiest ab Oktober in Köln ein Musikstudium beginnen.

Dem Jazzclub-Publikum hat sich Finn Wiest bereits im vergangenen Jahr beim „Drum- & Percussion – Gipfel“ in der Aula des Wieland-Gymnasiums vorgestellt. Nicolai Daneck ist als Sohn des aus Biberach stammenden Jazz-Schlagzeugers Matthias Daneck, der als Dozent des letztjährigen „Drum- & Percussion-Workshops“ am Wieland-Gymnasium in Biberach vertreten war, ebenfalls kein Unbekannter.

Die aufstrebenden Jungstars werden eigene Interpretationen von Jazz-Standards, aber auch Eigenkompositionen vorstellen.

Besetzung:
Finn Wiest (dr)
Neil Richter (b)
Nicolai Daneck (p)
Jakob Manz (sax)

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

19.05.2017: Volker Engelberth Quintett

Fast Unvereinbares zusammengespannt

Rätselhafte Puzzlespiele mit überschäumender Spielfreude

BIBERACH – Zum ferien- und feiertagsbedingt frühzeitigen Abschluss der Halbjahres-Konzertsaison hat der Jazzclub den baden-württembergischen Jazzpreisträger des vergangenen Jahres, Volker Engelberth mit seinem neuen Quintett aufgeboten. Der in der Nähe von Köln aufgewachsene Jazzpianist und Komponist studierte bei Joerg Reiter in Mannheim und arbeitet heute neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch als Lehrbeauftragter für Jazzklavier an der Musikhochschule Stuttgart. Überwiegend mit Titeln aus seiner jüngsten CD-Produktion „Jigsaw Puzzles“ von 2016 gab er dem enthusiastischen Publikum so manche musikalische Nuss zu knacken.

In Erweiterung seines seit 2010 bestehenden und bestens aufeinander eingespielten Trios mit dem in Biberach wohlbekannten Freiburger Bassisten Arne Huber und dem Kölner Drummer Silvio Morger, der bereits 2008 mit „Hornstrom“ den Biberacher Jazzpreis gewonnen hat, gibt es seit letztem Jahr auch das „Volker Engelberth Quintett“ mit dem in Köln lebenden Trompeter Bastian Stein und dem Jazzpreisträger des Landes Baden-Württemberg 2013, dem Ausnahmesaxophonisten Alexander „Sandi“ Kuhn. Kuhn hatte bereits 2014 mit seinem Quartett und dem damaligen Überraschungsgast Julia Ehninger das Biberacher Publikum begeistert.

Schon damals wurde Kuhn für die große Bandbreite kontrastierender Stilmittel und für sein feinsinniges Spiel mit den Erwartungen des Publikums gefeiert. Volker Engelberth hat in ihm nun einen kongenialen Partner für sein neues Quintett gefunden. Die Entdeckung des Neuen in einer gar nicht so weit entfernten Parallelwelt wurde zum gemeinsamen kompositorischen und improvisatorischen Anliegen der Preisträger. So etwa exemplarisch im Titel „Parallelism“, der eben nicht nur parallele Melodie- und Basslinien als Gestaltungsmittel verwendet, sondern auch in immer wieder aufgebrochenen, kleinräumigen Strukturen dialogisierend, in selbstverständlicher Virtuosität improvisierend in lebendigem Miteinander scheinbar Unvereinbares hinterfragt und schließlich doch zusammenbringt. Unterhaltsames nahe am Mainstream, die verträumte Melancholie klassischer Jazzballaden (besonders intensiv in „Nocturne“), knackige Grooves und nervige Funky- oder kraftvolle Rock-Rhythmen treffen auf einen swingenden Walking Bass, rasante bebopartige Melodielinien oder klassisch ästhetisierte Trompetenklänge und – welch‘ Wunder – heraus kommt durchaus keine belanglose Beliebigkeit sondern die rätselhafte Faszination ungelöster Mysterien („Unsolved Mystery“) im Rahmen und an der Front tiefsinniger, kurzweiliger, moderner europäischer Jazz-Avantgarde.

Große Disziplin, flexible Interaktion, empathisches Miteinander aller Musiker des Quintetts waren Grundlage eines ungewöhnlich dichten, intensiven Zusammenspiels. Die verschworene Gemeinschaft auf ihrer gemeinsamen Suche nach neuen Wegen zwischen frecher Frische und gediegener Konvention vermittelte vor allem Eines: Die Liebe zum Jazz als weltoffener Kunstform voller Toleranz und gegenseitigem Verständnis als Gegenentwurf einer oberflächlichen Unterhaltungsmusik, die durch endlos wiederholtes Aufkochen des Altbewährten die Seele der Musik so lange auslaugt, bis diese in den Untiefen der Unterhaltungsbranche den Tod der Ignoranz und des Überflüssigen stirbt.

Text & Foto: Helmut Schönecker