Archiv – Seite 53 – Jazzclub Biberach e.V.

John Stowell – Manfred Junker Duo

Am 06.10.2017 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
John Stowell und Manfred Junker trafen sich erstmals 2012 für eine Tour, deren Programm vor allem auf Standards und einigen eigenen Stücken beruhte. Vom ersten Konzert an war offensichtlich, dass zwei Gitarristen zueinander gefunden haben, die auf gleicher Wellenlänge denken und trotz unterschiedlicher Backgrounds perfekt harmonieren!

Konzerte voller Intensität und positiver Energie spiegelten sich in den begeisterten Reaktionen des Publikums wider; schnell war klar, dass dieses Projekt weitergehen muss und so spielen die beiden 2017 bereits ihre sechste Herbsttour zusammen – freuen Sie sich auf spannende Dialoge und geschmackvolle Virtuosität, auf neue Stücke sowie auf die Highlights der 2014 erschienenen Duo-CD „Here at last“!

Der 1950 in Bedford Village, New York geborene John Stowell blickt auf eine Karriere zurück, die in den frühen 1970er Jahren beginnt und ihn seither als „reisenden Minnesänger“ (travelling minstrel) der Jazzgitarre in oft monatelangen Tourneen durch die ganze Welt reisen lässt – eine Liste seiner Sideman-Tätigkeiten liest sich als das „who‘?s who?“ des Jazz, seine eigenständige Art, Gitarre zu spielen hebt ihn als Innovator aus der Masse vieler Weltklassegitarristen heraus.

Manfred Junker (*1969) lebt seit dem Ende seines Musikstudiums 1996 in Konstanz. Er hat seither zwölf CDs als Leader eingespielt und ist vor allem mit eigenen Bands, aber auch als Sideman unterwegs. Das Gitarrenduo mit John Stowell ist für ihn eine grosse Ehre und eines der Highlights seines bisherigen Musikerlebens!

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

22.09.2017: Finn Wiest Quartett

APPLAUS, APPLAUS für das junge Finn Wiest Quartett

BIBERACH – Die vier Jazzteens des neu formierten Finn Wiest Quartetts legten bei ihrem ersten abendfüllenden Auftritt einen beispiellosen Senkrechtstart in eine vielversprechende Bandkarriere aufs Parkett. Im überfüllten Jazzkeller, vor erwartungsvollem Publikum mit vielen Freunden und jugendlichen Fans gab es von den ersten Tönen an tosenden und motivierenden Applaus für die Mitglieder des baden-württembergischen Landesjazzorchesters.

„Four stars were born“, sagte eine Stimme aus dem älteren Block des Stammpublikums. „Bei der Energie und dem Elan brauchen wir uns um unsere Zukunft keine Sorgen machen“.

Das vermeintliche Risiko, eine „unerfahrene“ junge Truppe für den Saisonauftakt der Jazzclub Konzertreihe zu engagieren hat sich als absoluter Glücksgriff erwiesen. Die unbändige Spielfreude, die virtuose Beherrschung ihrer Instrumente, die Mannigfaltigkeit der ungebremst sprudelnden und vor Kreativität strotzenden Ideen ließ über gelegentliche Brüche und seltene Unregelmäßigkeiten leicht hinweg sehen. Wie bei den ausgebufftesten Profis funktionierte die Kommunikation durch gelegentliche Blickkontakte und Handzeichen ausgezeichnet und spontan.

Der erst 16jährige Frontmann Jakob Manz am Altsaxophon spielte mit vollem Einsatz und unglaublicher Leidenschaft bis fast zur völligen Erschöpfung. Parallel zur Schule absolviert er bereits ein Vorstudium an der Musikhochschule Stuttgart, Prof. Klaus Graf versteht sich als sein Mentor. Viele begeisterte Besucher fragten sich, was der junge Mann denn noch lernen solle. Ausgedehnte Improvisationen, in denen, nur manchmal unterbrochen durch rauschenden Szenenapplaus, gelegentlich fast „die Pferde mit ihm durchgingen“ zeigten eine Differenziertheit und stilistische Vielfalt, die in den weiteren Unterrichtsjahren vielleicht gar nicht mehr so stark gezügelt werden sollten. Chapeau!

Der vielfach preisgekrönte Bandleader Finn Wiest am Schlagzeug gefiel vor allem durch eine nur optisch etwas unterkühlt wirkende Bühnenpräsenz, rhythmische Präzision und Vielfalt, Souveränität auch in vertrackteren Taktarten und Rhythmen und vor allem der Fähigkeit „den Laden zusammen zu halten“.

Nicolai Daneck am Kawaiflügel sprühte vor musikalischen Einfällen, die er mit spielerischer Eleganz, kultiviertem Anschlag und perlenden Läufen zu prickelndem Leben erweckte. Am Kontra- und gelegentlich am E-Bass wirkte Neil Richter als sicher groovendes Fundament. Von ihm wie auch von Daneck wurden auch eigene Kompositionen in das Programm eingebracht, das ansonsten von teilweise durchaus überraschend neuartig arrangierten Standards geprägt war.

Von dieser Band wird man sicher noch hören…

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Finn Wiest Quartett

Am 22.09.2017 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Hinter den „Jazz-Teens“ aus dem Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg verbergen sich die angehenden Musikstudenten Finn Wiest (19) aus Biberach, Nicolai Daneck (19) aus Freiburg, Neil Richter (19) aus St. Georgen und Jakob Manz (16) aus Dettingen (Ems). Die zum Teil mehrfach preisgekrönten Jazz-Newcomer lernten sich im Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg (Ltg. Rainer Tempel/Klaus Graf) kennen, wo sie seit Ostern 2016 (Jakob Manz seit Ostern `17) zusammen spielen. Durch gemeinsame Erfahrungen in Jam-Sessions entstand die Idee, als Combo aufzutreten.

Der 19jährige Namensgeber der Formation, Finn Wiest, aus dem „Drum & Percussion Studio“ von Markus Merz zählt zu den jungen Talenten, die nicht nur national (Bundespreise „Jugend musiziert“) sondern auch international (Italy Percussion Competition in Pescara) mehrfach die vordersten Plätze belegten und nach Aussage seines Lehrers als „Zweitbester weltweit“ gilt. Nach dem Abitur am Wieland-Gymnasium wird Finn Wiest ab Oktober in Köln ein Musikstudium beginnen.

Dem Jazzclub-Publikum hat sich Finn Wiest bereits im vergangenen Jahr beim „Drum- & Percussion – Gipfel“ in der Aula des Wieland-Gymnasiums vorgestellt. Nicolai Daneck ist als Sohn des aus Biberach stammenden Jazz-Schlagzeugers Matthias Daneck, der als Dozent des letztjährigen „Drum- & Percussion-Workshops“ am Wieland-Gymnasium in Biberach vertreten war, ebenfalls kein Unbekannter.

Die aufstrebenden Jungstars werden eigene Interpretationen von Jazz-Standards, aber auch Eigenkompositionen vorstellen.

Besetzung:
Finn Wiest (dr)
Neil Richter (b)
Nicolai Daneck (p)
Jakob Manz (sax)

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

19.05.2017: Volker Engelberth Quintett

Fast Unvereinbares zusammengespannt

Rätselhafte Puzzlespiele mit überschäumender Spielfreude

BIBERACH – Zum ferien- und feiertagsbedingt frühzeitigen Abschluss der Halbjahres-Konzertsaison hat der Jazzclub den baden-württembergischen Jazzpreisträger des vergangenen Jahres, Volker Engelberth mit seinem neuen Quintett aufgeboten. Der in der Nähe von Köln aufgewachsene Jazzpianist und Komponist studierte bei Joerg Reiter in Mannheim und arbeitet heute neben seiner künstlerischen Tätigkeit auch als Lehrbeauftragter für Jazzklavier an der Musikhochschule Stuttgart. Überwiegend mit Titeln aus seiner jüngsten CD-Produktion „Jigsaw Puzzles“ von 2016 gab er dem enthusiastischen Publikum so manche musikalische Nuss zu knacken.

In Erweiterung seines seit 2010 bestehenden und bestens aufeinander eingespielten Trios mit dem in Biberach wohlbekannten Freiburger Bassisten Arne Huber und dem Kölner Drummer Silvio Morger, der bereits 2008 mit „Hornstrom“ den Biberacher Jazzpreis gewonnen hat, gibt es seit letztem Jahr auch das „Volker Engelberth Quintett“ mit dem in Köln lebenden Trompeter Bastian Stein und dem Jazzpreisträger des Landes Baden-Württemberg 2013, dem Ausnahmesaxophonisten Alexander „Sandi“ Kuhn. Kuhn hatte bereits 2014 mit seinem Quartett und dem damaligen Überraschungsgast Julia Ehninger das Biberacher Publikum begeistert.

Schon damals wurde Kuhn für die große Bandbreite kontrastierender Stilmittel und für sein feinsinniges Spiel mit den Erwartungen des Publikums gefeiert. Volker Engelberth hat in ihm nun einen kongenialen Partner für sein neues Quintett gefunden. Die Entdeckung des Neuen in einer gar nicht so weit entfernten Parallelwelt wurde zum gemeinsamen kompositorischen und improvisatorischen Anliegen der Preisträger. So etwa exemplarisch im Titel „Parallelism“, der eben nicht nur parallele Melodie- und Basslinien als Gestaltungsmittel verwendet, sondern auch in immer wieder aufgebrochenen, kleinräumigen Strukturen dialogisierend, in selbstverständlicher Virtuosität improvisierend in lebendigem Miteinander scheinbar Unvereinbares hinterfragt und schließlich doch zusammenbringt. Unterhaltsames nahe am Mainstream, die verträumte Melancholie klassischer Jazzballaden (besonders intensiv in „Nocturne“), knackige Grooves und nervige Funky- oder kraftvolle Rock-Rhythmen treffen auf einen swingenden Walking Bass, rasante bebopartige Melodielinien oder klassisch ästhetisierte Trompetenklänge und – welch‘ Wunder – heraus kommt durchaus keine belanglose Beliebigkeit sondern die rätselhafte Faszination ungelöster Mysterien („Unsolved Mystery“) im Rahmen und an der Front tiefsinniger, kurzweiliger, moderner europäischer Jazz-Avantgarde.

Große Disziplin, flexible Interaktion, empathisches Miteinander aller Musiker des Quintetts waren Grundlage eines ungewöhnlich dichten, intensiven Zusammenspiels. Die verschworene Gemeinschaft auf ihrer gemeinsamen Suche nach neuen Wegen zwischen frecher Frische und gediegener Konvention vermittelte vor allem Eines: Die Liebe zum Jazz als weltoffener Kunstform voller Toleranz und gegenseitigem Verständnis als Gegenentwurf einer oberflächlichen Unterhaltungsmusik, die durch endlos wiederholtes Aufkochen des Altbewährten die Seele der Musik so lange auslaugt, bis diese in den Untiefen der Unterhaltungsbranche den Tod der Ignoranz und des Überflüssigen stirbt.

Text & Foto: Helmut Schönecker

Volker Engelberth Quintett

Am 19.05.2017 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Bastian Stein (trp)
Alexander ‚Sandi’ Kuhn (s)
Volker Engelberth (p)
Arne Huber (b)
Silvio Morger (dr)

‚JigSaw Puzzles’ ist das jüngste Projekt des Pianisten Volker Engelberth. Nach den zwei hochgelobten Alben ‚Perpetuum’ und ‚Kaleidoskop’ ist diese Quintett-Besetzung die logische Fortsetzung und Weiterentwicklung einer bereits sechsjährigen Trio-Arbeit.
In dieser neuen Konstellation treffen fünf der umtriebigsten Musiker der jungen deutschen Jazzszene aufeinander. Mit Bastian Stein (Trompete), Alexander Sandi Kuhn (Saxophon), Arne Huber (Bass) und Silvio Morger (Schlagzeug) verbindet Engelberth langjährige und bestens aufeinander eingespielte Wegbegleiter zu einer spannenden musikalischen Einheit.
Brandneue Kompositionen, speziell für diese Band geschrieben, bilden die Basis für ein pulsierendes, stets interagierendes Gefüge. Von modernem europäischem Jazz ebenso beeinflusst, wie von klassischer oder folkloristischer Musik, zeichnen sich diese besonders durch starke Melodien aus, denen ein komplexes harmonisches wie rhythmisches Gerüst zugrunde liegt. Ein Puzzle, das zusammengesetzt und in Kombination mit den jeweils individuellen Puzzleteilen der fünf Musiker immer wieder neue, überraschende Klanglandschaften hervorbringt.

Eintritt 15/12 EUR
Reservierungen unter < kasse@jazzbiber.de > bis spätestens 12:00 Uhr am Tag des Konzerts.

05.05.2017: Franz von Chossy Quintett

Niederländisches Crossover-Quintett begeistert im Jazzkeller

Kammermusikalische Transparenz mit Verve und Power

BIBERACH – Nahezu Unvereinbares überzeugend unter einen Hut gebracht hat Franz von Chossy mit seinem ungewöhnlich besetzten Quintett beim Freitagskonzert des Jazzclubs im gut besuchten Jazzkeller. Violine, Cello, Klarinette, dazu Klavier und Schlagzeug. Die Besetzung lässt Klassisches erwarten, Jazz eher nebenbei. Mit dem ersten Stück „Perpetual Lights“ von der prämierten CD „When the World Comes Home“ sprangen sofort Funken der Begeisterung auf das faszinierte Publikum über. Klassik wurde Jazz und umgekehrt. Anfängliche Skepsis über die Kombination Streicher im Jazz bei fehlendem Kontrabass wurde schlagartig gegenstandslos. Langanhaltender Beifall motivierte die Musiker zu weiteren Großtaten.

In kammermusikalischer Präzision und Transparenz sowie einem elektronisch modifizierten, angenehmen Wohlfühl-Sound gestaltete das Quintett Franz von Chossys stil-, grenz- und epochenüberschreitende Kompositionen über die „Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies“ ebenso eindringlich wie abwechslungsreich. Die wenigen ganz neuen Kompositionen, darunter nach der Pause ein ausladender „Full-Range-Titel“, derzeit noch ohne Namen, der auf der nächsten CD der Band erscheinen soll, ließen die Wogen der Begeisterung noch höher schlagen. Barocke polyphone Fugatoteile, quasi generalbaßbegleitete Homophonie, orchestrale Klangwirkungen und klassische thematisch-motivische Arbeit, rhapsodische Reihungen, aber auch formal rahmende Geschlossenheit um gelegentliche freiere Improvisationen ließen keine Langeweile aufkommen und hatten schon gar nichts gewaltsam Konstruiertes an sich. Organisch, leichtfüßig beschwingt, aber auch düster, bedrohlich und voller Dramatik erzählt Franz von Chossy in prallen Bildern eine epische Geschichte, die durchaus als Fortsetzung von „When the World Comes Home“ verstanden werden kann, den Staub der Jahrhunderte zu Diamanten verpresst.

„Steps of the Sun“ oder „Eternal Elephant“ waren weitere Highlights, die eine hell begeisterte Besucherin zu der Aussage verleiteten, es hier mit einer „galaktischen Musik“ zu tun zu haben. Auf ausdauernden Beifall gab es mit „Nocturne“ leider nur eine Zugabe, die jedoch das Programm so stimmig abrundete, dass sich alle Beteiligten damit zufrieden gaben.

Vom quirligen Yonga Sun (Schlagzeug), dem souveränen Jörg Brinkman (Cello), Klangtüftler Alex Simu („Spezial-B- und Double-Bass-Klarinette“), dem virtuosen und feinsinnigen Jeffrey Bruinsma (Violine) bis zum gestaltkräftigen Komponisten Franz von Chossy (Kawaiflügel) war es jedoch vor allem das homogene, fein ausziselierte Zusammenspiel des Quintetts, welches mit seiner Perfektion und Dichte die Zuhörer fesselte und die pittoresken Klangbilder überzeugend in Szene setzte. Der durch die Person Franz von Chossys vermittelte Crossover-Stil ist dabei auf einem guten Weg, zu einem weltoffenen, unverkrampften, perspektivisch neuartigen, eigenständigen Musikstil zu werden.

Text & Foto: Helmut Schönecker