Archiv – Seite 12 – Jazzclub Biberach e.V.

11.10.2024: Virginia MacDonald Quintet feat. Stephane Belmondo

Virginia MacDonald Quintett sorgt erneut für eine volle Bude
Newcomer vs. Alte Hasen
BIBERACH – Im Rahmen der Konzertreihe „Ladies in Jazz“ lockte das Virginia MacDonald Quintett erneut zahlreiche Besucher in den Jazzkeller, die gemütlichen Bistrotische mussten zugunsten weiterer Sitzplätze weichen. Der Österreicher Bernd Reiter am Schlagzeug, Spiritus rector und Manager der Formation, in Paris lebender, ausgewiesener Kenner der internationalen Jazzszene und gewissermaßen Mentor der jungen kanadischen Klarinettistin hat mit der Zusammenstellung dieses Quintetts einen ausgesprochenen Glücksgriff getan. Obwohl der italienische Starbassist Aldo Zunino wegen eines Sehnenproblems kurzfristig durch Rudi Engel ersetzt werden musste, swingte die hochkarätig besetzte Truppe mit sichtlicher Spielfreude auf gleicher Wellenlänge und konnte damit rundum begeistern.
Überwiegend frisch aufpolierte Standards der Swing- und Bebop-Ära mit einem gehörigen Schuss Blues gemixt lieferten die Grundlagen für ausgedehnte, abwechslungsreiche Improvisationen. Der in Wien lebende Jazzpianist Oliver Kent steuerte am Kawaiflügel eine abwechslungsreiche, niemals aufdringliche Begleitung zum Geschehen bei, glänzte aber auch mit ausgedehnten Soloimprovisationen und großem Einfallsreichtum. Der mit allen Wassern gewaschene Pariser Startrompeter Stephane Belmondo zelebrierte seine Darbietungen und lieferte sich mit der hochvirtuos aufspielenden jungen „Rising Star“ – Klarinettistin Virginia MacDonald amüsante Dialogimprovisationen. Er reizte die Namensgeberin der Band immer wieder zu kreativen Höchstleistungen und gerierte sich als Primus inter pares. Mit der jugendlich spritzigen Virtuosität der Klarinettistin konnte oder wollte er zwar nicht mithalten, kompensierte dies aber durch expressive Leidenschaftlichkeit. Ausgedehnte, technisch brillante Schlagzeugsoli von Bernd Reiter lockerten das Gefüge auf und der emeritierte Bass-Professor der Würzburger Musikhochschule Rudi Engel forderte dem geliehenen Kontrabass bei seinen blueslastigen Improvisationen alles ab.
Reiters Idee, die junge hochbegabte Newcomerin Virginia MacDonald auf einer Europatournee mit erfahrenen Routiniers zusammenzubringen führte hier zu einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten und trug schmackhafte musikalische Früchte, die zwar nicht zur Avantgarde des Genres zählen jedoch eindeutig beim Publikum ankommen.
Text: Helmut Schönecker

Virginia MacDonald Quintet feat. Stephane Belmondo

Am 11.10.2024 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

Die junge kanadische Klarinettistin Virginia MacDonald ist ein echter „Shooting Star“ des nordamerikanischen Jazz. Auf ihrer Europatournee trifft sie auf einen absoluten Star der europäischen Trompeten-Szene, auf Stephane Belmondo. Der in Paris lebende Startrompeter (u.a. mit Stéphane Grappelli 1992 und dem „Orchestre National de Jazz“ in einer „Hommage a Miles Davis“ im Jahr 1994 unterwegs) ist  Träger des „Prix Django Reinhardt“ und vieler anderer Auszeichnungen. Das hochkarätige Quintett wird von drei Begleitern vervollständigt: Pianist Oliver Kent und Bassist Aldo Zunino gehören zu den meist gebuchten Sidemen Europas. Der österreichische Schlagzeuger Bernd Reiter, u.a. Preisträger beim Hans Koller Preis im Jahre 2006 und mittlerweile in Paris lebend, ist Spiritus rector dieser herausragenden Besetzung mit Musikern aus Kanada, Frankreich, Italien und Österreich. Das Quintett stellt eine echte Allstarauswahl dar und garantiert einen hochkarätigen Konzertabend unter dem Motto „Swinging Jazz at its Best“!

Virginia MacDonald (CA) – clarinet (www.virginiamacdonald.ca)
Stephane Belmondo (FRA) – trumpet
Oliver Kent (AT) – piano
Aldo Zunino (IT) – bass
Bernd Reiter (AT) – drums (www.berndreiter.at)

Eintritt: 22 Euro, Jazzclub-Mitglieder 18 Euro, Studierende 10 Euro,
freier Eintritt für Biberacher Schülerinnen und Schüler

Foto: Lucie Frigault

21.09.2024: Sisters in Jazz International

Auftaktkonzert zur Reihe „Ladies in Jazz“
„Sisters in Jazz – International“ begeistern im ausverkauften Jazzkeller
BIBERACH – Aus einem internationalen Netzwerk von über 30 Jazzmusikerinnen, eben den „Sisters in Jazz“,  fanden zum Saisonstart des Herbstprogramms vier Ausnahmekünstlerinnen ihren Weg zu den Jazzbibern. Mit einem Paukenschlag eröffneten die „Sisters in Jazz“ aus Isabelle Bodenseh, Tamara Lukasheva, Izabella Effenberg und Katharina Gross die ambitionierte Konzertreihe des Jazzclubs unter dem Motto „Ladies in Jazz“. Frauen im Jazz, das sind in der Jazztradition zumeist singende Frontfrauen oder Vorzeigesolistinnen. Diesem Vorurteil machte das illustre Quartett schnell den Garaus. Alle vier Damen sind renommierte Komponistinnen mit je eigenen Bands, mit kraftvollen, eigenständigen Ideen und charakteristischem Personalstil. Vom ersten Ton an bis zur letzten Zugabe konnten sie rundum begeistern und überzeugen.
Das kurzweilige Konzertprogramm bestand ausschließlich aus Eigenkompositionen der Bandmitglieder. Ursprünglich oft für andere Besetzungen konzipiert, fanden sich die Stücke für die aktuelle, durchaus ungewöhnliche Besetzung aber im neuen Gewand und ganz offenkundig in neuer Frische wieder. Die stilistische Eigenständigkeit der Musikerinnen führte dabei glücklicherweise nicht zu einer heterogenen unverbindlichen Klangcollage. Vibraphon, Sun Drum und andere Perkussionsinstrumente, E- oder Kontrabass, diverse Querflöten, Flügel und Singstimme traten in immer neuen Farbmischungen in kaleidoskopartiger Klangsinnlichkeit zusammen, fanden dabei aber zu einer überraschend homogenen Stimmigkeit.
Weit entfernt von abgehobener oder zerfließender Klangschalen-Esoterik bediente die ehemalige polnische Karatekämpferin Izabella Effenberg ihr vielfältiges Instrumentarium, darunter eine exotische XXL-Kalimba, präzise groovend und wurde damit zu einem festen strukturellen Bestandteil der Kompositionen. Am höchst virtuos gespielten Vibraphon lieferte sie sich gelegentlich sogar dialogisierende Improvisationen mit der im Hochgeschwindigkeits-Scatgesang geübten ukrainischen Sängerin und Pianistin Tamara Lukasheva, die ihrerseits am Flügel oft in ein kontrapunktisch-melodisches Wechselspiel mit der französisch-stämmigen Isabelle Bodenseh an den Querflöten trat oder sich auch in rasanten, bebopartigen Unisonolinien mit derselben zusammenfand. Der weiche, sonore und recht selten gehörte Klang der Bass-Querflöte umschmeichelte die Zuhörer und ließ die ausdrucksvoll interpretierten Melodien plastisch hervortreten, ohne die Mitspielerinnen dadurch in eine bloße Begleitrolle zu drängen. Die im Rhein-Neckar-Raum basierte Katharina Gross steuerte einen kernig-knackigen Bass-Sound mit oft auch rock- oder fusionlastigen Grooves zum Geschehen bei und moderierte, wie auch ihre Kolleginnen, kurzweilig, informativ und unterhaltsam ihre eigenen Kompositionen an.
Text und Fotos: Dr. Helmut Schönecker

Sisters in Jazz International

Am 21.09.2024 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

Das vor knapp 10 Jahren auf Initiative der in der Schweiz lebenden saarländischen Saxophonistin Nicole Johänntgen entstandene Netzwerk aus Musikerinnen und Komponistinnen verkörpert geballte Frauenpower und bringt frischen Wind in die Jazzszene. Aus einem Pool von über 30 Jazz-Ladies aus allen Ecken Europas kommen vier grandiose Musikerinnen, allesamt Bandleaderinnen mit eigenen Projekten, nach Biberach in den Jazzkeller. Das illustre Quartett mit der ungewöhnlichen Besetzung aus Querflöte, Vibraphon/Percussion, Vocals/Flügel, E-/Kontrabass bewegt sich ohne Hemmungen zwischen Modern Jazz, Funk, Rock, Klassik und folkloristischen Elementen der jeweiligen Heimatländer der tollen Virtuosinnen und formt daraus eine wahre Weltmusik.

Tamara Lukasheva (UKR) – Vocals & Flügel
Isabelle Bodenseh (D/F) – Bassquerflöte & Querflöte
Izabella Effenberg (PL) – Vibraphon, Steeldrum, Array Mbira & Sundrum
Katharina Gross (D) – E-Bass & Kontrabass

www.sisters-in-jazz.international

Eintritt: 22 Euro, Jazzclub-Mitglieder 18 Euro, Studierende 10 Euro,
freier Eintritt für Biberacher Schülerinnen und Schüler

03.05.2024: Christoph Stiefel Piano Solo

Schweizer Pianist entzückt Jazzbiber mit Soloprogramm
Mit Christoph Stiefel im Auge des Sturms
Wie in der seiner jüngsten Tochter gewidmeten Komposition „Zaubertrank für Eliane“ verabreichte der Züricher Pianist auch dem faszinierten Publikum im Jazzkeller ein magisches Elixier voller Poesie. Überwiegend aus seinem dritten Soloalbum „Sofienberg Spirits“ zusammengestellte Stücke entrückten viele Besucher in eine tranceartige Kontemplation. Aufgenommen in der gleichnamigen Kirche des mitten im Zentrum von Oslo gelegenen Sofienbergparks, einer grünen Oase der Ruhe in der pulsierenden norwegischen Hauptstadt, atmen die Stücke der CD auch den Geist dieses Ortes: entspannte Gemütlichkeit und Lebensfreude pur abseits des Großstadtrummels. Aufgelockert durch einige Standards entführten die meist isorhythmisch geprägten Stücke des Soloprogramms den geneigten Hörer in ein Paralleluniversum, in eine transzendental erweiterte Wirklichkeit, die erst zum wahren Kern des Daseins führt. Aus der Erkenntnis „In der Ruhe liegt die Kraft“ gespeist, geleiten Stiefels Stücke als musikalisch-meditative Exerzitien ins Innere des Selbst. Neben der feinsinnigen Plastizität der tonal geprägten Melodik und einer dezent erweiterten, pastellfarbigen Jazzharmonik führt vor allem die sich aus der Isometrie ergebende rhythmische Vielschichtigkeit zu einer schwebenden Leichtigkeit. Der unverbindlichen Offenheit freier Improvisationen stellt Stiefel die festgefügte, sich aber permanent gegeneinander verschiebende Überlagerung immer gleichbleibender rhythmischer und melodischer Patterns gegenüber. Die daraus resultierende, pulsierende Polyrhythmik gliedert die Zeit auf verschiedenen Ebenen, spiegelt so die komplexe Welt der Gegenwart und zwingt die Hörer wahlweise in den anspruchsvollen Nachvollzug der komplexen Strukturen oder auch zum völlig losgelösten, emotionalen Treibenlassen ins Nirvana, ins zeit- und raumlose Nirgendwo. Letzteres beflügelt durch die gelegentliche klangliche Verfremdung des akustisch gespielten Flügels mittels einer Präparation einzelner Saiten durch hölzerne Wäscheklammern oder den Einsatz von Malletschlägeln und elektromagnetischen Helferlein aus dem Tretminen-Fundus der E-Gitarristen. Die daraus resultierenden schwebenden Klänge, an tibetanische Klangschalen oder japanische Mallets erinnernd, vermittelten einen fernöstlichen „Touch“ und gemahnten ihrerseits an die traditionelle Teezeremonie und deren, dem Zen nahestehende Philosophie.
Text und Foto: Dr. Helmut Schönecker, Jazzclub Biberach

Christoph Stiefel Piano Solo (Achtung: Programmänderung)

Am 03.05.2024 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

Christoph Stiefel gastiert mit seinem Piano-Solo-Programm «Sophienberg Spirits» im Jazzkeller –  und nicht wie zuvor angekündigt mit dem «Inner Language Trio».

Seine Musik lässt sich ebenso in der Welt der Klassik verankern wie im Jazz, man kann sie impressionistisch oder meditativ nennen, als über den Dingen stehend oder tief in ihrem Kern ruhend empfinden. Internationale Bekanntheit hat Stiefel mit einem eigenen Kompositionsstil erlangt, in dem er auf der Basis einer Kompositionstechnik aus dem Mittelalter (Isorhythmik) eine zeitgemäße Jazz-Variante geschaffen hat, die auf faszinierende Weise zwischen Groove-Intensität und Klangfarbenmalerei oszilliert. Transzendente Poesie begegnet rhythmischer Wucht auf sehr individuelle Weise.

www.christophstiefel.ch

Foto: Ruth Kaelin

Eintritt: 22 Euro, Jazzclub-Mitglieder 18 Euro, Studierende 10 Euro,
freier Eintritt für Biberacher Schülerinnen und Schüler