Kategorie: Kritik
27.02.2026: Jakob Bänsch Quartett
Zuhören, Eintauchen, Untertauchen, Wohlfühlen
Jakob Bänsch Quartett eröffnet neue Horizonte
BIBERACH – Der mit dem Deutschen Jazzpreis 2024 ausgezeichnete Komponist und Jazztrompeter Jakob Bänsch aus Pforzheim eröffnete mit seinem Quartett beim Freitagskonzert des Jazzclubs neue Horizonte. Eigenkompositionen fast aller Bandmitglieder, ausgesuchte und für Jakob Bänsch und sein Quartett wohl auch stilprägende Standards von Wayne Shorter („Fall“) oder Fred Coots („For All We Know“) sowie von dem brasilianischen Gitarristen und Sänger Toninho Horta („Pedra da Lua“ svw. „Mondstein) spannten einen weiten stilistischen Bogen, der sich zum Konglomerat eines modernen Jazzstils mit persönlicher Note verdichtete und der nicht nur gut zum Anhören war, sondern zum Ein- und Untertauchen, zum plastischen Erleben und zu kurzweiliger Unterhaltung einlud.
06.02.2026: Vogelfrei-FM
Wildernd im Dschungel der Musikstile
VOGELFREI FM – Vier Sound- und Rhythmusfetischisten drehen auf
BIBERACH – Künstler, Publikum und Veranstalter konnten beim ausverkauften Freitagskonzert des Jazzclubs mit den Local Heroes von VOGELFREI FM überaus zufrieden sein. Große Begeisterung, ja Euphorie bei allen Beteiligten ließen das Konzert zu einem weiteren konzertanten Highlight im Jubiläumsjahr werden. FM steht für „Fresh Music“ und der Untertitel im Bandnamen wurde zum Programm. Die frische, unterhaltsame Musik ohne Berührungsängste zu anderen Genres und vor allem ohne erneuten Aufguss althergekommener Standards, wusste aus sich selbst heraus zu überzeugen.
Ein erlesenes Equipment, ein Faible für guten Sound und sichtlich Spaß am gemeinsamen Spiel vor vollem Haus und vor einem begeistert mitgehenden Publikum mit vielen Fans waren die Zutaten für ein Konzert, dem manche gerne noch länger gelauscht hätten. Lediglich auf den hinteren Rängen wurde zu Beginn der etwas basslastige Sound bemängelt, nach kurzer Rücksprache mit der Band konnte dies jedoch korrigiert werden. Verantwortlich für die stilistisch äußerst vielseitigen Kompositionen zeichnete der Bandleader, Sänger und Gitarrist Jochen Vogel, für das harmonische Fundament am Bass sorgte sein Bruder Alex Vogel.
Ungewöhnlich in der Quartett-Besetzung ist die Rhythmusabteilung, die mit Markus Merz und Cesar Gamero gleich zwei versierte Vertreter ihres Faches aufzubieten hat. Gut strukturiert, komplementär verzahnt und sensibel aufbereitet entfalteten beide ein vielschichtiges und dennoch plastisches Geflecht aus quirligen Rhythmus-Patterns, durchwirkt von den gelegentlich auch tonmalerisch eingesetzten, mannigfaltigen Klangfarben eines üppigen Instrumentariums aus der weiten Welt des Schlagwerks. Drumset, Becken, Mallet-Cat, Congas, Bongos, Timbales, Chimes, Schellenring, Triangel, Glocke, Woodblocks, elektronisches Drumpad und vieles mehr boten ein Kaleidoskop an schillernden Sounds. Samba, Bossa, Salsa, HipHop, Afro, NuJazz, Funk, Fusion, Blues, Flamenco und World Music steuerten jeweils charakteristische Stilelemente bei. Hierbei bewährte sich die professionelle Lehrtätigkeit der Musiker, die ihren Schülerinnen und Schülern schließlich eine breite Palette an stilübergreifenden Fertigkeiten beibringen müssen.
Die Erläuterungen von Jochen Vogel zu seinen Kompositionen stellten überaus willkommene Verständnishilfen dar und weisen ihn nicht nur als veritablen Komponisten, sondern auch als pädagogisch geschulten Musiker aus. Besonders anschaulich ob ihrer programmatischen Inhalte waren Stücke wie „Rabbit Samba“ oder „Mei Vogelhaus“ im Stil des NuJazz. „Ritter Falkenburg“, obwohl im Original nur eine mit dem Sohn gebaute Sandburg am Strand der Adria, konnte mit ihren Assoziationen an dumpfe Landsknechtstrommeln und heroisch-martialische Klänge dem tieferen Verständnis durchaus auf die Sprünge helfen. Die Ballade R.I.P. war hörbar inspiriert von einer renommierten Band, die Vogel im Biberacher Jazzkeller erstmals gehört hatte – TRIO ELF – mit dem begnadeten Pianisten Walter Lang, der leider vor wenigen Jahren überraschend und allzu früh verstorben ist. Der Titel „Hakuna Matata“ reflektierte Eindrücke aus einem Urlaub auf Sansibar. Den Zwiespalt zwischen dem bedrückenden Besuch des zum Museum erhobenen ehemaligen Sklavenmarktes und der Sorglosigkeit, die sich hinter dem Suaheli-Ausdruck verbirgt, konnte die dualistisch angelegte Komposition überraschend gut einfangen. Beim pentatonisch geprägten Refrain durften die Besucher nach kurzer Einführung sogar mitsingen. Von fast allen Stücken gibt es übrigens Noten und auf Youtube kann man diese auch nachhören. Nachspielen und Nachhören sind durchaus erlaubt und können das Verständnis weiter vertiefen.
Text und Fotos: Helmut Schönecker
18.01.2026: Hardt Stompers
Text & Fotos: Helmut Schönecker
17.01.2026: Tango Transit
Tango Transit – Nomen est Omen
Zweifelsohne steht der Begriff Tango zentral im Raum, wenn dieses außergewöhnliche Trio die Bühne betritt. Und wie zur Bestätigung zitieren Martin Wagner, Akkordeon, Hanns Höhn am Kontrabass und der Schlagzeuger Andreas Neubauer zum Konzertbeginn den Gottvater des Tango Nuevo – Astor Piazzolla – mit dessen bekanntestem Stück – Libertango. Doch schon beginnt der Transit, eine Reise durch musikalische Welten, vom modernen Walzer (Vienna April) über romantisches deutsches Liedgut (Zwischen Berg und tiefen, tiefen Tal) zu komplexen Eigenkompositionen (The Curtain, Akrobat, T-House …) und spaßigen Pop-Interpretationen (Money von Pink Floyd).














































