Archiv – Seite 84 – Jazzclub Biberach e.V.

11.01.2013: Pöhlmann Rädle Hagenlocher

Pöhlmann-Rädle-Hagenlocher Trio im Jazzkeller Biberach

Entschleunigungs-Jazz zum Jahresauftakt

BIBERACH [hs] – Wer es über die Feiertage und den Jahreswechsel hinweg nicht geschafft hatte, der konnte zum musikalischen Jahresauftakt des Jazzclubs Biberach das Versäumte noch reichlich nachholen. Eine musikalische Entschleunigungskur in Reinform bot das Pöhlmann-Rädle-Hagenlocher Trio dem treuen Biberacher Jazzclub-Publikum beim traditionellen Freitagabendkonzert.

Eine transparente Klangstruktur ergab sich bereits aus der Besetzung des Trios, das mit Saxophon, Klavier und Kontrabass bewusst auf Rhythmusinstrumente verzichtete und überdies unverstärkt zum Konzert antrat. Um dieser ungewöhnlichen Besetzung gerecht zu werden, komponierte der Kontrabassist Michael Pöhlmann alle Stücke für sein Freiburger Modern Jazz Trio selbst. Trotz einer erstaunlichen Bandbreite bei den gewählten Sujets, vom Wiener „Schmäh“ im ¾-Takt über die spanische Habanera „Barcelona“ hin zu einer elaborierten Schubertsonate und einem Tribut an Charles Mingus und Stevie Wonder, ließen der typische Grundklang und der gestalterische Zugriff doch immer die Handschrift des Komponisten erkennen. Resultat war ein gediegen-unterhaltsamer, gemäßigter Modern Jazz, dem man gelegentlich etwas mehr Temperament, weniger strukturelle Fesseln und weniger Ernsthaftigkeit gewünscht hätte. Hier ging es nicht um quirlig-lebendige, urbane Jazz-Avantgarde, die da und dort auch mal kratzt und beißt. Hier ging es auch nicht um leidenschaftlich-eruptive Improvisationen, gespeist aus zerrissenen Seelen globalisierter Großstadtmenschen. Und um intellektuelles Spiel mit kontrapunktisch gewirkten Stilaphorismen ging es eben auch nicht. Gut abgehangene romantisch-impressionistische Melancholie bot jedoch den Rahmen für die kollektive kontemplative Versenkung ins kammermusikalische Nirvana der ausgelassenen Töne: bodenständige Entspannung in ländlicher Idylle, erhabener Friede in edler Einfalt und stiller Größe, klassisch eben.

Als das wohlwollende Publikum die zweite Zugabe erklatschte, huschte das erste Lächeln über die Gesichter der erstaunten Musiker. Das erste auswendig gespielte Stück des Abends löste schließlich doch noch die Fesseln, die Improvisationen wurden freier, die Stimmung entspannter und freundlicher. Der Pianist Tobias Rädle und der Saxophonist Jörg Hagenlocher liefen „vom Eise befreit“ in fast schon „wild“ zu nennenden Improvisationen zur Hochform auf. Schade, dass der Abend hier bereits zu Ende ging.

 

gez. Dr. H. Schönecker

Pöhlmann | Rädle | Hagenlocher

Am 11.01.2013 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Das 2010 gegründete Freiburger Modern Jazz Trio hat sein Debütalbum vorgelegt und präsentiert es nun live in Konzerten. Pöhlmann, Rädle und Hagenlocher spielen ausschließlich eigene Stücke; dabei fließen die unterschiedlichsten Stile vom Flamenco bis zur Klassik ein, doch der gemeinsame Nenner bleibt die zeitlos moderne Tradition des Jazz.

Jürgen Hagenlocher schlägt einen expressiven Saxophon-Ton an. Tobias Rädle am Klavier bewegt sich mal nah an Standards, mal liebäugelt er mit dem Blues. „Schuberts Montuno“ ist eine eigenwillige Hommage, getragen von pianistischen Minimalismen. Auf „Schmäh“ zeigt Pöhlmann am Kontrabass trotzig sein Können, in „Barcelona“ lässt er gar eine Habanera anklingen. Mit dem Stück „So Long Charlie“ huldigt er seinem Vorbild Charles Mingus.

Zu hören ist das Trio am Freitag, 11. Januar 2013 um 20:30 Uhr im Biberacher Jazzkeller.

Besetzung:
Michael Pöhlmann: Kontrabass, Komposition und Arrangement
Tobias Rädle: Klavier
Jürgen Hagenlocher: Tenorsaxophon

Eintritt: 12 EUR / 9 EUR
Karten und Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de

Rootbears

Am 23.12.2012 um 20:00

Ort:
Schützenkellerhalle

Beschreibung
Weihnachtskonzert mit den Rootbears

Wie jedes Jahr am Tag vor Heilig Abend treffen sich am Sonntag, dem 23.12.2011 um 20:00 Uhr die sechs Rootbears und ihre Fans zum 23. Mal in Folge gewohnt gut gelaunt zum legendären Weihnachtskonzert, jetzt im dritten Jahr an einem größeren Aufführungsort, nämlich in der Schützenkellerhalle.

Die Konzertbesucher erwartet die erfolgreiche Besetzung der letzten Jahre: Rüdi an den Saxophonen, HP an der Posaune, Magnum vor und hinter den Tasten, Marvin Bassman, Christoph-the-JazzGuitar sowie Pete-Schmidt-Schmid an den Drums.

Eine originelle Dramaturgie, Kommentare mit Esprit, launige Ansagen und unbändiger Spielwitz – das ist es, was die Fans aller Altersstufen begeistert. Wiederum ein Jahr älter, reifer, und noch musikalischer, mit noch mehr neuen Songs! Jazzig … groovig … besinnlich … halt so wie immer.

Ob es wieder die obligatorische Vokalnummer geben wird? Und ob es wieder zum Auftritt eines Überraschungsgastes kommt? Um das zu erfahren, kommen Sie rechtzeitig in die Schützenkellerhalle, der Jazzclub Biberach sorgt mit einer Getränketheke dafür, dass Sie sich schon VOR Konzertbeginn wohlfühlen!

Und alle Jahre wieder ein Wort zur richtigen Aussprache des Namens unserer Band. Nur soviel sei gesagt: Es handelt sich hier um „Wurzelbären“ und nicht um „Wurzelbier“. When will we ever learn … Probieren Sie’s einfach mal aus – es geht doch!

Besetzung:
Rüdiger Przybilla (Sax)
Hanspeter Schmid (Posaune)
Magnus Schneider (Akkordeon, Klavier)
Martin Schmid (Bass)
Christoph Reck (Gitarre)
Peter Schmidt (Schlagzeug)

Eintritt 11 EUR / 7 EUR

Kartenvorverkauf im Radgeschäft Mr. Speiche
Wielandstraße 8, 88400 Biberach
Tel.: 07351-82395
Email: post@misterspeiche.de

Reservierungen sind nicht möglich.

Einlass ab 19:00 Uhr

Kristjan Randalu

Am 14.12.2012 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Weltmusik der Extraklasse mit dem estnischen Ausnahmepianisten

Der in Estland geborene Kristjan Randalu ist in einer Musikerfamilie aufgewachsen. Seit seiner Kindheit ist er heimisch in Karlsruhe. Nach seinem Musikstudium in Karlsruhe und Stuttgart zieht es den umtriebigen Randalu 2001 zunächst nach London, zwei Jahre später nach New York. Mittlerweile pendelt er zwischen Estland, Deutschland und Amerika.

Seit seiner Schulzeit arbeitet Randalu zusammen mit Bodek Janke. Mit der Sängerin Siiri Sisask verbindet ihn neben der estnischen Heimat eine langjährige Freundschaft, dich sich auch auf Tonträger darstellt.

Till Brönner schwärmt, „Kristjan Randalu ist kein Jazzmusiker. Nein, er ist viel mehr. Er steht für eine Generation intelligenter Musikindividuen, die es geschafft haben, sich frei zu machen vom Druck schreiender Jazz-Priester, die nicht begreifen wollen, dass Jazz nur noch ein Randbereich musikalischer Erneuerungs-Plattformen ist.“

Auch Herbie Hancock ist von Kristjan Randalu überzeugt: „Kristjan ist ein umwerfender Pianist“ („a dazzling piano player“). Davon zeugen auch die zahlreichen Preise, die er einheimste. 1997 gewann er den Internationalen Biberacher Jazzpreis, 2002 den zweiten Preis als Solo-Pianist beim Wettbewerb des Montreux Jazz Festival und 2007 den Landesjazzpreis Baden-Württemberg.

Im Laut.de-Interview 2009 beteuert Randalu seine stilistische Unschuld: „Jazz ist so ein variabel einsetzbarer Begriff. Er bedeutet für viele Menschen ganz Unterschiedliches. Für mich verkörpert er aber aktuelle Musik, die jetzt entsteht und bei der die Spieler ganz maßgeblich an der Entstehung beteiligt sind. Wenn Du jetzt aber etwas Plakatives zu unserer Musik brauchst: „between Modern Jazz & World Music“.

Eintritt: 12 EUR / 9 EUR

Karten und Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de