Archiv – Seite 85 – Jazzclub Biberach e.V.

30.11.2012: Jazzchor Stuttgart

Stuttgarter Jazzchor gibt eine Lehrstunde für den Chorgesang

Hohe Chorkultur im jazzigen Untergrund

BIBERACH – Mit einem repräsentativen Querschnitt aus seinem Fünf-Stunden-Repertoire hat sich der „Jazzchor Stuttgart“ unter seiner Chorleiterin Christiane Holzenbecher am Freitagabend im nahezu ausverkauften Jazzkeller einem begeisterten Biberacher Publikum vorgestellt. Mehrere Zugaben, darunter der immer noch witzige „Hafer- und Bananen-Blues“ aus der legendären SDR-Ära vom „Äffle & Pferdle“ und, für ein Jazzkonzert durchaus ungewöhnliche, stehende Ovationen, waren untrügliche Zeichen für einen rundum gelungenen Jazz-Chorabend im Oberland.

Die sechzehn Chorsängerinnen und Sänger, darunter mit Gerhard Ruf auch ein ehemaliger Biberacher, zeigten sich, trotz akustisch recht schwieriger Bedingungen für A-Cappella-Chorgesang, hochmotiviert, mit zunehmend fortschreitendem Abend auch selbst sichtlich begeistert und durch die enthusiastischen Publikumsreaktionen zu Höchstleistungen inspiriert. Die stilistische Bandbreite für einen Jazzchor war außerordentlich. Von Renaissance- bis zu Rock-  und HipHop-Titeln, mit Beat-Boxing-Untergrund und diversen Soloeinlagen, teils mit eigenen gerappten Texten auf Deutsch und Englisch, war für jeden Geschmack etwas geboten. Selbst vorweihnachtliches und weihnachtliches Liedgut durfte nicht fehlen. Besonders eindrucksvoll gelang, neben dem „Christmas Love Song“ von „Manhattan Transfer“ ein Xmas-Carol, das Andrea Figallo, ein langjähriges Mitglied der britischen A-Cappella-Formation „Flying Pickets“ (und demnächst bei den „Wise Guys“) auf einem Chor-Workshop für den Stuttgarter Chor eigens komponiert und einstudiert hatte.

Wöchentliche Proben, mehrere Chorwochenenden und Workshops mit renommierten Dozenten, unter anderem auch mit Mitgliedern von „Manhattan Transfer“, den „King’s Singers“ oder den „Flying Pickets“, bilden beim Jazzchor Stuttgart die Basis für ein hochkarätiges, selbstverständlich komplett auswendig dargebotenes Programm, das zumindest in Biberach nicht nur eingefleischten und durchaus zahlreich im Publikum vertretenen Choristen großen Respekt abnötigte. Besonders temperamentvoll gelangen die Stücke, die teils experimentell die gewohnte Chorformation aufbrachen und in alternierenden Gruppierungen rappten, beat-boxten und in wechselnder Kostümierung theatralisch gestikulierten.

Selbstverständlich durften auch die typischen Jazznummern nicht fehlen. „Tuxedo Junction“, „Take Five“ oder der Stevie Wonder Hit „Sir Duke“ ließen auch die Jazzfans auf ihre Kosten kommen. Wohlige Schauer verursachten jedoch besonders die leisen Töne. Sauber intonierte Jazzharmonien im Pianissimo sind ein Stilmittel, das in dieser Qualität und Intensität nur von bestens aufeinander eingespielten Chören zu bewältigen ist. In einer so transparenten und schonungslos direkten Akustik wie im proppenvollen Jazzkeller, kann diese Leistung, die noch dazu ohne Einsatz technischer Hilfsmittel erfolgte, gar nicht genug gewürdigt werden. Neben dem Ohrenschmaus fürs Publikum lieferte der Jazzchor Stuttgart hier auch eine Lehrstunde für den Chorgesang ab.

gez. Dr. Helmut Schönecker

Jazzchor Stuttgart

Am 30.11.2012 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Jung. Frisch. Dynamisch. Jazzchor Stugart.

Swing, Groove und Funkiges, so viel steht fest. Genaueres wissen wir noch nicht, wird aber rechtzeitig bekanntgegeben.

Java Jive. You are the sunshine of my life. Agua de beber. Bei mir bist Du schön. Jung. Frisch. Dynamisch.

Der Jazzchor Stuttgart ist experimentierfreudig, ernsthaft und dennoch gleichzeitig gelöst, bunt gemischt, intuitiv, ganz bei der Sache.

Die fast 30 Stimmen des Jazzchors unter der Leitung von Christiane Holzenbecher swingen, grooven und jazzen in gleichermaßen anspruchsvollen wie mitreißenden Arrangements.

Die weltumspannenden Stilrichtungen Jazz, Pop, Swing, African-Vocals, Bossa Nova und Soul setzt das Ensemble melodiös und energiegeladen in Szene. Gesungen wird a cappella, mit Percussion- oder Bandbegleitung. Nicht nur das hohe Niveau der Sängerinnen und Sänger, sondern auch deren spürbare Begeisterung sorgt für ein großes Hörvergnügen. Lassen Sie sich von der Dynamik anstecken!

Eintritt: 12 EUR / 9 EUR

Karten und Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de

16.11.2012: Duško Goykovich Quintet feat. Jürgen Seefelder

Gereifte Coolness der internationalen Spitzenklasse

Altmeister Dusko Goykovich (Trompete), trotz seiner 81 Lenze in einer Topverfassung, und Jürgen Seefelder (Saxophon), Jazzprofessor aus Mannheim, jazzten am Freitagabend im Jazzkeller das überaus zahlreiche Biberacher Jazzpublikum in Ekstase. Das „Drei-Generationen-Quintett“ hatte mit Christian Gall (Klavier) aus Rosenheim, Rocky Knauer (Bass) aus Augsburg und Michael Keul (Schlagzeug) aus München auch in der Abteilung Akkompagnement eine illustre Zusammensetzung auf Weltklasseniveau zu bieten.

Dass mit Dusko Goykovich einer der ganz großen Jazzer den Weg in den Jazzkeller gefunden hatte, war nicht zuletzt Jürgen Seefelder zu verdanken, der als Juror beim internationalen Biberacher Jazzpreis im Frühjahr 2012 sein Debut gegeben hat. Dass sich die beiden auch musikalisch gut verstehen, war ab dem ersten Titel bereits offenkundig. Souverän und inspiriert interagierten die beiden in ihren Soli. Besonders die Dialogimprovisationen boten neben dem augenzwinkernd spielerischen Moment manche inspirierte Kostbarkeit.

Der Rahmen für die Improvisationen bestand fast ausschließlich aus Eigenkompositionen von Goykovich, der in seiner langen Karriere nicht nur Max Greger, Kurt Edelhagen, Albert Mangelsdorff, Maynard Ferguson oder Woody Hermann und Kenny Clarke mit seiner Trompete und seinen musikalischen Ideen inspiriert hat. Selbst den Hohepriester des modernen Jazz, Miles Davis, nannte er seinen guten Freund, mit dem er nach dem Konzert manche Nacht, oft bis zum Morgengrauen zusammengesessen hatte. Darauf Bezug nimmt auch eine der eindringlichsten Kompositionen Goykovichs: „Five o´clock in the morning“, Miles Davis gewidmet. Der Song geriet in abgrundtiefer Melancholie und genialer Spiritualität zu einem der erfülltesten Momente eines an Highlights überreichen musikalischen Abends.

Ob mit Latineinflüssen, wie in dem seiner Frau gewidmeten Titel „Inga“ oder im Samba „Tsigane“, ob in Blues-, Soul- oder Balladenfeeling (Ballad for Miles) Dusko klingt immer nach Dusko. Nicht grundlos beginnen die ersten seiner Kompositionen zu Standards zu werden. Wie verwachsen mit seiner Trompete, die auch in hohen Lagen noch präzise und brillant und dennoch relaxt klingt, versteht er in unnachahmlicher Weise gerade so viele Töne wie nötig zu spielen. Kein unnötiges Beiwerk oder virtuoses Gehabe verstellen den Weg zu den musikalischen Ideen. Jürgen Seefelder war Goykovich ein kongenialer Partner, griff Ideen auf, steuerte Ideen bei oder verschaffte dem Altmeister ab und zu auch mal eine „Verrauchpause“ im Hinterzimmer um sich derweil entsprechend in Szene zu setzen. Ein echter Wohlfühlabend in Sachen Jazz ging – dank der ungebremsten Spiel- und Zugabenfreude des Quintetts erst nach fast 3 Stunden zu Ende.

gez. H. Schönecker

Duško Goykovich Quintet feat. Jürgen Seefelder

Am 16.11.2012 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Bebop und Balladen, Bossa & 5/4-Takt

Der Jazztrompeter Duško Goykovich gehört zu den lebenden Legenden des Jazz. Die Liste der Musiker, mit denen er gearbeitet hat, liest sich wie ein „Who’s who“ der Jazz-Geschichte. Goykovich spielte mit Legenden wie Miles Davis und gehört selbst zu den ganz Großen. Seine Musik ist tief in der Tradition der Standards verwurzelt, dabei ist er offen für Anregungen der Moderne, des Moments, der Inspiration des Augenblicks und des Zusammenspiels. Vor allem seine perfekten Bebop-Linien und seine beseelten Balladen-Interpretationen haben Duško Goykovich Bewunderung eingebracht.

Jürgen Seefelder, Professor für Jazzsaxophon an der Musikhochschule Mannheim, steht in der Coltrane-Tradition. Seine souveränen Improvisationen zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass er filigran verästelte Phrasen auch einmal durch „simple“ melodisch-groovende Linien kontrastiert. Der Saxophonist Seefelder ist in vielen Stilrichtungen zuhause, er spielt Brasilianischen Jazz und Fusion ebenso wie World Fusion und in jüngerer Zeit auch Choral- und Kammermusik.

Besetzung:
Duško Goykovich (Trompete, Flügelhorn)
Jürgen Seefelder (Saxophon)
Rocky Knauer (Bass)
Michael Keul (Drums)
Bernhard Pichl (Piano)

Eintritt: 12 EUR / 9 EUR

Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de

abap – angelo branduardi acoustic project

Am 21.10.2012 um 11:00

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Italienische Wochen des Partnerschaftsvereins in Biberach

„abap“ aus Asti
spielen Musik von Angelo Branduardi

Romantisch-poetische italienische Folkmusik gibt es im Rahmen der „Italienischen Woche“ am Sonntag, den 21. Oktober, um 11 Uhr bei einem Matinee-Konzert in der Bruno-Frey-Musikschule (Jazzkeller) bei freiem Eintritt (Spenden erwünscht). Veranstalter ist der Partnerschaftsverein Biberach e.V. zusammen mit dem Jazzclub Biberach e.V.

Sieben Musiker aus Biberachs italienischer Partnerstadt Asti haben sich zusammengefunden, um gemeinsam Lieder und Geschichten über Mäuse und Flöhe, den Mond und die Wolken und viele andere wunderliche Dingen zu singen und zu erzählen. Mit diesem musikalischen Projekt wollen sie einen Künstler würdigen, der sie allesamt mit seiner Musik und Poesie verzaubert hat: Angelo Branduardi. Seine Musik hat den musikalischen Werdegang von „abap“ über viele Jahre hinweg begleitet und inspiriert.

Die Idee dazu wurde während einer sommerlichen Party im Innenhof eines Landhauses geboren, wo auch Branduardis Musik bestens aufgehoben ist. Zuerst waren es nur zwei, dann drei, dann vier – und heute sind es sieben Musiker bei „abap“, dem „angelo branduardi acoustic project“.

Das Septett trägt die Lieder in einer akustischen Bearbeitung vor, stark beeinflusst durch klassische Musik und Instrumentierung (Violine, Cello, Gitarre), durch Perkussion und Gitarren-Picking, und nicht zuletzt durch mittelalterlich geprägten Gesang. „abap“ ist angetrieben durch eine tiefe Liebe und Verbundenheit zur Musik, und den großen Wunsch, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu stehen und zu musizieren.

In Biberach wird mit der „Italienischen Woche“ das 30-jährige Bestehen der ausgesprochen lebendigen Städtepartnerschaft mit Asti gefeiert; und immerhin 25 Jahre ist es her, dass drei der „abap“ Musiker mit der Folkrockgruppe „Archensiel“ erstmals in Biberach aufgetreten, und seitdem freundschaftlich mit Biberach und Oberschwaben verbunden sind.

Die Musiker von „abap“ sind:
Arbera Rubolino, Violine, aus Lushnje (Albanien)
Leonard Plumbini, Cello, aus Scutari (Albanien)
Maurizio Perissinotto, klassische Gitarre, aus Tripolis (Libyen)
Tommaso Gheduzzi, Cello, aus Asti
Pietro Ponzone, Perkussion, aus Asti
Andrea Marello, Gesang & Geschichtenerzähler, Vogelgezwitscher, etc., aus Asti
Sergio Pesce, Gitarre, Bouzouki & Mandoline, aus Asti
Vincenzo „Piuma“ Penna, Tontechnik, aus Asti

Eintritt frei

12.10.2012: Meike Goosmann Quartett

Meike Goosmann Quartett im Jazzclub Biberach

Meike Goosmann war im Biberacher Jazzclub zwar als Quintett angekündigt, es entpuppte sich dann aber als ein Quartett, was aus der Hauptstadt Berlin nach Oberschwaben angereist kam. Jazz vom Feinsten war es, was Meike Goosmann (Bassklarinette, Sopransaxophon), Julia Hülsmann (Klavier), Ulrich Moritz (Schlagzeug) und Tim Kleinsorge (Kontrabass) im Gepäck hatten.
Eine mit Leidenschaften und hoher Virtuosität vorgetragene Mischung aus Contemporary European Jazz und World Music, mit immer wieder hörbaren Ansätzen aus der Welt des Kleszmers, erwartete das hingerissene Biberacher Publikum. Musiker von Rang spielten auf einem technischen Niveau, welches keine Fragen offen ließ. Bestechend vor allem die persönliche Souveränität von Meike Goosmann, wie sie, ihren Mitmusikern Raum für berückende Soli lassend, immer wieder ins Thema führte, variierte und meisterliche musikalische Auflösungen fand. Die von ihr komponierten Stücke wirkten, obwohl schon fast als Programmmusik angelegt, nie intellektuell überhöht, sondern immer dem Thema sehr angemessen, oft berührend.
Ein wunderbarer Abend, der mit viel Applaus quittiert wurde.

Thomas Laengerer