Archiv – Seite 82 – Jazzclub Biberach e.V.

20.09.2013: BHS Organ Trio

Konzert im Jazzkeller

BHS Organ Trio eröffnet neue Konzertsaison des Jazzclubs

BIBERACH – Original Hammond Orgel und Leslie-Tonkabinett stehen nicht nur bei Klangfetischisten auch heute noch hoch im Kurs. Der damit verbundene Kult erinnert schon an die legendären historischen Instrumente der Cremoneser Geigenbauschule eines Amati, Guarneri oder Stradivari. Guterhaltene Instrumente erzielen auf dem Gebrauchtmarkt Preise im Bereich eines neuen PKW der gehobenen Mittelklasse. Wenig verwunderlich also, dass sich im Publikum des letzten Jazzclubkonzertes mit dem „BHS Organ Trio“ neben erklärten Jazzfans auch eine ganze Reihe von Hammondfans einfanden um dem legendären Sound der Kultorgel zu lauschen und zu huldigen.

Anders als die international gefeierte Jazzmusikerin Barbara Dennerlein, die ihre voll aufgerüstete und mit Hightech vollgestopfte Hammond in ihren Auftritten virtuos und solitär zelebriert, ist die Hammond beim Schweizer BHS Trio im authentischen Originalsound integraler Klangbaustein im musikalischen Konzept des Trios. Thomas Bauser an der Hammond B3 und Franz Hellmüller an der E-Gitarre zeichnen verantwortlich für die Kompositionen des Trios, die besonders durch eine fein aufeinander abgestimmte Klanglichkeit gleichberechtigter und gleichwertiger Stimmen in einer dichten, oft polyphonen Struktur beeindrucken. Hauptverantwortlich für den raffinierten Groove der Stücke zeichnet der Schlagzeuger Michi Stulz, der sich aber trotz ständiger Präsenz nie in den Vordergrund drängte.

Die Stücke des Trios, besonders das schwungvolle „Waltz for Sophie“ zu Ehren der Frau des Organisten und das bunt schillernde „La Capitale“ in Würdigung der französischen Hauptstadt Paris, wirken gleichermaßen modern und doch der Tradition verbunden. Modern vor allem bezüglich ihrer Rhythmik und Struktur sowie der Einbindung neuerer stilistischer Trends in Richtung des „New Pop“ oder „Modern Funk“, traditionell bezüglich der Sounds und Patterns, die ihre psychedelischen Wurzeln und stilistischen Anklänge u.a. an die deutsche Gruppe „Kraftwerk“ nicht verleugnen konnten. Dass der traditionelle Hammond-Sound und die technischen Möglichkeiten einer zweimanualigen Orgel mit Vollpedal ihre musikalischen Möglichkeiten noch lange nicht ausgereizt haben, stellte Bause eindrucksvoll unter Beweis. Auf drei musikalischen Ebenen sowie mit ständigem umregistrieren der zahlreichen Schieberegler vielbeschäftigt und voll multitaskingfähig saß er im Zentrum des homogenen musikalischen Bandgeschehens als „primus inter pares“.

Kontemplative Versenkung in den klanglichen Untiefen der tiefsinnigen Kompositionen war ebenso möglich, wie federndes Mitschwingen und Mitwippen bei den zupackenden, modernen Grooves. Fetzig ist jedoch anders. Trotz schweizerisch-dezenter Zurückhaltung der Musiker kam mancher Anfeuerungsruf aus dem interessierten Publikum, welches sich auch eine kurze Einführung in die Geheimnisse der B3 und des Leslie-Tonkabinetts wünschte. Die Erklärung durch Thomas Bauser fiel dann allerdings eher nüchtern aus: Hammond B3 im neuen transportablen Gehäuse („im Originalgehäuse wäre das 250kg Instrument nicht so reisetauglich gewesen“) und ein früher Vorläufer des Leslie-Tonkabinetts mit den rotierenden Lautsprechern aus dem Jahr 1952 mit stillgelegtem Bass-Rotor „weil die tiefen Töne nicht wummern sollten.“ Enthusiasmus klingt anders. Ähnlich zurückhaltend erwiesen sich die Schweizer in ihren Zugaben. Nach langem Betteln gab es schließlich einen „Gute Nacht – Choral“. Das Publikum hätte sich durchaus mehr gewünscht.

gez. Dr. H. Schönecker

BHS Organ Trio

Am 20.09.2013 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Groovende Orgel-Sounds

Das BHS Orgeltrio bewegt sich musikalisch fernab jeglicher „Straight Aheads“ in einer modernen und zeitgemäßen Stilistik, die den Begriff „Hammond Trio“ auf die Höhe der Zeit bringt. Da begegnet man z.B. einem Abstract Minimal Funk, der ohne die elektronische Clubmusik der letzten 15 Jahre kaum denkbar wäre. Beim BHS Organ Trio kommt der Groove Jazz in einer besonders raffiniert und fein gespielten Variante ins Haus, nicht nur stark an Muskeln, sondern auch mit Köpfchen.

Dass ein Orgeltrio auch zu anderem in der Lage ist als schmissige Monster-Grooves zu spielen, dafür ist dieses Schweizer Trio der Beweis. Es besteht aus dem Organisten Thomas Bauser (B), dessen Spiel irgendwo zwischen Larry Young und Dan Wall zu verorten ist, dem Gitarristen Franz Hellmüller (H) und dem Schlagzeuger Michi Stulz (S).

Die Stücke stammen allesamt von Bauser und Hellmüller, darunter der charmante „Waltz for Sophie“, das aufregende „La Capitale“ und das nicht nur humorvoll betitelte „Schweinegrippe“. Hellmüller und Stulz spielen gemeinsam in der Band von Lisette Spinnler, vielleicht harmonieren sie deshalb so hervorragend. Dominiert wird die Band aber natürlich – wie sollte es anders sein – von Bausers fauchender und schnaufender Hammond B3. Er ist ein echter Enthusiast seines Instruments – was man auch daran sehen kann, dass er in seiner Wahlheimat Freiburg im Breisgau die „Hammond Jazz Nights“ ins Leben gerufen hat.

Veröffentlicht am 05. Sep 2011 unter Trackback URL: http://www.jazzthing.de/review/bhs-organ-trio-go/trackback/

Besetzung:
Thomas Bauser: Hammond B3
Franz Hellmüller: guitar
Michi Stulz: drums

http://www.bhsorgantrio.com/

Eintritt: 15 EUR / ermäßigt 12 EUR
Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de
(Bitte bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

LadyBirds

Am 13.09.2013 um 20:00

Ort:
Stadtbücherei

Beschreibung
Duo LadyBirds: Kriminaltango
Kriminalgedichte, Balladen und Songs

20:00-20.45 Uhr, 21.15-22:00 Uhr, 22.30-23.15 Uhr

Spannende Krimirevue mit Schlagern, Balladen und Kriminalgedichten von Wedekind, Kästner, Chobot und Musik von Hollaender, Puccini, Mancini, EAV, Prinzen.

Die Multi-Instrumentalistinnen Heike Michaelis und Susanne Riedl interpretieren Schlager („Ohne Krimi geht die Mimi“), Pop („Killing me softly“) und Filmusiken („James Bond Theme“) auf virtuose, jazzige Weise.

„Zahlreiche Stücke quer durch die Musikgeschichte- und -Genres bietet das Programm und immer geht es inhaltlich um Kriminalistisches. Dabei spielen die studierten Musikerinnen großartige Interpretationen von Stücken wie „Der Mörder ist immer der Gärtner“, „Bonnie und Clyde“, und Brechts Meistermoritat vom „Mackie Messer“. Fehlen durfte natürlich auch nicht der „Ba Ba Ba Banküberfall“. Riedl blies beeindruckende Improvisationen auf Alt- und Tenor-Saxophon und Michaelis paraphrasierte am Flügel gekonnt Themen wie „Goldfinger“ oder „Miss Marple“ – und beide gingen in Rimsky Korsakovs „Hummelflug“ auf Verbrecher-Aufholjagd im symbolischen Sinne.“

Joachim Schreiner in: Frankfurter Neue Presse, 16.01.2013

Kooperation Jazzclub Biberach mit der Stadtbücherei im Rahmen des Biberacher „Kulturparcours“

Besetzung:

Susanne Ried: Saxophone, Gesang, Piano, Akkordeon
Heike Michaeli: Piano, Vibraphon, Gesang, Percussion

Weitere Infos bei der Stadtbücherei Biberach:
www.facebook.com/events/1407931679422397/

14.06.2013: Rainer Böhm & Johannes Enders

Böhm & Enders im Jazzkeller Biberach

Von konzentrierter Entspannung zu entspannter Konzentration

Biberach (sz) – Freitagabend heißt für die meisten berufstätigen Menschen entspannter Wochenausklang, zwanglose Unterhaltung, aktives Kontrastprogramm und willkommene Abwechslung zum oft stressigen Berufsalltag. All das wurde den zahlreichen Konzertbesuchern im Biberacher Jazzkeller bei Rainer Böhm (Klavier und Komposition) und Johannes Enders (Saxophon) am vergangenen Freitagabend geboten.

Den beiden vielfach preisgekrönten Musikern gelang mühelos der Spagat zwischen komplexen Strukturen, Rhythmen und Harmonien einerseits und einfühlsamen Improvisationen, starken Affekten und therapeutischen Meditationen andererseits. Meist mit Eigenkompositionen von Rainer Böhm aber auch mit gut ausgewählten Standards abseits des Jazz-Mainstreams, wie etwa Sam Rivers rasanter Boptitel „Beatrice“, fanden die beiden unmittelbar den Weg in das Innerste ihres Publikums. Wer wegdriften wollte, konnte dies tun, ohne mit verstörenden Lautstärkeunterschieden oder abrupten Brüchen rechnen zu müssen. Versunkene Kontemplation mit geschlossenen Augen gab es nicht selten im zahlreich erschienenen Publikum zu beobachten. Wer in den inneren Kreis der intelligent gemachten Musik vordringen wollte, musste freilich von der konzentrierten Entspannung erst den Weg zu entspannter Konzentration finden. Der äußere Wohlklang der höchst abwechslungsreichen Stücke musste durch einschmeichelnde Saxophon-Kantilenen in samtig weichen Tönen oder glasklar perlende Klavierkaskaden aktiv hindurch stoßen um zu den substanziellen Kernaussagen, zur eigentlichen Message der Musik zu gelangen. Dort fand sich eine urbane Virilität und gestalterische Kraft in kammermusikalischer Dichte, die den Anschluss an die musikalische Avantgarde dokumentierte. Dort fand sich aber auch eine aufs Allernotwendigste reduzierte innere Romantik in gediegenen Formen und geläuterten Emotionen – in kammermusikalischer Transparenz. Der aus Ravensburg stammende Ausnahmepianist Rainer Böhm, der übrigens schon öfter in Biberach zu hören war und bald wieder mit dem Dieter Ilg Trio in der Stadthalle aufspielt, lebt mittlerweile in Köln und unterrichtet neben seiner regen Konzerttätigkeit unter anderem an der Hochschule für Musik in Mainz. Wer seine musikalische Entwicklung verfolgt, erlebt einen hochinteressanten Prozess, der durchaus Einflüsse von Dieter Ilg erkennen lässt und der dem Jazzpianospiel durchaus neue Impulse zu geben vermag.

Die gereifte Abgeklärtheit des Duos in Kombination mit hochvirtuoser Behändigkeit ergab eine mitunter fast bestürzend machende Spannung, welche die permanente Erfindung und Entwicklung musikalischer Ideen in atemlos machender Stringenz voranpeitschte und den Hörer geradezu magisch ins Gravitationszentrum dieses eigenwilligen und innovativen Musikuniversums hinein wirbelte. Obwohl dieser Prozess für sensible Hörer durchaus anstrengend werden konnte, mussten die beiden Künstler dem kundigen Publikum gleich zwei Zugaben geben.

gez. H. Schönecker

 

Rainer Böhm | Johannes Enders

Am 14.06.2013 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Piano & Saxophon im Duo

Johannes Enders (*1977) gehört zu den renommiertesten Saxophonisten Europas; inzwischen zählt der Zwei-Meter-Hüne laut Fachmagazin Jazzthing zu einem der zehn wichtigsten Nachwuchstenoristen weltweit. Mit dem Tied & Tickled Trio entdeckt Enders seine Liebe zur elektronischen und Minimal Musik, er verknüpft seinen nach allen Seiten offenen Saxophon-Sound mit Elektrobeats und Pop-Elementen. Enders gewann zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland. Er stand mit vielen internationalen Stars auf der Bühne, u.a. Jaki Byard, The Notwist, Bobby Hutcherson, Lee Konitz, Naschet Waits, Brad Mehldau und Billy Hart.

Der Pianist Rainer Böhm (*1967) hat es mittlerweile zu einer außergewöhnlichen Präsenz in der Jazzszene gebracht. Rainer Böhm wurde bereits in jungen Jahren mit Preisen überhäuft. Seine Biografie liest sich wie eine Anleitung zum Erfolg. Der gebürtige Ravensburger mit Lehraufträgen an den Hochschulen für Musik in Mainz und Mannheim ist regelmäßig im Biberacher Jazzkeller zu Gast.

Durch die langjährige Zusammenarbeit haben die beiden Musiker ein präzises Zusammenspiel und eine individuelle Sprache entwickelt. Ihre Musik bewegt sich in einem Grenzbereich zwischen Modern Jazz und Neoromantik. Das abwechslungsreiche Repertoire umfasst ausschließlich Eigenkompositionen aus der Feder von Rainer Böhm, die mit ihren klaren Melodielinien und der rhythmischen Transparenz teils hochvirtuos und teils äußerst sparsam interpretiert werden.

Rainer Böhm – Piano
Johannes Enders – Tenorsaxophon

Eintritt: 12 EUR / 9 EUR
Karten und Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de