Archiv – Seite 78 – Jazzclub Biberach e.V.

10.01.2014: Alexander ‚Sandy‘ Kuhn Quartett

BIBERACH – Kraftvolle Wesenheiten, Motive, wie aus Stein gemeißelt, kennzeichnen das Spiel des baden-württembergischen Jazzpreisträgers Alexander „Sandi“ Kuhn. Mit seinem Quartett war er angekündigt, ein auf mehreren Positionen umbesetztes Quintett überraschte schließlich die Gäste zum Saisonauftakt der Clubkonzerte 2014 des Jazzclubs im voll besetzten Jazzkeller.

Der als „Ersatzmann“ für den wegen einer Fingerverletzung ausgefallenen Gitarristen Syberen van Munster, angetretene Christoph Heckeler am Piano, wirkte konzentriert, mitunter auch angespannt, machte seine Sache aber durchaus ordentlich und brachte mehr als nur Farbe ins Geschehen. Dasselbe galt für den Überraschungsgast Nummer 2, die Stuttgarter Jazzsängerin Julia Ehninger.

Eine große Bandbreite kontrastierender Stilmittel spielte mit den Erwartungen des Publikums. So konnte es passieren, dass von der Backline ein klassischer Swing mit Walking Bass bereit gestellt wurde, während Bandleader und Komponist Alexander „Sandi“ Kuhn am Tenorsaxophon dazu stilistisch völlig kontrastierende Licks ablieferte. Mal völlig „straight“ oder auch rockig polarisierend, mal hintergründig parodierend und karikierend, mal eher witzig, dann wieder melancholisch verträumt, gelegentlich aber auch absichtsvoll in den Mainstream einscherend und damit dem „Affen Zucker gebend“ wurde seine Vielseitigkeit doch nie zur Beliebigkeit. Eher im Gegenteil. Kuhns Qualitäten in der Erfindung von Melodien ließen nichts beiläufig oder gar zufällig erscheinen. Nichts an seinen Tönen war flüchtig oder impressionistisch verwaschen, unscharf oder suchend, die eigentlich beabsichtigte Aussage unsicher umkreisend. Noch die kleinste Begleitfloskel hatte bei Kuhn zitierfähigen Charakter. Manche Improvisationen klangen in ihrer Entschiedenheit und Elaboriertheit so selbstverständlich, wie ausnotierte Kompositionen großer Meister. Hier sprach jemand in deutlichen, ja markigen Worten, völlig seiner selbst gewiss, absolut souverän von den fast alltäglichen Dingen des Lebens.

Titel von der neuen CD wie „Kraesa 1st“ oder „Sustainable Happyness“ spiegeln trotz ihrer Gegensätzlichkeit in gleichermaßen komplexen Strukturen die Besonderheiten des Alltäglichen. So, wie den guten Fotografen der besondere Blick auf die gewöhnlichen Dinge auszeichnet, der eben im Abbild des Normalen gerade das Gewöhnliche zum Besonderen erhebt oder gar zur Kunstform adelt, so gelingt Sandi Kuhn und seiner erlesen zusammengestellten Truppe das Ungewöhnliche: die ganz besondere Perspektive dicht neben dem Üblichen. Gerade aus dieser Nähe heraus, ergibt sich denn auch eine überzeugende, kraftvolle Kritik des nur oberflächlich Unterhaltsamen. Und manchmal eben auch der Blick auf das wirklich Besondere, das dann zum Außergewöhnlichen oder gar Herausragenden wird. Das ist hohe Kunst oder „Jazz at it’s best“.

Neben dem herausragenden Kontrabassisten Jens Loh und dem gut darauf eingespielten Schlagzeuger Daniel Mudrack „spielte“ besonders Julia Ehninger „am Gesang“ (so Moderator Kuhn) eine ungewöhnliche Rolle. Mit einer gefällig jazzigen, überaus wandelbaren und auch im dissonant kontrastierenden Umfeld völlig intonationssicheren Stimme ausgestattet, setzte sie diese im Bandkonzept als „Vox humana“ gleichsam instrumentaltypisch ein, „spielte“ im Unisono mit dem Saxophon oder setzte kontrapunktische Akzente in textloser „Vokalise“ dagegen.

Lediglich in der ersten Zugabe, dem durchaus ungewöhnlich und reizvoll arrangierten und gewissermaßen gegen den Strich gebürsteten „Girl from Ipanema“, durfte sie zeigen, dass sie nicht nur „Mit-Spieler“ ist, sondern ganz selbstverständlich auch den „klassischen“, gefälligen Jazzgesang beherrscht. Das zweite zugegebene Bonbon stammte ebenfalls aus der traditionellen Jazzliteratur, wurde im Duo von Saxophon und Kontrabass jedoch zu einem Charakterstück völlig neuen Zuschnitts.

Alexander „Sandi“ Kuhn Quartett

Am 10.01.2014 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Am Freitag, 10. Januar 2014 um 20:30 Uhr ist das Alexander ‘Sandi’ Kuhn Quartett im Biberacher Jazzkeller zu hören. „Zarte, kohärente Klänge von geradezu magischer Sogkraft“ (Jazzpodium) nehmen sie mit auf „eine tiefgehende, zugleich immer wieder in Melodie und Harmonie zurückkehrende Reise durch die musikalische Gedankenwelt eines virtuos aufspielenden Hoffnungsträgers der deutschen Saxofonszene.“ (Soultrain Online)

Der Saxophonist Alexander ‘Sandi’ Kuhn ist wieder aus New York zurück. 2013 durfte er sich über die Verleihung des Landesjazzpreises Baden-Württemberg freuen. Kuhn präsentiert seine Musik mit einem hochkarätigen Quartett. Neben seinen langjährigen musikalischen Weggefährten Jens Loh am Kontrabass und Axel Pape am Schlagzeug wird er von dem holländischen Gitarristen Syberen van Munster unterstützt, der seit einigen Jahren in der New Yorker Jazzszene beheimatet ist und dort zu den viel versprechenden jungen Talenten zählt.

Eintritt: 15 EUR / ermäßigt 12 EUR
Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de
(Bitte bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

Rootbears

Am 22.12.2013 um 20:00

Ort: Schützenkellerhalle
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Beschreibung
Weihnachtskonzert mit den Rootbears

Die Rootbears und ihre Fans treffen sich dieses Jahr schon zwei Tage vor Heilig Abend, am Sonntag, dem 22. Dezember 2013, um 20:00 Uhr zum 24. Mal in Folge zum legendären Weihnachtskonzert, jetzt im vierten Jahr in der bewährten Schützenkellerhalle.

Die Konzertbesucher erwartet dieses Jahr folgende Besetzung: Rüdi an den Saxophonen, HP an der Posaune, Magnum vor und hinter den Tasten, Marvin Bassman, sowie Pete-Schmidt-Schmid an den Drums.

Eine originelle Dramaturgie, Kommentare mit Esprit, launige Ansagen und unbändiger Spielwitz – das ist es, was die Fans aller Altersstufen begeistert. Wiederum ein Jahr älter, reifer, und noch musikalischer, mit noch mehr neuen Songs! Jazzig … groovig … besinnlich … same procedure as every year …

Ob es wieder die obligatorische Vokalnummer gibt? Und ob es wieder zum Auftritt eines Überraschungsgastes kommt? Um das zu erfahren, kommen Sie rechtzeitig in die Schützenkellerhalle; der Jazzclub Biberach sorgt mit einer Getränketheke dafür, dass Sie sich schon VOR Konzertbeginn wohlfühlen!

Besetzung:
Rüdiger Przybilla: Sax
Hanspeter Schmid: Posaune
Magnus Schneider: Akkordeon, Klavier
Martin Schmid: Bass
Peter Schmidt: Schlagzeug

Eintritt: 12 EUR / ermäßigt 9 EUR
Kartenvorverkauf: TBA
Platzreservierungen sind nicht möglich.
Einlass ab 19:00 Uhr

06.12.2013: Anne Czichowsky Quintett

Anne Czikowsky Quintett im Jazzkeller

Souverän umgesetztes innovatives Konzept mit unterkühltem Bluesfeeling

BIBERACH – Die vielfach preisgekrönte Anne Czikowsky hatte mit ihren vier renommierten Mitstreitern in Biberach wohl nicht ihren allerbesten Tag erwischt. Keine der Einzelleistungen bot Anlass zur Kritik, ganz im Gegenteil. Jedes der Bandmitglieder war über jeglichen musikalischen Zweifel erhaben, lieferte hochklassige Solodarbietungen oder banddienliche Begleitstrukturen in großer Perfektion. Besonders Andy Hermanns Improvisationen am Klavier waren reichhaltige musikalische Preziosen, auch Martin Wiedmann (Gitarre) konnte gefallen. Die Fülle musikalischer Ideen, die stilistische Bandbreite der musikalischen Einfälle und die souveräne Perfektion ihrer Umsetzung, das innovative vokal-instrumentale Bandkonzept, die üppige Zuschauerkulisse mit vielen erwartungsvollen Fans – vor allem für die beiden gebürtigen Biberacher in der Formation, Andreas Hermann (Piano) und Matthias Daneck (Drums) war dies geradezu ein Heimspiel – eigentlich waren die besten Voraussetzungen für ein großartiges Konzertevent gegeben.

Woran es dann tatsächlich lag, dass sich das Publikum einfach nicht so richtig entflammen ließ, das Quintett nicht wirklich befreit aufspielen und die emotionale Handbremse lösen konnte, das lässt sich nicht leicht beantworten. Die verblüffende Virtuosität und Intonationssicherheit noch in den schnellsten Bebop-Passagen, die eloquente Sprachgewandtheit und der Variantenreichtum im Scat-Gesang bei der gefeierten Sängerin und Gewinnerin des baden-württembergischen Jazzpreises beeindruckten ungemein, ohne dabei jedoch restlos zu überzeugen. Die meisterliche Beherrschung der äußeren Form fand allzu oft keine inhaltliche Entsprechung, der musikalische Motor lief rasant aber im Leerlauf, es entstand der für unsere Zeit so typische „rasende Stillstand“.

Es gab jedoch auch erfreuliche Ausnahmen. Die Eigenkompositionen von Axel Kühn (Kontrabass) oder Matthias Daneck hatten Ausstrahlung und konnten überzeugen. „Now and Then“ von Matthias Daneck entwickelte klanglich und rhythmisch eigenständige, plastische Strukturen, die durchaus emotionalen Tiefgang besaßen. Mehr jedenfalls, als die gecoverten Versionen vieler blueslastiger Kompositionen, die auf der neuen CD des Quintetts im Frühjahr erscheinen sollen. Mit Text versehene Instrumental-Improvisationen mögen, vor allem im rasanten Bebop-Tempo, eine technische Herausforderung für jeden Sänger darstellen, wenn deren Beherrschung aber keinen künstlerischen „Mehrwert“ beinhaltet, bleibt es  eine akademische Spielerei. Damit eine solche aber beim Publikum ankommt, muss sie vom Künstler überzeugend gelebt werden. Dies ist beim letzten Jazzclubkonzert leider nicht im vollen Umfang gelungen und dem überwiegend fachkundigen Publikum auch nicht verborgen geblieben. Dass die artig herbeigeklatschte zweite Zugabe mit Verweis auf die mitgebrachten CDs nicht gewährt wurde, war da wohl nur das i-Tüpfelchen auf einer konzertanten Pflichtübung, die es nicht vermochte, den Funken der Begeisterung überspringen zu lassen und wohl auch verantwortlich dafür war, dass die im Gebinde mit Schoko-Nikoläusen angepriesenen CDs keinen Absatz fanden.

Schönecker

Anne Czichowsky Quintett

Am 06.12.2013 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Brückenschlag zwischen Instrumental- & Vokaljazz

Anne Czichowsky, Gewinnerin diverser internationaler Jazzpreise und Jazzpreisträgerin des Landes Baden-Württemberg 2011, hat sich in den letzten Jahren mit vielen Projekten (u.a. „Jazzpartout“, „Re-Bop“) als Jazzsängerin einen Namen gemacht. Jetzt präsentiert sie sich mit einem hochkarätig besetzten Quintett, mit welchem sie 2011 das Album „Play on words“ auf dem Label Neuklang veröffentlichet hat:

Das „Anne Czichowsky Quintett“ schlägt neue Brücken zwischen Instrumental- und Vokaljazz. Bislang unbetextete Kompositionen und Instrumentalsoli, z.B. von Kenny Garrett oder Michel Camilo, wurden von der Jazzsängerin mit Lyrics versehen und arrangiert, ganz im Stil der sogenannten Vocalese, inspiriert von großen Vorbildern wie Kurt Elling oder Jon Hendricks. Aber auch Klassiker der Königsdisziplin Vocalese, Eigenkompositionen und modern arrangierte Jazzstandards finden einen Platz im Repertoire dieses Quintetts.

Volker Doberstein schreibt in den Liner Notes zu „Play on words“:

„Diese Musik ist ein einziges Bekenntnis. Ein Bekenntnis zur Qualität, aber auch dazu, dass sie nur einzulösen ist, wenn man seine ganze Persönlichkeit in den Ring wirft. So sind die Texte, die Anne Czichowsky auf Stücke von Herbie Hancock oder George Benson geschrieben hat, derart intensiv, dass sie dem Album zu Recht den Titel geben.

Was die Band in diesen Songs vollbringt, ist ein Meisterstück der Interaktion. Musikalische Charaktere von hoher Eigenständigkeit sind hier verzahnt wie ein Präzisionsuhrwerk. Und Anne Czichowsky gelingt es, Teil dieser Band zu sein, ohne sich in ihr aufzulösen. Ihr Gesang ist hoch integrativ, und doch schaltet er der Musik jeweils ein Paralleluniversum hinzu. So ist die zumeist tatsächlich noten-, aber immer phrasengetreue Vocalese, in die sie Kenny Garretts Saxofon-Solo auf „Sing a Song of Song“ überführt hat, nicht nur technisch atemberaubend. Sie übersetzt den Beziehungsreichtum und die fast sängerische Qualität von Garretts Spiel in eindrucksvolle, für jeden auch außermusikalisch nachvollziehbare Bilder.

Das alles beweist letztlich nur eines: Wenn man liebt, was man tut, dann tut sich etwas. Und was sich in dieser Musik tut, ist in jeder einzelnen Note ein Ereignis.“

Wer Anne Czichowsky kennt, weiß dass sie sich nicht als Solistin vor die Band stellt, sondern sich vielmehr als fünftes Instrument in die Band integriert. Sie sucht die Konversation und Interaktion mit ihren Musikern und diese wiederum finden viel Raum für solistische Highlights. Mit Andreas Herrmann am Klavier, Martin Wiedmann an der Gitarre, Axel Kühn am Bass und Matthias Daneck am Schlagzeug begegnen sich hier vier Musikerpersönlichkeiten, die sowohl als dialogfähige Einheit agieren, als auch als virtuose Solisten in den Vordergrund treten. Zusammen mit Anne Czichowsky geben sie eine spannende und unterhaltsame musikalische Darbietung in einem Programm, das weder bei Vokaljazzfans noch bei Freunden des instrumentalen Jazz Wünsche offen lässt.

Besetzung:
Anne Czichowsky: Vocals
Andreas Herrmann: Piano
Martin Wiedmann: Gitarre
Axel Kühn: Bass
Matthias Daneck: Drums

Eintritt: 15 EUR / ermäßigt 12 EUR
Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de
(Bitte bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)