Archiv – Seite 79 – Jazzclub Biberach e.V.

24.01.2014: Mattias Lindermayr Quartett

Modern Jazz als lustvoll groovende urbane Gegenwartskultur

BIBERACH – Mit dem Matthias Lindermayr Quartett lockte bereits der zweite Wettbewerbsgewinner im noch jungen Biberacher Jazzjahr die Freunde anspruchsvoller, avantgardistischer Jazzmusik in den Jazzkeller. Experimentierfreudig, innovativ und ohne Berührungsängste zu aktuellen Musikströmungen zeigte die Siegerformation des internationalen Biberacher Jazzpreises 2012 neue Wege des Jazz auf und machte damit ihre Zuhörer glücklich und zufrieden.

Titel wie „Ellipse“, „Hymn“ oder (als dritte Zugabe) gar ein „Protestsong“ verraten bereits die große Bandbreite der musikalischen Einfälle, nichts und niemand scheint vor den gestalterischen Zugriffen des Quartetts verschont zu bleiben. In dieser ästhetischen Offenheit verbirgt sich gleichwohl keine stilistische Beliebigkeit oder Unentschlossenheit. Lindermayrs Musik ist immer komplex, meist polyphon mit einer hohen Eigenständigkeit aller Stimmen, mit gemäßigt moderner Harmonik innerhalb freierer Strukturen vor allem aber mit charaktervollen, einprägsamen Melodien. Bei aller kompositorischen Dichte wirkte nichts daran konstruiert. Im Gegenteil. Die Stücke wirken wie aus einem Guss und sind schon aufgrund der Klanglichkeit ihrer Besetzung kraftvoll und direkt. Der satt schmatzende, druckvolle E-Bass von Ludwig Klöckner könnte sich auch in der Rock- und Fusionszene hören lassen. Nicht minder zupackend versprühte der Drummer Fabian Rösch auf seinem reisetauglichen Minidrumset aus nur drei Trommeln, einem Becken und einer Hi-Hat die pure Spielfreude. Die klangliche Vielfalt und Differenziertheit, die er mittels verschiedener Schlägel, Spieltechniken und klangverändernden Accessoires erzielte, hinderte ihn in keinster Weise daran, unter konsequenter Vermeidung von Standardpatterns einen niemals abreißenden, stimulierenden Groove mit großem Abwechslungsreichtum und hohem Unterhaltungswert zu generieren. In der Beschränkung zeigte sich hier die wahre Größe.

An Gitarre und computergesteuertem Sound- und Effektsystem wirkte Leonhard Kuhn. Er verpasste Lindermayrs Kompositionen ein opulentes Soundgewand, verlieh den weitgespannten Trompeten-melodien in tiefengestaffelten Echoebenen räumliche Plastizität und der Musik vom MLQ orchestrale Dichte, ließ mitunter aber auch harmonische Begleitstrukturen im Klangbrei ertrinken. Abgemildert wurde dies glücklicherweise dadurch, dass er sich persönlich niemals in den Vordergrund drängte und dem dominierenden Trompetenklang zu keinem Zeitpunkt die Führungsrolle streitig machte. Hier wäre etwas mehr klangliche Transparenz den mitunter dialogisierenden, oft aber auch ostinaten Strukturen im sphärischen Wohlklang vieler Stücke, vor allem im ersten Programmteil, durchaus zugutegekommen.

Der klangverliebte ruhige Beginn des Konzertes war bestens geeignet zum Herunterfahren aller Systeme am Ende einer arbeitsreichen Woche. Nach dem eher betulichen Abholen des Publikums ging jedoch noch vor Ende des ersten Sets regelrecht die Post ab. Die Stücke wurden wilder, leidenschaftlicher, schneller und das Quartett fand dorthin, wo seine eigentlichen Stärken liegen: im lust- und kraftvoll groovenden, nach allen Seiten offenen Modern Jazz einer frischen, lebensbejahenden urbanen Gegenwartskultur.

Matthias Lindermayr Quartett

Am 24.01.2014 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Das Quartett um Trompeter Matthias Lindermayr führt fort, was Musiklegenden wie Miles Davis in den 1960er Jahren begonnen haben: Jazz zum Synergiemonster heranzuzüchten, denn keine andere musikalische Spielart ist so für den Grenzübertritt geeignet, lädt so sehr zur Verbindung unterschiedlichster Stile ein. Das Matthias Lindermayr Quartett baut Brücken zwischen Rock, Free Jazz und Elektronik.

Von Miles Davis legendärem Jazzrock-Entwurf „Bitches Brew“, über die kontrollierten Kollektivimprovisationen eines Sun Ra, die spielerische Intelligenz eines Bill Frisell, der expressiven Spiellust von „Can“ oder „Faust“, bis hin zur klanglichen Totalität eines Karlheinz Stockhausen reichen die Verweisungspfade. Doch bei allem Gespür für das Gute im Gestern bleibt die Musik von MLQ immer Eines: Jazz für das Jetzt.

Hier haben vier junge Musiker eine Sache grundlegend verstanden: Die Frage war nie, was Jazz eigentlich ist. Die Frage war zu allen Zeiten, was Jazz noch sein könnte. Denn wie in vielleicht keinem anderen musikalischen Großgenre liegen im Jazz Innovation und Tradition eng beieinander. Und das groovt so gewaltig, dass man unweigerlich an große Genre-Erneuerer wie Nils Petter Molvaer oder Eric Truffaz denken muss. Der Beat treibt, der Klang lässt sich treiben, zwischen Postrock, Free Jazz, Avantgarde und Electronica.

Zu hören ist das Quartett mit Matthias Lindermayr (Trompete), Leonhard Kuhn (Gitarre), Ludwig Klöckner (Kontrabass) und Fabian Rösch (Schlagzeug) am Freitag, 24. Januar 2014 um 20:30 Uhr im Biberacher Jazzkeller. Die Band war Sieger beim Internationalen Biberacher Jazzpreis 2012.

Eintritt: 15 EUR / ermäßigt 12 EUR
Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de
(Bitte bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

10.01.2014: Alexander ‚Sandy‘ Kuhn Quartett

BIBERACH – Kraftvolle Wesenheiten, Motive, wie aus Stein gemeißelt, kennzeichnen das Spiel des baden-württembergischen Jazzpreisträgers Alexander „Sandi“ Kuhn. Mit seinem Quartett war er angekündigt, ein auf mehreren Positionen umbesetztes Quintett überraschte schließlich die Gäste zum Saisonauftakt der Clubkonzerte 2014 des Jazzclubs im voll besetzten Jazzkeller.

Der als „Ersatzmann“ für den wegen einer Fingerverletzung ausgefallenen Gitarristen Syberen van Munster, angetretene Christoph Heckeler am Piano, wirkte konzentriert, mitunter auch angespannt, machte seine Sache aber durchaus ordentlich und brachte mehr als nur Farbe ins Geschehen. Dasselbe galt für den Überraschungsgast Nummer 2, die Stuttgarter Jazzsängerin Julia Ehninger.

Eine große Bandbreite kontrastierender Stilmittel spielte mit den Erwartungen des Publikums. So konnte es passieren, dass von der Backline ein klassischer Swing mit Walking Bass bereit gestellt wurde, während Bandleader und Komponist Alexander „Sandi“ Kuhn am Tenorsaxophon dazu stilistisch völlig kontrastierende Licks ablieferte. Mal völlig „straight“ oder auch rockig polarisierend, mal hintergründig parodierend und karikierend, mal eher witzig, dann wieder melancholisch verträumt, gelegentlich aber auch absichtsvoll in den Mainstream einscherend und damit dem „Affen Zucker gebend“ wurde seine Vielseitigkeit doch nie zur Beliebigkeit. Eher im Gegenteil. Kuhns Qualitäten in der Erfindung von Melodien ließen nichts beiläufig oder gar zufällig erscheinen. Nichts an seinen Tönen war flüchtig oder impressionistisch verwaschen, unscharf oder suchend, die eigentlich beabsichtigte Aussage unsicher umkreisend. Noch die kleinste Begleitfloskel hatte bei Kuhn zitierfähigen Charakter. Manche Improvisationen klangen in ihrer Entschiedenheit und Elaboriertheit so selbstverständlich, wie ausnotierte Kompositionen großer Meister. Hier sprach jemand in deutlichen, ja markigen Worten, völlig seiner selbst gewiss, absolut souverän von den fast alltäglichen Dingen des Lebens.

Titel von der neuen CD wie „Kraesa 1st“ oder „Sustainable Happyness“ spiegeln trotz ihrer Gegensätzlichkeit in gleichermaßen komplexen Strukturen die Besonderheiten des Alltäglichen. So, wie den guten Fotografen der besondere Blick auf die gewöhnlichen Dinge auszeichnet, der eben im Abbild des Normalen gerade das Gewöhnliche zum Besonderen erhebt oder gar zur Kunstform adelt, so gelingt Sandi Kuhn und seiner erlesen zusammengestellten Truppe das Ungewöhnliche: die ganz besondere Perspektive dicht neben dem Üblichen. Gerade aus dieser Nähe heraus, ergibt sich denn auch eine überzeugende, kraftvolle Kritik des nur oberflächlich Unterhaltsamen. Und manchmal eben auch der Blick auf das wirklich Besondere, das dann zum Außergewöhnlichen oder gar Herausragenden wird. Das ist hohe Kunst oder „Jazz at it’s best“.

Neben dem herausragenden Kontrabassisten Jens Loh und dem gut darauf eingespielten Schlagzeuger Daniel Mudrack „spielte“ besonders Julia Ehninger „am Gesang“ (so Moderator Kuhn) eine ungewöhnliche Rolle. Mit einer gefällig jazzigen, überaus wandelbaren und auch im dissonant kontrastierenden Umfeld völlig intonationssicheren Stimme ausgestattet, setzte sie diese im Bandkonzept als „Vox humana“ gleichsam instrumentaltypisch ein, „spielte“ im Unisono mit dem Saxophon oder setzte kontrapunktische Akzente in textloser „Vokalise“ dagegen.

Lediglich in der ersten Zugabe, dem durchaus ungewöhnlich und reizvoll arrangierten und gewissermaßen gegen den Strich gebürsteten „Girl from Ipanema“, durfte sie zeigen, dass sie nicht nur „Mit-Spieler“ ist, sondern ganz selbstverständlich auch den „klassischen“, gefälligen Jazzgesang beherrscht. Das zweite zugegebene Bonbon stammte ebenfalls aus der traditionellen Jazzliteratur, wurde im Duo von Saxophon und Kontrabass jedoch zu einem Charakterstück völlig neuen Zuschnitts.

Alexander „Sandi“ Kuhn Quartett

Am 10.01.2014 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Am Freitag, 10. Januar 2014 um 20:30 Uhr ist das Alexander ‘Sandi’ Kuhn Quartett im Biberacher Jazzkeller zu hören. „Zarte, kohärente Klänge von geradezu magischer Sogkraft“ (Jazzpodium) nehmen sie mit auf „eine tiefgehende, zugleich immer wieder in Melodie und Harmonie zurückkehrende Reise durch die musikalische Gedankenwelt eines virtuos aufspielenden Hoffnungsträgers der deutschen Saxofonszene.“ (Soultrain Online)

Der Saxophonist Alexander ‘Sandi’ Kuhn ist wieder aus New York zurück. 2013 durfte er sich über die Verleihung des Landesjazzpreises Baden-Württemberg freuen. Kuhn präsentiert seine Musik mit einem hochkarätigen Quartett. Neben seinen langjährigen musikalischen Weggefährten Jens Loh am Kontrabass und Axel Pape am Schlagzeug wird er von dem holländischen Gitarristen Syberen van Munster unterstützt, der seit einigen Jahren in der New Yorker Jazzszene beheimatet ist und dort zu den viel versprechenden jungen Talenten zählt.

Eintritt: 15 EUR / ermäßigt 12 EUR
Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de
(Bitte bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

Rootbears

Am 22.12.2013 um 20:00

Ort: Schützenkellerhalle
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Beschreibung
Weihnachtskonzert mit den Rootbears

Die Rootbears und ihre Fans treffen sich dieses Jahr schon zwei Tage vor Heilig Abend, am Sonntag, dem 22. Dezember 2013, um 20:00 Uhr zum 24. Mal in Folge zum legendären Weihnachtskonzert, jetzt im vierten Jahr in der bewährten Schützenkellerhalle.

Die Konzertbesucher erwartet dieses Jahr folgende Besetzung: Rüdi an den Saxophonen, HP an der Posaune, Magnum vor und hinter den Tasten, Marvin Bassman, sowie Pete-Schmidt-Schmid an den Drums.

Eine originelle Dramaturgie, Kommentare mit Esprit, launige Ansagen und unbändiger Spielwitz – das ist es, was die Fans aller Altersstufen begeistert. Wiederum ein Jahr älter, reifer, und noch musikalischer, mit noch mehr neuen Songs! Jazzig … groovig … besinnlich … same procedure as every year …

Ob es wieder die obligatorische Vokalnummer gibt? Und ob es wieder zum Auftritt eines Überraschungsgastes kommt? Um das zu erfahren, kommen Sie rechtzeitig in die Schützenkellerhalle; der Jazzclub Biberach sorgt mit einer Getränketheke dafür, dass Sie sich schon VOR Konzertbeginn wohlfühlen!

Besetzung:
Rüdiger Przybilla: Sax
Hanspeter Schmid: Posaune
Magnus Schneider: Akkordeon, Klavier
Martin Schmid: Bass
Peter Schmidt: Schlagzeug

Eintritt: 12 EUR / ermäßigt 9 EUR
Kartenvorverkauf: TBA
Platzreservierungen sind nicht möglich.
Einlass ab 19:00 Uhr