Archiv – Seite 79 – Jazzclub Biberach e.V.

22.11.2013: Peter Autschbach & Ralf Illenberger

Autschbach & Illenberger zeigen sich im Jazzkeller in bester Spiellaune

„Einfach so drauflos gespielt“

BIBERACH – „Jazz, we can“ stand als Antwort auf dem Rücken des T-Shirts von Peter Autschbach, dessen Vorderseite die Frage II-V-I? zierte. Auch für Nicht-Insider war die Livedarbietung im Duo mit Ralf Illenberger im Jazzkeller eine überzeugende Antwort auf die Frage nach den Grundlagen vieler Improvisationen. Die verwendeten Dreiklänge und die Regeln zu ihrer Verbindung sind trocken und abstrakt. Es kommt darauf an, was man daraus macht. Die Beiden konnten es, in Perfektion.

Altmeister und Gitarren-Guru Ralf Illenberger spielte schon in den 1970er Jahren in dem legendären Gitarrenduo Kolbe-Illenberger, welches neben erfolgreichen Plattenproduktionen damals auch die Titelmelodie „Music“ zur ZDF-Sendung „Drehscheibe“ lieferte. Peter Autschbach erzählte im Rahmen seiner Moderation, wie er in seiner Jugend als Fan dieses Duos dessen Kompositionen nachspielte und transkribierte, die Töne heraushörte, aufschrieb und sie schließlich im Jahr 2010 als „Best of Kolbe-Illenberger“ auch publizierte. Das war dann der eigentliche Startschuss für eine ganz besondere, generationenübergreifende Beziehung zwischen den beiden ungewöhnlichen Gitarristen, die seit zwei Jahren eine höchst erfolgreiche Duokarriere gestartet haben.

Hier haben sich zwei Gleichgesinnte gefunden, die auf der selben Wellenlänge senden und empfangen, die sich seit dem Schlüsselerlebnis durch die Aufnahme der frei improvisierten Suite „Last Afternoon“ zum Abschluss ihrer letzten CD-Produktion „No borderies“ bei jedem Konzert ohne Absprachen in eine freie Improvisationen trauen und mit vollem Risiko „einfach so drauf los spielen“. Das sichtbare und hörbare Spielvergnügen bei dieser „Brain Connection“ äußert sich auf fünf akustischen Gitarren, von den schwebenden, brillanten Klangfarben der 12saitigen Gitarre über den sonoren Tiefklang der seltenen Bariton-Gitarre bis ins glitzernde Flageolett unter Ausschöpfung aller möglichen und unmöglichen Spieltechniken und elektronischen Effekte.

Bereits mit den ersten gezupften Tönen im vollbesetzten Jazzkeller entfaltete sich ein wahrer Kosmos symphonischer Gitarrenklänge. Bass- und Melodielinien, rhythmisch-harmonische Begleitpatterns, Trommelrhythmen auf dem Korpus und vieles mehr verbanden sich zu einer vielschichtigen, sich wechselseitig durchdringenden Komplexität in orchestraler Dichte. Ein nicht endendes Feuerwerk atemberaubender Einfälle, gepaart mit unaufdringlich selbstverständlicher Virtuosität und größter Präzision suggerierten in vielen Kompositionen die Weite der grandiosen, sonnendurchfluteten Landschaft Arizonas, seit 20 Jahren Illenbergers Wahlheimat und Entstehungsort der letzten CD. Autschbach und Illenberger verabreichten einem begeisterten Biberacher Publikum tonnenweise Antidepressiva, selbst der Titel „November“ klang nach Sonnenschein. Nach dem letzten Stück „Veitstanz“ war folglich noch lange nicht Schluss. Vier Zugaben folgten zum allseitigen Vergnügen, welches sich bei den Musikern, ob der zahlreichen verkauften und signierten CDs nach dem Konzert noch weiter gesteigert haben dürfte.

gez. H. Schönecker

Autschbach – Illenberger

Am 22.11.2013 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Für Feinschmecker der akustischen Gitarrenmusik

Peter Autschbach, seit Jahren ein wahrer Guru der Sechs-Saiten-Szene, ist nicht nur als kompetenter Interpret des Mainstream-Jazz bekannt, sondern hat sich auch mit eigenen Kompositionen einen hervorragenden Ruf erspielt – nachzuhören auf acht CDs, die von Kritik und Publikum überschwänglich gelobt werden. Der äußerst erfolgreiche Lehrbuchautor und Workshop-Dozent hat sich in den letzten Jahren wieder vermehrt der akustischen Gitarre zugewendet.

Während seiner Tätigkeit als Komponist, Produzent und Gitarrist verkaufte Ralf Illenberger 400.000 LPs und CDs und gab Konzerte in 50 Ländern; er produzierte 16 Alben, darunter drei Top-Ten-Titel in den USA und fünf Alben in Europa, was ihm eine Grammy-Nominierung und die Nominierung zum Deutschen Schallplattenpreis einbrachte. Ralf Illenberger lebt und arbeitet in Sedona, Arizona in den USA.

Mit packender akustischer Gitarrenmusik demonstrieren Ralf Illenberger und Peter Autschbach auf höchst sympathische Art gelebte Musikalität. Neben dem Revival bekannter K/I-Duo-Stücke (u.a. „Break“, „Waves“, „Music“, „Veit‘s Tanz“) darf das Publikum auch Neues erwarten. Die Musik ist komplex arrangiert, voller unerwarteter Wendungen und mit angenehmem Groove. Mit eleganten solistischen Phrasierungen und faszinierender Dynamik verschmelzen Akkorde und Melodien zu Gitarrenstücken von hoher bildhafter Ausstrahlung. Es erwartet Sie ein 5-Sterne-Menu für Feinschmecker der akustischen Gitarrenmusik!

Peter Autschbach: Gitarre
Ralf Illenberger: Gitarre

Eintritt: 15 EUR / ermäßigt 12 EUR
Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de
(Bitte bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

www.autschbach-illenberger.de

15.11.2013: Fabro

Leichte Unterhaltungsmusik mit Esprit

BIBERACH – 20jähriges Bühnenjubiläum mit dem Flamenco-Jazz-Trio „FABRO“, das hieß im Biberacher Jazzkeller vor allem gefällige, abwechslungsreiche Unterhaltungsmusik, routiniert dargeboten mit gelegentlich besinnlich-meditativem Einschlag. Nach feurigem Flamencofeeling suchte man jedoch vergeblich. Daran konnten auch die typischen „Palmas“ nichts ändern. Durch die Eisele-Zwillinge aus Sigmaringen versiert umgesetzt, belebten die komplementärrhythmischen Klatschrhythmen  das musikalische Geschehen, ohne jedoch an diesem Abend wirklich zu zünden.

Durchaus lebhaft in den schnelleren Nummern, boten die Multiinstrumentalisten eine große klangliche und stilistische Vielfalt, abwechslungsreich und unterhaltsam. Vor allem Wolfgang Eisele, wahlweise an Sopran- oder Altsaxophon, Querflöte, Gitarre, selbstkonstruierter Bassdrum oder diversen Perkussionsinstrumenten, zeigte sich dabei als musikalisches Chamäleon.  Sein Bruder Harry am Flügel, auf einer Cajon sitzend und gelegentlich auch darauf spielend, hielt das musikalische Geschehen harmonisch und strukturell zusammen, lockerte es vereinzelt aber auch durch jazzige Improvisation auf.

Oliver Fabro, Namensgeber und musikalischer Kopf der Formation und nach mehreren gefeierten Auftritten in Biberach erklärter Publikumsliebling, steuerte, neben seinem virtuosen Gitarren- und Mandolinenspiel sowie einer fußbedienten Schellentrommel, die stilistisch vielfältigen Kompositionen bei. Keltische Einflüsse, wie in dem aus Nordwestspanien stammenden „Gaita“ , mittel- und südamerikanische Rhythmen, orientalische Melodik oder programmatische Aspekte, wie in der Flussgeschichte „El Rio“ nach dem Vorbild von Smetanas „Die Moldau“ verbinden sich mit Jazzeinflüssen zu einem mittlerweile gereiften, ja beinahe abgeklärt wirkenden Individualstil, der sich auch in der neuesten CD-Produktion „Primavera“ wiederspiegelt. Exotische Instrumente, wie der aus Südindien stammende „Ghatam“ – ein nach oben offener bauchiger Tonkrug – oder die türkische Darbuka  – eine tablaähnliche Trommel – öffnen ungewohnte Klangräume, die sich oft mit den traditionellen Flamenco-Rhythmen, etwa den Soleares zum typischen Fabrostil verbinden.

Wirklich in die Tiefe gingen aber besonders die langsamen Nummern. „Flor de luna“ entführte das überwiegend aus erklärten Fabrofans bestehende Publikum in weit entrückte Sphären tiefster Kontemplation. Erst Sekunden nach dem Verklingen der „Mondblume“ trauten sich die ersten Claqueure zum dann aber langanhaltenden Applaus. Schade eigentlich, dass nicht mehr solcher Stücke im Programm auftauchten, wirkten doch die schnellen Stücke mitunter etwas unscharf und beiläufig, die virtuosen Unisonolinien nicht immer ganz präzise und die Improvisationen oft etwas wenig inspiriert. Es blieb eine temperamentvolle, gute Unterhaltungsmusik mit Esprit zum entspannten Zuhören und Wohlfühlen.

 

Fabro

Am 15.11.2013 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Flamenco-Jazz-Trio spielt seit 20 Jahren zusammen

Das Trio FABRO schafft seit nunmehr 20 Jahren mit der Verschmelzung von spanischen und südamerikanischen Musikstilen eine aufregende neue Instrumentalmusik. Lateinamerikanische Rhythmen, Jazz sowie Einflüsse aus keltischer Musik und der Klassik verleihen dem spanischen Flamenco in der Musik von FABRO ein neues Gesicht.

Die drei Musiker fügen dem traditionellen Flamenco-Instrument Gitarre sowohl Percussions und Palmas wie auch Saxophone, Querflöte, Mandoline und Klavier hinzu. Die Kompositionen stammen alle aus eigener Feder. Es entsteht eine zarte oder harte Sinfonie, welche durchaus als Weltmusik bezeichnet werden darf.

Zu hören ist diese Musik auch auf der fünften, der Jubiläums-CD „Primavera“ (FABRO Records, Bestellnummer: FA 1325; September 2013).

Besetzung:
Oliver Fabro: Gitarre, Mandoline, Bass, Komposition
Wolfgang Eisele: Saxophone, Querflöte, Gitarre, Palmas, Percussion
Harry Eisele : Piano, Keyboards, Palmas, Percussion

Eintritt: 15 EUR / ermäßigt 12 EUR
Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de
(Bitte bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

http://www.fabro.de/fabro-flamenco-jazz-trio.html

08.11.2013: Nicole Jo

„Nicole Jo“ trifft den Nerv des Publikums

BIBERACH – Im restlos gefüllten Jazzkeller ging beim Konzert von „Nicole Jo“ buchstäblich der Punk ab. Bereits vom ersten Titel an sprang der Funke über, die Begeisterung war mit Händen zu greifen, der Sound und das Bandkonzept stimmten, ebenso die Motivation der Musiker. Und ganz offenkundig trafen auch die Eigenkompositionen der Bandmitglieder beim Publikum auf offene Ohren. Der CD-Verkauf und die eingeforderten Autogramme beschäftigten die Musiker nach dem Konzert noch fast eine ganze Stunde lang.

Wie Nicole Johänntgen später dem Publikum gestand, war bereits die stimmungsvolle Anreise aus Zürich mit der Fähre über den Bodensee für sie ein gutes Omen. Das Ambiente und das begeistert mitgehende Publikum im Jazzkeller taten ein Übriges, und so bedankten sich die Musiker am Ende nicht nur mit mehreren Zugaben sondern auch durch überschwängliches Lob bei Publikum und Veranstaltern.

Die Arbeiten mit Loops und Patterns aus der elektronischen Workstation verbinden sich in der Elektro-Jazzszene meist mit gediegenen Sounds und sphärischen Klängen in einfachen Strukturen und mit noch einfacheren Motiven, oft im Stil der Minimal Music oder gar mit eingängigen Elementen aus der Popmusik. Eine echte Synthese der neuen Klanglichkeit mit originären Jazzelementen ist ziemlich selten. Genau in dieser Nische bewegen sich aber die ebenso temperamentvolle wie sympathische Bandleaderin an Sopran- und Altsaxophon und ihre musikalischen Mitstreiter. Die gepflegte ästhetische Klangkultur und das Experimentieren mit neuen Sounds und Spieltechniken verbinden sich bei „Nicole Jo“ mit hochvirtuosen und komplexen Improvisationen. Druckvolle Bässe und zupackende Grooves aus der Funk- und Fusion-Tradition treffen auf rasante Neobop-Unisono-Linien (Stefan Johänntgen), ausdrucksvoll „sprechende“ und sinnlich leuchtende Saxophonklänge wechseln mit wilden Schlagzeug- (Elmar Federkeil) oder Bass-Soli (Philipp Rehm).

So kamen etwa in dem flirrenden „Smells like spring“ eher Assoziationen zu Strawinskys „Frühlingsopfer“ und dem dort nach langem, harten Winter mit Brachialgewalt einbrechenden russischen Frühling auf, als zu dem eher lauen Beginn dieser Zwischenjahreszeit in unseren Breiten. In „Time“ wirbelte die kraftvolle Musik ihre willigen Zuhörer mit der Anziehungskraft eines „schwarzen Loches“ in das stilistische Füllhorn eines allumfassenden Jazz-Universums, aus dem es kein Entkommen mehr gab.

Begeistertes Johlen, anfeuernde Rufe und Pfiffe und der Wunsch vieler Konzertbesucher, diese Musik auch in gepresster Form mitzunehmen, waren die äußeren Zeichen für ein kollektives Erfolgserlebnis der Extraklasse. Schade nur, dass die neue CD erst in knapp einem Jahr auf den Markt kommt.

 

Dr. Helmut Schönecker

 

Nicole Jo

Am 08.11.2013 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
1998 wurde „Nicole Jo. needs 2B funky“ mit Stefan Johänntgen (keys), Christian Konrad (bass), Elmar Federkeil (dr) und Nicole Johänntgen (sax) im Saarland gegründet. Ihre Leidenschaft zur Musik spiegelt sich in den fünf CDs wieder, die sie in Eigenregie produzierten.

2009 vollzog sich ein Klangwechsel. Der eher an Fusion erinnernde Bandsound entwickelte sich zum sphärischen groove-orientierten rockigen Sound. Der Bandname änderte sich zu „Nicole Jo“. Ab April 2011 übernahm Philipp Rehm den Bass. Die Musiker beeindrucken durch ihr Können und die unbändige Spielfreude. Ihre Bühnenpräsenz lässt musikalische Grenzen aufbrechen, zieht junges wie auch älteres Publikum in den Bann, und wandert mit hypnotisierender Inbrunst durch Italien, Deutschland und die Schweiz.

Album «Go On» (2011)

Der sanfte Tanz schwebender Schneeflocken, die flirrende Luft eines verheißungsvollen Frühlingstages, das andächtige Ambiente eines Kirchenraums – betörende Klangbilder voller Ausdruckskraft und Sinnlichkeit. Entstanden sind Soundtracks für imaginäre Filme im Kopf der Zuhörer. Man sieht förmlich die Winterlandschaft vor sich, riecht den Duft des Flieders, hört den Hall des Gebetsraums.

Dabei nutzt die virtuose Instrumentalistin Nicole Johänntgen eine beeindruckend opulente Soundpalette. Ihr Saxofon seufzt und schreit, singt und flüstert, zetert und murmelt. Die Mitmusiker der gebürtigen Saarländerin und Wahlzüricherin folgen mit kongenialer Versiertheit. Stefan Johänntgen bringt am Piano erdige Hardbop-Läufe ins Spiel, schlägt am E-Piano zupackende Funk-Töne an und sorgt an der Orgel für schummrige Gospel-Akkorde. Christian Konrad setzt sich am Bass mit perkussiven Slap-Riffs ebenso brillant in Szene wie durch filigrane gitarristische Linien. Und Elmar Federkeil meistert am Schlagzeug ein breites Spektrum an Rhythmen – von straightem Swing über pulsierende Grooves und Latin-Rhythmen bis hin zu pointierten Rock-Akzenten.

„Nicole Jo“ überschreitet Grenzen zwischen den Genres. Folkloristische Ausflüge in zerklüftete Balkan-Melismatik, Gospel Balladen, Groove, Swing und energetische Ausbrüche in explosive Free-Jazz-Sphären. Die Musik schwebt, flirtet mit futuristischen Sounds, beschwört den alten Geist des Blues und nutzt die moderne Klangsprache des zeitgemäßen Neo-Bop. Der Sound von „Nicole Jo“.

Besetzung:

Nicole Johänntgen: Saxophon
Stefan Johänntgen: Klavier/Sounds/Loops
Philipp Rehm: Bass
Elmar Federkeil: Drums

Eintritt: 15 EUR / ermäßigt 12 EUR
Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de
(Bitte bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

http://www.nicolejo.de/