Archiv – Seite 25 – Jazzclub Biberach e.V.

Rolf Richie Golz Trio

Am 20.01.2023 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Der Biberacher Komponist und Jazzpianist Rolf Richie Golz stellt im Rahmen der Heimattage seine Wunschformation aus befreundeten, ehemaligen Biberachern zusammen, die damit unter dem Motto „Back to the Roots“ an ihre frühere Wirkungsstätte zurückkehren. Der vielbeschäftigte Jazzschlagzeuger Matthias Daneck (Abitur am Wieland-Gymnasium), dessen Kariere bei den Schützentrommlern begann und der Kölner Bassist Gero Gellert (Le Clou), ebenfalls mit Biberacher Wurzeln, liegen mit ihrer stilistischen Offenheit vor allem gegenüber Blues, Rock, Pop und Klassik auf der Linie von Golz, der sich seinerseits pianistisch vor allem in der Tradition von Keith Jarrett sieht. Daneck, der inzwischen auf über 70 CD-Produktionen zu hören ist, war als WG-Ehemaliger in den letzten Jahren immer mal wieder bei Konzerten des Jazzclubs und auch bei Workshops am Wieland-Gymnasium zu erleben. Neben seiner Tätigkeit im „Anne Czichowsky Quintet“ (u.a. Jazzpreis Baden-Württemberg 2011) und in seinem eigenen „South Quartet“ ist er seit zwei Jahren auch mit Ute Lemper auf Welttournee.

Rootbears | Weihnachts-Jazz

Am 22.12.2022 um 20:00 Uhr

Ort: Biberach, Schützenkellerhalle

Beschreibung
Wie beinahe jedes Jahr kurz vor Heiligabend treffen sich die fünf „Rootbears“ und ihre Fans zum x-ten Mal gewohnt gut gelaunt zum legendären Weihnachtskonzert.

Rüdiger Przybilla (sax)
Hanspeter Schmid (tb)
Magnus Schneider (acc, p)
Martin Schmid (b)
Thomas Kleinhans (dr)

Eintritt 16 Euro (ermäßigt 10 Euro), Kartenvorverkauf ab 3. Dezember bei der Stadtbuchhandlung.

02.12.2022: Barbara Jungfer Trio

Barbara Jungfer Trio mit „Jazz goes Folk – Folk goes Jazz“

Querfeldein durch die deutsche Volksliederlandschaft

BIBERACH – Mit einer edlen, in Jazz und Rock gleichermaßen angesagten Deimel-Gitarre aus deutscher Produktion, gelegentlich auch rockig mit Verzerrer gespielt, sowie mit einem ebenso angesagten Fender-Röhrenverstärker gastierte die blondgelockte, in München lebende „Berliner Göre“, die schon in Klaus Doldingers (Tatort-Titelmelodie, Das Boot) legendärer Band „Passport“ mitgewirkt und Tourneen um die ganze Welt gespielt hat, im Biberacher Jazzkeller.  Die renommierte Jazzgitarristin, die den Blues gewissermaßen im Blut hat und die im urbanen, multikulturellen Hexenkessel der Großstadt zuhause ist, überraschte – mit bodenständigen deutschen Volksweisen. Der Brückenschlag zwischen den deutschen Volksliedern und dem Jazz überzeugte jedoch rundum, setzte ganz neue Energien frei und stieß beim Biberacher Publikum auf große Resonanz. Zum einhelligen Bedauern der Musikerin und ihrer zahlreichen neuen Fans kommt die neu produzierte CD „Folksongs“ leider erst Anfang nächsten Jahres auf den Markt.

Ein konzertanter Besuch im Senegal vor vielen Jahren, bei dem die afrikanischen Zuhörer sich auch nach deutscher Folklore erkundigten, ließ nach Jungfers Worten spontan eine erste Improvisation über ein deutsches Volkslied entstehen und wurde damit zur Initialzündung für das aktuelle Projekt. Die bekannten Melodien im Ohr, hatte das konzentriert lauschende Publikum meist wenig Mühe, die jeweilige Vorlage zu erkennen. Umso interessanter war es, die musikalische Verarbeitung der alten Ohrwürmer zu verfolgen. Blues- und jazztypisch rhythmisiert, ungewöhnlich phrasiert, harmonisch verfremdet und klanglich aufbereitet, entfalteten die altbekannten Melodien einen ganz neuen Reiz, wirkten frisch und unverbraucht. „Die Gedanken sind frei“, lautete der erste Titel und erwies sich als Leitlinie für das folgende Programm. Im Verlassen eingefahrener Bahnen, im Neudenken der Tradition liegt die eigentliche Freiheit und gerade die Freiheit im Umgang mit seinen Sujets ist auch der Markenkern des Jazz. Das Motto der Projektes: Jazz goes Folk, Folk goes Jazz wurde damit unmittelbar sinnfällig.

Einen durchaus willkommenen Gegenakzent setzten die eingestreuten, ebenfalls durch einprägsame Melodien durchzogenen Eigenkompositionen der Bandleaderin. Ohne konzentriert auf das Erkennen folkloristische Wurzeln achten zu müssen, konnten sich die Zuhörer mit geschlossenen Augen entspannt zurücklehnen und auf den Schwingen von Barbara Jungfer in exotische Gefilde entschweben. Der Einsatz von charakteristischen Folklore-Instrumenten wie Rahmentrommel, Maultrommel oder auch Kuhglocke durch den quirligen Jazzdrummer Stefan Noelle etwa in der Eigenkomposition „Alpenklang“ sorgten auch in diesem Fall für das folkloristische Kolorit und den Programmzusammenhalt.

Sonor groovend am Kontrabass war die Stuttgarter Karoline Höfler nicht nur für das harmonische Fundament des Trios zuständig. In ausgedehnten Improvisationen, oft auch im Dialog mit Barbara Jungfer, übernahm sie durchaus auch melodische Aufgaben. Besonders stimmungsvoll geriet dabei etwa die im Flageolett in hoher Lage gespielte Melodie von „Der Mond ist aufgegangen“. Durchaus melodisch spielte aber auch der Münchner Stefan Noelle am erweiterten Schlagwerk. Fein aufeinander abgestimmte Becken, oft auch tonmalerisch eingesetzt, eine auf den Kontrabass und die jeweilige Tonart eingestimmte Rahmentrommel und generell eine, die Struktur der Stücke akzentuierende, meist dezent energisierende Spielweise gingen weit über eine bloße Rhythmusbegleitung hinaus und fügte sich organisch ins Bandkonzept.

Bereits in „Tubi Fish“, der ersten von insgesamt drei, teilweise frei improvisierten Zugaben, ließen die drei Künstler ihrer Spielfreude ungebremsten Lauf und die Stimmung kulminieren. Gerne hätte man dieser Wohlfühlmusik auch noch länger gelauscht.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Barbara Jungfer Trio

Am 02.12.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
In „Folksongs“ verarbeitet Barbara Jungfer traditionelle deutsche Volkslieder und auch Eigenkompositionen. Jedoch kleidet sie diese in farbenfrohe, exotisch anmutende Gewänder, unterlegt sie mit außereuropäischen Rhythmen und Klängen und lässt sie mal erdig grooven oder meditativ erklingen. Jazz goes Folk, Folk goes Jazz. Unterstützt wird sie von der Jazzpreisträgerin Karoline Höfler am Kontrabass und Stefan Noelle am Schlagzeug, beide äußerst versiert und nicht nur musikalisch weit gereist.

Besetzung:
Barbara Jungfer (g), Karoline Höfler (b), Stefan Noelle (dr)

26.11.2022: Beppe Gambetta

Wahre Liebe rostet nicht

Beppe Gambetta zum Heimspiel im Jazzkeller

BIBERACH – Seit über zehn Jahren ist der Genueser Flatpicking-Gitarrist oder neuhochdeutsch „Singer/Songwriter“ Beppe Gambetta in Biberach und Umgebung eine feste Hausnummer. Dementsprechend gut gefüllt war der Jazzkeller bei dem von Jazzclub und Musiknachtverein gemeinsam organisierten Konzert am Samstagabend. Der in New Jersey lebende Künstler mit den italienischen Wurzeln hat sich, tatkräftig unterstützt durch den Warthausener Hans Bernd Sick, einen großen und treuen Fankreis in der Region erschlossen. Dafür und für dessen „völkerverbindende Aktivitäten“ im Allgemeinen sprach ihm Gambetta am Ende des Konzertes seinen herzlichen Dank aus. Nach der pandemiebedingten zweijährigen Unterbrechung nahezu aller kulturellen Liveaktivitäten konnte Gambetta jetzt mit einem neuen, hochinteressanten und unterhaltsamen, von ihm selbst launig moderierten Programm aufwarten.

Der Flatpicking-Meister Gambetta, in den Fußstapfen des legendären Doc Watson, von dem er auch musikalisch inspiriert wurde, mit dem er eng befreundet war und zu dessen Beerdigung er auch spielen durfte, machte seinem Vorbild alle Ehre. Nicht nur sein neues Buch über die Wurzeln des „Flatpicking-Spiels“, das er in vorweihnachtlicher Voraussicht wärmstens anpries, auch die mitgebrachte neue CD „Where The Wind Blows“ oder „Dove Tia O Vento“, aus der auch ein Großteil des Programms gespeist wurde, dürfte in der Fachwelt ein Meilenstein des Flatpicking werden.

Aber beim virtuosen Gitarrenspiel hört das Phänomen „Beppe Gambetta“ noch längst nicht auf. Eine ausdrucksvolle und vielseitige Singstimme, stilistisch offene Kompositionen aus der Welt- oder Independent-Musikszene, oft auch kurz „Indie“ genannt, ein begnadeter Conférencier und Geschichtenerzähler und gleichzeitig ein freundlicher, umgänglicher, hoch gebildeter Zeitgenosse verbirgt sich hinter dem Namen. Gambetta ist ein hochsensibler Künstler, der persönlich tiefen Anteil nimmt an den derzeit leider wenig erfreulichen Entwicklungen in der Welt. Und genau dies spiegeln auch seine Stücke wieder, genau dies lässt sie authentisch und bedeutungsvoll wirken, erhebt sie über gewöhnlichen Indie-Pop.

Vor wenigen Tagen erst spielte er während seiner mehrwöchigen Europatournee in der Schillerstadt Marbach. Seine Komposition „Amica Libertà“ offenbarte dort, wie er selbst bekannte, in besonderem Maße ihre tiefere Bedeutung. Friedrich Schiller und allen von Gewalt und Krieg bedrängten Menschen hatte er diese Komposition gewidmet. Auf Schillers Zitat „Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit“ und damit auf die Freiheit der Kunst von materiellen und vor allem auch politischen Zwängen hat er sich in diesem Titel wie in dem „Independent“ genannten Musikstil explizit bezogen. Die genreübergreifende Mischung aus neu arrangierten, italienischen oder amerikanischen Volksweisen und brandneuen Eigenkompositionen mit Gegenwartsbezug, diverse Assoziationen wie im Song „Wise old man“, im Titelsong der CD „Dove Tio O Vento“ (Wo der Wind uns hinbläst), im traurigen „Lamento“ (Klagelied) oder auch in dem elegischen Abgesang auf „La musica nostra“, verweisen auf einen gereiften Personalstil, auf eine gewisse Abgeklärtheit oder Altersweisheit des lebenserfahrenen Künstlers aber auch auf einen möglichen, von Kunst und Kultur geleiteten Ausweg aus der tristen Gegenwart.

Die fruchtbare Zusammenarbeit mit seinem elektronischen Helferlein „Gino“, welches ihm, mit dem Fußschalter bedient, erst den Weg in eine komplexe Mehrschichtigkeit und zu ausgedehnten, selbstbegleiteten Soloimprovisationen ermöglichte, ließ dichte, wohlklingende, durch die mitgebrachte Soundanlage veredelte Klangpreziosen entstehen. Gleich drei Zugaben brauchte es um das enthusiastische Publikum zufrieden zu stellen, die Stücke und ihre Botschaften dürften noch lange nachwirken.

Text und Fotos: Dr. Helmut Schönecker

Beppe Gambetta

Am 26.11.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Der Gitarrist und Sänger Beppe Gambetta wurde in Genua geboren und begann seine musikalische Ausbildung in einem Orchester für klassische Plektrum-Gitarre. In Auseinandersetzung mit verschiedenen europäischen und amerikanischen Spieltechniken entwickelte er anschließend seinen eigenen unverwechselbaren Stil. Als Solist absolvierte Beppe Gambetta ausgedehnte Tourneen in Europa, Kanada, USA, Argentinien und Australien und entdeckte bzw. propagierte dabei das „Flatpicking“ und andere traditionelle Techniken auf der Gitarre.

Veranstaltung in Kooperation mit Biberacher Musiknacht e.V.