Archiv – Seite 91 – Jazzclub Biberach e.V.

Cécile Verny Quartet

Am 03.02.2012 um 20:30

Ort:

Beschreibung
Das Cécile Verny Quartet ist eine Jazz-Band aus Freiburg im Breisgau. Frontfrau und Namensgeberin der Band ist die an der Elfenbeinküste geborene und in Frankreich aufgewachsene Sängerin Cécile Verny.

Seit mehr als 20 Jahren ist Cécile Vernys Stimme eine der wichtigsten im europäischen Jazz: Ihre Liebe zu den Gesängen ihrer westafrikanischen Heimat, zum Gospel, zum französischen Chanson, zum Scat-Gesang, Blues und Swing sowie zu den amerikanischen Jazz-Standards verbindet sich zu einer anregenden, phantastischen Mischung.

Der Schlüssel ihrer erfolgreichen Karriere war von Anfang an ihr preisgekröntes Quartett. Das neue Programm »Keep Some Secrets Within« ist das beeindruckende Ergebnis der Suche von Cécile Verny, Bassist Bernd Heitzler, Pianist Andreas Erchinger und Schlagzeuger Lars Binder nach einem noch persönlicheren Klang und einer neuen rhythmischen Qualität. Alle Songs, ob auf Englisch oder Französisch gesungen, ob als erdiger Shuffle, als Ballade, Chanson oder spannende Uptempo-Nummer angelegt, konzentrieren sich auf die größte Stärke Vernys: Geschichten zu erzählen!

Besetzung:
Cécile Verny, vocals
Bernd Heitzler, bass
Andreas Erchinger, piano
Lars Binder, drums

Cécile Verny Quartet: www.cvq.de

Karten und Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de

Eintritt 12 EUR / 9 EUR

Jazzclub Biberach: www.jazzbiber.de

13.01.2012: Erste Deutsche Stubenjazz Combo

Erste Deutsche Stubenjazz Combo eröffnet das Biberacher Jazzjahr

Volle Pulle Stubenjazz vor vollbesetztem Haus gab es zum Auftakt des Jazzjahres beim Jazzclub Biberach. Eine gestandene, sechsköpfige Boy Group um den Jazztrompeter Michael T. Otto und ein zünftiges österreichisches Maderl als singende Frontfrau verbreitete im stimmungsvollen Ambiente des Jazzkellers vom ersten Ton an kurzweiliges Amüsement und hintersinnigem Esprit auf seiner haarsträubenden Gewalttour vom originären deutschen Volkslied zum Jazz und zur Moderne und auch wieder zurück.

Dem begeisterten Publikum gefiel offenkundig die unerschrockene Herangehensweise der musikalischen Grenzgänger aus dem Bodenseeraum. Im älplerischen Klanggewand erkannten vor allem die älteren Besucher unschwer die Melodien einer längst verflossenen Jugendbewegung, gediegenes und bewährtes deutsches Liedgut aus der guten alten Zeit. Lange nicht mehr Gehörtes ließ erst aufhorchen um sich dann doch sofort wieder in neuen Zusammenhängen aufzulösen. Motive und Melodien, oft mit Ohrwurmcharakter, tauchten ab, verloren sich im dichten Klanggeflecht, tauchten wieder auf, um schließlich gegen den Strich gebürstet, neu gewandet und von neuem Leben erfüllt erneut ihre Wirkung zu entfalten.

Ein phänomenaler Tonumfang, höchste, fast instrumental anmutende Virtuosität, ein natürliches und doch unglaublich wandelfähiges Timbre sowie eine voll entfaltete künstlerische Ausstrahlung ließen Junia Vente zum musikalischen Zentralgestirn in der Männerriege werden. Auch wenn der Komponist, Arrangeur und Flügelhornist Michael T. Otto unzweifelhaft die musikalische Führung und Verantwortung inne hatte und viele wunderschöne, jazztypische Improvisationen auf seinem Kuhlo-Flügelhorn beisteuerte, stand die ebenso charismatische wie unaufdringlich sympathische Sängerin unangefochten im Brennpunkt des Geschehens. Ihr musikalischer Werdegang, nach klassischem Musikstudium in Österreich, einigen Semestern Jazzgesang an der Musikhochschule Mannheim sowie einem Abschluss am Berklee College of Music in Boston mit Gesang und Klavier mündete nach einem weiteren Studium der Arabistik, Philosophie und Sprachwissenschaften an der Universität Wien in der Mitgliedschaft des renommierten Wiener Kammerchors und im Arnold Schönberg Chor – und eben auch in der „Ersten Deutschen Stubenjazz Combo“. Ein Glücksfall, nicht nur für die Stubenjazz Combo, deren musikalische Erfolgsgeschichte steil nach oben führt (nächste Auftritt in der Unterfahrt in München). Nicht gering zu schätzen sind auch die weiteren Bandmitglieder. Herausragend virtuos am Knopfgriffakkordeon Harald Oeler, stilsicher an der Gitarre Johannes Deffner, der auch eigene Arrangements beisteuerte, an der Posaune und als Moderator Uli Binetsch, dessen musikalische Anfänge als Keyboarder bei „Tab Two“ oder in der „Jazzkantine“ fast schon vergessen sind und schließlich der grundsolide groovende Heiner Merk am Kontrabass.

Erste deutsche Stubenjazz Combo

Am 13.01.2012 um 20:30

Ort:

Beschreibung
Was in aller Welt ist „Stubenjazz“? Die um den Trompeter Michael T. Otto formierte Erste Deutsche Stubenjazz Combo steht für eine Stilrichtung des Jazz, die mit ungewöhnlicher Instrumentierung traditionelles Liedgut in ein originelles Jazzgewand aus Klängen des 21. Jahrhunderts hüllt. Die „Stube“ – ein „warmer Wohnraum“ wird dabei zum Symbol für die Kommunikation verschiedener Klangräume und das Verschmelzen epochaler musikalischer Grenzen.

Die Erste Deutsche Stubenjazz Combo kombiniert altbekanntes deutsches Volksliedgut mit Klängen des 21. Jahrhunderts. Da mag eine Posaune einer brünftigen Kuh huldigen oder ein Akkordeon jazzigen Läufen folgen, ein Maitanz entstehen um die fast atonalen Akkorde oder eine Nonne dem Kloster abschwören. Da werden Zeitsprünge vollführt und Klangräume verschoben. Die sechs Musiker hauchen schon fast vergessenen Melodien und Texten neues Leben ein. Lust und Können, Fantasie und Kreativität, Einfallsreichtum und Dynamik prägen die Konzerte der Combo.

So ungewöhnlich wie das Repertoire ist auch die Besetzung des sechsköpfigen Ensembles. Es ertönt die wundervoll schnörkellose Stimme von Junia Vent, mit leichtfüßigen Läufen am Knopfgriffakkordeon begleitet von Harald Oeler, dann sind da die mit leichter Hand gezupften Basssaiten eines Heiner Merk, die tiefgründigen Posaunentöne von Uli Binetsch, Michael T. Ottos satter Kuhlohorn-Klang; und schließlich setzt Johannes Deffner mit der Gitarre die passenden dynamischen Akzente.

Besetzung:
Junia Vent, Gesang
Michael T. Otto, Kuhlohorn, Komposition und Arrangement (Bandleader)
Uli Binetsch, Posaune
Johannes Deffner, Gitarre, Arrangement
Harald Oeler, Akkordeon
Heiner Merk, Kontrabass

www.stubenjazz.de

Eintritt 12 EUR / 9 EUR

Karten und Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de

Jazzclub Biberach: www.jazzbiber.de

23.12.2011: Rootbears

„Rootbears“ verbreiten musikalische Festfreude
Jazzkonzert im Schützenkeller-Saal bietet weihnachtliche Klänge der besonderen Art

Das Jazzkonzert der sechs „Rootbears“ am Tag vor Heiligabend hat in Biberach inzwischen fast Kult-Status. Selbst der Schützenkeller-Saal war am Freitag schon wieder zu klein. Schon gehen Planungsgedanken Richtung Stadt-, dann Donauhalle.
Die Kennung ihrer Unverwechselbarkeit: eine Föderation ausgeprägter Individualisten zu deren Schließanlage der Notenschlüssel passt. Stilsicherheit, Spielwitz, pulsierende Spontaneität, Qualität die mit souveräner Beiläufigkeit kredenzt wird. Nichts konnten 22 Jahre der Vitalität ihrer pulsierenden Boygroup-Dynamik anhaben. Würze durch Bonmot-Einwürfe in Leckerli-Qualität sind die Sahnehäubchen ihrer profilierten Bühnenpräsenz.
Ulrich Kuhn, mit ausgewachsenem Holzinstrument, vertrat diesmal Stammbassist Martin Schmid und begeisterte auf Anhieb. Perfekter Stallgeruch, kongeniale Vernetzung mit dem Habitus der Meute und Spielfreude brachte seine aufhorchenswerte Qualität zur Geltung. Christoph Reck (Gitarre), Hans-Peter Schmid (Posaune). Peter Schmidt (Schlagzeug), Magnus Schneider (Piano und Akkordeon) und Rüdiger Przybilla (Saxofon) schufen wieder ein packendes Programm, das trotz teils weihnachtsferner Thematik (Berlusconi) gediegenes Festgefühl nicht störte; schmackhaft angerichtet mit Schmiss, Latinwürze, einer Prise Elegie, Happening und dem bekanntem Gag-Pingpong nebst unvermeidlicher und unlösbarer Rätselfrage.
Profilstarke Arrangements, duo-, trio-, oder quartett-akzentuierte Präsentationen formten aparte Klangbilder. Dann wieder verströmte die Vollbesetzung ihr mitreißendes Sprühpotenzial. Bekannte Stücke wurden bärentypisch umgeschneidert: „Ihr Kinderlein kommet“ zum Beispiel durch Mollpassagen reizvoll „verschwermütigt“.
Das Bläserduo bestach im „Paarlauf“ durch Akkuratesse im Dialog, dann durch temporeiche Echoeffekte. Die Posaune zeigte strömende Wärme, gespürvollen Ansatz und gekonntes Pianissimo. Mit eruptiven Improvisationen und fetzigen Kapriolen riss der Saxofonist vom Hocker und brillierte als verruchter Barsänger.
Exakter Einsatz von Synkopen zog sich wie ein liebgewordener Sprachstil durch viele Passagen. Erneut zeigten die Bären mit „Oh des wär schee“ choreographie-verstärkt ihre Vokalisten-Qualitäitm Stil von „Rißtal-Harmonists“.
Bei „Tochter Zion“ spielte jeder tapfer ein ihm fremdes Instrument als ob er es könne. Der Gitarist heizte seine selbst gebauten Instrumente zu voller Klangblüte hoch, griff bestechende Harmonien, ließ Läufe funkeln. Piano und Akkordeon zeigten per Könnerhand bestechende Klangflüsse, quirlende Girlanden, rhythmisches Klangbett. Das von Haus aus brave Akkordeon hörte man hemmungslos swingen. Freude kam auf, wenn der Gast Bassist Zupf-Orgien zelebrierte und das Funkeln seiner Augen die Finger begleitete.
Der Schlagzeuger konnte zu einem temperamentvollen Solo überredet werden und gab dem Team mit unaufdringlicher aber bestimmender Technik sichere Tempi und packenden Drive. Erst nach der zweiten Zugabe, der einkerzig flambierten, piano unterplätscherten „Stille Nacht-Paraphrase“ der Posaune ging man „bärenbeschwingt“ nach Hause.

Dieter Schefold

09.12.2011: Jazzchor Konstanz

Jazzchor Konstanz im Jazzkeller Biberach

Entfesselte Choristen aus Konstanz in Feierlaune

Wenn eines unabdingbar ist, bei einem Chor, der sich mit so kniffligen Dingen wie Jazz befasst, dann ist es die Freude an dieser lebendig groovenden Musik, an der harmonischen und rhythmischen Präzision ihrer Ausführung oder an einem stilistischen Parforceritt durch das gesamte 20. und 21. Jahrhundert. Und selbstverständlich sind Noten, wie meist im Jazz, auch im Jazzchor nicht gerade angesagt. Schon gar nicht, wenn die Disziplin der Ausführung auf intensive Probearbeit schließen lässt. Jedenfalls gingen die rund 20 Kompositionen alle problemlos auswendig.

Der Jazzchor Konstanz hat unter der sensiblen Leitung von Martin Rodler und begleitet durch Uli Stier (Saxophon) und Jürgen Waidele (Klavier) bei seinem Konzert im Jazzkeller Biberach ein volles Haus völlig in seinen Bann geschlagen. Mit Highlights der Jazzmusik von Burt Bacherach (Close to you) und Irving Berlin (Blue Skies) über Lennon/MacCartney (Norwegian Wood), Tower of Power (Diggin on James Brown) und Stevie Wonder (Don’t you worry) bis Joe Zawinul (Birdland) zauberten die Badener ein Feuerwerk der guten Laune in die trübe Vorweihnachtszeit. Selbst vor einigermaßen vertrackten Instrumentaltiteln wie „Take Five“ konnten die entfesselten Choristen nicht die Finger lassen. Von stilsicheren Improvisationen durch Saxophon und Klavier aufgelockert, meist in voller Chorstärke, aber auch im Trio oder im Sextett, in vielfältig wechselnden Besetzungen ging der Konzertabend äußerst kurzweilig und unterhaltsam vorüber. Nicht zuletzt einer launigen Moderation durch einen der Tenöre zu verdanken, der auf sympathische Weise unverbindlich verbindende Worte zwischen den einzelnen Titeln fand, war das Stimmungsbarometer den ganzen Abend auf ein Hoch eingestellt.

Ja, schon, manchmal war die Grenze zum allzu schmalzigen Schmachtfetzen in Sichtweite, die Grenzen zum Pop zuweilen fließend. Die augenzwinkernde Selbstkritik und vor allem die immer wieder aufleuchtenden Jazz-Licks von Jürgen Waidele, der übrigens auch als veritabler, lebenserfahrener Jazzsänger durchgehen kann, sowie Uli Stier mit seinen raumgreifenden Improvisationen sorgten jedoch immer wieder für die erforderliche, jazzige Bodenhaftung.

„Mas que nada“, was soll’s, Spaß und Begeisterung bei Ausführenden und Publikum waren, nicht nur in dem gleichnamigen Latin-Jazz-Titel von Jorge Ben Jor, enorm. Zwei fetzige Zugaben und danach noch eine Jam-Session in voller Setlänge gaben Zeugnis über eine durchaus glückliche Konstellation: Badener und Schwaben, Chor und Jazz, Konzert und Partystimmung. Hätte der Bus der munteren Truppe nicht noch die letzte Fähre über den Bodensee erreichen müssen, hätte vielleicht erst der Morgenkaffee dem lustigen Treiben ein Ende gesetzt.

Gez. Schönecker