Archiv – Seite 91 – Jazzclub Biberach e.V.

Biberacher Jazzpreis 2012 – Kurzkonzert

Am 17.03.2012 um 21:30

Ort:

Beschreibung
Trio Riessler – Charial – Merseny

Er gilt als Deutschlands führender Grenzgänger zwischen moderner Klassik und zeitgenössischem Jazz: Michael Riessler. Der 1957 in Ulm geborene Klarinettist, ausgezeichnet u. a. mit dem SWF-Jazzpreis, hat sich längst international etabliert und spielte mit Musikern solch unterschiedlicher Couleur wie John Cage, Steve Reich, Karl-Heinz Stockhausen, Carla Bley oder Zappa-Drummer Terry Bozzio. Auf internationalen Jazzfestivals wie Saalfelden, Berlin, Tokio oder Willisau gastierte er ebenso wie bei Festivals für Neue Musik, etwa bei den Donaueschinger Musiktagen, bei der Musikbiennale in Berlin oder dem Klangspurenfestival im österreichischen Schwaz. Zuletzt machte Riessler, der eine Professur an der Musikhochschule in München innehat, durch die Musik zu „Heimat 3″, dem dritten Teil des filmischen Epos von Edgar Reitz, und die Vertonung des Stummfilms „Hamlet“ (mit Asta Nielsen) für Berliner Filmfestspiele auf sich aufmerksam.

Seit vielen Jahren arbeitet Riessler dabei mit dem französischen Drehorgelspieler Pierre Charial zusammen, der seiner lochkartengesteuerten Orgel ein bizarres Feuerwerk von Klängen und Soundcollagen entlockt. Charial, von einem Kritiker einmal als Frankreichs größtes musikalische Geheimnis gewürdigt, hat nicht nur historische Werke für mechanische Musikinstrumente, etwa von Mozart oder Haydn, wieder ausgegraben und neu interpretiert, sondern auch zeitgenössische Musik von György Ligeti oder Pierre Boulez eingespielt (die zum Teil eigens für ihn geschrieben wurden). Daneben arbeitete Charial, der seine musikalische Laufbahn als Oboist begann, bevor er die Drehorgel entdeckte, mit Jazzmusikern wie Michel Portal, Jean-Louis Matinier oder der Schweizer Pianistin Sylvie Courvoisier, aber auch mit Frank-Zappa-Drummer Terry Bozzio, zusammen. Gemeinsam mit Michael Riessler spielte er das Projekt „Big Circle“, das den furiosen Klängen seiner Orgel massive Bläsersätze gegenüberstellt.

Aus diesem Projekt kommt auch der junge Münchner Saxofonist Max Merseny, der bereits als 16-jähriger an der Münchner Hochschule für Musik und Theater angenommen wurde und jetzt, mit 23 Jahren, seine erste CD unter eigenem Namen bei ENJA Records veröffentlichte. Mit seinem betont groovigen Spiel bringt er eine weitere Farbe in das unglaublich komplexe und doch hochspannende Spiel dieses Trios!

Das Michael Riessler Trio spielt am Samstag, 17. März 2012 in der Stadthalle nach der Endauscheidung (gegen 21:30 Uhr) beim Internationalen Biberacher Jazzpreis.

Besetzung:
Michael Riessler (bcl, cl, sax)
Pierre Charial (Drehorgel)
Max Merseny (sax)

Keine Karten- und Platzreservierungen

www.michael-riessler.de

Steps of Spirit

Am 02.03.2012 um 20:30

Ort:

Beschreibung
Fusion Jazz mit Steps of Spirit

Der Grundgedanke der Band ist, die Eigenkompositionen von Charles Leimer energiegeladen, niveauvoll und transparent zu präsentieren. Der kreative Einfluss und der vielseitige musikalische Background der vier Ausnahmemusiker verleiht ihrem Projekt die besondere Note. Seit 1999 gibt das Quartett Livekonzerte auf Festivals und in Clubs im In- und Ausland.

Besetzung:
Charles Leimer: keyboards
Dietmar Kastowsky: bass
Thorsten Skringer: saxes
Andreas Keller: drums

www.charlesleimer.de/index.html

Eintritt 12 EUR / 9 EUR

Karten und Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de

10.02.2012: Little Martin & The Roosters

Little Martin & The Roosters zu Gast beim Jazzclub Biberach

Heftige Bluesinfektionen im Jazzkeller

Keine Frage: Little Martin alias Martin Schönke und seine Profitruppe aus München haben den Blues! Bekanntlich kann man den Blues ja nicht einfach nur so runter spielen. Wer den Blues lediglich spielt, kommt von außen, geht eben nur spielerisch, akademisch oder gar pädagogisch und analytisch an den Blues heran. Das kann naturgemäß nicht funktionieren. Den richtigen Blues muss man im Blut, in den Genen haben. Oder man muss schon mal so weit unten gewesen sein, alles Leid der Menschheit persönlich im Rinnstein unserer Gesellschaft kennen gelernt und sich aus diesen Niederungen aus eigener Kraft wieder empor gekämpft haben. Dann und erst dann hat man den Blues und kann diesen auch glaubhaft, überzeugend, intensiv interpretieren oder gar leben, einfach spielen geht nicht.

Eine überraschend große Bluesgemeinde hat im Biberacher Jazzkeller den ausgebufften urbayrischen „Bluesern“ aus München ihre Lebensweisheiten begeistert abgenommen, sich vom typischen Bluesfeeling abholen lassen, mitgegroovt und mitgelebt und sich mit den unverwüstlichen Tönen des „Chicago Blues“ ein neues Lebenselixier verabreichen lassen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit einem unpässlichen Mikrofon und einer zunächst etwas düsteren Bühnenbeleuchtung stand mit einem Ersatz aus dem Fundus des Jazzclubs und mit der Routine von rund 120 Konzerten pro Jahr dem Siegeszug des Blues nichts mehr im Weg. Mit der archaischen Urgewalt einer Musik, die sich wie ein Rückgrat durch Jazz, Rock und Pop zieht und die sich dennoch ihre ursprüngliche Kraft bis heute bewahrt hat packte der bayrische Roosters-Blues sein Publikum mit Macht. Nicht nur die bekannteren Blues-Standards sondern mit der gleichen Überzeugungskraft auch die Eigenkompositionen von Martin Schönke schlugen eine Brücke in die Herzen der Zuhörer, die alsbald von einer heftigen Bluesinfektion ergriffen wurden.

Der Blues, auch der von „Little Martin“ kommt beileibe nicht virtuos daher. Im Gegenteil, je weniger Töne, desto treffender sitzen diese und dann braucht es auch nicht mehr davon. Die entspannte Unaufgeregtheit, ja geradezu Abgeklärtheit vor allem des Bandleaders an Gitarre und Mikrofon vermochte jene inspirierte „Coolness“ rüber zu bringen, die spätestens seit den Blues Brothers Filmen zu einem eigenen Blues-Kult geführt hat. Eine „Coolness“, die paradoxerweise das Blut zum Kochen bringt und ungeahnte Energien freisetzt. Unterwegs im Auftrag des Blues verschaffen Little Martin & The Roosters hoffentlich noch vielen Menschen eine musikalische Frischzellenkur.

Gez. Dr. Helmut Schönecker