Archiv – Seite 76 – Jazzclub Biberach e.V.

23.05.2014: Maohl’s Gift

„Maohl’s Gift“ im Jazzkeller

Auf der Suche nach dem roten Faden

BIBERACH – Glücklicherweise haben sie ihn noch nicht gefunden, den berühmten roten Faden. Die Wiener Jazzformation „Maohls‘ Gift mit ihrer neuen CD „In search of the red thread“ im Gepäck erwies sich für das Biberacher Konzertpublikum als erfreulicher Aktivposten und in Anlehnung an die doppelte Bedeutung des englischen Begriffes als eine Vergnügen, Kurzweil und Leben spendende musikalische „Gabe“ des Bandleaders und Komponisten Markus Ohler. Eine Gabe, die allerdings auch den notwendigen Biss hatte. Zwar war dieser nicht so gefährlich, wie der einer Giftschlange, geringe Mengen Gift können jedoch durchaus als Arznei wirken, was hier tatsächlich zu funktionieren schien. Überschäumende Lebensfreude, stilistische Offenheit, mannigfaltige Strukturen und heftige Interaktionen, auf starker Flamme aufgekocht von drei Wiener Musikern und mit Ohler einem gebürtigen schwäbischen Frontmann am Saxophon, verabreichten ihren gut aufgelegten Gästen im Jazzkeller ein kräftiges Lebenselixier. Kein gediegener Barjazz an der Grenze zur seichten Unterhaltung zum besseren Vergessen, keine meditative Wohlfühlmusik zum Auspannen, sondern kernige, kräftig zupackende „Grooves“ und „Moves“ mit avantgardistischen Tendenzen, expressiven Improvisationen und spannenden Dialogen ließen in einer erfrischenden Darbietung nichts anbrennen.

Die kantige Polyphonie der vier Individualisten, parallel geführte Hochgeschwindigkeitspassagen zwischen Gitarre (HP Freudenthaler) und Saxophon (Markus Ohler), ein harter, direkter Sound des schmatzenden, rustikalen Baritonsaxophons im Wechsel mit eher runden und weichen mitunter aber auch spitzen und schrillen Klängen des Es-Alt-Saxophones über eine mal nur im Hintergrund harmonisch füllende dann wieder eher rocktypisch verzerrte Lead-Gitarre, über blitzschnelle Dynamik-, Tempo- und Rhythmuswechsel – das stilistische Füllhorn von „Maohl’s Gift“ schien nie leer zu werden. Die musikalischen Ideen sprudelten in einer ansteckenden Lebendigkeit und Ausgelassenheit, die den Zuhörern immer wieder Sonderapplaus und begeisterte Zurufe entlockten. Ein niemals schematisch wirkender Unterbau aus Kontrabass (Bernd Klug) und Schlagzeug (Hubert Bündlmayer) trieb das Blut durch die Adern der energiegeladenen Bandmitglieder.

Suchen Musiker und Bands meist mühsam und oft auch vergeblich nach einem eigenen, charakteristischen Stil mit möglichst hohem Wiedererkennungswert um sich vom Mainstream abzusetzen und als etwas Besonderes zu profilieren, so haben „Maohl’s Gift“ den permanenten Wandel, den fliegenden Wechsel zum gestalterischen Prinzip erhoben. Den roten Faden zu finden, hieße danach, die Suche nach dem Neuen, nach dem Ungewöhnlichen aufzugeben, Neugierde durch Reife zu ersetzen, vielleicht sogar dazu, das Vergangene zu verklären und der Gegenwart den Rücken zu kehren. Hoffentlich finden sie ihn nie, den roten Faden.

gez. H. Schönecker

Maohl’s Gift

Am 23.05.2014 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Energie und Emotion mit Maohl’s Gift

Am Freitag, 23. Mai 2014 spielen Maohl’s Gift um 20:30 Uhr im Biberacher Jazzkeller auf. „Eckig, kantig, und im besten Sinne ruppig kommen die Stücke daher – eine Wohltat im allzu häufig weich gespülten Einheitsbrei des Unterhaltungsjazz!“, so urteilt die Presse, als 2008 Maohl’s Gift mit ihrem Debütalbum Premiere feiern. Doch manch ein Kritiker bemäkelte den „nicht vorhandenen roten Faden auf musikalischer Ebene“…

Dem kann abgeholfen werden, meinten die Vollblutjazzer von Maohl’s Gift – und nannten ihre neueste CD (2013) prompt „In Search Of The Red Thread“! Nicht umsonst spielen die Jazzer um Bandleader Markus Ohler (Komposition, Alt- und Baritonsax), HP Freudenthaler (Komposition, Gitarre), Bernd Klug (Kontrabass) und Hubert Bündlmayer (Drums) mit der Doppeldeutigkeit ihres Bandnamens. „gift“ – wie das englische Geschenk, und „Gift“ – wie das deutsche Gift…

Alles Glatte, allzu Geschmeidige, von vorneherein Vorhersehbare ist so überhaupt nicht das Ding der Instrumentalvirtuosen aus Österreich bzw. Deutschland (Maohl ist gebürtiger Augsburger). Unverkopft muss Musik sein, durchaus hörbar und fesselnd – aber immer auch eine Herausforderung, ruhig etwas schräg und eben „giftig“.

In perfekter Balance zwischen Arrangement und Improvisation entwickeln Maohl’s Gift ein hochenergetisches Soundnetz. Und dröseln dann mit leichter Hand und messerscharf komplexe Metren und anspruchsvolle Melodielinien zu eingängig kristallinen Strukturen auf – und spinnen dabei ganz von selbst ihren eigenen roten Faden…

Reservierungen unter: kasse@jazzbiber.de
(bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

09.05.2014: Howard Levy & Chris Siebold

Howard Levy und Chris Siebold im Jazzkeller

Musikalische Weltklasse in Biberach

BIBERACH – Wer bisher der Ansicht war, dass die Mundharmonika als Volksinstrument oder auch als „Bluesharp“ eher für die einfacher strukturierte Musik gedacht und in ernst zu nehmender Musik nicht weiter von Bedeutung sei, der wurde beim Jazzclub-Highlight des Jahres eindeutig eines Besseren belehrt. Musikalische „Weltklasse in Biberach“ konnte man in der Vorankündigung werbewirksam lesen und das war keinesfalls übertrieben.

Für die Fachwelt und für langjährige Biberacher Jazzkonzertbesucher verbindet sich mit den Namen „Howard Levy“ und „Chris Siebold“ die Aufforderung, für ein Konzert im Biberacher Jazzkeller alles stehen und liegen zu lassen, um sich die weite Anfahrt in die kulturellen Zentren der Welt zu sparen und im eigenen Städtchen Musik auf Weltklasse-Niveau zu erträglichen Preisen geboten zu bekommen. Der Ausverkauf der mitgebrachten CDs bereits zur Pause zeugt von der Begeisterung des Publikums, gleich zwei Zugaben und das ehrliche Lob vom New Yorker Meister an der Harmonika für die stimmungsvolle Örtlichkeit („Be glad to have such an outstanding room“) und ein aufmerksames und beifallfreudiges Publikum zeugen von der Begeisterung der Musiker.

Howard Levy, einer der „weltbesten Mundharmonika-Virtuosen“ macht auf seinem einfachen Instrumentchen das Unmögliche möglich. Mehrstimmige, polyphone Kompositionen von Bach oder Beethoven, traditionelle und moderne Jazztitel, Paraphrasen über Beatles-Songs (Michelle), und vieles mehr, mit Witz und Tiefe – alles wurde möglich und alles konnte rundweg überzeugen. Nur mit zwei diatonischen Mundharmonikas und gelegentlich einem als Resonator dienenden Wasserglas ausgestattet, gelang es Levy – physiologisch eigentlich unmöglich – zwei unabhängige Stimmen und auch noch dazu alle denkbaren und undenkbaren chromatischen und enharmonischen Zwischentöne zu spielen. Hunderte von CD-Produktionen, eigene oder unter seiner Mitwirkung entstandene, gleich mehrere Grammys sowie unzählige internationale Preise und gefeierte Konzerte zeugen vom internationalen Kaliber dieses Ausnahmekünstlers.

Chris Siebold ist ein sympathischer Meister auf seinen sechs Saiten, wie Levy ebenfalls in vielen Stilen zuhause und daher der kongeniale Partner schlechthin. Einfühlsam, hochvirtuos und niemals um eine musikalische Antwort verlegen unterstützt und dialogisiert er mit Levy, der auch schon mal während eines Stückes zum Flügel wechselt oder gar beide Instrumente gleichzeitig spielt.

Bis ganz zum Schluss hob sich Chris Siebold eine herausragende Blues-Gesangs-Einlage auf, die das Publikum wegen ihrer Intensität und bluestypischen Charakteristik verblüffte und den Wunsch nach mehr aufkommen ließ. Ein äußerst kurzweiliges Konzert hinterließ von beiden Künstlern den bleibenden Eindruck, dass sie mit ihrem musikalischen Latein noch lange nicht am Ende sind und sich auch nicht auf einen engen Stilbegriff festlegen wollen. Ganz wie im Jazz eben.

gez. H. Schönecker

Howard Levy & Chris Siebold

Am 09.05.2014 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Weltklasse mit Mundharmonika & akustischer Gitarre

Am Freitag, dem 9. Mai gibt das Duo Howard Levy & Chris Siebold ab 20:30 Uhr eine Galavorstellung im Biberacher Jazzkeller.

Howard Levy, der weltbeste Virtuose an der diatonischen Harmonika, ist auch ein exzellenter Pianist, dazu spielt er Flöte, Okarina, Mandoline, Saxophon und Percussion.

Anders als bei der chromatischen Mundharmonika sind auf der diatonischen Mundharmonika ausschließlich solche Stimmzungen vorhanden, die leitereigene Töne der Tonart zu erzeugen, in der die Mundharmonika gestimmt ist. Eine diatonische C-Dur-Mundharmonika hat also nur die Töne C, D, E, F, G, A und H.

Howard Levy hat nun einen voll-chromatischen Stil auf der diatonischen Harmonika mit 10 Kanzellen entwickelt und seinem Parade-Instrument völlig neue Möglichkeiten erschlossen. Er ist auf Hunderten von CDs zu hören, hat einen Grammy und viele andere Preise gewonnen und tourt regelmäßig besonders gern in Deutschland.

Chris Siebold, sein kongenialer Duo-Partner, beherrscht eine Vielzahl an Saiteninstrumenten, neben der Gitarre spiet er Mandoline, Banjo, sowie, gelegentlich, Percussion. Seit über 20 Jahren spielt er eigentlich alles, von Blue Grass bis Band Jazz und Rock. Als Freelance-Musiker ist er ein gefragter Gitarist in vielen großen Bands.

Zusammen haben die beiden Künstler ein unglaublich breites Klangrepertoire: Jazz, Pop, Rock, Blues, Swing, Bebop, Flamenco, Tango, Folk, Country. Oft klingt das Duo wie ein vollständiges Orchesterensemble.

Reservierungen unter: kasse@jazzbiber.de
(bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

11.04.2014: Tango Transit

„Tango Transit“ im Biberacher Jazzkeller

Durch Tango zu Jazz und guter Laune

BIBERACH – Der Dreiklang „Tango, Jazz und Piazzolla“ dominiert nicht mehr das musikalische Geschehen des Frankfurter Trios „Tango Transit“. Segelten die smarten Jungs bei ihrem letzten Biberacher Auftritt 2010 noch ganz im Fahrwasser der argentinischen Tango-Legende, so haben sie mit ihrer neuen CD-Produktion „Acrobat“ , die sie beim Freitagskonzert im Biberacher Jazzkeller präsentierten, selbstbewusst und auf hohem künstlerischen Niveau einen eigenen Dreiklang angestimmt: „Tango, Jazz und Gute Laune“.

Überwiegend unter Verwendung von Eigenkompositionen aus der neuen CD mit viel Esprit und hohem Unterhaltungswert, gelegentlich gar durch theatralische Einlagen aufgelockert, überraschten „Tango Transit“ nicht wenige ihrer erklärten Fans im gut besetzten Biberacher Konzert Publikum mit konsequenter Eigenständigkeit bei gewohnt hoher Virtuosität und unbändiger Leidenschaft. Piazollas Weg in die Nische zwischen dem straff rhythmisierten Tango als Gesellschaftstanz mit prallem Lebensgefühl, dem Jazz als spontanen Weg mit großen individuellen Freiheiten sowie der auskomponierten Strenge der experimentell-intellektuellen Avantgarde komplexer moderner Musik wird von Martin Wagner und seinen akrobatischen Mitstreitern (Hanns Höhn am Kontrabass und Andreas Neubauer am Schlagzeug) so überzeugend fortentwickelt, dass im Auditorium rundum nur helle Begeisterung verzeichnet wurde.

Die thematisch breit gestreuten Kompositionen von Martin Wagner und Hanns Höhn (Transsylvan Tango, Fat Cat, Night in Egypt, Vienna April, Zeitauge, Schlaf, etc.) bewegen sich dabei virtuos auf jenem schmalen Grat zwischen künstlerischem Anspruch und gehobener Unterhaltung, zwischen erfüllter Erwartung und gelungener Überraschung. Besonders Wagners beseeltes Spiel auf dem exquisiten Victoria- Massivholz-Akkordeon aus der Hochburg des italienischen Akkordeonbaus Castelfidardo ging buchstäblich unter die Haut. Seine sensible Balgführung ließ die Töne atmen und pulsieren, die subtile Binnendynamik modellierte melodische Linien zur charaktervollen Plastizität eindrucksvoller Wesenheiten, die weiten Spannungsbögen öffneten wundervolle Klangräume in ungeahnte Dimensionen. Der Tango umfasst nur eine davon, bildet aber gewissermaßen die Transitstrecke zwischen Konvention und Moderne. Jazz heißt dabei, alles wegzulassen, was ästhetisch nicht unbedingt notwendig ist. Dabei führt das immer wieder aufblitzende parodistische Element zur augenzwinkernden inneren Distanz einer glücklicherweise nicht abgehobenen Intellektualität.

Zwei temperamentvolle Zugaben rundeten das Programm des bestens aufeinander eingespielten hessischen Trios ab. Zur ans Konzert anschließenden Milonga fanden sich rund 10 Tanzpaare des Tanzsportvereins „Risstino“ e.V. zusammen, um dem Tango in klassisch gediegener Form zu huldigen. Für die verbliebenen Konzertbesucher ein weiterer ästhetischer Genuss.

 

gez. Schönecker

Tango Transit

Am 11.04.2014 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Heißer Tango trifft coolen Jazz

Auf ihrer CD Release-Tour 2014 zum neuen Album „Akrobat“ versprechen die drei Musiker am Freitag, 11. April um 20:30 Uhr ein hochklassiges Konzert im Biberacher Jazzkeller.

Die Assoziationen zum neuen CD-Titel „Akrobat“ sind so vielfältig wie die Musik von Tango Transit. Kunst, Spiel und Faszination sind Begriffe, die das neue Album des Trios beschreiben. Drei virtuose Instrumentalisten in einer herausragenden Besetzung mit Akkordeon (Martin Wagner), Kontrabass (Hanns Höhn) und Schlagzeug (Andreas Neubauer) führen die Emotionalität, Expressivität, Melancholie und Dynamik, die mit dem Lebensgefühl des Tango assoziiert werden, in eine neue Dimension. Kompositionen zwischen Jazz und Tango, sowie fast schon Pop-affine moderne Stücke treten abwechselnd ins Licht von Scheinwerfern und Straßenlaternen. Damit entsteht eine schwungvolle, zeitlose Musik von ansteckender Spielfreude. Alle drei Musiker sind ausgewiesene Profis und über jeden technischen Zweifel erhaben.

Im Jahr 2014 ist der Tango urban geworden, die Weltmusik eher kosmopolitisch. Und so klingt „Akrobat“ nach einem Kunststück – eines bei dem es gelungen ist, mit besonderer Geschicklichkeit kompositorische Ideenvielfalt und spielerisches Können zu einem gemeinsamen Sound zu verschmelzen.

Reservierungen unter: kasse@jazzbiber.de
(bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)