Archiv – Seite 73 – Jazzclub Biberach e.V.

24.10.2014: TimeOut & Miles&More

Das Üben hat sich gelohnt

Junger Chor Eberhardzell „TimeOut“ gibt erstes abendfüllendes Konzert mit Klassikern der Jazzgeschichte

 

Der Weg zum Jazz ist gewiss kein leichter. Nicht umsonst hat der vor zehn Jahren als „Junger Chor Eberhardzell“ gegründete Chor „TimeOut-Auszeit“ diese Zeit gebraucht, um sich an ein abendfüllendes Konzert mit dem Motto „Jazz’n’Joy“ zu trauen. Und diese Arbeit hat sich zweifellos gelohnt.

Mit musikalischer Unterstützung durch die Jazzband „Miles & More“ mit Musikern aus der Region gab es zum Jubiläum ein reichhaltiges Prograrnm aus allen Bereichen des Jazz zu hören. Im Biberacher Jazzkeller, gewissermaßen vor einem Publikum erklärter Jazzliebhaber, und einen Tag später im „Heimspiel“ in der Eberhardzeller Umlachtalhalle gab es mit den Top-Charts des Jazz Gehöröl satt und reichlich Beifall von einem begeisterten Publikum.

Die Mischung aus Instrumentaltiteln von „Miles & More“, Solo-Darbietungen und A-cappella-Chornummern im Wechsel mit eigens vom Chorleiter arrangierten Titeln für Solo, Chor und Band sorgten für einen unterhaltsamen, abwechslungsreichen, spannenden musikalischen Hochgenuss.

Herausragend bei den Solodarbietungen waren vor allem Danijela Hammas Interpretation von „Georgia on my mind“ (nur in Eberhardzell), Jasmin Mohns „Summertime“ und Sigrun Riefs „My foolish heart“. Besonders schwierig, aber auch besonders eindrucksvoll waren die synkopierten Chorsätze zu den Solonummern, die im Zusammenspiel mit den Musikern von „Miles & More“ für jazzige Phrasierungen und einen bigbandmäßigen, jazztypischen Gesamtsound sorgten.

Im Dauereinsatz als Frontmann am Saxofon, als Gesangssolist sowie als Chorsänger hat der Bad Waldseer Michael Dümmler seine diversen Jobs mit Bravour gemeistert. Lediglich seine Tanzeinlagen zum Jazz-Waltz in den abgetragenen Schuhen von Sammy Davis Junior gerieten etwas verhalten.

Lobende Worte gingen an Chorleiter Helmut Schönecker. Der Chor bedankte sich für die Arbeit der vergangenen zehn Jahre, in denen er mit viel Herzblut, Engagement und Ausdauer den Chor durch die verschiedensten Stilrichtungen geführt und mit speziell zugeschnittenen Arrangements bekannten Liedern und Songs eine eigene Note verliehen hat.

 

Bärbel Stirner

 

„TimeOut-Auszeit“ mit „Miles&More“

Am 24.10.2014 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Jazz & Joy mit TimeOut

Hervorgegangen aus dem „Jungen Chor Eberhardzell“, der sich seit 2004 unter seinem Leiter Dr. Helmut Schönecker in Motto-Konzerten mit „junger“ Chorliteratur beschäftigt, widmet sich „TimeOut-Auszeit“ (http://timeout-auszeit-chor.de/) seit einem knappen Jahr dem Projekt „Jazz & Joy“. Von Jazzklassikern wie „Autumn leaves“ oder „Agua de Beber“ bis zu neueren jazzaffinen Titeln von ZAZ, Norah Jones oder Gregory Porter, in Arrangements von Kirby Shaw, Carsten Gerlitz oder auch eigens vom Chorleiter eingerichteten Bearbeitungen bekannter Standards wie „Mas que nada“, „Nah, Neh, Nah“ oder „Mr. Bojangles“ singen die 20 Sängerinnen und Sänger alles, was Spaß macht – JAZZ FOR FUN, teils a cappella, teils in Begleitung von „Miles & More“.

Miles & More

Als Quartett begonnen, konnten sich „Miles & More“ im Laufe der letzten Jahre musikalisch, in der Besetzung und im Repertoire stetig weiterentwickeln. Die aktuellen Musiker sprechen für eine groovige Ausrichtung und abwechslungsreiche Gestaltung. Die musikalische Reise geht zu den unterschiedlichsten Orten: Nordafrika, Europa, Brasilien, Nordamerika, Skandinavien werden mal druckvoll funkig, mal melancholisch, mal kammermusikalisch verspielt oder mal gefühlsbetont aufgesucht. Durchgängiges Motto: Es macht Spaß. Neben bekannten Standards des Realbooks gehören u.a. auch Songs von Stevie Wonder, Bill Withers, Sting und Gregory Porter zum festen Programm.

Besetzung der Band:
Michael Dümmler (sax)
Volker Jedelhauser (guitar)
Stephan Kofler (drums)
Jasmin Mohn (vocals)
Alexander Ruff (bass)
Gunnar Schreiner (piano)

Kartenreservierungen unter kasse@jazzbiber.de

17.10.2014: Paata Demurishvili

Georgischer Alleskönner im Pestalozzisaal

Musikalische Hommage auf eine Städtepartnerschaft

BIBERACH – In einer Kooperation zwischen Partnerschaftsverein und Jazzclub Biberach ist es gelungen, den georgischen Klaviervirtuosen Paata Demurishvili im Rahmen der georgischen Wochen erneut für ein Konzert in Biberach zu engagieren. Demurishvili, der in Heidelberg wohnt und lange Jahre an der Musikhochschule Mannheim „Classik & Jazz“ – Improvisation unterrichtete, betrachtet Biberach nach eigenem Bekunden als eine Art zweiter Heimat. Und das zahlreich angetretene Biberacher Publikum bringt ihm offenkundig auch bei seinem nunmehr vierten Biberacher Konzertauftritt größte Sympathien entgegen.

Das Eröffnungsstück, eine Uraufführung und Hommage auf die langjährige Partnerschaft zwischen der georgischen Stadt Telawi und Biberach war als freie Improvisation angelegt. Im feinsten Pianissimo – zuvor mussten allerdings wegen des Verkehrslärms erst noch die Fenster geschlossen werden – beginnt der Meister mit brillantem Anschlag in singendem Spiel seine Motive und Spielfiguren miteinander zu verweben. Zarten Keimen gleich sprießen immer neue Ideen, spüren in suchendem Kreisen der ästhetischen Essenz dieser ungewöhnlichen Partnerschaft nach. Kaukasische Folkloreeinflüsse und scharfe Jazzharmonien gehen eine fruchtbare Synthese ein, fein ausdifferenzierte Melodielinien tauchen aus spätromantisch anmutenden Wohlklängen und Arpeggien empor, glitzernd-perlende Tonkaskaden überspannen in weitem Bogen architektonische Zäsuren.

Das zweite Stück des Abends, eine Eigenkomposition mit dem Titel „Event“, gerät offenbar spontan ins Programm. Das Martinshorn vorbeifahrender Einsatzfahrzeuge findet sich wie zufällig zu Beginn und als Reminiszenz am Ende des Stückes in klangmalerischen Quartmotiven wieder. Dazwischen ist so richtig was geboten, die musikalischen Ereignisse überstürzen sich geradezu. Aber am allerbesten kommt Paata Demurishvili immer dann rüber, wenn sein rechter Fuß wie von selbst anfängt kräftig mitzuwippen, wenn rasende Beboplinien und rachmaninowmäßige, vollgriffig sich auftürmende, klangmächtige Akkordgebirge in jazztypischen Synkopierungen die klassische Zurückhaltung und kontrollierte Ausgewogenheit hinwegfegen. Natürlich darf seine berühmt gewordene Variante des Bach’schen C-Dur-Präludiums, garniert mit Versatzstücken der Gounod’schen Ave-Maria-Melodie, Einsprengseln aus Liszts „Liebestraum“ und weiteren klassischen Motiven ebenso wenig fehlen, wie die geistvollen Variationen über den wohl der Jahreszeit geschuldeten Jazzstandard „Autumn leaves“.

Im zweiten Programmteil zelebrierte Demurishvili sein beliebtes Wunschkonzert. Aus den abgegebenen Wunschzetteln resultierten fast schon zu erwartende Paraphrasen über allseits bekannte Titel wie „Take Five“ oder die obligatorische „Mondscheinsonate“. Von einem gut vorbereiteten Konzertbesucher wird diese vorhersehbare Auswahl jedoch um den – für Paata durchaus überraschenden – Wunsch nach einer Improvisation über das deutsche Volkslied „Sah ein Knab‘ ein Röslein steh’n“ erweitert. Einfach köstlich, mit welcher Eleganz sich der unerschrockene Tastenmagier auf diese Aufgabe einlässt und den Bogen vom traditionellen deutschen Volkslied zum modernen Jazz schlägt. Überschwänglicher Beifall wird durch zwei Zugaben und warme Worte vom Meister belohnt. Der Abend hat sich rundum gelohnt.

gez. Dr. H. Schönecker

Paata Demurishvili

Am 17.10.2014 um 20:30

Ort: Bruno-Frey-Musikschule, Pestalozzisaal
(, )

Beschreibung
Als „Meister der Improvisation“, als „Genie des Augenblicks“, „mit der stilistschen Flexibilität eines Chamäleons“ braucht Paata Demurishvili kein festes Programm für seine Auftritte. Sein „Repertoire“ ist nahezu unerschöpflich, denn er beherrscht nicht nur die Jazz Improvisation, sondern vor allem die klassische Improvisation, wie sie für die alten Meister noch selbstverständlich war. Diese Kunst, verbunden mit Virtuosität, ist heute eine doch seltene Gabe. Ganz aus dem Augenblick, aus der Stimmung des Abends heraus, entstehen Konzerte, die „ein-malig“ und so nicht wiederholbar sind. Paata ist dabei stets unterwegs zwischen Jazz und Klassik. Auf unverwechselbare Weise verbindet er beides und „legt den großen Bogen eigener Gestaltung“ darüber. Aber er ist in allen Stilrichtungen zu Hause: Virtuoser Stilmix bis hin zu Lounge Music vom Feinsten. „…ein tatsächlicher musikalischer Neuschöpfer mit der Energie eines berstenden Vulkans und der stilistischen Flexibilität eines Chamäleons…

Kartenreservierungen unter kasse@jazzbiber.de

Stadt der Musik (Telawi/Georgien)

Am 10.10.2014 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Georgische Band im Rahmen der Partnerschaftswochen