Archiv – Seite 72 – Jazzclub Biberach e.V.

14.11.2014: Triano Gyptano

„Triano Gyptano“ im Jazzkeller Biberach

Von der erträglichen Leichtigkeit des Seins

Ein angenehmerer Weg ins Wochenende ist für Liebhaber unterhaltsamer Livemusik kaum vorstellbar. Der federleichte Gipsy-Swing des Sinti-Jazztrios „Triano Gyptano“ in entspannter Wohlfühlatmosphäre bei Kerzenlicht und einem guten Gläschen Irgendwas verhalfen den Gästen im gut besetzten Jazzkeller zu einem gelösten Ausklang der Arbeitswoche, zur finalen „After-Work-Party“. Auf Einladung des Jazzclubs wandelten Herbie Tusek und David Klüttig ganz in den Fußstapfen ihres Vorbildes Django Reinhardt, souverän begleitet von Uli Kuhn aus Ulm am Kontrabass. Gut ein Drittel des Programmes war dem legendären Gitarristen des „Quintette du Hot Club de France“ gewidmet, der zusammen mit Stéphane Grappelli als Erfinder des Gypsy Swing und Begründer eines eigenständigen europäischen Jazz gilt.

In einer Beiläufigkeit abseits der häufig anzutreffenden Bedeutungsschwere virtuosen Konzertgebarens erklangen die Höhepunkte des Genres im lockeren Wechsel der beiden Gitarreros zwischen Solo- und Rhythmusgitarre. In eloquent verbindenden Worten moderierte der Laupheimer Gitarrenlehrer Herbie Tusek durch den Abend, nicht ohne – gefühlt etwa 30 Mal – auf die Möglichkeit eines Erwerbs der mitgebrachten CDs des Trios hinzuweisen, schließlich stehe ja Weihnachten vor der Tür.

Zu den besten Kompositionen des Abends gehörten, neben den Django-Titeln, ein norwegischer Tanz von Edvard Grieg, Duke Ellingtons Traumnummer „Caravan“ und Charlie Chaplins berühmtes „Smile“ aus dem Film „Moderne Zeiten“ im ersten Set. Viel zu schnell ging das kurzweilige Programm seinem Ende entgegen und gipfelte schließlich mit der ersten Zugabe im wohl bekanntesten Django Reinhardt Stück, dem „Minor Swing“. Die augenzwinkernde Einflechtung von Kurzzitaten aus der klassischen Musik, Motive aus Beethovens „Für Elise“ oder Mozarts „g-Moll-Symphonie“ und weiteren Versatzstücken, bezeugten eine hohe improvisatorische Meisterschaft und Sinn für musikalischen Humor. Vor allem aber zeigte dies, dass Berührungsängste zu anderen Stilen und Genres nicht angebracht sind, dass diese Musik Brücken zwischen den Kulturen schlägt und offene Toleranz lebt. Mit „Sweet Georgia Brown“ und „Gypsy Groovin‘“ folgten zwei weitere Zugaben bevor der begeisterte Applaus schließlich verebbte, der CD-Koffer-Laden seinen Deckel öffnete und gefühlte 50 Cds den Besitzer wechselten um die von vielen als durchaus erträglich empfundene Leichtigkeit des Seins auch mit nach Hause zu tragen.

gez. Dr. H. Schönecker

Triano Gyptano

Am 14.11.2014 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Triano Gyptano heißt das Gypsy Swing Trio, bestehend aus David Klüttig & Herbie Tusek an den Gitarren und dem Kontrabassisten Uli Kuhn. Zusammen spielen sie akustisch stilvoll arrangierte Swing Stücke aus den 30er und 40er Jahren, sowie Bossa Nova, Rhumba, Bolero, Walzer und Balladen à la Django Reinhardt.

Kartenreservierungen unter kasse@jazzbiber.de

Triano Gyptano

Am 14.11.2014 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
„Triano Gyptano“ heißt das Gypsy Swing Trio aus der Region Ulm-Laupheim-Biberach, bestehend aus David Klüttig & Herbie Tusek an den Gitarren und dem Kontrabassisten Uli Kuhn. Im Trio spielen sie akustisch stilvoll arrangierte Swing Stücke aus den 30er Jahren, sowie Bossa Nova, Rumba, Bolero, Walzer und Balladen à la Django Reinhardt. Nach längerer Unterbrechung gibt es damit im Biberacher Jazzkeller mal wieder handgemachten, temperamentvollen Sintijazz , der unter die Haut und in die Beine geht. Herbie Tusek, der eine Gitarrenschule in Laupheim betreibt, ist auch viel mit seinem „Acoustic String Voice Duo“ unterwegs, unter anderem mit den Projekten „Watzmann“ und „Mama Duke“.

Zu hören sind Triano Gyptano am Freitag, 14. November 2014 um 20:30 Uhr im Jazzkeller.

Eintritt: 15 EUR / ermäßigt 12 EUR

Karten & Platzreservierungen: kasse@jazzbiber.de
(bis spätestens 15:00 Uhr am Tag des Konzerts)

04.11.2014: Jazz & More Collective

Dozentenkonzert vom „Jazz & More Collective“

Generationenübergreifender Enthusiasmus

BIBERACH – Müßig zu fragen, ob es die von ungebrochener Kraft und Energie geprägte Spielfreude oder die jahrelangen Erfahrungen im Umgang mit jungen Menschen waren, die dem „Jazz & More Collective“ der Landesmusikakademie Baden-Württemberg mit seinen acht renommierten Jazzmusikern zu einem grandiosen Konzertabend in der Biberacher Aula der Gymnasien verhalfen. In einer Kooperation zwischen Wieland-Gymnasium und Jazzclub Biberach bot das in über zehn Jahren gemeinsamen Musizierens zusammengewachsene Ausnahme-Ensemble der Ochsenhausener Sommer-Jazzkurse auf seinem Weg durch zehn baden-württembergische Gymnasien zum Abschluss des nachmittäglichen Schüler-Workshops ein musikalisches Erlebnis der Extraklasse.

Einer kurzen musikalischen Vorstellung der Schulbands von Wieland- und Pestalozzi-Gymnasium unter ihren Leitern Helmut Schönecker und Martin Remke folgte die Präsentation der beiden im Workshop erarbeiteten Musiktitel durch die mit den Dozenten verstärkte fast 50köpfige Monster-Bigband unter der Leitung des Schlagzeugers Torsten Krill und dem Initiator des Projektes Veit Hübner. Der hochmotivierte Jazznachwuchs steuerte neben der jugendlichen Power zu den Stücken auch erste Solo-Improvisationen bei.

Nach einer kurzen Umbaupause mit lukullischen Aufmerksamkeiten der Donaufahrer von der Klasse 9d und dem Thekenteam vom Jazzclub Biberach ging es mit „Not too late“ von Klaus Graf dann so richtig zur Sache. Die alten Hasen zeigten den Workshopteilnehmern, wie es klingt, wenn alles so sitzt, wie es sitzen soll. Fast nur mit Eigenkompositionen des „Collectives“ und herausragenden Solo-Improvisationen aller Musiker entstand ein stilistisch abwechslungsreiches kurzweiliges Feuerwerk einer topmodernen Musiksprache: dem Jazz.

Selbst eine der ältesten Kompositionen des Abends, das zum Jazzstandard gewordene „I’m old fashioned“ von Jerome Kern und Johnny Mercer aus dem Filmklassiker „You were never lovlier“ mit Rita Hayworth und Fred Astaire in den Gesangsrollen wirkte im neuen Arrangement des JMC frisch und unkonventionell. „Hot Summer In Vienna“ des Wiener Posaunenprofessors Johannes Herrlich, „Parents Trust“ vom Kontrabassisten Veit Hübner oder „The Essential Point“ des Nürnberger Klavierprofessors Martin Schrack bot diesen willkommenen Spielraum für kreative Stehgreifeinfälle.

Zu den absoluten Topnummern gehörte der eigens komponierte Titel „This is how we do it“ des Ulmer Echopreisträgers Joo Kraus. Zeitgemäßer Groove, eine witzig-transparente Struktur, ein unter die Haut gehender Trompetensound, gerappte oder „gebeatboxte“ Parts und dazu den augenzwinkernden Humor des gefragten HipJazzers ließen die Stimmung weiter hochkochen. Inspirierte Gesangseinlagen von Sarah Lipfert, etwa in der gesanglich anspruchsvollen Jazzballade „Body and Soul“ mit einem genialischen Saxophonsolo von Klaus Graf, dem Solosaxophonisten der SWR Bigband und den Gitarrenklängen des schwedischen Gitarrenprofessors Göran Klinghagen, trieben die Stimmung schließlich auf den Höhepunkt. Frenetischer Applaus forderte schließlich noch eine Zugabe heraus, bevor der Alltag die ermüdeten Schüler schließlich wieder einholte.

The Jazz&More Collective – Konzert

Am 04.11.2014 um 19:30

Ort: Wieland-Gymnasium, Aula
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Beschreibung
Jazz&More – der Name dieses Künstlerkollektivs ist zugleich das Motto eines seit vielen Jahren regelmäßig an der Landesakademie in Ochsenhausen stattfindenden Musikworkshops, bei dem die acht Mitglieder des Ensembles auch das Dozententeam bilden. Die renommierten Musikerinnen und Musiker, darunter vier Jazzprofessoren und vier Landesjazzpreisträger (BW), sind nun – unterstützt durch die Baden-Württemberg Stiftung und die Bauder Stiftung – gemeinsam auf Tournee, um Kindern und Jugendlichen die Freude an zeitgemäß improvisierter Musik näherzubringen.
10 Termine in 10 Städten Baden-Württembergs stehen auf dem Plan; während dieser Zeit wird das Jazz&More Collective Konzerte in den jeweiligen Städten geben und sein Wissen und seine Spielfreude im Rahmen von an Regelschulen stattfindenden Workshops an Schülerinnen und Schüler weitergeben.

Sarah Lipfert: Gesang
Klaus Graf: Saxofon
Joo Kraus: Trompete
Johannes Herrlich: Posaune
Göran Klinghagen: Gitarre
Martin Schrack: Klavier
Veit Hübner: Bass
Torsten Krill: Schlagzeug