Archiv – Seite 52 – Jazzclub Biberach e.V.

20.10.2017: Jazzchor Biberach & Jazzchor Stuttgart

Jazzchöre aus Stuttgart und Biberach können rundum begeistern

Wohlige Schauer, schräge Töne und stimmungsvolle Partysongs

BIBERACH – Am Ende eines kurzweiligen Doppelkonzertes der Jazzchöre aus Stuttgart und Biberach im Jazzkeller der Bruno-Frey-Musikschule traf die fulminante Gospelhymne „A Human Right“ aus der Feder von Tore W. Aas und dem Oslo Gospel Choir wohl genau den Nerv des begeistert skandierenden Publikums. Zuvor hatten beide Chöre einen abwechslungsreichen Querschnitt aus ihrem Repertoire geboten. Jazz-, Rock- und Popnummern, topaktuelle Songs, Oldies und Evergreens, die meisten mit Ohrwurmcharakter, erfreuten, neben Neubearbeitungen bewährter Jazz-Standards, das Publikum im ausverkauften Jazzkeller.

Während der Biberacher Jazzchor, zunächst noch verhalten aber stimmungsvoll und inspiriert mit dem Standard „My funny Valentine“ aus den 1930er Jahren den Konzertabend mit eher leisen Tönen historisch korrekt eröffnete, führte bereits der zweite Titel in die musikalische Gegenwart. Ed Sheerans „Thinking out loud“ in einer engagierten Interpretation von Jolanta Jarosinska sowie das frisch und frech daherkommende “All About That Bass” von Meghan Trainor, unterbrochen durch „Angel Eyes“, einem weiteren Swing-Standard aus den 1940er Jahren, verordneten dem Publikum stilistische Wechselbäder zum Aufwärmen und zur besseren Durchblutung. Verstärkt durch das „Trio Feuervogel“ aus Zwiefalten und instrumentale Aushilfen einiger Chormitglieder kulminierten die Darbietungen der Biberacher Einheizer in den eigens vom Chorleiter arrangierten Titeln „Black Orpheus“ und „Careless Whisper“. Abgerundet durch die in den 60er Jahren entstandene Zugabe „Moon River“ aus der Feder des legendären Henry Mancini machte der Jazzchor Biberach sodann die recht beengte Bühne frei für die Gäste aus Stuttgart, die unter der Leitung von Christiane Holzenbecher die Stimmung weiter anheizten.

Fast ausschließlich „a cappella“ gesungene Titel in bestechend sauberer Intonation auch „schräger Töne“ in verqueren Jazzharmonien sowie in höchst präziser Rhythmisierung zeugten nicht nur von den Früchten jahrelanger Zusammenarbeit mit Profis von „Manhattan Transfer“, „Flying Pickets“, „King’s Singers“ oder den „Wise Guys“ auf zahlreichen Workshops und Wochenendseminaren. Sie ließen auch auf hell begeisterte Chormitglieder sowie eine engagierte und disziplinierte Probenarbeit unter der Leitung von Christiane Holzenbecher schließen. Sie hat es sich trotz einer starken Erkältung auch nicht nehmen lassen, in der zweiten Zugabe noch selbst zum Mikrofon zu greifen und mit bluestypisch heiserer und rauchiger Stimme im witzigen Duell mit einem ihrer Chorsänger den „Hafer- und Bananenblues“ vom „Äffle und Pferdle“ zu zelebrieren.

Mit sichtlichem und hörbarem Enthusiasmus erklangen zuvor selbst so hochvirtuose Titel wie „Sir Duke“ von Stevie Wonder, „Java Jive“ (Manhattan Transfer), „Happy“, „Viva la vida“ oder „Uptown funk“. Auswendig vortragend konnten die rund 20 Sängerinnen und Sänger des leider etwas ersatzgeschwächt angetretenen Chores auf jeden Fingerzeig der umsichtigen Chorleiterin reagieren und in differenzierter Dynamik eine hochkarätige Interpretation nach der anderen abliefern. Eine Hommage ans Publikum waren so eingängige Stimmungsmacher wie das von den „Comedian Harmonists“ in den 1920er Jahren populär gemachte und von den Männern der Stuttgarter Truppe solistisch und mit gebührender Theatralik vorgetragene „Lass mich dein Badewasser schlürfen“, Irving Berlins swingender Foxtrott „Puttin‘ on the Ritz“ oder auch der in den 1930ern für ein jiddisches Musical entstandenen Swingtitel „Bei mir bist du schön“ und viele weitere Ohrwürmer.

Text: Helmut Schönecker
Fotos: Sophia Schönecker

Palmarosa Band

Am 21.10.2017 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach 
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung 
Von den Pariser Boulevards hinein in die engen Gassen Genuas

Die Palmarosa Band (Asti / Italien) verbindet in ihrem neuen Programm die Partnerstädte Valence, Asti und Biberach musikalisch. Sie schlägt den musikalischen Bogen von den französischen Chansons hin zu den Genueser Liedermachern, die sich von den französischen Chansons haben inspirieren lassen. Die Palmarosa Band haucht dabei Chansons von Jacques Prevert, Édith Piaf, Gilbert Bécaud, Yves Montand, George Brassens und Jacques Brel ebenso neues Leben ein wie Liedern der Genueser Cantautori Giorgio Calabrese, Fabrizio de André, Luigi Tenco und Gino Paoli.

Veranstaltung im Rahmen der Französischen Wochen in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Biberach und Städte Partner Biberach e.V.

Keine Kartenreservierung möglich; Abendkasse 15 €

Jazzchor Biberach & Jazzchor Stuttgart

Am 20.10.2017 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Jazzchor Biberach & Jazzchor Stuttgart

In dem Doppelkonzert spielt der junge Biberacher Jazzchor (Ltg. Helmut Schönecker) den Einheizer für die Profis aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt mit Chor-Arrangements aus den Bereichen Jazz, Rock, Blues, Pop, Gospel, etc.

Jazzchor Biberach beim ersten Auftritt im Biberacher Jazzkeller

Im Jazzchor Stuttgart treffen sich die unterschiedlichsten Menschen jeden Mittwoch im Stuttgarter Bürgerzentrum West. Egal, ob es schneit, regnet, stürmt oder der Stuttgarter Kessel kocht. Etwas hat sie zusammengebracht: der Gesang. Und der Jazz. Stimmen mit Soul, mit Groove, mit Beat und Begeisterung! Im Mix: krummer Jazz, süßer Soul, und gelber Pop abgeschmeckt mit schwäbischem Blues.

Seit über 10 Jahren formt und färbt Christiane Holzenbecher das Vokalensemble. Außerdem feilen internationale Größen des Vocal Jazz wie Andrea Figallo (Wise Guys), Philip Lawson (ehem. King’s Singers), Tine Fris (Postyr Project und Vocal Line) und Albert Hera bei Workshops und Coachings an ihrem Sound. Der Jazzchor Stuttgart reißt mit: ein sehenswertes Hörvergnügen!

http://www.jazzchor-stuttgart.de

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

14.10.2017: The Last Show

Blues Trio aus Valence überzeugt im Jazzkeller

Filigraner Blues mit “The Last Show“

Biberach (hbs) – Im Rahmen der Französischen Wochen gastierte das Trio „The Last Show“ aus Biberachs französischer Partnerstadt Valence im sehr gut gefüllten Jazzkeller. Mit Musik zum Zuhören und Träumen war die Band angekündigt worden, und dieses Versprechen wurde bestens erfüllt. Schon beim Opener „Nobody Knows You When You’re Down And Out“, im Original von Billy Cox, zeigte sich die Stärken der drei Musiker: filigrane Arrangements, präsent und präzise, dabei doch zurückhaltend und unaufdringlich. Man könnte meinen, sie hätten ihr Programm unter das Motto „manchmal ist Weniger mehr“ gestellt. So entstand ein leichter, weicher Sound, dem man vollkommen entspannt die zwei Stunden lauschen konnte und auch gerne hätte noch länger lauschen wollen. Manch einer dürfte überrascht gewesen sein, wie zart Blues klingen kann. Was aber überhaupt nicht heißt, dass das Geschehen auf der Bühne einfach so vor sich hin plätscherte. Nein, auf der Bühne standen drei hervorragende Musiker, die sowohl als Solisten als auch im Team überzeugten. Vince Brunet glänzte auf der Gitarre und mit seiner variablen Stimme. Sie klang mal klar und hell, dann wieder bluesig und rau. Beim Bob Dylan-Song „Billy“ meinte man, das näselnde Timbre käme vom Altmeister selbst. Bei dem Stück spielte Vince auf seinem Dobro, eine Resonatorgitarre, und mit dem Bottleneck erzeugte den typischen „gleitenden“ Sound, über die Alain mit seiner Düsenberg-Gitarre locker seine Soli legte. Bei Robert Johnsons „“Kind Hearted Woman“ überzeugte Alain Michel mit seinem exzellenten Spiel auf der Bluesharp, das er einfühlsam über Vincents Dobro-Slides webte. Aus dem Hintergrund wurden die beiden Solisten von Drummer Stéphane Ranaldi grandios unterstützt, wohl einer der gefragtesten Jazz und Blues Drummer im Rhonetal. Mal treibend und kraftvoll, mal sanft und unaufdringlich, manchmal schon fast unhörbar setzte Stéphane gekonnt die richtigen Akzente.

Obwohl hauptsächlich nordamerikanische Songs gespielt wurden, war es doch ein französischer Abend. Der Großteil der Ansagen erfolgte in französischer Sprache, was auch beim Publikum, in dem einige Gäste aus Valence und zahlreiche frankophile Oberschwaben saßen, sehr gut ankam. Auch an der Bar des Jazzclubs gab es zusätzlich einen französischen Roten im Ausschank. So durften auch französische Titel im Programm nicht fehlen. Damit begann „The Last Show“ den zweiten Set des Abends. Alain Michel steuerte dazu ein paar Eigenkompositionen bei. Der Song „Partit pour pas rester“ erzählt von einer Reise mit dem Zug, allerdings nicht mit dem besten überhaupt, dem französischen TGV, sondern einem recht alten Zug. Hier ahmte Alain beim Intro den Rhythmus des Zuges auf der Bluesharp gekonnt nach. Der Song „Quand j’ai trop le blues“ entstand, als sich Alain einmal die Frage stellte, warum er als Franzose eigentlich Blues spielt und komponiert. Da wollte er einfach mal was anderes machen und hat diesen Boogie geschrieben. „Là-bas a New Orleans“ entstand, nachdem ihm wohl bereits zum zwölften Mal die Freundin verlassen hatte, er diesen Kummer mit „think positive“ bewältigen wollte, und einen Song schreiben wollte, der dann bestimmt ein Hit wird – aber auch damit wurde es nichts… Es folgte ein Ausflug nach Louisiana, in die Heimat der Cajun-Musik. Normalerweise, so erzählte Alain bei seiner Einführung, beginnen die Cajun-Stücke immer mit einer Akkordeon-Einleitung. Dem Instrument, das man auch als Piano der armen Leute bezeichnet. Da es ihm aber nicht einmal für ein Akkordeon reicht, muss er diesen Part zwangsläufig mit der Bluesharp, dem Piano der Ärmsten der Armen, übernehmen. Alain Michel, der in den letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahren schon etliche Male mit verschiedenen Formationen in Biberach gastierte, bedankte sich herzlich beim Publikum und den Gastgebern für die Gastfreundschaft. Das Publikum war zwar beim Mitklatschen eher zurückhaltend, lauschte dafür aber umso aufmerksame dem Geschehen auf der Bühne und bedachte die drei Musiker auch mit viel und verdientem Applaus, und erklatschten sich zum Abschluss auch noch zwei Zugaben.

Text und Foto: Hans-Bernd Sick

The Last Show

Am 14.10.2017 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
„The Last Show“ – Musik aus Amerika der 50er/60er Jahre

Zum Zuhören, zum Träumen – auch zum Tanzen: Country, Rock´n´Roll, Rockabilly, Rhythm´n´Blues, Folk …. Vince Burnett (Gesang, Gitarre, Mandoline, …), Alain Michel (Harmonika, Gitarre, Gesang) und Stéphane Ranaldi (Schlagzeug) swingen mit Energie und Rhythmusgefühl eine Hommage an die Großen dieser Zeit, wie Presley, Buddy Holly, Johnny Cash, Hank Williams, Ray Charles, Bo Diddley, … Die Band „The Last Show“ aus Valence – das sind drei veritable und virtuose Kenner der energiegeladenen und swingenden Musik, der Lieder und des Zeitgefühls das diese Epoche ausmacht. Schließen Sie die Augen – und sie sind da!

Veranstaltung im Rahmen der Französischen Wochen in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Biberach sowie Städte Partner Biberach e.V.

Keine Kartenreservierung möglich; Abendkasse 15 €

06.10.2017: John Stowell – Manfred Junker Duo

John Stowell – Manfred Junker Duo im Jazzkeller

Meistergitarristen fesseln Biberacher Jazzpublikum

BIBERACH – Der in Konstanz lebende Manfred Junker ist im Biberacher Jazzclub ein alter Bekannter. In den verschiedensten Formationen war er in den letzten Jahren schon zu Gast im Jazzkeller und seine familiären Wurzeln mütterlicherseits liegen ebenfalls in der Oberschwabenmetropole. Bei seinem jüngsten Besuch im Jazzkeller hatte er allerdings eine gestandene Gitarrenlegende als Duopartner mitgebracht. Der gebürtige New Yorker John Stowell, der seit den 1970er Jahren als „reisender Minnesänger“ um die Welt tourt, fand in Junker einen kongenialen Mitstreiter und bei den Jazzbibern viele aufmerksame Zuhörer und sicher auch viele neue Fans.
Zu vielen Originalkompositionen Stowells komponierte Junker eigenständige Gitarrenstimmen, mal in Form eher rhythmisch geprägter Begleitfigurationen, oft aber auch in kontrapunktischer Verschränkung und komplementärrhythmischer Verzahnung in elaborierter Polyphonie. Die Intensität und kreative Vielfalt der gestalterischen Ideen, gepaart mit einer dezenten Virtuosität der beiden Meistergitarristen fesselten und begeisterten von Beginn an.
Das reibungslose Mit- und Ineinander der beiden Partien, deren chamäleonartige Rhythmus- und Strukturwechsel auch immer wieder durch längere Improvisationen aufgelockert wurden, verlangte nach aufmerksamen Zuhörern, ließ aber durchaus auch ein entspanntes Wegdämmern in die Transzendenz versunkener Kontemplation zu. Nicht immer war dabei die Dramaturgie in der Reihenfolge der Stücke besonders glücklich, wie auch Junker bei der Ankündigung einer stimmungsvollen Ballade für Zwei nach einer lyrisch-introvertierten Eigenkomposition anmerkte. Manch ein Gast schien während dieser hochkomplexen Darbietungen mitunter sehr tiefenentspannt in weit entfernten metaphysischen Gefilden zu verweilen, aus denen ihn erst der rauschende Schlussapplaus wieder zurückholen konnte.
Als besonderes Highlight erwies sich nach der Pause ein Wechsel der Instrumente. John Stowell und Manfred Junker adelten den Biberacher Gitarrenbauer Christoph Reck indem sie auf den von Reck bereitgestellten Gitarren ein gemeinsames Musikstück spielten und ihn danach ausdrücklich für seine in Handarbeit als Unikate gefertigten Gitarren lobten. Der Klang stand den Meistergitarren der beiden Gitarren-Heroen in keiner Weise nach, wirkte in seiner geschmeidigen Ausgewogenheit vielleicht sogar noch etwas klarer und transparenter als diese. Gegen die Praxistauglichkeit von Stowells zerlegbarer „Reisegitarre“, einer sündhaft teuren Spezialanfertigung im Format flugtauglichen Handgepäcks, kamen die Biberacher Meisterinstrumente allerdings nicht an.
Nach zahlreichen Eigenkompositionen von Stowell und Junker, darunter auch viele Titel der gemeinsamen Duo-CD „Here at last“ sowie einigen erfrischenden Arrangements von Thelonius Monk -, Miles Davis -oder John Scofield – Titeln, gab es am Ende gleich zwei Zugaben und reichlich Lob seitens der Musiker an ein überaus aufmerksames und CD-Kauf-freudiges Publikum.

Text und Foto: H. Schönecker