Archiv – Seite 49 – Jazzclub Biberach e.V.

09.03.2018: Tuija Komi Quartett

Jazz-Diva Tuija Komi im Hoch

Von der zauberhaften Magie des Augenblicks

BIBERACH – Chefin im Ring war ohne Zweifel die finnische Sängerin Tuija Komi. Mit ihrem hochkarätig besetzten Quartett war sie nach knapp sechs Jahren wieder einmal zu Gast bei den hoch erfreuten Jazzbibern. Neben einigen bewährten Songs aus ihrem breitgefächerten Repertoire, darunter die witzig-freche Interpretation von „Pippi Langstrumpf“, gab es einen starken Vorgeschmack auf die nächste CD. Ende März geht es ins Studio und die Stücke sind bereits aufs Feinste ausgearbeitet. Schon der Opener „Music is Magic“ verwies auf das Motto der Künstlerin und begeisterte vom ersten Ton an. Die originelle und sympathische Moderation der in München lebenden Diva trug dabei nicht unwesentlich zur entspannten Wohnzimmeratmosphäre und zu einem erfüllten und kurzweiligen Konzertabend bei.

Der weitgereiste und vielbeschäftigte Pianist, Arrangeur und Komponist Walter Lang lieferte den roten Faden durch die Kompositionen des Abends. Während Tuija Komi, besonders eindrucksvoll in „Gabriellas Song“ aus dem Film „Wie im Himmel“, unbeirrt und zutiefst von der wundervollen Melodie erfüllt, den weitgehend original belassenen Gesangspart mit innigem Ausdruck interpretierte, setzte die von Walter lang arrangierte Begleitung einen völligen Kontrapunkt dagegen. Diese Konstruktion erwies sich in jeder Hinsicht als frisch, unkonventionell und stark kontrastierend. Genau dies verlangte aber auch einen starken Widerpart von der Singstimme. Nachdem auf Tuijas Nachfrage eine Besucherin aus der ersten Reihe die Vorgeschichte des Songs treffsicher auf den Punkt gebracht hatte, wurde überaus sinnfällig, wie gerade dieses spezielle Arrangement den Inhalt und die Symbolik des Songs verkörperte. Die von ihrem gewalttätigen Mann misshandelte Gabriella findet trotz aller Widerstände über den Gesang ihren Weg in ein selbstbestimmtes und erfülltes Leben.

Völlig nebensächlich aus welcher stilistischen Ecke die Inspirationen kamen, Soulballaden, balkanisch gewürzter Latin Jazz, Lieder aus dem Land der Mitternachtssonne, Schlager von ABBA, eingängige Lieder aus Film und Fernsehen, Weltmusik, Finn-Pop, R’n’B, Swing, Jazz Waltz, Tango, Drum & Bass oder auch Gospel, immer klangen die Stücke authentisch und wie aus einem Guss. Die zauberhafte Magie von Tuijas Stimme und die eigenständigen bis eigenwilligen Interpretationen adelte jede Vorlage. Maßgeblich dazu bei trugen aber auch die Männer im Hintergrund. Der Slowake Peter Cudek am zerlegbaren Reisekontrabass und der dezent aber immer inspiriert groovende Martin Kolb am Drumset bildeten mit dem souveränen Walter Lang zusammen ein eingespieltes homogenes Team.

Vor allem Walter Lang erwies sich in seinen ausgedehnten Solo-Improvisationen als außerordentlich fesselnder musikalischer Geschichtenerzähler. Wie Scheherazade aus 1001 Nacht, deren kraftvoller Rhetorik und deren kunstvoll verwobenen Erzählfäden sich der Sultan nicht entziehen konnte, schlug auch Lang mit seinen fantasievollen, klugen Exkursionen voll überschäumender Leidenschaft und tiefer Melancholie das enthusiastisch jubelnde Publikum in seinen Bann. Trotz der späten Stunde gab es mit „If I had my live to live over again“ auch noch eine Zugabe mit klarem Bezug zum Leben der ehemaligen Siemens-Projektmanagerin und „Voice of Germany“-Teilnehmerin, die ihren dankbaren Zuhörern einen großen Abend voller magischer Momente und erfüllter Augenblicke geliefert hat.

Text und Fotos: H. Schönecker

Tuija Komi Quartett

Am 09.03.2018 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
„Musik aus dem Land der Mitternachtssonne und tausenden von
Seen“

Die finnische Nachtigall, Sängerin Tuija Komi, „eine echte finnische Jazz-Diva“ (Süddeutsche Zeitung), präsentiert an diesem März-Abend Musik aus ihrem neuen Konzertprogramm „Music is Magic“ – von heiter bis mollig: Sie werden „Thank you for the music“ und „Feeling good“ hören, finnischen Tango und finnischen Jazz,
ergänzt durch ihre Eigenkompositionen. Auch werden Sie dabei sein, wenn die Rentiere in Lappland tanzen und vielleicht wird sogar Pippi Langstrumpf, in Finnisch „Peppi“, Sie musikalisch grüßen …

Seien Sie bereit für einen Abend mit nordischen Überraschungen!
Tuija hat eine unglaublich schöne, sehr wandelbare Stimme. Dazu kommt noch ihre charmante und starke Bühnenpräsenz, „das blonde Energiebündel“ (Darmstädter Echo). Kaum ist sie auf der Bühne, schon hat sie gleich ihr Publikum begeistert. Nicht nur wunderbare Musik, Tuija unterhält ihr Publikum auch mit Geschichtchen in ihrer sympathisch-schrägen humorvollen
finnischen Art.

Sie hat hervorragende und preisgekrönte Musiker in ihrem Quartett:
Walter Lang am Klavier, Peter Cudek am Bass und Martin Kolb am Schlagzeug.

„Stets bleibt es geschmackvoll, seidig, stimmungsvoll.“ (Süddeutsche Zeitung)

Mehr über die Künstlerin: www.tuijakomi.de

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

02.03.2018: Jochen Feucht Trio

Jochen Feucht Trio – Leichtes Spiel mit inspiriertem Publikum

Weltoffene Universalität und weite Klangräume zwischen Zeit und Raum

BIBERACH – Von der transzendenten Leichtigkeit des Seins durchdrungen, in schwerelos schwebender Klanglichkeit und von langem Atem durchpulst strömten die von Jochen Feucht komponierten Stücke im Freitagskonzert des Jazzclubs unmittelbar in die Seelen der entrückt lauschenden Zuhörer im Jazzkeller. Fernöstliche Philosophien öffneten den Horizont, Assoziationen von weiten Landschaften jenseits von Raum und Zeit entstiegen tiefer Kontemplation. Wie vom Bandleader, Saxophonisten, Flötisten und Bassetthorn spielenden Jochen Feucht in seiner Anmoderation empfohlen, tauchte der größte Teil des Publikums mit geschlossenen Augen schnell in den unendlichen Kosmos von „Light Play“ ein.

Die Stücke auf der vorgestellten CD „Light Play“ sind trotz oder gerade wegen ihrer Leichtigkeit keineswegs eine leicht zu spielende Musik. Ungewöhnliche Takt- und Tonarten, eine stark ausdifferenzierte Rhythmik und äußerst vielseitige formale Strukturen mit einer riesigen Bandbreite von meditativen, an die Schlichtheit der Minimal Music erinnernden Passagen, rasanten Unisonoketten und hochverdichteten, polyphon eindringlichen Abschnitten wurden mit gutem Gespür für die Dramaturgie immer wieder aufgelockert durch virtuose Improvisationen vor allem vom Komponisten und dem konzentriert und souverän agierenden Vibraphonisten Dizzy Krisch. Sparsam eingesetzte Cymbel- und Glöckchenklänge des Bandleaders gemahnten immer wieder an die Harmonie und Ausgeglichenheit des Feng Shui.

Die meisten Titel der Stücke korrespondierten auf verblüffende Weise mit ihren künstlerischen Inhalten. Eine gewisse Statik und Coolness passte zu dem vereisten „Mimas“, einem der 62 Saturnmonde, ebenso wie die exotischen an Indien erinnernden Klangfarben zum Titel „Kardamom“ oder die verhauchten, weitgespannten Melodielinien der Querflöte zu Beginn von „Sumit“ an die japanische Kirschblüte oder feierliche Teezeremonien. Die Klänge der 12saitigen Akustikgitarre von Günter Weiss aus Stuttgart erinnerten mitunter an eine indische Sitar, die Schwebungen der Doppelseiten verbanden sich bestens mit den schwebenden Klängen des Vibraphons.

Neben seinen Eigenkompositionen war Feuchts Lieblingskomponist und Multiinstrumentalist Ralph Towner mit mehreren Kompositionen im Abendprogramm vertreten. „Drifting Petals“, ein inniger Walzer von Towners Debüt-CD „Solstice“ (1974 mit Jan Garbarek, Eberhard Weber und Jon Christensen beim legendären Label ECM in München aufgenommen) oder „Icarus“ aus dem vierten Soloalbum sowie „Celeste“ aus dem unter Mitwirkung von Kenny Wheeler produzierten Album „Old friends, new friends“. Allen Stücken gemeinsam war, trotz ihrer Zuordnung zu unterschiedlichen Schaffensphasen, die weltoffene Universalität und die Öffnung weiter Klangräume. Eine Ästhetik, die sich mit den Klangvorstellungen von Jochen Feucht weitgehend deckt.

Als Zugabe für das glückliche und zufriedene Publikum gab es noch einen Titel von John McLaughlin aus dessen ebenfalls durch klassische indische Musik inspiriertem Œuvre. Zahlreiche Besucher nahmen sich außerdem auch noch eine „Light Play“–CD als Zugabe mit.

Text und Fotos: H. Schönecker

Jochen Feucht Trio

Am 02.03.2018 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Luftig-filigraner Kammerjazz

Mit seinem siebten Album LIGHT PLAY stellt der Saxophonist und Klarinettist Jochen Feucht sein neues Trio in ungewöhnlicher Besetzung vor: in dem Vibraphonisten Dizzy Krisch und dem Gitarristen Günter Weiss hat Feucht kongeniale Mitstreiter für seine Musik gefunden. In traumwandlerischem Zusammenspiel entsteht luftig-filigraner Kammerjazz – meditativ und gleichzeitig aufregend; einfach schön und doch komplex; virtuos und dabei stets unaufdringlich. Neun der zehn Titel auf LIGHT PLAY sind Eigenkompositionen von Feucht, auf zweien von ihnen ist als Gast der in Kalkutta lebende Tabla-Spieler Suman Sarkar zu hören.

Jochen Feucht, der bei LIGHT PLAY auch auf Bassetthorn und Flöte zurückgreift, hat seine Kompositions- und Spielweise konsequent weiterentwickelt und hat doch seit langem seinen Stil gefunden und ist ihm treu geblieben. Das Laute, Effekthascherische ist ihm dabei nach wie vor fremd. In der ihm eigenen persönlichen Bescheidenheit und Zurückhaltung liegt auch musikalisch seine Stärke: Niemals will und muss Feucht der Schnellste, der Stärkste, der Größte sein und gerade dadurch erlangt seine Musik Reife und Gelassenheit – und zwar sowohl beim Schreiben als auch in der Performance. Wie schon die letzten unter seinem Namen erschienenen Alben („Open Time“/2006, „Por Toda Minha Vida“/2009 und „Conversations“ mit Olaf Polziehn/2010) lässt sich auch LIGHT PLAY nicht ohne weiteres in Schubladen stecken: Feucht spielt souverän mit den Genres und Stilen. Hier sind wunderbar unverkopfte Melodien, die auch aus einem Popsong stammen könnten, dort finden sich klassisch anmutende Anleihen und dann wieder ein Flirt mit Sounds aus der Weltmusik. Die Musik seines Trios bleibt stets klanglich offen und dabei trotzdem (oder gerade deswegen) vor allem immer eines: „echter“ Jazz.

Der in Tübingen lebende Dizzy Krisch zählt heute zu den großen Vibraphonisten der europäischen Jazzszene und ist bei zahlreichen CD-, Hörfunk- und Fernsehproduktionen vertreten. Seine stilistische Vielfalt erstreckt sich vom „Klassischen Jazz“ bis hin zu experimenteller Klang-und Improvisationskunst, aber auch bis in die moderne Auseinandersetzung mit der barocken und klassischen Musik.

Der Stuttgarter Gitarrist Günter Weiss hat seine Wurzeln in der Folklore, der Klassik, dem Blues und dem Rock. Er ist heute als gefragter Solist und Begleiter in den unterschiedlichsten musikalischen Universen zuhause. Ein Schwerpunkt seines Schaffens war jedoch immer der Jazz. Lehrtätigkeiten und Gastprofessuren, Konzertreisen und Kompositionsarbeiten führten ihn um die ganze Welt.

www.jochen-feucht.de/

Eintritt 17€ (ermäßigt 13€)
Biberacher Schüler wie immer frei!

Mitgliederversammlung Jazzclub Biberach e.V.

Am 02.03.2018 um 19:00 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Tagesordnung:
1. Begrüßung
2. Berichte der Mitglieder des Vorstands
3. Bericht der Kassenprüfer
4. Entlastung des Vorstands
5. Wahl (Funktion „Öffentlichkeitsarbeit“)
6. Verschiedenes

23.02.2018: B3

Fusion-Jazz lockt viele Besucher in den Biberacher Jazzkeller

Der Auftritt der Jazzrock-Band „B3“ aus Berlin – zu Recht von der Band selbst als „Finest Fusion“ angekündigt – sorgte am Freitag für einen vollen Jazzkeller. Die meist sehr eingängige Mischung aus Rock und Jazz mit Einflüssen aus Soul, Funk und Blues wurde angereichert durch virtuose Soli auf Hammond-Orgel und Keyboards (Andreas Hommelsheim) und E-Gitarre (Ron Spielman, der sich bei einigen Stücken auch als Sänger als Ausnahmekünstler erwies) und angetrieben vom Groove der Rhythmussektion mit Christian Krauss am Bass und Lutz Halfter an den Drums.

Die Instrumentalstücke stammten überwiegend von dem als Filmmusikproduzent erfolgreichen Andreas Hommelsheim, der in seinen Ansagen auch den Anstoß lieferte zu Traumreisen beispielsweise an den Strand von Kolumbien oder zu Kamelkarawanen in der Wüste, auch Szenen seiner ersten Ehejahre wurden musikalisch umgesetzt.

Begeistert waren am Ende sowohl das Jazzclub-Stammpublikum als auch viele Musikliebhaber, die man sonst eher bei Rockkonzerten antrifft und die den Weg in den Jazzkeller teilweise wohl zum ersten Mal gefunden haben. Die mittlerweile 3 CDs der Berliner Musiker fanden großen Absatz, vielfach auch gleich im Dreierpack.

Text: Peter Kiene
Fotos: Wolfgang Volz