Archiv – Seite 2 – Jazzclub Biberach e.V.

06.02.2026: Vogelfrei-FM

Wildernd im Dschungel der Musikstile

VOGELFREI FM – Vier Sound- und Rhythmusfetischisten drehen auf

BIBERACH – Künstler, Publikum und Veranstalter konnten beim ausverkauften Freitagskonzert des Jazzclubs mit den Local Heroes von VOGELFREI FM überaus zufrieden sein. Große Begeisterung, ja Euphorie bei allen Beteiligten ließen das Konzert zu einem weiteren konzertanten Highlight im Jubiläumsjahr werden. FM steht für „Fresh Music“ und der Untertitel im Bandnamen wurde zum Programm. Die frische, unterhaltsame Musik ohne Berührungsängste zu anderen Genres und vor allem ohne erneuten Aufguss althergekommener Standards, wusste aus sich selbst heraus zu überzeugen.

Ein erlesenes Equipment, ein Faible für guten Sound und sichtlich Spaß am gemeinsamen Spiel vor vollem Haus und vor einem begeistert mitgehenden Publikum mit vielen Fans waren die Zutaten für ein Konzert, dem manche gerne noch länger gelauscht hätten. Lediglich auf den hinteren Rängen wurde zu Beginn der etwas basslastige Sound bemängelt, nach kurzer Rücksprache mit der Band konnte dies jedoch korrigiert werden. Verantwortlich für die stilistisch äußerst vielseitigen Kompositionen zeichnete der Bandleader, Sänger und Gitarrist Jochen Vogel, für das harmonische Fundament am Bass sorgte sein Bruder Alex Vogel.

Ungewöhnlich in der Quartett-Besetzung ist die Rhythmusabteilung, die mit Markus Merz und Cesar Gamero gleich zwei versierte Vertreter ihres Faches aufzubieten hat. Gut strukturiert, komplementär verzahnt und sensibel aufbereitet entfalteten beide ein vielschichtiges und dennoch plastisches Geflecht aus quirligen Rhythmus-Patterns, durchwirkt von den gelegentlich auch tonmalerisch eingesetzten, mannigfaltigen Klangfarben eines üppigen Instrumentariums aus der weiten Welt des Schlagwerks. Drumset, Becken, Mallet-Cat, Congas, Bongos, Timbales, Chimes, Schellenring, Triangel, Glocke, Woodblocks, elektronisches Drumpad und vieles mehr boten ein Kaleidoskop an schillernden Sounds. Samba, Bossa, Salsa, HipHop, Afro, NuJazz, Funk, Fusion, Blues, Flamenco und World Music steuerten jeweils charakteristische Stilelemente bei. Hierbei bewährte sich die professionelle Lehrtätigkeit der Musiker, die ihren Schülerinnen und Schülern schließlich eine breite Palette an stilübergreifenden Fertigkeiten beibringen müssen.

Die Erläuterungen von Jochen Vogel zu seinen Kompositionen stellten überaus willkommene Verständnishilfen dar und weisen ihn nicht nur als veritablen Komponisten, sondern auch als pädagogisch geschulten Musiker aus. Besonders anschaulich ob ihrer programmatischen Inhalte waren Stücke wie „Rabbit Samba“ oder „Mei Vogelhaus“ im Stil des NuJazz. „Ritter Falkenburg“, obwohl im Original nur eine mit dem Sohn gebaute Sandburg am Strand der Adria, konnte mit ihren Assoziationen an dumpfe Landsknechtstrommeln und heroisch-martialische Klänge dem tieferen Verständnis durchaus auf die Sprünge helfen. Die Ballade R.I.P. war hörbar inspiriert von einer renommierten Band, die Vogel im Biberacher Jazzkeller erstmals gehört hatte – TRIO ELF – mit dem begnadeten Pianisten Walter Lang, der leider vor wenigen Jahren überraschend und allzu früh verstorben ist. Der Titel „Hakuna Matata“ reflektierte Eindrücke aus einem Urlaub auf Sansibar. Den Zwiespalt zwischen dem bedrückenden Besuch des zum Museum erhobenen ehemaligen Sklavenmarktes und der Sorglosigkeit, die sich hinter dem Suaheli-Ausdruck verbirgt, konnte die dualistisch angelegte Komposition überraschend gut einfangen. Beim pentatonisch geprägten Refrain durften die Besucher nach kurzer Einführung sogar mitsingen. Von fast allen Stücken gibt es übrigens Noten und auf Youtube kann man diese auch nachhören. Nachspielen und Nachhören sind durchaus erlaubt und können das Verständnis weiter vertiefen.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Vogelfrei-FM

Am 06.02.2026 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

It´s NEW – It´s FRESH – It´s HOT !

Wild, unbeugsam, bunt, listig, unberechenbar, dirty, ungehobelt, romantisch, charmant, virtuos, entspannt, witzig… das ist Vogelfrei-FM! Vier Biberacher Urgesteine, die nach langjährigem Nebeneinander endlich zum Miteinander gefunden haben legen ihrer Kreativität keine Fesseln an. Kernelement der ausschließlich selbst komponierten Musik sind eingängige Melodien gepaart mit atemberaubenden Grooves. Die Stücke erzählen alltägliche aber auch ungewöhnliche Geschichten aus dem Leben. Im Stilmix finden sich Elemente aus Fusion, Latin, Funk, Jazz, Blues, Klassik, Flamenco und Worldmusic. Die jahrzehntelangen, auch in der Lehrtätigkeit erworbenen Erfahrungen der Musiker verschmelzen hier zu einer außergewöhnlichen Einheit, einem homogenen Band und Personalstil, der so disparate Einflüsse aus der Musik von Lee Ritenour, Sigi Schwab, Louiz Bonfa, Pat Metheny, Scott Henderson, Andreas Vollenweider, Marcus Miller, Richard Bona, George Duke, Andy Narell, Sergio Mendes u.a. einbinden kann, ohne seine Seele zu verlieren.

http://vogelfrei-fm.de/

Jochen Vogel (Gitarre, Gesang, Komposition)
Alex Vogel (Bass)
César Gamero (Multipercussion)
Markus Merz (Drums & Malletkat)

Eintritt: 22 Euro, Jazzclub-Mitglieder 18 Euro, Studierende 10 Euro,
freier Eintritt für Biberacher Schülerinnen und Schüler

Foto: Vogelfrei-FM

18.01.2026: Hardt Stompers

Gelebte Jazztradition mit den Hardt Stompers zum Frühschoppen
Usambara-Veilchen vom Rio de la Plata erblühen im Biberacher Jazzkeller
BIBERACH – Launige Anmoderationen gehören zum Markenzeichen der schon seit über 40 Jahren existierenden ehemaligen Lehrerband des Reutlinger Bildungszentrums Nord im Gewann „Hardt“, den HARDT STOMPERS. Gestählt durch unzählige Konzerte, Festzelt- und Biergarten-Auftritte fanden die sechs gestandenen Mannsbilder aus dem ganzen Ländle mit ihrer überschäumenden Spielfreude und einer bewährten Stückauswahl unmittelbaren Zugang zu einem honorigen, meist silberhaarigen aber gleichwohl euphorischen Publikum im Jazzkeller. In der traditionellen Besetzung des New-Orleans-Jazz aus Klarinette, Trompete, Posaune, Banjo, Tuba und Schlagzeug erweckten sie, teils in ganz neuen Arrangements und mit frischen Improvisationen die Oldie-Schlager zu neuem Leben.
Humor und Spielwitz gingen Hand in Hand, besonders wenn die Klassiker aus der goldenen Ära deutscher Tanzorchester mit deutschen Texten oder Textübertragungen daherkamen. Der von Max Raabe wieder aufgefrischte jazzige Gassenhauer „Mein Hund beißt jede hübsche Frau ins Bein“ aus den 1930er Jahren wirkt offenkundig auch heute noch als augenzwinkernder Stimmungsgarant. Bestens eingestimmt durch die Moderation des Bandleaders waren freudiges Mitschnipsen und Fußwippen, fröhliche Mienen und langer Beifall selbstverständlich.
Der neu zur Band gestoßene Klarinettist Wolfgang Albrecht ließ durch nichts erkennen, dass er nächstes Jahr 80 Jahre alt wird. Weder weiße Haare noch eine tiefenentspannte Spielweise ließen auf sein Alter schließen. Ganz im Gegenteil. Wohl auch der Rolle der Klarinette im Oldtime Jazz geschuldet, spielte er nicht nur die meisten Töne in der kürzesten Zeit, sondern steuerte auch die virtuosesten Improvisationen zum Geschehen bei. In Sydney Bechets „Blues In The Air“ glänzte er als Solist mit einem besonders weichen, sonoren Klarinettenton und einer weitgespannten expressiven Melodik, die auch sein Spiel auf dem Sopransaxofon auszeichnete.
Die beiden Altmeister der Truppe, der ob seines kraftvollen, virilen Einsatzes oft schweißüberströmte Günter Friedhelm an Trompete, Gesang und Moderation sowie ein cooler Wolfgang Schenk an der Posaune mit seinem stark schwäbisch geprägten Gesang, gefielen mit charakteristischer Louis-Armstrong-Stimme, knackigem Trompetensound und obligatorischem Schweißtuch oder einem wundervollen Posaunensolo über „Kid Ory’s Creole Trombone“. Herausragend der von Schenk völlig authentisch gesungene, lachmuskelstrapazierende „Fernsehturm-Shuffle“ über das altgediente Stuttgarter Wahrzeichen.
Ebenfalls als Neuling und Youngster in der Formation überzeugte Benjamin Reiner an der Tuba und am reisetauglichen, elektrischen Kontrabass. Den flüssig groovenden Walking Bass hat er wohl seit frühester Jugend im Blut, der wohlklingende, satte Bass-Sound ist eher intensivem Ansatztraining und gutem Equipment zu verdanken. Kurt Schlaf an Banjo und Gitarre sowie Karel Vlach aus Prag am Schlagzeug sorgten neben gelegentlichen Soloeinlagen zuverlässig für den harmonischen und rhythmischen Unterbau. Die beiden heftig herbeigeklatschen Zugaben toppten jedoch alles Vorangegangene. Launige Übersetzungen von Fats Wallers „Honeysuckle Rose“ ins deutsche, lateinische und sogar in das, von Günter Friedhelm besonders stilecht intonierte, sächsische Sprachidiom als „Usambara-Veilchen vom Rio de la Plata“ sowie dessen frech-frivole Interpretation ließen die Wellen der Begeisterung nochmals hochschlagen. Abgerundet von Gershwins eingängigem Evergreen „Oh Lady Be Good“ nahm die unterhaltsame Matinee einen beseelten Ausgang. Der einzige Wermutstropfen: Die leckeren Weißwürste waren schon zum Ende der Pause ausgegangen.

Text & Fotos: Helmut Schönecker

Hardt Stompers

Am 18.01.2026 um 11:00 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

Eine Hommage an die Tradition – Jazz-Frühschoppen mit Weißbier und Weißwurst

Eine musikalische Verbeugung vor der über 100jährigen Tradition des Jazz in Verbindung mit einem stimmungsvollen Frühschoppen, mit Weißbier und Weißwürsten zum Jahresauftakt, gehören für den nun auch schon 50jährigen Jazzclub zu den liebgewordenen Traditionen. Und wer wäre dazu besser in der Lage, wie die sechs „gestandenen Mannsbilder“ der „Hardt Stompers Traditional Jazzband“, die im Kern nun auch schon seit 45 Jahren den traditionellen Jazz pflegen. Hervorgegangen aus einer Lehrerband des Reutlinger Bildungszentrums im Gewann „Hardt“ zelebrieren die mittlerweile handverlesenen Jazzer aus dem ganzen Schwabenländle stilsicher den traditionellen Jazz aus der New Orleans Ära. Die traditionelle Combobesetzung mit Klarinette, Trompete, Posaune, Banjo, Tuba und Schlagzeug, gelegentlich auch alternierend mit Gitarre und Kontrabass, bietet gefälligen und unterhaltsamen Oldtime Jazz, gelegentlich auch mit karibischen Einflüssen oder in Standards mit unterlegten deutschen Texten. Ebenso fachkundige wie launige Ansagen zum Repertoire gehören zu den Kernkompetenzen der Gute-Laune-Truppe.

https://www.hardtstompers.de/

Günter Friedhelm (Kornett, Gesang)
Wolfgang Schenk (Posaune, Gesang)
Wolfgang Albrecht (Klarinette, Saxofon)
Kurt Schlaf (Banjo, Gitarre)
Benjamin Reiner (Tuba, Kontrabass)
Karel Vlach (Schlagzeug)

Eintritt: 22 Euro, Jazzclub-Mitglieder 18 Euro, Studierende 10 Euro,
freier Eintritt für Biberacher Schülerinnen und Schüler

Foto: Benjamin Reiner

17.01.2026: Tango Transit

Tango Transit – Nomen est Omen

Zweifelsohne steht der Begriff Tango zentral im Raum, wenn dieses außergewöhnliche Trio die Bühne betritt. Und wie zur Bestätigung zitieren Martin Wagner, Akkordeon, Hanns Höhn am Kontrabass und der Schlagzeuger Andreas Neubauer zum Konzertbeginn den Gottvater des Tango Nuevo – Astor Piazzolla – mit dessen bekanntestem Stück – Libertango. Doch schon beginnt der Transit, eine Reise durch musikalische Welten, vom modernen Walzer (Vienna April) über romantisches deutsches Liedgut (Zwischen Berg und tiefen, tiefen Tal) zu komplexen Eigenkompositionen (The Curtain, Akrobat, T-House …) und spaßigen Pop-Interpretationen (Money von Pink Floyd).

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Tango Transit

Am 17.01.2026 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

Der Tango lebt und belebt, gestern wie heute

Mit ihrem neuen Konzertprogramm „Akrobat“ mischen die drei Solisten des Frankfurter Trios „Tango Transit“ erneut die Szene auf. Seit bald 20 Jahren demonstrieren Martin Wagner, Hanns Höhn und Andreas Neubauer auf mittlerweile sechs CDs und einer DVD, dass der Tango nach wie vor lebendig und kraftvoll ist. Gespeist aus der Energie und Ausdruckskraft des klassischen, fest in der argentinischen Volksseele verwurzelten Tangos heraus, bahnen sie immer wieder neue Wege, integrieren zeitgemäße Stilelemente und mischen diese mit einem modernen Sound. Schmatzende Bass Drum Sounds aus dem HipHop- und House-Genre oder der Einsatz von Wah-Wah und Verzerrer fürs Akkordeon sind ebenso wenig ein Tabu wie Elemente aus der Cajun-Musik Louisianas, dem „stile barbaro“ des Balkans, französische Musette oder orientalische Klänge. Neben Eigenkompositionen enthält das aktuelle Programm auch Arrangements von Roger Waters „Brain Damage“, Astor Piazzollas „Libertango“ oder gar Felix Mendelssohn-Bartholdys „Elfentanz“. Selten erlebt man so viel Leidenschaft auf der Bühne.

https://tangotransit.de/

Martin Wagner (Akkordeon)
Hanns Höhn (Kontrabass)
Andreas Neubauer (Schlagzeug)

Eintritt: 22 Euro, Jazzclub-Mitglieder 18 Euro, Studierende 10 Euro,
freier Eintritt für Biberacher Schülerinnen und Schüler

Foto: Tango Transit