Archiv – Seite 2 – Jazzclub Biberach e.V.

Torsten Zwingenberger Berlin 21

Am 06.03.2020 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Das Jazz-Trio BERLIN 21 steht für das quirlig multikulturelle Lebensgefühl Moabits. Für BERLIN 21 bedeutet Musik Lust und Sinnlichkeit und gespielt wird, was allen Spaß macht.
Mit ihren Stücken, allesamt Eigenkompositionen, angereichert mit viel Soul- und Bluesfeeling, nehmen sie ihr Publikum mit auf eine musikalische Weltreise von Afrika übers Schwarze Meer nach Nord- und Südamerika. Fünfe werden gerade gelassen, New Orleans-Groove wird mit arabischem Funk gemixt, rasender Bebop trifft auf loungigen Smooth- Jazz und sogar Boogie Woogie bekommt ein neues rhythmisches Gesicht. Das gemeinsame Swingen und Grooven ist dabei oberste Prämisse.

Torsten Zwingenberger (dr), Lionel Haas (p), Martin Lillich (b)

www.berlin21.info

Eintritt 17 Euro | ermäßigt 13 Euro
Biberacher Schüler*innen können das Konzert kostenfrei genießen

14.02.2020: Cathy Rocco featuring Patrick Bianco

Swingender Mainstream lockt viele Fans in den Biberacher Jazzkeller

New Yorker Jazzikone Cathy Rocco hält nur ein Set durch

BIBERACH – Zum Ende ihrer Europatournee lockte die renommierte US-Sängerin Cathy Rocco mit ihrer international besetzten Begleitband um den italienisch-schweizerischen Altsaxophonisten Patrick Bianco, den Pariser Pianisten Vincent Bourgeyx und den beiden Österreichern Bernd Reiter, als Organisator der Tour am Schlagzeug und dem Wiener Philipp Zarfl als neuer Stern am Kontrabasshimmel zahlreiche Gäste zum Freitagskonzert des Jazzclubs.

Nach einem fulminanten ersten Set mit eindrucksvollen Interpretationen berühmter Songs von Nat „Cannonball“ Adderley und aus dem Great American Songbook musste die Band jedoch zeigen, dass sie auch ohne ihre agile Frontfrau bestehen kann.

Für die kreativen Arrangements der Songs zeichnete der mitgereiste Ehemann und Manager der Künstlerin, Joseph Donofrio, verantwortlich. Eigens für die Tournee auf die spezifische Bandbesetzung eingerichtet, hieß das für die Musiker zunächst einmal ganz präzise nach Noten zu spielen, synchrone Breaks und rasende Unisonoketten, überraschende Einschübe und Brüche in der ursprünglichen Formarchitektur, verfremdete Harmonien und vertrackte Rhythmen in schnellem Wechsel zu meistern. Umso befreiter konnten sie dafür in ihren Improvisationen aufspielen. Der Freiraum hierfür war großzügig bemessen und es spricht für die Professionalität der Musiker, dass sie diesen mit prallem, intensivem Leben erfüllten.

Als Primus inter Pares erwies sich dabei der die aktuelle Pariser Jazzszene eindrucksvoll vertretende Vincent Bourgeyx. Der erste Student, der mit dem Preis des Billboard Magazins ausgezeichnet wurde, lebte lange Zeit in den USA und in Japan. Auf allen namhaften Festivals präsent, musizierte er mit vielen Jazzgrößen, unterrichtete am Koyo Konservatorium in Kobe, Japan, komponiert Filmmusik und lebt seit einigen Jahren wieder im alten Europa, wo er die Pariser Jazzszene aufmischt. Bourgeyx, neben dem modernen Swing auch vernehmlich durch den russischen Komponisten Skriabin inspiriert, lieferte trotz einer starken Erkältung fast schon beiläufig atemberaubende Soloeinlagen in geradezu kosmischen Dimensionen. Überaus abwechslungsreiche Einfälle, glasklare, perlende Tongirlanden, mächtige Akkordtürme in stimulierenden Synkopenrhythmen, im Wechsel mit einer hochsensiblen Begleitung und prägnanten Unisonopassagen boten swingenden Mainstream vom Allerfeinsten.

Der gefeaturete Altsaxophonist Patrick Bianco lieferte vor allem im zweiten Set, nachdem die Frontfrau erkältungsbedingt bedauerlicherweise aufgeben musste, seine Meisterstücke ab. Mit zwei Eigenkompositionen, „Samba de Colores“ und „In front and behind the horizont“ zauberte er nicht nur beseelte Melodien sondern blies auch einen frischen Wind zwischen die, ob des Ausfalls der Sängerin betrübten Zuhörer. Cathy Rocco, deren Großvater – wie sie in ihrer Anmoderation verriet – aus Köln am Rhein stammt, hatte noch zum Ende des ersten Sets mit einer gegen den Strich gebürsteten Version des Standards „Autumn leaves“ von Johnny Mercer einen Meilenstein gesetzt. Außer dem Text und einigen wenigen charakteristischen Motivsprengseln sowie, wenigstens innerhalb der verbliebenen Versatzstücke, originalen aber doch gehörig substituierten Harmoniefolgen blieb dabei kein Stein auf dem anderen. Das war wahrlich keine verklärte Vergangenheit sondern gelebte Gegenwart, wieder erstanden aus Ruinen. Der altüberkommene Titel wurde so zum Humus für das Neue, welches auf dem fruchtbaren Boden glänzend gedieh. Umso trauriger, dass nach diesem Highlight die Stimme der Sängerin nicht mehr mitmachen wollte.

In einer launigen Ansprache warf der Organisator der Tour und quirlige Drummer Bernd Reiter nach ihrem Ausfall das Ruder herum und leitete in einen spontanen, vielleicht etwas blueslastigen zweiten Teil über. Mit viel Platz für Solo-Improvisationen, hier kam auch der Wiener Bassist Philipp Zarfl zu seinen Meriten, zeigten die vier Musiker nach einem rund zweieinhalbstündigen Programm, nicht zuletzt auch noch mit einer Zugabe über „Mercy, mercy, mercy“ von Joe Zawinul, dass Spontaneität im Jazz noch immer die Hauptsache ist.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Cathy Rocco featuring Patrick Bianco

Am 14.02.2020 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Cathy Rocco Quintet feat. Patrick Bianco – Vocal Jazz at its best

Mit dem Projekt “The Nancy Wilson / Cannonball Adderley Songbook” interpretiert und präsentiert die amerikanisch-französisch-österreichisch-schweizerische Formation um Cathy Rocco aus New York das klassische Repertoire des Great American Songbook in authentischer, charmanter und authentischer Form. In Ihrer Karriere arbeitete Cathy Rocco neben vielen anderen auch mit Musikern wie James Moody, Pat Martino, Joey DeFrancesco, James Genus oder Eric Alexander zusammen. Cathy Rocco folgt dabei der Tradition von Nancy Wilson, deren Zusammenarbeit mit Cannonball Adderley auf dem legendären Album „Nancy Wilson/Cannonball Adderley“ aus dem Jahre 1961 dokumentiert wurde.

Im Rahmen ihrer Europatournee kooperiert Cathy Rocco mit Patrick Bianco aus Zürich, einem der herausragenden europäischen Altsaxophonisten. Patrick Bianco hat sich mit seinem Projekt „Cannonsoul“ seit vielen Jahren ebenfalls der groovigen, souligen und energiegeladenen Adderley-Musik gewidmet und sich dabei einen Ruf als einer der führenden Interpreten dieser Stilistik erspielt.

Unterstützt werden die beiden vom Trio des österreichischen Schlagzeugers Bernd Reiter, der in Graz und New York studierte und nach mehreren Jahren in München nun in Paris lebt. Auch er arbeitete weltweit bereits mit vielen Jazzgrößen wie Harold Mabern, Kirk Lightsey, Don Menza, Steve Grossman, Eric Alexander, Jim Rotondi, Claudio Roditi zusammen. Aus Paris bringt Reiter den Pianisten Vincent Bourgeyx mit, der zu den meist beschäftigten Begleitern der dortigen Szene zählt. Der junge, österreichische Bassist Philipp Zarfl gehört widerum zu den gefragtesten Musikern der jungen Wiener Szene. Cathy Rocco und Patrick Bianco präsentieren Standards und Originale gleichermaßen mit viel Freude und Swing, sie bieten einfach „Vocal Jazz at its Best“!Cathy Rocco aus New York ist eine Jazz-sängerin, die das klassische Repertoire des Great American Songbook authentisch, charmant und wahrhaftig interpretiert. Im Rahmen ihrer Tournee trifft Cathy Rocco auf Patrick Bianco aus Zürich, einen der herausragenden europäischen Altsaxofonisten. „Vocal Jazz at its Best“!

Cathy Rocco (voc), Patrick Bianco (sax), Vincent Bourgeyx (p), Philipp Zarfl (b), Bernd Reiter (dr)

Eintritt 17 Euro | ermäßigt 13 Euro
Biberacher Schüler*innen können das Konzert kostenfrei genießen

07.02.2020: Miles & More

Zum Auftritt der Local Heroes von „Miles & More“ im Jazzkeller gibt es leider keinen Pressenachbericht zum Hörgenuss des Abends. Aber Wolfgang Volz hat mit seiner Kamera die Atmosphäre bestens eingefangen:

Miles & More

Am 07.02.2020 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Miles & More – Local Heroes – klimaneutrale Flugmeilen

Die Jazzcombo „Miles & More“ aus dem Raum Oberschwaben hat in den letzten Jahren, unter anderem mit Konzerten im Stadtgartenrondell, bei der Biberacher Musiknacht oder im Jazzkeller in einem beständig wachsenden Fankreis begeisterten Widerhall gefunden. Nach einigen Zu- und Abgängen in der Frühzeit der Bandgeschichte existiert „Miles & More“ in der gegenwärtigen Besetzung mit Michael Dümmler (Saxophon), Volker Jedelhauser (Gitarre), Steve Kofler (Schlagzeug), Alex Ruff (Kontrabass), Gunnar Schreiner (Piano) und Jasmin Mohn (Vocals) seit dem Jahr 2015. Die Musiker aus Biberach, Bad Waldsee, Aichstetten und Ulm haben Jazz-Standards und Jazz-affine Songs im Gepäck, die mit vereinzelten Soul-, Funk- und Pop-Nummern garniert werden. Letztere sind über eigene Arrangements in das akustische Klangbild einer Jazzcombo transformiert.

Swing & Groove, Improvisation und die kraftvolle Altstimme von Jasmin Mohn sind die Ingredienzien des „Miles & More“ Sounds. Unter dem Motto: Es ist alles erlaubt, was in Kopf und Beine geht, lädt „Miles & More“ zwar auch bei gesellschaftlichen Anlässen gerne zu Tanz und Unterhaltung ein, für das Konzert im Jazzkeller hat die Band jedoch ein exquisites Menü aus den Highlights ihres abendfüllenden Repertoires zusammengestellt. Trotz des, für Nicht-Jazz-Kundige eventuell missverständlichen Bandnamens werden beim Konzertabend im Jazzkeller der Bruno-Frey-Musikschule keine zusätzlichen CO2-Abgaben fällig. Klimaneutrale Flugmeilen und Titel von „Miles Davis“ und anderen stehen auf dem Programm.Die Musiker aus Biberach, Bad Waldsee, Aichstetten und Ulm haben Jazz-Standards und Jazz-affine Songs im Gepäck, die mit vereinzelten Soul-, Funk- und Pop-Nummern garniert werden. Letztere sind in das akustische Klangbild einer Jazzcombo transponiert. Swing & Groove, Improvisation und die kraftvolle Altstimme der Sängerin sind die Ingredienzien des Miles & More Sounds. Motto: Es ist alles erlaubt, was in Ohr, Herz und Beine geht!

Jasmin Mohn (voc), Gunnar Schreiner (p), Alex Ruff (b),
Michael Dümmler (sax), Volker Jedelhauser (git),
Steve Kofler (dr)

www.milesandmore-music.de

Eintritt 17 Euro | ermäßigt 13 Euro
Biberacher Schüler*innen können das Konzert kostenfrei genießen

02.02.2020: Hardt Stompers | Jazz-Frühschoppen

Hardt Stompers erfinden neue Band-App

Wohlfühlatmosphäre im Biberacher Dixieland

BIBERACH – Die traditionellen Jazzstile nehmen bei den Jazzbibern traditionell keinen sehr breiten Raum ein. Umso erfreulicher ist es, dass der meist etwas älteren Fangemeinde mit dem Jazz-Frühschoppen zum Auftakt des Veranstaltungsjahres im stimmungsvollen Ambiente des Jazzkellers doch ein Event der Spitzenklasse aus diesem Genre geboten wird. Mit den „Hardt Stompers“ hat eine über die Landesgrenzen hinaus bekannte New Orleans Jazzband im 40. Jahr ihres Bestehens in runderneuerter Besetzung jetzt ihre Biberach-Premiere gegeben und den Jazzkeller in ein Dixieland verwandelt.

Bei einem Sektfrühstück, bei Brezeln, Weißwurst und Weißbier konnten die Gäste zweieinhalb Stunden lang gediegenem Jazz aus der alten Schule lauschen, über die launigen Moderationen und Witze des singenden Trompeters Günter Friedhelm schmunzeln oder auch mal herzhaft lachen und sie konnten tatsächlich auch manch Neues über die alte Musik erfahren. In der klassischen Musik erscheint es den meisten Hörern völlig selbstverständlich, dass die alten Stücke mit jeder Neuinterpretation auch immer wieder neu erstehen und aus der Gegenwart heraus neu gedeutet werden. Viele der größten Komponisten, allen voran Bach, Mozart und Beethoven, waren bekannt und wurden von ihren Zeitgenossen bewundert und geschätzt als große Improvisatoren. Nicht zuletzt deshalb gilt selbst im Bereich der klassischen Musik der Begriff sklavischer Werktreue längst als entsorgt.

Umso erfreulicher ist es daher, wenn sich auch im Bereich der weitgehend improvisierten Jazzmusik die Traditionen nicht verhärten und bloße Coverversionen die Vergangenheit einfrieren und verklären wollen. Da wo Formabläufe, Melodien und Harmoniefolgen nur lockere Anhaltspunkte liefern und selbst Texte nicht mehr sakrosankt sind, da beginnt auch die alte Musik zu leben und neue Frische auszustrahlen. Was Wunder, wenn die Hardt Stompers aus diesem Geist heraus etwa den Oldie über „Alexanders Ragtimeband“ in „Alexanders Band App Song“ verwandeln und in einer brillanten Transkription mit witzigen und zeitgemäßen, mitunter gar zeitkritischen Texten versehen. Angesichts solcher Innovationen darf man auch auf die im Jubiläumsjahr entstehende vierte CD gespannt sein.

Die sechs Pfundskerle aus dem ganzen Ländle scheuten auch nicht davor zurück, karibisches Flair in ihre Cocktails zu mixen oder im Stile einer mexikanischen Mariachi-Band mit „Mama Inez“ über „Antibes“ und „Trinidad“ nach „Panama“ zu tanzen. Die Improvisationen klangen dabei immer spontan und authentisch und selbst die virtuoseren Soli – vor allem in der überaus agilen Holzbläserabteilung des Heidelbergers Manfred Schütt – wirkten immer organisch, niemals aufgesetzt oder als bloß äußerliche Zutat zum Selbstzweck eingesetzt. Die raue Kratzstimme und das expressive Trompetenspiel von Louis Armstrong wirkten in der Verkörperung durch Günter Friedhelm verblüffend echt, Wolfgang Schenk entlockte seiner Posaune selbst in der Sopranlage noch samtweiche Töne. Bedenken, dass aufgrund rasend schneller Passagen der Zug heiß laufen könnte, erwiesen sich als grundlos. Im fliegenden Wechsel zwischen Kontrabass und Tuba fand Karl-Otto Schmidt immer den richtigen Groove. Dabei wurde er trefflich unterstützt durch den stilsicher singenden und swingenden Peter Maisenbacher an Banjo oder Gitarre sowie durch den, keinem musikalischen Spaß abgeneigten Drummer Frank Richling. Nachdem keine Weißwurst das Konzertende überlebte, ging nach dem Zugaben-Set die Veranstaltung für viele der zufriedenen Besucher nahtlos in den Nachmittagskaffee über.

Text und Fotos: H. Schönecker