Archiv – Seite 19 – Jazzclub Biberach e.V.

Andy Herrmann Quartett

Am 17.11.2023 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

Die eigenwilligen Kompositionen des Hochdorfer Pianisten Andy Herrmann oszillieren zwischen getragenen Melodien und einem manchmal kühlen, manchmal verträumten Modern Jazz, der durch das packend agierende Rhythmusduo immer wieder mit neuem Schwung versorgt wird. Detailreich und fein aufeinander abgestimmt agiert das ANDY HERRMANN QUARTETT, zu verschworener Einheit verschmolzen, aus der die Solisten wie selbstverständlich hervortreten und den Zuhörer in ihren Bann ziehen.

Besetzung: Andy Herrmann (p), Samuel Leipold (git), Arne Huber (b), Bastian Jütte (dr)

Foto: Gerhard Richter

Eintritt: 19 Euro / Jazzclub-Mitglieder 15 Euro / Studenten 10 Euro / Biberacher Schüler frei

Beppe Gambetta

Am 16.11.2023 um 20:00 Uhr

Ort: Gemeindehaus St. Martin

Beschreibung

Der Gitarrist und Sänger Beppe Gambetta wurde in Genua geboren und begann seine musikalische Ausbildung in einem Orchester für  klassische Plektrum-Gitarre. In Auseinandersetzung mit verschiedenen europäischen und amerikanischen Spieltechniken entwickelte er anschließend seinen eigenen unverwechselbaren Stil. Als Solist absolvierte Beppe Gambetta ausgedehnte Tourneen in Europa, Kanada, USA, Argentinien und Australien und entdeckte bzw. propagierte dabei das „Flatpicking“ und andere traditionelle Techniken auf der Gitarre.

Eintritt 19 Euro – ermäßigt 15 Euro
Vorverkauf: Stadtbuchhandlung

Foto: Hans-Bernd Sick

In Kooperation mit Städte Partner Biberach e.V.

10.11.2023: Open The Box Trio

OpenTheBox statt Büchse der Pandora

„Unperfect Buildings“

BIBERACH – Selten oder gar noch nie zuvor dürfte es eine künstlerische Hommage an das „Unperfekte“ gegeben haben. Selten oder gar einzigartig ist auch der musikalische Weg, den Christian Krischkowsky mit dem neuen Album „Unperfect Buildings“ und seinem neu gegründeten Trio eingeschlagen hat. Gemeinsam mit dem Regensburger Gitarristen Andreas Dombert und dem Tübinger Kontrabassisten Axel Kühn hat der Ulmer Komponist und Schlagzeuger nun in einem CD-Release-Konzert im Jazzkeller dieses ungewöhnliche Projekt vorgestellt. Die Publikumsresonanz war durchweg positiv, die gebotene Musik frisch, authentisch und unvergleichlich.

„Helmut“ hieß der Opener des Konzertabends, „Franz-Josef-Land“ der Titel des zweiten Stückes, beide Nummern an Krischkowskys Jugendjahre in München erinnernd. Aber nicht Helmut Schmid und auch nicht Franz Josef Strauß werden darin hofiert. „Helmut“ steht für Helmut Dietl, den von Krischkowsky so bewunderten Regisseur, Drehbuchautor und Schöpfer des bis zur Komik bodenständigen Münchner Stenz „Monaco Franze“, dargestellt von dem Schauspieler Helmut Fischer. Dessen Motto „Ein bisserl was geht immer“ und dessen skurrile Authentizität passen durchaus auch zu Krischkowskys Musik. Dessen Bekenntnis zu Thelonious Monk im Titel „Please, Hold The Line, Thelonious!” verdeutlicht weiterhin seinen ästhetischen Ansatz. Monk, von seinen Zeitgenossen oft als introvertierter Exzentriker beschrieben, revolutionierte als Autodidakt mit seinem unkonventionellen Stil den Jazz wie kaum ein anderer vor ihm. Und tatsächlich interpretiert auch der Ulmer Komponist mit den „Unperfect Buildings“, wie in seinem Press-Reader angekündigt, den Kanon des Jazz ziemlich neu und ungewöhnlich.

Elaborierte Kompositionen, minutiös ausnotiert und im perfekten Timing ausgeführt erinnern an die klassische Moderne. Komplexe Rhythmen, überraschende Wendungen, plötzliche Tempo- und Dynamikwechsel sowie hoch differenzierte Formstrukturen sind ohne detaillierte Notation kaum zu meistern. Und dennoch verschafften sich die drei Protagonisten immer wieder den jazztypischen Freiraum für kreative Improvisationen, oft in spannender Interaktion zwischen einem sehr melodisch gespielten Kontrabass und meist kuschelig weichen Gitarrenklängen. Letztere klanglich aufpoliert durch verschiedene Effektgeräte.

Plastisch und anschaulich dargestellt fanden die „Dolphins near Venice“, die während der coronabedingten Produktionspause der italienischen Industrie überraschend schnell den Weg in die nun weniger schmutzige Lagune fanden, auch ihren leichten und beschwingten Weg in die Musik. Weit gespannte Melodielinien über komplexer Rhythmik in „Bird on a cherrytree“ erzeugten eine heitere, schwebende Leichtigkeit über permutatorisch organisierten Begleitfiguren in der Gitarre im Stil der „Minimal Music“. Die sehnsüchtige Suche nach dem Sinn des Lebens verbirgt sich wohl hinter dem schwermütigen „Un Giorno“ während „Strange Night In Paris“ durch zahlreiche Takt- und Rhythmuswechsel tatsächlich eine befremdliche Wirkung erzielt.

Die nach anhaltendem Applaus als Zugabe gespielte Cover-Version von „Under the Bridge“, einem der erfolgreichsten Songs der kalifornischen Crossover-Band „Red Hot Chili Peppers“, handelt im Original von dem einsamen Kampf eines Drogenentzuges. Die emotionale Tiefe und kammermusikalische Transparenz der Trioversion war völlig untypisch für eine Zugabe und unterstrich schlussendlich nochmal den unkonventionellen Zuschnitt der „unperfekten Gebäude“ und Krischkowskys bewusste „Gegen-den-Strich-Ästhetik“. Im Unterschied zur Büchse der Pandora lässt sich diese „Box“ getrost öffnen.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Open The Box Trio

Am 10.11.2023 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach

Beschreibung

Das neugegründete OPEN THE BOX TRIO interpretiert den Kanon des Jazz neu. Das Trio verbindet vertraute Klänge mit neuen Rhythmen und Einflüssen und lässt im Spannungsfeld von Komposition und Improvisaton eigenständige, organische Klangbilder entstehen. Die virtuos fließenden Gitarrenklänge von Andreas Dombert, meist ohne Einsatz zusätzlicher Effekte, sprudeln über die fantasievoll gestalteten Rhythmusgebilde von Christian Krischkowsky. Oder sie bilden die Basis für die erdigen und doch feinen Bassmelodien von Axel Kühn.

Besetzung: Andreas Dombert (git), Christian Krischkowsky (dr), Axel Kühn (b)

Foto: Nicole Müller / lichtausbeute.de

Eintritt: 19 Euro / Jazzclub-Mitglieder 15 Euro / Studenten 10 Euro / Biberacher Schüler frei

09.11.2023: Dieter Ilg Trio

Dieter Ilg Trio bietet Hochkarätiges

Jazzige Variationen über Maurice Ravel

BIBERACH – Seit vielen Jahren regelmäßig zu Gast in Biberach, ist der international renommierte Freiburger Kontrabassist Dieter Ilg im Trio mit Patrice Héral aus Montpellier am Schlagzeug und dem gebürtigen Ravensburger Rainer Böhm am Flügel mehr denn je Garant für herausragenden Trio-Jazz auf allerhöchstem Niveau. In der trotz stimmungsvoller Bistrobestuhlung leider nur locker besetzten Stadthalle stellten die drei Ausnahmekünstler nun ihr jüngstes Projekt „Ravel“ vor, elf außergewöhnliche Variationen über Kompositionen des französischen Impressionisten Maurice Ravel.

Nach Projekten über Verdi, Wagner, Beethoven und Bach, für die er hoch gelobt und mehrfach mit dem Echo Jazz und Jazz Platin Award ausgezeichnet wurde, kam Dieter Ilg auf seinen musikalischen Expeditionen durch Barock, Klassik und Romantik jetzt im Impressionismus des frühen 20. Jahrhunderts an. Ravels Musik entstand in einer Zeit, in der auch der Jazz seine ersten Schritte tat. Insofern scheint das Ziel der Reise erreicht, der Kreis beginnt sich zu schließen, umarmt vom Jazz, organisch eingebettet in die universelle Idee des Jazz als zeitgenössischer, in der Tradition wurzelnder Tonsprache.

„Nun sind Sie wach“, begrüßte Ilg nach dem exponierten Schlagzeugeinsatz Hérals und den wilden Improvisationen des bereits dritten Stückes des Konzertabends, dem „Klaviertrio in a-moll“ aus dem Jahr 1914, sein aufmerksam lauschendes Publikum, welches er nach eigener Aussage leider nur als „Glühwürmchen“ im stimmungsvoll abgedunkelten und durch Tischleuchten illuminierten Saal wahrnehmen konnte. Zuvor erklangen ein eher ruhiges Menuett als Hommage an Joseph Haydn und das im zarten Pianissimo verlöschende „Quatur“ aus Ravels zur Entstehungszeit 1904 äußerst umstrittenem Streichquartett in F-Dur.

Ein zauberhaftes, kaleidoskopartig und farbenfroh glitzerndes Klaviersolo erklang als Intro zu der „Pavane pour une infante défunte“ für Solopiano in G-Dur, ein Frühwerk Ravels. Die Komposition im langsamen, statisch wirkenden royalen Schreittanzrhythmus des 16. Jahrhunderts entstand im Andenken an die im zarten Alter von 18 Jahren an Diphterie verstorbene Prinzessin Helene von Mecklenburg-Schwerin noch während Ravels Studienzeit. Filigrane, mit diversen Besen und Schlägeln erzeugte Effekte und Rhythmen untermalten die oft auch im Unisono von Bass und Klavier erklingenden Themenfragmente, die von freieren, tonmalerischen Teilen aufgelockert wurden. Herausragend hier vor allem die solitären, gleichermaßen feinsinnigen und tiefgründigen Bass-Exerzitien Ilgs, die mit leisen, schabenden Geräuschen von Strohbesen auf Fell und silbrig flimmernden Klavierpatterns in den im dreifachen Pianissimo verhauchenden Schlussteil mündeten.

Verschiedene metrische Schichten, Polyrhythmik und –tonalität, Ganztonskalen und übermäßige Drei- und Vierklänge einer farbigen Harmonik in komplementärer Verzahnung sowie Improvisationen in teils rasanter Virtuosität kennzeichneten die meisten Kompositionen, aus denen vor der Pause besonders noch der „Versuch“ – ohne Titel – herausragte. Ein minutenlanges Schlagzeugsolo mit viel Finger- und Handarbeit aus dem sich schließlich der charakteristische Bolero-Rhythmus herausschälte, bereitete den Boden für das sich hier nur zögerlich entfaltende, im Original omnipräsente Bolero-Thema aus Ravels wohl bekanntestem Werk. Kaum herauskristallisiert verflüchtigte sich dieses auch schon wieder und steht damit sinnbildlich für Ilgs oft hintergründig humorvolle Herangehensweise.

Im zweiten Set kam der Farbenreichtum von Ravels Instrumentationskunst (berühmt geworden besonders durch die Orchestrierung von Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“) in der spezifischen Übertragung auf die Triobesetzung in verblüffender Weise zum Ausdruck. Verschiedenste Spieltechniken, melodisch, polyphon und dynamisch stark ausdifferenziert, konzertant, expressiv, lyrisch, durch Lagenwechsel ins hohe Flageolett und mehrstimmiges Spiel auf dem Kontrabass erweitert und mit zauberhaften, perlenden Tonkaskaden, gewaltigen Akkordschichtungen oder ekstatischen, oft auch humorvollen Soloimprovisationen von Rainer Böhm auf dem Flügel auf Augenhöhe zu Ilg kombiniert und durch Patrice Héral pikant gewürzt, bewirkten einen Farbenreichtum ganz eigener Art. Dem begeistert applaudierenden Publikum wurde eine Zugabe aus dem „Feengarten“ gewährt, durch welche gelegentlich nochmals Bolero-Anklänge durchschimmerten.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Dieter Ilg Trio

Am 09.11.2023 um 20:00 Uhr

Ort: Stadthalle Biberach
(Theaterstraße 4-8, 88400 Biberach)

Beschreibung

Seit Jahren gehört Dieter Ilg zu den einflussreichsten Stimmen des europäischen Jazz. Sein internationaler Ruf beruht auf seiner elektrisierenden Vitalität im Spiel, seiner intelligenten Neugier, technischen Brillanz und sensitiven Hingabe an den Moment. Dies mündete in drei ECHO-Jazz-Preise. Zu verdanken sind die Auszeichnungen auch seinen beiden grandiosen Kollegen Rainer Böhm und Patrice Héral. Das neue Programm beinhaltet ausgeklügelte Bearbeitungen und feinste Improvisationen zu den Werken Maurice Ravels. Eine perfekt klingende Symbiose. Man muss dieses Trio erleben, zuhören allein genügt nicht.

Besetzung: Dieter Ilg (b), Rainer Böhm (p), Patrice Héral (dr)

Foto: Till Brönner

In Kooperation mit Kulturamt Biberach