Katrin Weber Sextett bei den Jazzbibern – Jazzlady mit lyrischem Tiefgang
Von Vorstandsmitglied Günter Friedemann als „Triebtäter“ angekündigt, erwies sich das aktuelle Projekt „Trieb“ des paritätisch aus drei Ladies und drei Gentlemen besetzten Wiener Sextetts von Katrin Weber im Jazzkeller durchaus als triebgesteuert. Sie zelebrierte ihre Lieblingslieder und Eigenkompositionen konsequent auf Deutsch. Der Sound war gut abgemischt, der Text sehr gut verständlich und das war auch gut so. Hatten die Texte doch durchaus Tiefsinniges auszusagen. Webers Kompositionsstil oszilliert zwischen Jazz, Chanson, Klassik und brasilianischer Musik. Ihre Erfahrungen in der Kabarettszene kamen dabei sowohl den Songtexten, als auch ihrer überaus eindringlichen Interpretation der Stücke voll starker Affekte und positiver Energie entgegen, sie wirkten absolut authentisch und erreichten bei ihren Zuhörern auch tiefere Schichten.
Die geballte Frauenkraft kam neben Katrin Weber (Vocals) von Ilse Riedler (Tenor- und Sopran-Saxofon, Bassklarinette) und Stephanie Weninger (Klavier), die treibenden Grooves steuerten David Dolliner (Kontrabass) und vor allem der brasilianische Schlagzeuger Luis Oliveira bei. Gerd Rahstorfer an Trompete und Flügelhorn überzeugte durch stimmungsvolle Kantilenen, inspirierende Improvisationen und perfektes Satzspiel zusammen mit Ilse Riedler, die wie auch alle anderen teils atemberaubende Improvisationen beisteuerte.
Der Schwerpunkt des Programms lag auf Vertonungen von Gedichten, wobei Webers Stimme zwar immer präsent war, keinesfalls aber das musikalische Geschehen dominierte. Else Lasker-Schüler und Dorothy Parker gehören zu ihren erklärten Favoriten. So nahm Parkers Text im „Lied von vollkommener Schicklichkeit“ plastische Form an. Nach einer Unisono-Einleitung aus Scat-Vokalise, Sopran-Sax und Trompete über einem treibenden Groove ging Weber sozusagen „als Pirat auf Kaperfahrt“. Sie enterte in kabarettistischer Überdeutlichkeit Brecht/Weill-Songs etwa im Stil der „Dreigroschenoper“ aber auch die chansonhafte Manier einer Marlene Dietrich, Zarah Leander oder Margot Werner. Anders als die ikonischen Vorbilder hat sie jedoch auch den Jazz im Blut, scattet munter in der Reihe der Improvisatoren mit, zetert pittoresk mit der unbeliebten Obrigkeit und komponiert selbst. Selbst um das Jahreszeitübliche machte sie keinen Bogen. Als Zugabe erklang das österreichische Weihnachtslied „Es wird scho glei dumpa“ in wundervoll jazzigem Gewand.
Text: Helmut Schönecker
Fotos Galerie 1: Helmut Schönecker
Fotos Galerie 2: Wolfgang Volz













