Archiv – Seite 69 – Jazzclub Biberach e.V.

Mehl Consortium

Am 06.02.2015 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Live on tour mit dem Programm zum aktuellen Album „CITY VIEWS“

Magnus Mehl beleuchtet in seinen „City Views“ am Freitag, 6. Februar um 20:30 Uhr im Jazzkeller persönliche Eindrücke und Stimmungen von Orten oder Plätzen, die im Laufe der letzten Jahre in seinem bewegten Musikerleben eine Rolle gespielt haben. Zusammen mit seinem Bruder Ferenc hat er für die Aufnahmen zum vorliegenden Album ein „Consortium“ von musikalischen Individualisten zusammengestellt, das mit dem größtmöglichen kreativen Freiraum ausgestattet in immer wieder wechselnden Besetzungen, vielschichtige und abwechslungsreiche Klangportraits entstehen lässt. Die Musik dieser „Stadtkompositionen“ versprüht eine unbändige, positiv swingende Energie, Außerdem ist sie geprägt von reflektierender lyrischer Nachdenklichkeit.

Begonnen haben die Brüder Magnus und Ferenc Mehl ihre Karrieren in den Landesjugendjazzorchestern Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen und NRW. Beide waren Mitglieder des Deutschen Bundesjazzorchesters. Nun sind sie mit eigenen, teilweise gemeinsamen, Projekten weltweit unterwegs. Sie treten zusammen mit den unterschiedlichsten Jazz Giants auf, wie z.B. Eddie Palmieri, Paquito D’Rivera, Randy Brecker usw. und sind Gewinner einer ganzen Reihe von internationalen Jazzpreisen.

Magnus Schriefl gehört zu den gefragtesten Trompetern der jungen Generation in Deutschland. Er stand unter anderem mit Randy Brecker auf der Bühne.

Frank Eberle war Mitglied im BundesJazzOrchester, er war Pianist bei der Gershwin Gala „I Got Rhythm“ im Konzerthaus Wien und konzertierte mit der Allstar-Band der Hardbop-Legende Charles Davis im Pariser Jazz-Club Duc des Lombards.

Fedor Ruškuc gewann 2008 mit der Weltmusik-Band „East Affair“ den „Creole NRW“. Er trat u.a. auf mit Musikern wie Keith Copeland, Dennis Rowland, Ondrej Stveracek, Andrew Krasilnikov, Douglas Sides, Ryan Carniaux, East Affair, Magnus Mehl, Adam Klemm, Vert, East West Europian Jazz Orchestra TWINS 2010, Wednesday Night Big Band, Fantasmofonika und vielen mehr.

Im Mehl Consortium spielen Magnus Mehl (alto saxophone, soprano saxophone), Ferenc Mehl (drums), Magnus Schriefl (trumpet), Frank Eberle (piano), Fedor Ruškuc (double bass).

nic demasow

Am 31.01.2015 um 19:00

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Auf den Spuren des Jazz

Minimal Music, Jazzrock, Neue Musik und Free Jazz: Das sind die Elemente, aus denen die Musik des Trios nic demasow schöpft.

Denise Frey (Saxophone und Elektronik), Martin Sadowski (Bass, Gitarre, Elektronik) und Nico Petry (Drums, Percussion, Elektronik) widmen sich der lebendigen Interaktion und Improvisation. Die drei Musiker verwenden Themen und Motive persönlicher Vorbilder und entwickeln daraus eine ganz eigene Musiksprache mit Wiedererkennungswert. Auf diesem Weg finden nic demasow über diverse musikalische Stile und Spielformen immer wieder zurück zum Ursprung der Jazzmusik.

Seit ihrer Gründung 2009 haben nic demasow weit über 100 Konzerte in Deutschland und Ausland gespielt. Die beiden ersten Alben, organised und scattered, hat das Trio beim Darmstädter Label Fat & Holy veröffentlicht. Das aktuelle Album 3 ist als Digitalrelease erhältlich.

Eintritt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro.
Nur Abendkasse, keine Reservierung möglich.

Eine Veranstaltung von nic demasow mit Bewirtung durch den Jazzclub Biberach.

23.01.2015: Duo Kayu & Duo Echoes

Akustisch-elektronisches Doppel-Duo im Jazzkeller

Fallende Wassertropfen und der „Geist des Weines“

BIBERACH – Die Idee „aus zwei mach‘ vier“ der beiden eingespielten Duos „Kayu“ mit Karoline Höfler und Jochen Feucht sowie „Echoes“ mit Dizzy Krisch und Dieter Schumacher aus dem Raum Tübingen und Stuttgart trug beim letzten Jazzclubkonzert überraschend süße Früchte. Ein kurzweiliger Konzertabend, reich an Kontrasten und mit völlig unterschiedlichen Zugangsweisen zum Jazz bot einem begeisterten Publikum vertiefte Einblicke in das Wesen eines Genres, das immer wieder für Überraschungen gut ist.

Die größte Überraschung des Abends bot Dizzy Krisch mit der Uraufführung einer Komposition für Vibraphon, Perkussion und Audio-Aufnahme. Ein Teil des Besonderen waren bereits Ort und Entstehung der Audioaufnahme. Im Rahmen seines jüngsten musikalischen „Donauprojektes“, in dem er die seiner Ansicht nach wichtigsten „Seelenbestandteile“ des Menschen, Natur und Musik, zusammenbringen möchte, wurde eine unbearbeitete Tonaufnahme zum musikalischen Impulsgeber und Hauptakteur des zweiten Sets. Regelmäßig in einem natürlichen Rhythmus fallende Wassertropfen, aufgenommen in einer Grotte an der Theiss, einem Nebenfluss der Donau im wildromantischen österreichischen Waldviertel, begleitet und kontrapunktiert durch fröhliches Vogelgezwitscher, zugespielt von CD und kombiniert mit sphärischen Vibraphon- und Perkussionsklängen öffneten in einer neuen Art von „Wassermusik“ den Klangraum und verbanden sinnfällig die inspirierte und inspirierende Musik aus den Tiefen des Jazzkellers mit den zeitlosen Weiten einer intakten Natur.

Einen ganz anderen Weg gingen Jochen Feucht (Sopransaxophon/Bassetthorn) und Karoline Höfler (Kontrabass) im ersten Programmteil. Die eigenwillige Besetzung und die spieltechnische Meisterschaft des Duos Kayu erinnerten nicht nur äußerlich an das großartiges Duo aus Charlie Mariano (Sax) und Dieter Ilg (Kontrabass), welches vor vielen Jahren einen bejubelten Auftritt im Biberacher Jazzkeller hatte. Bereits das von dem Ex-Biberacher Jochen Feucht komponierte Willkommensstück zeugte von einer tief empfundenen Eindringlichkeit und Intimität einer hochexpressiven Musiksprache, der sich niemand entziehen konnte. Dabei mischten sich nicht nur die nuancenreichen Farben des feinfühlig gespielten Sopransaxophons, sondern in weiteren Kompositionen, wie Egberto Gismontis „Agua e vinho“ oder Feuchts stimmungsvollem „Kardamom“, auch die warmen, weichen Klänge des Bassetthorns überraschend gut mit dem volltönend und gleichermaßen transparenten, dabei oft auch mehrstimmig gespielten Kontrabass von Karo Höfler. Dass Jochen Feucht damit dem „Wasser“ von Krisch auch noch den mit „Kardamom“ gewürzten „Geist des Weines“ hinzufügte war eine jener subtilen Anspielungen, die oft erst in der Retrospektive sinnfällig werden.

Am Ende jedes Duo-Sets standen gemeinsame Stücke in der Formation „zwei plus zwei“, darunter Charlie Chaplins zum unsterblichen Evergreen gewordenes „Smile“. Die angenehme Überraschung beim so zustande gekommenen „Quartett“: die beiden so unterschiedlichen Duokonzepte verbanden sich zu einem erstaunlich homogenen Ganzen, das mehr war als die Summe seiner Teile.

gez. H. Schönecker

Duo Kayu & Duo Echoes

Am 23.01.2015 um 20:30

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Am Freitag, 23. Januar um 20:30 Uhr gibt es im Jazzkeller eine Art Doppelkonzert. Zum einen ist da das Duo Kayu mit den seit vielen Jahren bestens aufeinander eingespielten Musikern Karoline Höfler (Kontrabass) und Jochen Feucht (Holzblasinstrumente). Sie schaffen ein Klangbild, das dem Namen des Duos gerecht wird, denn „Kayu“ steht im Indonesischen für Holz. Nicht nur, dass Karoline Höfler einen traditionellen Kontrabass aus Holz spielt und Jochen Feucht diverse Holzblasinstrumente, auch die musikalische Zielsetzung ist klar definiert – warm und natürlich. Als Ausgangsbasis für sensible Improvisationen dienen originale Kompositionen und neu arrangierte, ausgesuchte Standards.

Zum anderen sind Dizzy Krisch (Vibraphon, Midivibraphon) und Dieter Schumacher (Schlagzeug, Persussion) im Duo Echoes mit von der Partie, die mit ihren Instrumenten eine eigenwillige experimentelle Plattform geschaffen haben. Dabei lotet Krisch die spieltechnischen und musikalischen Möglichkeiten aus, die ein midi-modifiziertes Vibraphon bietet. So sind Klangteppiche, Loops, Sequenzerpassagen, mehrstimmige Klang- und Melodiekombinationen möglich, die raumfüllend wirken. Doch erst die Vermischung dieser elektronischen mit rein akustischen Klängen ergibt den Reiz des Projekts.

Die beiden scheinbar gegensätzlichen Duos ergänzen sich im dritten Set zum Jazz-Quartett, bei dem „die Post abgeht“.

11.01.2015: Guitar Summit

Großartiger Gitarristen-Gipfel im Jazzkeller

Guitar Summit lockte Fans aus den Federn

BIBERACH – Für manche war es nach einer rockig-heißen Nacht im Abdera am Sonntagmorgen doch noch recht früh. Dennoch war die Bude rappelvoll als der Biberacher Gitarristen-Gipfel in einer Matinee des Jazzclubs über die Bühne des Jazzkellers ging. In einem stilistischen Spagat zwischen einer ausgefeilten, loop- und soundlastigen Mammut-Improvisation über 30 Minuten von Martin Sadowski sowie einer latinlastigen Eigenkomposition für Anrufbeantworter von AlJoVo & Lea füllte „Bluesfather“ Peter Zoufal mit ambitionierten Gitarristen-Highlights das jazz-, rock-, bluesige Gravitationszentrum.

In knappen einführenden Worten erläuterte der in Darmstadt lebende Biberacher Komponist und Gitarrenlehrer an der Bruno-Frey-Musikschule Martin Sadowski mit welchen Intentionen er an seinen musikalischen Beitrag geht. Verschiedene Spieltechniken und Stilelemente auf verschiedenen Gitarren, mit einer ganzen Batterie aus Effektgeräten und elektronischen Spielhilfen, vielfach geloopt und in vielschichtige strukturelle Zusammenhänge in einer breiten Klangpalette eingewoben, zeigte Sadowski, was mit diesem Instrument und neuen Technologien alles möglich ist.

Der Routinier, Meister aller Klassen und Stile, Peter Zoufal, besetzte mit seinen Darbietungen die stilistische Mitte der Matinee, das Rückgrat der Jazz- und Rockmusik im bluesaffinen Gitarrenolymp. Virtuose Kompositionen angesagter Heroen der Popularmusik, Bravourstücke ambitionierter Gitarristen, wie Titel von Frank Zappa und Fleetwood & Mac, tagesaktuell auch unter dem Motto „Je suis Charlie“ begeisterten rundum, gelegentliche Playbacks oder Playalongs taten dem keinerlei Abbruch.

Das Finale übernahm naturgemäß die mit drei Künstlern stärkste Fraktion des Tages, die Biberacher „Groove Brothers“ Jochen und Alexander Vogel mit Sängerin und Stimmungskanone Lea Knudsen unter den Vorzeichen des unterhaltsamen „Latin Jazz“ á la Jobim, angereichert mit bekannten Songs von den Beatles oder in einer Eigenbearbeitung und als beeindruckende Solonummer auch Stevie Wonders „I Wish“. Aus einer ganzen Reihe von Eigenkompositionen stach der lustvoll groovende Titel „LGE AB“ für Anrufbeantworter von Jo Vogel heraus. Mit einer angedeuteten „Session“ aller Akteure in C-Dur sowie Michael Jacksons „Blame it on the boogie“ ging die Matinee nach rund drei Stunden stimmungsvoll ins Restwochenende über.

 

  1. Schönecker

09.01.2015: Streit mit Fessele

Musikalischer Auftakt nach Maß

Salsa-Aphorismen für Fortgeschrittene

BIBERACH – „Streit mit Fessele“ erwiesen sich beim ersten Konzert des Jazzclubs im neuen Veranstaltungsjahr völlig unstrittig als musikalischer Topact und Publikumsmagnet gleichermaßen. Im ausverkauften Jazzkeller – Nachzügler mussten bereits mit Treppenstufen oder Stehplätzen Vorlieb nehmen – machte das sympathische Duo aus der Region dem rührigen Veranstalter als Träger des deutschen Spielstättenprogrammpreises alle Ehre. Das durchaus gewagte Konzept, Latin Jazz in Duobestzung rein akustisch darzubieten, hat sich dabei in hervorragender Weise bewährt.

Mit Joe Fessele am Kawaiflügel (mit angebauter Fußglocke) und Norbert Streit (an diversen Saxophonen sowie Querflöte, als unverstärkter Vokalsolist und gelegentlich auch mit sparsamem Perkussionseinsatz) haben sich zwei renommierte Musiker und Musiklehrer aus der Region, die sich bereits seit ihrem Studium kennen und unabhängig voneinander in verschiedenen größeren und kleineren Formationen aktiv sind, in Duobesetzung erfolgreich an ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen gemacht. Gelegentliche Neckereien in Anspielung auf das Konzertmotto konnten dabei nicht überdecken, dass sich hier zwei Musiker auf derselben Wellenlänge befinden, sich blind vertrauen und einander freundschaftlich verbunden sind.

Erklangen im ersten Programmteil noch bewährte und gefällige Standards aus der Blues-, Swing-, Bop- und Funk-Abteilung im eher traditionellen Duo-Zuschnitt, wohl auch als Hommage ans heimische Publikum, stand der eher experimentelle zweite Teil ganz unter einem lateinamerikanischen Stern. Dabei lag der besondere Reiz des Experimentes darin, im Original meist recht üppig besetzte Kompositionen wie Chick Coreas „Spain“ oder komplexe Bossa- und Salsa-Rhythmen wie in dem vom legendären Buona Vista Social Club bekannten „El Cuarto de Tula“ in der Duo-Besetzung auf das Allernotwendigste zu reduzieren und zu verdichten. Und genau hier lauerte denn auch das Neue: Kunstvolle Aphorismen, die den tieferen Sinn der Kompositionen in fast schon chirurgischer Präzision heraus präparierten und transparent machten. Ein Unterfangen, das allerdings auch den Zuhöreren einen gewissen Anspruch abverlangte und über reine Unterhaltung weit hinausging.

Das besondere Charisma, vor allem vom gut „behuteten“ Norbert Streit, dessen Gebaren und Gesangsstil – von äußerlichen Ähnlichkeiten abgesehen, vielleicht nicht einmal zufällig – an den legendären „Jake Blues“ aus dem ersten Blues-Brothers-Film erinnerte, steuerte in seiner schnippisch-trockenen Coolness dem künstlerisch Besonderen ein Quantum von Beiläufigkeit und Selbstironie bei, das nicht nur den Unterhaltungswert erheblich steigerte sondern dem Auftritt schon so etwas wie Kultstatus verlieh. Streits dominierende Bühnenpräsenz konnte jedoch nicht verdecken, dass die gestalterische Hauptlast von dem hochmotivierten Joe Fessele am Piano zu schultern war. Ausgefeilte Grooves und komplexe rhythmische Begleitstrukturen, immer wieder ergänzt oder durchbrochen von kürzeren oder längeren melodischen Soli und Improvisationen schienen mühelos aus Fessele herauszusprudeln. Beiden Musikern war, ebenso wie dem begeisterten Publikum, der Spaß an der Sache anzumerken. Laute Begeisterungsrufe und nicht enden wollender Applaus sowie mehrere Zugaben, darunter eine wundervolle Interpretation von „Georgia on my mind“ zeugten von einem erfüllten Konzertabend.

gez. H. Schönecker