Ort: Jazzclub Biberach (c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)
Beschreibung Eines der Highlights im Herbstprogramm des Jazzclubs dürfte das Quartett um Isabelle Bodenseh mit ihrem Projekt „Jazz à la flute present Mrs Bo’s cookbook“ werden. Das mit Querflöte (Isabelle Bodenseh), Hammondorgel (Thomas Bauser), Gitarre (Lorenzo Petrocca) und Schlagzeug (Lars Binder) höchst ungewöhnlich besetzte Quartett lässt den Sound der 1950er bis 1970er Jahre wieder aufleben. Energie, Blues und Power pur! Die überblasene Querflöte im Stil von Ian Anderson und Kirk Rahsaan eröffnet dabei für den Jazz eher untypische hochexpressive Ausdrucksmöglichkeiten.
Die Dozentin für Jazz-Querflöte, Improvisation und Arrangement an den Musikhochschulen Mainz und Frankfurt (Main) hat nach einem klassischen Schulmusikstudium durch mehrere Auslandsstudienaufenthalte eine starke afro-lateinamerikanische Prägung erfahren. Über die Gitarrenkoryphäe Lorenzo Petrocca (80 CDs) müssen nicht viele Worte gemacht werden. Thomas Bauser, Dozent für Jazzklavier an der Musikhochschule Freiburg, hat sich dem Spiel auf der legendären Hammond B3 verschrieben und hat dabei einen faszinierenden Individualstil entwickelt. Lars Binder, Schlagzeugdozent an der Musikhochschule in Augsburg, war in unterschiedlichen Formationen schon mehrfach im Jazzkeller zu hören. Mehrere seiner CDs (mit „L 14,16“) wurden mit dem Vierteljahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.
Eintritt 17€ (ermäßigt 13€) Biberacher Schüler wie immer frei!
Hohe Auszeichnung für herausragendes Jahresprogramm des Jazzclubs
BIBERACH – Der „APPLAUS 2018“, der Bundespreis für die Veranstalter, Club- und Spielstättenbetreiber als Auszeichnung für ein kulturell herausragendes Livemusikprogramm in der Kategorie III (10 – 52 Konzerte im Jahr) wurde am Mittwochabend im Mannheimer „Rosengarten“ im Namen von Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters, nach 2014 bereits zum zweiten Mal, an den Jazzclub Biberach überreicht. Das Preisgeld in Höhe von 7500 Euro kommt zweckgebunden dem Spielbetrieb zugute.
Die Freude bei den Verantwortlichen des Jazzclubs war groß, als der Applaus einmal nicht in erster Linie an die ausführenden Künstler sondern an die eigentlichen Programm-Macher ging. Deren nachhaltige Arbeit im Hintergrund belebt und bereichert nach Ansicht der Kulturstaatsministerin das Kulturleben enorm, fördert den künstlerischen Nachwuchs und tritt offensiv für kulturelle Vielfalt, Offenheit und Toleranz ein. Besonders die kleinen Clubs mit ihren ambitionierten und innovativen Angeboten stehen dabei für eine lebendige und vielseitige Musiklandschaft, die es zu erhalten und auszubauen gilt.
Die insgesamt 1,8 Millionen von der Initiative Musik verteilten Fördergelder machen den APPLAUS zum höchstdotierten Musikpreis des Bundes für unabhängige Musikclubs und Veranstaltungsreihen. Die Staatssekretärin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des ebenfalls an der Förderung beteiligten Landes Baden-Württemberg, Petra Olschowski, freute sich in ihrer Ansprache besonders über die insgesamt 14 Auszeichnungen, die alleine an das Land Baden-Württemberg gingen.
Als einziger Club im Verbreitungsgebiet der Schwäbischen Zeitung (Oberschwaben, Allgäu, Bodensee) hatte der Biberacher Jazzclub mit seiner Hauptspielstätte im Jazzkeller der Bruno-Frey-Musikschule, in Mannheim vertreten durch die beiden Vorsitzenden Peter Kiene und Dr. Helmut Schönecker, die Ehre, auf Vorschlag einer unabhängigen Jury den Preis in Form einer Urkunde und einer Plakette und natürlich der zweckgebundenen Fördermittel aus den Händen von Ministerialdirektor Dr. Günter Winands entgegennehmen zu dürfen.
Die wiederholte Verleihung der „Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten“ – APPLAUS ist für den Jazzclub Biberach nicht nur Ehre sondern beinhaltet gleichzeitig die Verpflichtung, auch in Zukunft ein mutiges und leidenschaftliches Programmangebot bereitzustellen. Die Jazzbiber bedanken sich hiermit auch bei den Verantwortlichen der Stadt, beim Kulturamt, bei der Bruno-Frey-Musikschule, bei den Künstlern und besonders auch beim heimischen Publikum, das an dem prämierten Programmangebot und dessen Fortbestand entscheidenden Anteil hatte und hoffentlich weiterhin hat.
Preisverleihung APPLAUS 2018 im Rosengarten in Mannheim
Jury
Preisträger aus Baden-Württemberg mit Petra Olschowski (Staatssekretärin MWK) und Dr. Peter Kurz (OB Mannheim)
Übergabe der Urkunde durch Ministerialdirektor Dr. Günter Winands (BKM)
Preisträger-Urkunde für den Jazzclub Biberach e.V.
Gruppenbild mit allen Preisträgern
Preisträger-Plakette für den Jazzclub Biberach e.V.
Text: Helmut Schönecker Fotos von der Veranstaltung: (c) Daniel Schulz & Alessio Troncone für Initiative Musik
Junge baden-württembergische Jazzer stellen sich vor.
Unbekümmerte Exkursionen durch die weiten Gefilde des Jazz
BIBERACH – Eine erfrischende Mischung aus Eigenkompositionen, zumeist aus der Feder des jungen Pianisten Moritz Langmaier, sowie neuen, teils unkonventionellen Arrangements bewährter Standards von Amazing Grace und den Beatles über Chick Corea bis zum langjährigen Mentor des Bundesjazzorchesters Peter Herbolzheimer waren Kennzeichen eines kurzweiligen Konzertabends im Jazzkeller der Bruno-Frey-Musikschule mit einer der jüngsten Jazzbands des Landes. Und einmal mehr zahlte sich die Risikobereitschaft des Jazzclubs aus, auch dem Nachwuchs eine Plattform zu bieten. Ein volles Haus und viele jugendliche Besucher – bis 18 Jahre bekanntlich bei freiem Eintritt – erlebten mit „Tenor Madness“ direkten und unverstellten, ehrlichen, handgemachten Jazz auf einem hohen Energieniveau.
Das Trio aus Klavier (Moritz Langmaier, Wangen), E-Bass (Paul Dupont, Hockenheim) und Schlagzeug (Malte Wiest, Oberhöfen) bildete den Kern der Formation, agierte souverän und gut aufeinander eingespielt. Besonders Langmaiers Improvisationen zeigten sich dabei vielschichtig, abwechslungsreich und auch stilistisch offen. Seine stupende Spieltechnik und die vielfältigen musikalischen Einfälle ließen ihn – besonders auch in seinen Eigenkompositionen – zum „Spiritus Rector“ der Truppe werden. In sympathischer Zurückhaltung agierte er daneben gleichwohl ganz im Dienste des Ensembles, nahm keinem Mitspieler die Butter vom Brot. In gediegener handwerklicher Qualität vermochten dies auch Paul Dupont am E-Bass und der Initiator der Formation, Malte Wiest. Gelegentliche Soloeinlagen der beiden Vorstudenten beeindruckten bereits durch eine erstaunliche Reife und Virtuosität.
Die Herausforderung, zwei Melodieinstrumente in derselben Lage und Stimmung an die melodische Front zu stellen, verlangte den jungen Tenoristen allerdings eine Menge ab. Eine gute Koordination, saubere Intonation, klare Absprachen, eine sinnvolle Aufgabenteilung sowie rasche und flexible wechselseitige Reaktionen sind in diesem Falle zwingend. Die unterschiedliche Tongebung der beiden Bläser war dabei durchaus hilfreich. Adrian Gallets Ton war sonor und intensiv während Lukas Wögler auf seinem Saxophon eher unterkühlt parlierte. Neben längeren Einzelimprovisationen gab es zwischen beiden auch echte Arbeitsteilung, das Staffelholz wechselte dabei flüssig und konditionsschonend seinen Besitzer. Komplementär angelegte Kollektivimprovisationen oder dichtere musikalische Interaktionen blitzten gelegentlich auf, machten Appetit auf mehr. Die nächsten Jahre in einer fundierten Ausbildung werden hier sicherlich auch komplexere Strukturen und eine noch raffiniertere musikalische Kommunikation zur Folge haben.
Waren im ersten Set noch Zurückhaltung und eine gewisse Anspannung zu verspüren, die Nahtstellen zwischen den einzelnen Versatzstücken teilweise noch gut hörbar, gelang im zweiten Teil nahezu alles mit leichter Hand und in großer spielerischer Gelassenheit. Eine erste Eigenkomposition des Drummers erwies sich harmonisch als durchaus interessant, ein Major-Sept-Akkord mit hochalterierter Quinte spielte dabei eine zentrale Rolle. In jugendlicher Unbekümmertheit und Bescheidenheit verriet Malte Wiest dem Publikum sogar, dass dies nach viel zu kurzer Probe vor Konzertbeginn, eine echte Uraufführung war. Einige effektvolle Bearbeitungen bewährter Standards beschlossen einen abwechslungsreichen Abend, der für frischen Wind in der Szene stand.
Ort: Jazzclub Biberach (c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)
Beschreibung Das junge Jazzcombo-Projekt aus dem „Ländle“ spielt bewährte Jazzstandards sowie taufrische Eigenkompositionen. Die stilistische Bandbreite reicht dabei von Jazz über Funk bis hin zu Gospel. Drei der blutjungen Musiker spielen im Landesjazzorchester Baden-Württemberg, zwei Mitglieder des Quintetts studieren bereits an der Musikhochschule Stuttgart. Nachdem im vergangenen Jahr bereits der mittlerweile an der Musikhochschule in Köln studierende, vielfache Preisträger Finn Wiest, zusammen mit dem späteren Gewinner des internationalen Biberacher Jazzpreises – Jakob Manz – seine neue Bandformation vorgestellt hat, darf dieses Mal sein, ebenfalls mit Preisen überhäufter, jüngerer Bruder Malte Wiest aus der Perkussions- und Schlagzeugschmiede von Markus Merz mit seinem jüngsten landesweiten Bandprojekt auf die Bretter im Biberacher Jazzkeller. Die zwei „verrückten“ Tenorsaxophonisten Adrian Gallet und Lukas Wögler werden die „jungen Wilden“ in der „Frontline“ anführen. Moritz Langmaier (Piano), Paul Dupont (E-Bass) und Malte Wiest (Schlagzeug) liefern, neben diversen Ausflügen in die weite Welt der Soloimprovisationen, den rhythmisch-harmonischen Unterbau des etwas anderen Quintetts.
Eintritt 17€ (ermäßigt 13€) Biberacher Schüler wie immer frei!
Dozentenkonzert des „Jazz & More Collective“ machte aus der Not eine Tugend
Jazzkeller platzt fast aus allen Nähten
BIBERACH – Aus Raumgründen, weil die Renovierung der Aula der Gymnasien nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnte, musste das für den Workshop „Jazz & More“ am Wieland-Gymnasium geplante gemeinsame Abschlusskonzert in reduzierter Form als reines Dozentenkonzert schließlich in den Biberacher Jazzkeller verlegt werden. Für die zahlreichen Besucher, darunter auch viele Workshopteilnehmer mit ihren Eltern, wurde daraus ein absolutes Highlight. Das „Jazz & More Collectiv“ zeigte sich in allerbester Spiellaune, war spontan, witzig, inspiriert und vor allem rundum überzeugend. So muss Livemusik sein. Lebendig, dynamisch, mit vielen Emotionen aufgeladen und dennoch reflektiert.
Abwechselnd moderiert durch die bühnenerfahrenen Künstler kamen überwiegend Eigenkompositionen aber auch in besonderer Weise überarbeitete Standards zur Aufführung. Die während vieler gemeinsamer Workshops in Ochsenhausen zusammengeschweißte Truppe glänzte durch versiertes Satzspiel ebenso wie durch herausragende Einzelleistungen. Joo Kraus erwies sich nicht nur als genialer Jazztrompeter mit einem ganz besonderen Sound, er zeigte auch überraschende Qualitäten als Sänger, Rapper oder HipHopper und vor allem als kreativer Kopf mit mitunter skurrilen oder witzigen dabei aber immer groovigen Einfällen. Die Frontfrau Fola Dada sang sich mit ihrer nuancenreichen natürlichen Stimme schnell in die Herzen der Zuhörer. Selbst im engen Zusammen- und Wechselspiel mit den Instrumenten erwies sie sich als verlässliche Teamspielerin ohne Hauch von Primadonnenhaftigkeit.
Wieland-Gymnasium und Jazzclub fördern den Biberacher Jazz-Nachwuchs
Gute Nachrichten aus der Jazz-Werkstatt mit dem Jazz & More Collective
In der Jazz-Werkstatt des Wieland-Gymnasiums wurde am vergangenen Freitag nicht gehämmert, gesägt oder gebohrt und gefräst auch wenn es dort hieß „Jazz & More“ mit dem Dozententeam der Landesakademie Ochsenhausen. Das „More“ bestand vor allem in Informationen und Tipps aus der Praxis rund um das freie und gebundene Musizieren und Improvisieren. Egal ob mit oder ohne Noten, ob Jazz, Rock, Funk oder HipHop – das richtige Musizieren stand im Vordergrund. Acht Professoren oder Profimusiker haben sich einen ganzen Nachmittag lang intensiv mit rund 50 Workshop-Teilnehmern, überwiegend aus den Bands und Chören des Wieland-Gymnasiums und des Biberacher Jazzchores, beschäftigt und ihnen dabei anschaulich vorgeführt, wie lebendige Musik klingen muss.
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