„Fluturistischer“ Triumph der leisen Töne
Charles Davis mit „Four or more Flutes“ im Jazzkeller
BIBERACH – Rund 20 Flöten, von der höchst selten zu hörenden Kontrabassflöte über diverse Barockflöten, die typisch gebogenen Tenor- und Altflöten, über die weitverbreitete große Flöte bis hin zum kleinen Piccolo aus verschiedenen Materialien und in wechselnden Kombinationen von fünf gestandenen Musikern aus drei Ländern gespielt. Auf der Bühne fand sich ein Arsenal wie aus einem Musikinstrumentenmuseum. Kann aus einer solchen Zusammenstellung Jazz entstehen? Den Beweis lieferten Charles Davis und sein Ensemble „Four or mor Flutes“ beim Freitagskonzert des Jazzclubs.
Überwiegend leise Töne und feinsinnige Unterhaltung, hintersinniger Humor, ein überraschend variantenreicher Sound sowie eine enorme stilistische Bandbreite kennzeichneten den Auftritt der ungewöhnlichen Formation aus dem Bodenseeraum.
Überblasene, mit Atemgeräuschen überlagerte und damit geräuschhaft, perkussiv wirkende Flötentöne kennt man etwa von Ian Anderson und Jethro Tull. Durch Hineinsingen ins Instrument und in Verbindung mit den instrumentalen Klangfarben erzeugte, mehr oder weniger harmonische Kombinationstöne und Mischklänge machte zuerst der weltbekannte deutsche Posaunist Albert Mangelsdorff salonfähig. Den klanglichen Einsatz von Klappengeräuschen kennt man aus der experimentellen und modernen Musik. „Four or more Flutes“ erweiterten unter Einsatz all dieser Möglichkeiten und darüber hinaus durch zahlreiche Zisch-, Rausch- und Plosivlaute bis hin zu echtem Gesang oder gesprochener Sprache die verfügbare Klang- und Ausdruckspalette ohne Zuhilfenahme elektronischer Mittel bis an die Grenzen des Vorstellbaren.
















