Archiv – Seite 38 – Jazzclub Biberach e.V.

29.11.2019: Axel Kühn Trio

Mehrfach preisgekröntes Axel Kühn Trio im Jazzkeller

Kraftvoll, überzeugend und authentisch

BIBERACH – Die drei bestens aufeinander eingespielten Musiker hatten eindeutig etwas mitzuteilen, eine Botschaft, die aus tiefstem Herzen kam und überaus kraftvoll nach außen drängte. Dabei fühlte sich das Trio um Axel Kühn beim Freitagskonzert im gut besuchten Jazzkeller sichtlich wohl, die Funken sprangen unmittelbar auf das Publikum über und die Spannungskurve ließ bis zum dreifachen Finale nicht einen Moment nach. Kräftig zupackend aber auch in entrückter Transzendenz fanden die Stücke, die meist aus der Feder des Bandleaders am Kontrabass stammten und sich größtenteils auf der neuen CD „Zeitgeist“ befinden, offene Ohren und großes Wohlwollen. Gleich zwei Zugaben rundeten einen erfüllten Abend ab.

Axel Kühn, mehrfach prämierter Jazz-Kontrabassist und -Komponist, verleugnete dabei keinesfalls seine Vorliebe auch für andere Musikstile. Schon der Umstand, dass er seine Musik selbst als Grunge-Jazz bezeichnet, lässt darauf schließen, dass er seine ästhetischen Wurzeln in den frühen 1990er Jahren im Umfeld von Kurt Cobain und „Nirvana“ hat. So fand sich unter vielen Eigenkompositionen auch der Coversong „Cats in the cradle“, im Original zwar von Harry Chapin in den 70ern komponiert, nach Johnny Cash in den späten 80ern, erst Mitte der 90er jedoch von Ugly Kid mit großem Erfolg in die Rock-Charts gebracht. Axel Kühn strickte daraus mit viel Herzblut eine durchaus überzeugende neue, eigenständige Version, die Spuren der Vorgängerversionen enthielt, Respekt vor dem Original zeigte und dennoch gänzlich neue Perspektiven herausarbeiten konnte.

Ebenso fanden die „Giant Steps“ des stilbildenden Jazz- und Saxophon-Giganten John Coltrane in Axel Kühns „Step by Step“ eine neue Heimat. Ein raffiniertes Konstrukt aus abwechslungsreichen, teilweise hochvirtuosen und komplexen Versatzstücken kulminierte in einem finalen Ostinato von Kontrabass und Klavier (Ull Möck) über dem der glänzend disponierte Schlagzeuger Eckhard Stromer, in Chicago geborener Schlagzeugdozent der Stuttgarter Musikhochschule, ein Füllhorn von rhythmischen Einfällen ausschüttete. Saubere Triolen auf der Hihat, kombiniert mit vertrackten 16tel-Rhythmen auf Snare und Becken und kontrapunktiert mit synkopierten Akzenten auf der Bassdrum ließen auch manchen fachkundigen Zuhörer fast schwindelig werden.

Einer der Höhepunkte des Abends war die Kühn’sche Version der Ballade „Don’t Cry“ von Axl Rose, Axel Kühns Namensvetter von den „Guns N‘ Roses“. Vom ursprünglichen Hard Rock blieben das geradlinig zupackende Moment und das ungekünstelte Sentiment, aus der Jazzperspektive die Variabilität, Komplexität und die Freiheit der Improvisation und – typisch auch für alle Eigenkompositionen Kühns – die Seele des Ganzen. Mit großem musikalischen Feingefühl vermag es Axel Kühn seinen Stücken das mitzugeben, was nur die ganz Großen in der Musik haben: Tiefgang und Überzeugungskraft. Der Finalist beim Biberacher Jazzpreis im Jahr 2006, Landesjazzpreisträger in Baden-Württemberg 2009 und Gewinner des europäischen Nachwuchsjazzpreises Burghausen hat mittlerweile nicht nur seinen eigenen Stil gefunden, in welchem er den Zeitgeist wie in einem Brennglas eingefangen hat, er beginnt Jazzgeschichte zu schreiben.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Axel Kühn Trio

Am 29.11.2019 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Mit seinem jüngsten Werk „ZEITGEIST“, stellt das Trio um den preisgekrönten Bassisten und Komponisten Axel Kühn eindrucksvoll unter Beweis, wie homogen ihre Mischung aus Jazz,
Grunge Rock, Pop und Weltmusik klingt. Die verschiedenen Genres verschmelzen zu einem ganz neuen Stil, welchen Bandleader Kühn „Grunge Jazz“ nennt. Konsequent wird der Weg, welchen das Trio bei seinem Vorgänger Album „OPEN-MINDED“ einschlug weitergegangen.

Dabei hört man deutlich, dass ihre gemeinsame Reise nun schon einige Jahre anhält. Die Musik hat an Raffinesse, Eigenständigkeit, Power und Intensität deutlich dazu gewonnen. Zusammen agieren die 3 Musiker wie ein großer Organismus bei dem alles perfekt aufeinander abgestimmt ist. So entsteht ein ganz eigenständiger Triosound, der tief in unserer Zeit verwurzelt ist und immer von Axel Kühns persönlichem Anliegen zeugt. Es besteht darin, mit jedem Song ein klares emotionales Statement abzugeben, um den Zuhörer dort zu treffen, wo Musik die größte Wirkung hat: im Herzen.

Axel Kühn – bass
Ull Möck – piano
Eckhard Stromer – drums

Eintritt 17 €/ermäßigt 13 €
Biberacher Schüler*innen können das Konzert kostenfrei genießen

15.11.2019: Autschbach & Illenberger

Gefeierte Gitarrenpäpste lassen nichts anbrennen

Duo Autschbach-Illenberger stößt auf großen Wiederhall beim Publikum

BIBERACH – Bereits im Vorverkauf riss das Gitarren-Duo Autschbach-Illenberger, welches nach sechs Jahren wieder einmal in Biberach gastierte, alle Dämme ein. Schon Tage vor dem Konzert im Jazzkeller waren alle Karten ausverkauft. Der Ansturm auf die Tickets war ebenso hoch wie die Erwartungen an die Weltklassemusiker. Obwohl in manchen Ankündigungen zu lesen war, dass es sich bei den Eigenkompositionen und Improvisationen nicht unbedingt um Jazz handelt, wurde da oder dort doch eine gewisse Verwunderung darüber laut, dass Jazz bei dem Gitarrenkonzert doch eher eine Randerscheinung blieb.

Irgendwo zwischen Easy Listening, mittelalterlichem Lautenspiel und romantischem Virtuosentum angesiedelt, mit Einsprengseln aus der Folklore oder aus dem Rock- und Blues-Genre erwiesen sich die abwechslungsreichen Stücke als durchweg sehr eingängig, überaus einfühlsam und mit viel Liebe zum perfekten Sound interpretiert. Eine stupende Spieltechnik, ein außerordentliches Maß an Virtuosität und ein nahezu perfektes Zusammenspiel der beiden Künstler ließen eigentlich nichts zu wünschen übrig. Dennoch fehlte manchen Gästen etwas der Biss oder auch die kraftvolle Authentizität in vielen Stücken. Etwas mehr Experimentierfreudigkeit, mehr Tiefe und Intensität, wie etwa in dem von Autschbach solistisch, singend und musizierend, herausragend dargebotenen „Suitcase Blues“ über oft nicht ganz so saubere Hotelzimmer, die dem reisenden Musiker das Leben unnötig schwer machen, hätte auch manch anderem Titel gut getan.

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Autschbach & Illenberger

Am 15.11.2019 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Die Musik des Gitarrenduos Peter Autschbach & Ralf Illenberger hat etwas vom Atem großer und weiter Landschaften. Die sensiblen oder auch mal robusten Klänge hinterlassen im Vorbeiziehen intensive Eindrücke, es sind quasi Landschaftsbeschreibungen für einen eigenen, betörend schönen Klangfilm, der als persönlicher Roadmovie beim Zuhören wie von selbst entsteht.
Die beiden spielen virtuos, ohne dem Geschwindigkeitswahn zu verfallen; zeitgemäß, aber zugleich auch zeitlos und dabei völlig eigenständig. Der Zuhörer hat den Eindruck einer einzigen, großen,
vielsaitigen Gitarre, bei der es unerheblich scheint, wer von den beiden gerade was spielt.

Mit Autschbach und Illenberger haben sich zwei Meister ihres Fachs gefunden, die gemeinsam intuitiv, spontan und harmonisch an die Musik herangehen. Nach den erfolgreichen Alben „No Boundaries“ (2012) und „One Mind“ (2014) stellen die beiden Gitarristen ihr neues Album „Zero Gravity“ (2017) vor.
Die Ideen für das neue Werk wurden von den beiden über den großen Teich kommuniziert, denn Autschbach lebt in Deutschland und Illenberger in Arizona. Die unverkennbaren Merkmale ihrer Musik sind geblieben, auf 6- und 12- saitigen Gitarren bietet das
Duo wieder inspiriertes und mitreißendes Gitarrenspiel.

Das Publikum erwartet ein 5-Sterne – Menu für Feinschmecker der akustischen Gitarrenmusik, denn die beiden zeigen eindrucksvoll, wie intensiv und spannend ein musikalischer Dialog zweier gleichberechtigter Partner sein kann.

Peter Autschbach, seit Jahren ein wahrer Guru der Sechs-Saiten-Szene, ist nicht nur als kompetenter Interpret des Mainstream-Jazz bekannt, sondern hat sich auch mit eigenen Kompositionen einen
hervorragenden Ruf erspielt – nachzuhören auf acht CDs, die von Kritik und Publikum überschwänglich gelobt werden. Der äußerst erfolgreiche Lehrbuchautor und Workshop-Dozent hat sich in den letzten Jahren wieder vermehrt der akustischen Gitarre zugewendet.

Ralf Illenberger hat sich schon vor 40 Jahren mit dem Duo Kolbe/Illenberger eine treue Fangemeinde erspielt. Er produzierte bereits 16 Alben, darunter drei Top-Ten Titel in den USA und fünf Alben in Europa, darunter eine Grammy-Nominierung und die Nominierung zum deutschen Schallplattenpreis. Illenberger hat über 400.000 LPs und CDs verkauft und in über 50 Ländern
Konzerte gegeben. Heute lebt und arbeitet er in Sedona, Arizona (USA).

Weitere Infos unter:
www.autschbach-illenberger.de
www.autschbach.de
www.ralfillenberger.com

Eintritt 17 €/ermäßigt 13 €
Biberacher Schüler*innen können das Konzert kostenfrei genießen

25.10.2019: Fessele Knudsen Streit Trio

Fessele-Knudsen-Streit-Trio lockt die Massen in den Jazzkeller

Leas Charmeoffensive

BIBERACH – Übervolles Haus im Jazzkeller, voller Einsatz auf der Bühne, volle Begeisterung beim Publikum. Von Anfang an auf 100 Prozent ließ die agile Frontfrau des noch jungen Trios, die dänische Sängerin Lea Knudsen, keinen Augenblick die Zügel schleifen und schlug das Publikum mit ihrem offensiven Charme sofort in ihren Bann. Seit vielen Jahren ist Ulm und Oberschwaben ihre Wahlheimat. Dennoch ist diese Bandkonstellation mit dem Jazzpianisten Joe Fessele und dem Multiinstrumentalisten und Sänger Norbert Streit noch keine zwei Jahre alt und sprudelt geradezu über von Ideen auf der Suche nach einem eigenen Stil. „Symbiosis“ heißt ihre neue CD und dieser Titel ist gleichzeitig auch Programm. Wie im Fluge vergingen die beiden Sets, abwechslungsreich, unterhaltsam und recht breit gefächert.

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Fessele Knudsen Streit Trio

Am 25.10.2019 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Die dänische Sängerin Lea Knudsen und die beiden Jazzmusiker Norbert Streit und Joe Fessele präsentieren im Biberacher Jazzclub am Freitag, 25. Oktober 2019, eine Programmauswahl aus warmer, intimer und grooviger Jazzmusik aus aller Welt.

Das ist auch das Leitthema des aktuellen Programms. Dabei geht es in der musikalisch länderübergreifenden Reise um Liebe, Leidenschaft und Respekt für andere Kulturen. Stilistisch zum Teil in ungewöhnlichen Arrangements. Wie im Jazz so üblich, gibt es viel Raum für Improvisation, Interaktion oder auch für die eine oder andere Geschichte.

Knudsen, Streit und Fessele sind inzwischen ein eingespieltes Team und absolvierten dieses Jahr schon etliche Auftritte in diversen Kultureinrichtungen, Jazzclubs und Open-Airs. Highlight war im Frühjahr eine kleine Tour nach Dänemark mit Konzert für den renommierten Jazzclub Langeland. Die CD-Produktion „Symbiosis“ des Trios war dabei griffbereit in der Reisetasche.

Lea Knudsen, warme Jazzstimme am Mikrofon, ist multilingual mit dänischen Wurzeln. Ihre Begeisterung für die Jazzmusik fand sie bereits als Kind im Jazzclub ihres Vaters und spielte später in verschiedenen Bandformationen in Kopenhagen. Sie begeistert mit ihrem musikalischen Gefühl und trägt mit ihrem dänischen Humor und Ihrer Ausstrahlung zu einer ganz besonderen Symbiose des Trios bei.

Jazzpianist und Arrangeur Joe Fessele verbindet aus Können und viel Auftrittserfahrung die Kunst des Jazzklaviers mit geschmackvollem Spiel und eigenem Stil. Dabei entsteht grooviges Klavierspiel in ganz eigenen Interpretationen mit ungewöhnlichen Improvisationen. Fesseles Stationen waren: Abschluss an der Swiss Jazz School Bern, Aufbaustudium in Rotterdam, unzählige Auftritte in ganz Europa, Kamerun und Kuba.

Norbert Streit überzeugt virtuos an verschiedenen Saxofonen, mit ganzem Körpereinsatz auf der Querflöte, als Percussionist und als mitreißender Sänger. Ein vielseitiger Musiker mit Herz und anziehender Bühnenpräsenz. Er studierte an der Swiss Jazz School Bern und hat nationale und internationale Live- und Studioerfahrung.

Joe Fessele (p), Lea Knudsen (voc), Norbert Streit (u.a. sax)

Eintritt 17 €/ermäßigt 13 €
Biberacher Schüler*innen können das Konzert kostenfrei genießen