Archiv – Seite 30 – Jazzclub Biberach e.V.

Gabriel Mbanda Quintett (neuer Termin!)

Am 18.03.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 23, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung

Achtung Terminverschiebung!
Das Konzert findet nicht wie ursprünglich geplant am 11. März, sondern am 18. März statt!

Unterhaltsam und dennoch mit veritablem Kunst- und Wahrheitsanspruch verarbeitet Mbanda in seinen Kompositionen divergente Einflüsse zu einem eindrucksvollen Personalstil, gespeist aus seinen eigenen multikulturellen Wurzeln zwischen Afrika und Europa, geprägt von persönlichen Lebensumständen und beeinflusst durch seine internationalen künstlerischen Mitstreiter aus fünf Kontinenten (auf der aktuellen CD). Seine sanfte und doch wandelbare Stimme vermittelt dabei zwischen einer gewissen Coolness, die sich manchmal auch wie eine abgeklärte Distanziertheit zum Alltäglichen und Profanen anfühlt, und einer individuellen, charismatischen Wärme und sympathischen Nähe, die neue Horizonte eröffnet, irgendwo
zwischen Jazz und Weltmusik.

Besetzung:
Gabriel Mbanda (Bass, Vocals)
Julian Hesse (Trumpet/Horn)
Christian Krischkowsky (Drums)
Martin Sörös (Keys)
Cesar Gamero (Percussion)

11.02.2022: Maltett

Hochenergetischer Formel 1 Jazz mit dem „Maltett“

BIBERACH – Die letzten Sheets seiner Eigenkompositionen wurden erst auf der Autofahrt nach Biberach fertig. Neu oder umgeschrieben um den kurzfristig ausgefallenen Trompeter durch einen weiteren Tenorsaxophonisten zu ersetzen. Adrian Gallet aus Reilingen bei Hockenheim sprang ein für den erkrankten Jakob Bänsch, der seinerseits bereits Gabriel Rosenbach aus der Stammbesetzung des fünfköpfigen „Maltetts“ ersetzen sollte. Auf diese Weise kam das, trotz der derzeit üblichen Maskerade von Anfang an hell begeisterte Fanpublikum im Jazzkeller in den Genuss, die stilistische Entwicklung von wenigstens drei der fünf jungen Musiker im Verlauf der letzten vier Jahre zu verfolgen.

Neben dem Kopf des „Maltetts“, dem Jazzschlagzeuger Malte Wiest aus Oberhöfen bei Biberach, waren auch die beiden Tenorsaxophonisten bereits 2018 mit „Tenor Madness“ als eine der jüngsten Jazzbands des Landes im Jazzkeller zu hören. Die „unbekümmerten Exkursionen durch die weiten Gefilde des Jazz“ von damals haben seither nichts an Frische verloren, hingegen deutlich an Substanz und Tiefe gewonnen. Die ersten Ansätze seines Personalstils werden nach einigen Hochschulsemestern in Mainz bei dem quirligen Ausnahmedrummer nun deutlich konturierter.

Spielt das Schlagzeug im modernen Jazz generell eine immer zentralere Rolle, wirkt stimulierend und antreibend und längst nicht mehr nur begleitend mit einer Wiederholung immer gleicher Rhythmuspatterns, so erfährt dieses Prinzip besonders auch bei Malte Wiest eine weitere Steigerung. Hochdifferenzierte, komplexe Strukturen von filigran bis brachial, technisch ausgefeilt, musikalisch eigenständig, druckvoll und in permanenter Interaktion mit den Mitspielern ließen eben diesen dennoch genügend Freiraum für eigene Akzente.

Lukas Wögler, Tenorist der Stammbesetzung und „Ersatztrompeter“ Adrian Gallet am zweiten Tenorsaxophon zeigten, dass sie es zwischenzeitlich nicht verlernt haben, in der ungewöhnlichen Instrumentenkombination zu dialogisieren, zu konkurrieren und dennoch zu harmonieren. Gerade auch die bei scharfen und absichtsvollen Dissonanzen souverän und in sauberer Intonation durchgehaltenen Reibungen erhöhten die schon aus der komplexen Rhythmik resultierenden Spannungsimpulse, trieben die Stücke in einer ausgefeilten Dramaturgie unaufhaltsam zu immer neuen Höhepunkten. Wie in der Formel Eins gehörten abrupte Brems- und Beschleunigungsmanöver, hohe Kurvengeschwindigkeiten und Höchstgeschwindigkeit auf den freien Strecken zur Dynamik des Quintetts.

Zunächst mit etwas gebremstem Schaum, vielleicht auch der pandemiebedingt generell reduzierten Konzerttätigkeit geschuldet und deutlich an den doch etwas angespannten Mienen der Akteure abzulesen, lockerte sich die Atmosphäre im zweiten Set deutlich. Ausgehend von dem voller Leidenschaft aufspielenden Kontrabassisten Grégoire Pignède ließen sich die Mitakteure mehr und mehr von seiner Spielfreude und Lockerheit anstecken. Eifriger Szenenapplaus und anfeuernde Rufe aus den Reihen der Zuhörer erweckten auch den aus Schramberg stammenden Pianisten Valentin Melvin zu immer virtuoseren Einlagen am Kawaiflügel. Für eine willkommene klangliche Abwechslung sorgte dabei das legendäre Fender Rhodes E-Piano, dessen charakteristischer Sound an die R’n’B-, Soul- und Jazz-Rock-Ära erinnerte.

Die Eigenkompositionen des Schlagzeugers aus der Kaderschmiede von Markus Merz, besonders „Aero“ und „Take Two“ aber auch das kryptische „Mu Eins“ oder der als Zugabe gespielte, eigenwillige „Blues Or Not Blues“ ließen neben den meist gegen den Strich gebürsteten Standards der großen Meister keine signifikanten Schwächen erkennen. Besonders Kompositionen von Wayne Shorter (Speak No Evil, Nefertiti) mit Anklängen an den Jazz-Rock der 70er Jahre oder als eines der Highlights des Abends, die „Fried Pies“ von Wes Montgomery, zeigten die Wurzeln und Kraftquellen des überaus dynamischen Bandkonzeptes auf und zeichnen möglicherweise auch den durchaus erfolgsversprechenden, zukünftigen Weg der Newcomer vor. Das Selbstbewusstsein, einen abwechslungsreichen Abend mit Eigenkompositionen zu beschließen, ist jedenfalls schon vorhanden.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Maltett

Am 11.02.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 23, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Das MALTETT ist die jüngste Formation des Schlagzeugers Malte Wiest. In klassischer Jazz-Quintett-Besetzung spielt die Gruppe in erster Linie Originals aber auch Lieblingstücke der 5 Musiker. Stark geprägt vom Jazz der 60er-Jahre aber auch vom modernen Straight-Ahead-Jazz findet das MALTETT seinen eigenen jungen und frischen Klang.

Besetzung: Jakob Bänsch (tr); Lukas Wögler (tsax); Valentin Melvin (p); Grégoire Pignède (b); Malte Wiest (dr)

21.01.2022: Laura „Quiet Land“

LAURA sings – Quiet Land

Mit Schwung aus der kulturellen Depression

BIBERACH – Überaus freudige, erwartungsvolle Gesichter eines aufmerksamen Publikums in der locker entspannten Atmosphäre des Biberacher Jazzkellers korrespondierten zum Auftakt der neuen Konzertsaison mit drei hochmotivierten, spielfreudigen Künstlern um die aufstrebende junge Jazzsängerin Laura Kipp. Mit ihrem 2021 von Jens Loh und Cornelius Claudio Kreusch produzierten Debut-Album „LAURA QUIET LAND“ schaffte es die aus Reutlingen stammende, gefeierte Newcomerin innerhalb kürzester Zeit in die TOP 2 der Amazon Bestseller Charts im Bereich „Vocal Jazz“. Genau dieses taufrische Album präsentierte Laura nun Live im bereits Tage vorher ausverkauften Jazzkeller (pandemiebedingt leider nur mit 50% der üblichen Gästezahl und 2G+) und obwohl Weihnachten schon vorbei ist, ging das handsignierte Album nach dem Konzert weg wie warme Semmeln.

Jens Loh, nach mehreren Auftritten im Biberacher Jazzkeller in der örtlichen Szene beileibe kein Unbekannter mehr, gilt nicht umsonst als einer der besten Kontrabassisten Deutschlands. Als Komponist, gefragter Sideman, Bandleader und Produzent hat er sich einen großen Namen gemacht und diesem im inspirierten Live-Act jetzt mal wieder alle Ehre. Seine unnachahmlichen, teils akkordischen, teils plastisch-melodischen und häufig durch seine Singstimme gedoppelten Improvisationen atmen zeitgenössischen Jazz in Reinform.

Der in Chicago gebürtige Schlagzeugdozent der Stuttgarter Musikhochschule, Eckhard Stromer, erwies sich als nimmermüdes Kraftwerk und Energiezentrum des illustren Quartetts. Zuletzt vor knapp drei Jahren mit dem hochdekorierten Axel-Kühn-Trio in Biberach zu hören, ließen besonders seine temperamentvollen quirligen Soli die Augen größer, die Ohren weiter und den Beifall lauter werden.

Der klassisch ausgebildete, französische Jazzmusiker und Bill Evans Schüler William Lecomte zauberte mit seinem zupackenden, variantenreichen Klavierspiel und hochvirtuosen Improvisationen mehr als nur einen Hauch der großen, weiten Welt in den gut abgestimmten Bandsound. Relaxte, balladenhafte Patterns, dynamische Funky-Rhythmen, rasante Skalen oder vollgriffige Riffs in der Komplexität elaborierter Klavierkonzerte ließen einen schon vom Zuhören schwindelig werden.

Mit diesem hochkarätigen Klaviertrio allein wäre eigentlich bereits ein niveauvolles und inspirierendes Konzert angesagt gewesen. Die Bühnenpräsenz, das Outfit, die natürliche und doch wandelbare Stimme, und vor allem die Energie und künstlerische Überzeugungskraft von Laura Kipp vermochten es nicht nur, die ausgebufften Profis dieser Truppe zu bändigen und allzeit die Strippen in der Hand zu halten. Ohne dominant zu wirken, ließ sie sich von ihren Männern auf Händen zu veritablen Höchstleistungen tragen und faszinierte mit einer verblüffenden Stilsicherheit und Reife, außerordentlicher Expressivität, traumwandlerischer Intonation und prickelnden Groove.

Die vielseitigen Kompositionen des neuen Albums „Quiet Land“ von Jens Loh mit den Texten von Laura Kipp vermitteln eine warmherzige, positive Lebensfreude, die sich auch an den kleinen, alltäglichen Dingen des Lebens entzündet. Ein erholsamer Gang durch den „Jardin de Luxembourg“ in Paris und Lauras, von ihrer zweiten Wahlheimat Paris inspirierte Eigenkomposition „Meme si tu dors“ gehen ebenso unter die Haut wie die Vokalise-Passagen und entspannten Scatsilben in „Still“ oder „S’goed Niet Goed“. Eingängiges Musical- oder Latin-Feeling, der durch den Einsatz einer Clavietta (William Lecomte) mit französischem Esprit angereichte Song „All we ever tried“, das als Hommage an ihren anwesenden Bruder gedachte „Little Stevie“ und besonders der bereits für das nächste Album vorgesehene, komplexe und vielversprechende Titel „Oh, I could write a book“ lassen einen gereiften Stil erkennen, der trotz seiner stilistischen Bandbreite keinen Gedanken an Eklektizismus aufkommen lässt.

Nach einem solchen Saisonauftakt dürfte es trotz renommierter Namen für die Bands der monatlich nachfolgenden Jazzkonzerte heuer nicht leicht werden. Der Weg aus der kulturellen Depression ist jedoch mit großem Schwung beschritten und die Hoffnung ist groß, dass der Silberstreif nicht in einem erneuten Lockdown versandet.

Text und Fotos: Helmut Schönecker

Abgesagt! – Dixie’s Treibhausventil

Am 23.01.2022 um 11:00 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 23, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Leider musste die Veranstaltung wegen eines Corona-Falls im Umfeld der Band kurzfristig abgesagt werden! Wir bemühen uns um einen Ersatztermin.

Seit nunmehr 50 Jahren spielen die sechs Musiker ihren Dixieland in all‘ seinen Ausprägungen, aber immer so heiß und spontan, dass dies wohl über kurz oder lang das Treibhaus zum Platzen brächte – hätten sie nicht mit „Dixie‘s Treibhausventil“ eine virtuelle Spezialarmatur zum „Dampfablassen“

Gegründet von den Gebrüdern Weindel – in der Region alles andere als unbekannt- hat es diese Band mit wenigen Besetzungswechseln geschafft über viele Jahrzehnte ihre unbändige Spielfreude und Spontaneität zu erhalten, sowie die Verpflichtung einzuhalten, sich auf »ihr« Publikum einzustellen.

In Interpretation von den Originalen kaum noch zu unterscheiden, musiziert die Jazzband in der typischen Besetzung mit Trompete, Saxofon, Posaune, Bass, Klavier und Schlagzeug. Nach langem Bemühen ist es dem Jazzclub Biberach wieder einmal gelungen nach einigen Jahren wieder einmal Dixie’s Treibhausventil zur Freude aller Fans des traditionellen Jazz nach Biberach zu verpflichten. Zur Abrundung des Programmes gibt es wieder die beliebten Weißwürste zum Weißbier-Frühschoppen.

Besetzung: Johannes Weindel (p), Daniel Sernatinger (sax), Burkhart Spellenberg (tb), Matthias Herrmann (dr), Chris Hertel (b), Michael “Fisch” Maisch (tp)

Laura „Quiet Land“

Am 21.01.2022 um 20:30 Uhr

Ort: Jazzclub Biberach
(c/o Bruno-Frey-Musikschule, Wielandstraße 27, 88400 Biberach an der Riß)

Beschreibung
Dem Urteil eines Mannes, der nicht nur die Geschichte des Jazz auf wie hinter der Bühne mitgeprägt, sondern als Produzent auch Michael Jackson zum „King of Pop“ gemacht hat, sollte man vertrauen: „Diese junge Frau braucht sich um ihre Karriere nicht zu sorgen. Sie ist hervorragend, und ihr alle werdet in Zukunft noch von ihr hören“ – sagt Quincy Jones über Laura. Was 2017, als sich die beiden bei den Stuttgarter Jazz Open kennenlernten, noch eine Prophezeiung für die damals 21-jährige Sängerin Laura Kipp war, bestätigt sich jetzt. Mit ihrem Debütalbum „Quiet Land“ unter dem Signum LAURA legt sie mit einer Kombination von Attributen ein Album vor, wie es selbst in diesen Zeiten, da viele exzellente junge Jazzer die verschiedensten Musikgenres und -stile umarmen, rar ist: Jugendliche Frische trifft auf erstaunliche Reife, Charisma auf Understatement, die Freiheit und Intellektualität des Jazz auf die unmittelbar emotionale Kraft von Pop, Soul und Chanson. Gegensätze, die sich hier wirklich anziehen und nicht nur Spannung erzeugen, sondern zu einem famosen Ganzen verschmelzen.

Besetzung: Laura Kipp (voc); Jens Loh (b); William Lecomte (p); Eckhard Stromer (dr)