Archiv – Seite 104 – Jazzclub Biberach e.V.

22.09.2007: Terrence Ngassa Afro Quintet 

Terrence Ngassa Afro Quintet im Jazzkeller

Afrikanischer Startrompeter trifft Biberacher Jazzpreisgewinnerin

Was sich in der Konzertankündigung wie ein beliebiges stilistisches Sammelsurium eben aus Afro, Ethno, Jazz und Funk las, fand im jungen afrikanischen Trompeter und Bandleader Terrence Ngassa einen musikalischen Brennspiegel, der die einzelnen Bestandteile der bunten Mischung  aufschmolz und mit großer gestalterischer Kraft in neue Strukturen überführte. Der aus Kamerun stammende Ngassa, aufgrund seines ausdrucksstarken Trompetenspiels oft mit dem jungen Louis Armstrong verglichen, verkörpert einen faszinierenden Musikstil, der klar erkennbar zu seinen westafrikanischen Wurzeln steht und  sich dennoch neuen Einflüssen nicht verschließt.  Seine stark ethnisch gefärbten gesanglichen Einlagen kamen, unverstärkt und klanglich unverfälscht, besonders sympathisch herüber. Ein erfreulicher Nebeneffekt bestand darin, dass er während des Singens besonders seine virilen Mitstreiter zur kontemplativen Zurückhaltung zwang. Resultat war eine, trotz packender Grooves und knackiger Präsenz, stark ausdifferenzierte, lebendige Musik mit großem Dynamikumfang und Ideenreichtum. In den transparenten Arrangements aus der Feder Ngassas kamen, nach anfänglicher Zurückhaltung, vor allem dialogische Improvisationen zwischen der Trompete und dem herausragenden Maxim Begun am Saxophon sowie natürlich zu der durch brillant perlendes Spiel und sensibler Begleitung gefallenden Laia Genc.

Die Gewinnerin des Biberacher Jazzpreises 2004, von deren damaligen Mitstreitern nur der geniale Drummer Mirek Pyschny in der aktuellen Formation vertreten war, war Ngassa und Begun eine kongeniale Partnerin. Ihre Freude an dem hochwertigen Steinwayflügel im Jazzkeller war mit Händen zu greifen, ihre Spielfreude durchwirkte alle Stücke und bildete eine glitzernde, stimulierende Matrix aus der mit zunehmender Dauer des gut besuchten Konzertabends ein pulsierendes und schimmerndes, immer wieder von kreativen Blitzen durchzucktes organisches Geflecht musikalischer Ideen wurde.

Das anfänglich ebenfalls noch etwas zurückhaltende Publikum lief, durch Ngassa immer wieder zum Mitmachen animiert, schließlich ebenfalls zur Hochform auf, feuerte das Afro Quintet mit begeisterten Ausrufen, animierenden Pfiffen und heftigem Beifall zu immer höheren Leistungen an. Jetzt fetzte auch Ngassa auf seiner „sprechenden“ Trompete bis in die höchsten Lagen, lieferte sich packende Improvisationsduelle mit dem über sich hinaus wachsenden Maxim Begun. Der Offenburger Daniel Speer am Kontrabass steuerte, neben einigen durchaus beeindruckenden solistischen Einlagen, ein dezent groovendes Fundament zur Musik bei. Erst nach mehreren Zugaben und heftigen Beifallsstürmen durfte das Quintet von der Bühne.

 

22.06.2007: Blue Honky Tonk

Süddeutschlandpremiere: Blue Honky Tonk mit Überraschungsgast im Jazzkeller

Unverbrauchter Cross-Over Boogie-Woogie aus dem Wilden Osten

„Schnee von gestern“, dürfte die vorherrschende Aussage zahlreicher Boogie-Woogie Gegner gelautet haben. Diese sind dann allerdings auch gar nicht erst beim Konzert mit „Blue Honky Tonk“ aus Dresden im Biberacher Jazzkeller erschienen. Wer jedoch dabei war, weiß es jetzt besser: Es gibt einen direkten Weg von den 1920er Jahren in unsere Zeit und er heißt „Blue Honky Tonk“.

Dass die Liebe Grenzen überwindet ist eine alte Weisheit. Dass die Liebe zur Musik auch unvereinbar scheinende musikalische Gegensätze verbinden und selbst aus den abenteuerlichsten Stilkombinationen noch neue Kräfte schöpfen kann, nachdem doch ganze Heerscharen  von Sinn suchenden Musikern den leergefegten Markt schon unzählige Male abgegrast haben, ist zumindest überraschend.

Die agilen Jungs aus dem Osten mit ihrem Überraschungsgast, einer musikalisch wie optisch reizvollen jungen Dame namens Manuela Kre?ek, die unverkennbar den Blues in ihren Genen trug, boten einen unverfälschten Zugang zur längst überholt geglaubten Tradition der goldenen Zwanziger.

So weit, so tüchtig, so gewöhnlich. Genau dies tun schließlich seit über 80 Jahren viele andere, auch studierte und technisch brillante Musiker. Für eine gute Stimmung sorgt der pianistische Tanzblues in seinem überschaubaren Formenkanon allemal und staunende Bewunderung für das virtuose Tastengeklingel gibt es vom Publikum gratis.

Wenn es „Blue Honky Tonk“ mit Matthias Rethberg am Piano und Stephan Heisigs am Schlagzeug  dabei belassen hätte, wäre der erste Gig im Süden Deutschlands vielleicht auch schon der letzte gewesen. So aber darf man sicher sein, von dem neuen Gespann noch einiges zu hören. Die scheinbar beiläufige Integration eines Bach’schen Präludiums aus dem Wohltemperierten Klavier in eine unverschämt gut und souverän groovende Eigenkomposition des Pianisten und Bandleaders war eines der sinnfälligsten Beispiele der beherzt-offenen und ungeniert direkten Vorgehensweise des sympathischen Quasi-Trios. Unversehens in der Tradition eines „Jacques Loussier“, der mit seinem „Play Bach“ auch heute noch großen Anklang findet, blieb „Blue Honky Tonk“ auf dieser Stufe jedoch nicht stehen. Nicht das berühmte Original eines anderen mit ein paar eigenen Zutaten, eine neue, eigenständige Komposition lag hier vor, eine Komposition, die sich künstlerisch mit der Tradition auseinandersetzt und dabei ab und zu auch einige Versatzstücke an die Oberfläche spült, nur um diese sofort wieder in den aktuellen Gestaltungsprozess einzubringen. An anderer Stelle war es die Montage von traditionellen Boogie-Rhythmen á la Jelly Roll Morton mit modernen hiphop-artigen Drum-Grooves, die eine ästhetische Auseinandersetzung erzwang. Alles in allem wirkten die drei trotz vielstündiger Anreise erfreulich frisch und unverbraucht, sympathisch, offen, mitreißend und so durften sie auch nicht ohne die erhofften Zugaben von der Bühne herunter.

 

Gez. Dr. Helmut Schönecker

11.05.2007: Christian Krischkowsky Quintett

Christian Krischkowsky Quintett im Jazzkeller

Wie Phönix aus der Asche des traditionellen Jazz und Rock

Ein Bandkonzept, das Innovation als Vermeidungsstrategie von Konventionellem betrachtet, überkommene Strukturen radikal zertrümmert und aus den nur allzu bekannten Bruch- und Versatzstücken unkonventionell und ohne Berührungsängste Neues generiert, kann nur als rebellisch bezeichnet werden. Krischkowskys Weg zu neuen Ufern führte aber im Biberacher Jazzkeller zunächst buchstäblich ins Blaue.

Natürlich schmerzt es den Freund der traditionelleren Jazzmusik, wenn lieb gewordene Klischees, kaum dass sie irgendwo aufblitzen, wieder zerlegt oder gar zerfetzt werden und auf dem Abfallhaufen der Geschichte landen.  Natürlich wird der Entspannung und Unterhaltung suchende Zuhörer zunächst einmal verwirrt oder gar verstört auf ständig gebrochene Versprechen reagieren. Aber manchmal wurden die vor vielen Jahren oder Jahrzehnten gewachsenen und mittlerweile völlig verkrusteten Organismen durch das Quintett des Ulmer Schlagzeugers Christian Krischkowsky eben auch sorgfältig filetiert, ihre Erstarrung aufgebrochen und ihr musikalisches Potential in neue, innovative Architekturen eingewoben.

Der „Schritt ins Blaue“ (Stepping In The Blue, Part I & II) oder Kompositionen wie „Rebirth“ oder „TS Bremen“, auch Titelsong der letzten, preisgekrönten CD der Formation, verweisen dabei unmissverständlich auf das rastlose Unterwegssein, auf eine künstlerische Suche, die auch dem mitsuchenden Publikum bestenfalls sporadisch eine Eisscholle zum Ausruhen bietet („Greetings from Spitzbergen“) und nicht wirklich zu einem Zielhafen führt. Diejenigen Zuhörer, die sich auf diese Reise ins Unbekannte einließen, kamen dabei zu immer neuen Orten („Kilimandscharo“), in immer neue Situationen („Bull Rider“, „Late Night Talk“) und in Kontakt zu immer neuen Personen, wobei ein „Mister Sergej“ eine etwas dubiose Rolle spielte.

Geradezu exemplarisch konkretisiert sich das kluge Konzept des Bandleaders Christian Krischkowsky in seiner Komposition „Chili“, die einen ebenso erfrischenden wie die Aufmerksamkeit fordernden Konzertabend beendete. In ungewöhnlicher Komplexität, befördert auch durch die ausgewogene Besetzung des Quintetts aus Andrej Lobanow (Trompete), Florian Riedel (Saxophone und Bassklarinette), Marc Schmolling (Piano) sowie Chris Lachotta (Kontrabass)  in dem keinem der Mitspieler solistischer Vorrang gewährt wurde, keiner eine nur begleitende Rolle übernehmen musste, fügten sich, ästhetischen Aphorismen gleich, Relikte aus der reichhaltigen Jazz- und Rocktradition, gut gewürzt mit Elementen der musikalischen Avantgarde, zu etwas unverkennbar Neuem zusammen. Die Matrix, in der sich Tradition und Avantgarde durchdrangen war dabei unverkennbar eine rhythmisch geprägte. Nicht nur als Komponist, auch als Drummer hielt Krischkowsky bei allem Stil-Pluralismus mit druckvollem Beat in hoher Energiedichte die künstlerischen Fäden in der Hand.

27.04.2007: Gee Hye Lee Quartett 

Gee Hye Lee und „five a.m.“ im Biberacher Jazzkeller

Von der Muse geküsst – Leise Töne für stille Genießer

Die koreanische Jazz-Pianistin Gee Hye Lee erwies sich bei ihrem Konzert im Biberacher Jazzkeller vergangenen Freitag vor allem als eine Meisterin der leisen Töne. Im gut besetzten Auditorium fand die Wahl-Stuttgarterin mit ihren feinsinnigen, intimen Eigenkompositionen, einigen ausgesuchten Pat-Matheny- oder Bob Marley-Titeln sowie einer ganzen Reihe von Kompositionen aus der Feder des sehr einfühlsam agierenden Kontrabassisten Markus Bodenseh ein überwiegend still genießendes Publikum.

Die Betulichkeit eines englischen Lords im reiferen Alter, der auf die Sekunde pünktlich seinen 5-Uhr-Tee zelebriert, dabei stillen Genuss und kontemplative Reflexion des Tagesgeschehens verbindet, fand sich trotz anderer Tageszeit im Habitus der Formation „five a.m.“ ebenso wieder, wie auf der anderen Seite die sprichwörtliche Zurückhaltung des oberschwäbischen Konzertpublikums – so Gee Hye Lee in ihrer freundlich-spartanischen Moderation. Und wie in absichtsvoll zurück genommener Relaxtheit  Ekkehard Rössles Tenor- und vor allem Sopransaxophon den Duft einer gerade aufgehenden Lotus-Blüte atmete, gelang es dem in Köln lebenden französischen Schlagzeuger Antoine Fillon  der Musik des Quartetts einen dezenten und differenzierten Groove einzuhauchen. Wenn es nicht etwas aus der Mode gekommen wäre, müsste man der empfindsamen, nach innen gewendeten Musik Gee Hye Lees das Prädikat „innig“ zuerkennen. Auf jeden Fall aber beansprucht das künstlerische Konzept Gee Hye Lees eine Eigenschaft, die unserer schnelllebigen Zeit auf weite Strecken abhanden gekommen zu sein scheint: die Fähigkeit zur Muse.

Ob in manchen fulminant-virtuosen Klavierpassagen Gee Hye Lees, den vereinzelt aufblitzenden exzessiveren Aufwallungen Ekkehard Rössles oder in den seltenen Aufloderungen der bis auf die energiegeladene Zugabe und gelegentliche Soloeinlagen zurückhaltend zweckdienlichen Begleiter Antoine Fillon und Markus Bodenseh, allen Akteuren war die vollständige Kontrolle ihrer vielfältigen ästhetischen Ausdrucksmittel zugunsten der gemeinsamen Sache anzumerken. Und das Resultat war tatsächlich eine homogene Gesamtleistung die aus mehr bestand, als die Summe ihrer Teile hätte vermuten lassen. Gelegentliche Anfeuerungsrufe ließen keine ekstatische, aber doch gehobene Stimmung aufkommen, die nach der artig herbei geklatschten Zugabe sich vor allem darin äußerte, dass viele Gäste nach dem Konzert noch sitzen blieben, CDs der Künstlerin erstanden oder auch das persönliche Gespräch suchten. Gee Hye Lee hat in Biberach wohl einige neue Fans gefunden.

Dr. Helmut Schönecker

Schwäbische Zeitung, 2. Mai 2007

 

30.03.2007: Peter Autschbach Terminal A

Peter Autschbachs „Terminal A“ im Jazzkeller

Satte Sounds und fette Grooves

Vom ersten Ton an traf Peter Autschbachs „Terminal A“ am Freitagabend exakt den Nerv eines rundum begeisterten Publikums im Biberacher Jazzkeller. Schnell zeigte sich, dass die aufgebaute Gitarren-Batterie – 5 Gitarren und 3 E-Bässe für nur 2 Spieler – nicht nur Staffage oder elitäres Getue, sondern der Virtuosität und dem künstlerischen Anspruch der renommierten Musiker geschuldet war.

Peter Autschbach, seit seiner Mitwirkung im Rockmusical „Tommy“ oder in der Queen-Show „We will rock you“ auch einem breiteren Publikum als überragender Gitarren-Heroe auf den Spuren von Joe Pass bekannt, ließ sich durch die anfänglich nicht gar so üppige Publikumskulisse keineswegs davon abhalten alle musikalischen Register zu ziehen und einen richtigen Konzertknaller hinzulegen. Vielleicht hatten die vielen Stunden Autobahnstau bei der nachmittäglichen Anreise die unglaubliche Energie angestaut – in diesem Fall wäre dem Stau sogar noch ein positiver Aspekt abzugewinnen, vermutlich ist es aber eher der Raum zwischen Jazz und Rock der satte Sounds und fette Grooves, nervige Rhythmen und packende Improvisationen gebärt.

Ob in dem überschäumenden Titel „Dolphin“, in den eher tragischen Erlebnissen eines in Schwierigkeiten geratenen Tauchers, der nicht nur unter Sauerstoffmangel sondern auch noch unter einer doppelten Haiattacke zu leiden hatte (beide Titel aus Autschbachs Unterwasser-Musik-Reihe „Under the surface“) oder in stärker improvisatorischen, bluesgeprägten Titeln wie „Mind the Gap“, die hohe atmosphärische Dichte, die funk- und fusiontypische rhythmische Hochspannung, gepaart mit harmonischer Raffinesse und melodischem Einfallsreichtum ließ nichts anbrennen. Die  Spielfreude von Autschbach, Eddy Teger an Flügel und Keyboard, Jürgen Knautz am Bass und Marco Bossi an den Drums war mit Händen greifbar und sprang unmittelbar auf die verzückten Zuhörer über.

Erst zu Beginn des zweiten Sets verriet Autschbach dem durchaus überraschten Publikum, dass der Ulmer Perkussionist Christoph Scherer so kurzfristig als Ersatz eingespannt werden musste, dass er selbst ihn zuvor noch gar nicht persönlich kennen gelernt hatte. Es spricht für Scherer und das eingespielte Team von „Terminal A“, dass dieser Umstand in keiner Weise unangenehm auffiel und das Resultat wie aus einem Guss wirkte. Nach heftigem Applaus, durften die musikalischen Weltreisenden nicht ohne zwei Zugaben und einem privaten Kurz-Gitarrenkurs für einen besonders entflammten Zuhörer wieder zum Terminal A zurück und ihre Reise fortsetzen, vielleicht landet der Jet auch irgendwann wieder einmal in Biberach, dann auch bestimmt vor etwas zahlreicherem Publikum.

02.03.2007: Salsaría – Lukas Brenner Trio feat. Alexander Bühl

Lukas Brenner Trio „Salsaria“mit Alexander Bühl im Jazzkeller Biberach

Mit Siebenmeilenstiefeln zum Erfolg

„Giant Steps“, eine Komposition von Joe Fessele in Anlehnung an den legendären John Coltrane Titel markierte nicht nur die packende musikalische Eröffnung des Jazzclub-Konzertes mit den Vorjahres-Finalisten des internationalen Biberacher Jazzpreises, dem Lukas Brenner Trio „Salsaria“ aus dem benachbarten Laupheim, die es im internationalen Umfeld immerhin bis ins Finale geschafft hatten. Mit „Giant Steps“, also mit Riesenschritten, haben die drei jungen Musiker, die erst seit zweieinhalb Jahren zusammenspielen und die zum Teil noch die Schulbank drücken, seither auch weitere Stufen der Karriereleiter erklommen.

Waren es noch vor einem knappen Jahr vor allem die guten Ansätze, die kreative Vielzahl musikalischer Ideen, das frische Outfit und der zupackende durch Latin- und Salsa-Rhythmen geprägte Groove der aufstrebenden Jungstars, so erlebten die am Freitagabend in großer Zahl erschienenen, rundum begeisterten „Salsaria“-Fans im Jazzkeller eine gut aufeinander eingestimmte Truppe mit einer abendfüllenden, kurzweiligen Performance in professionellem Zuschnitt. Neben dem Bandleader Lukas Brenner am Klavier, war es vor allem der als Gast mitwirkende 20jährige Saxophonist Alexander Bühl, Student an der Musikhochschule Nürnberg, Mitglied im Bundesjazzorchester und Träger des Skoda-Jazzpreises 2006, der die herausragenden musikalischen Akzente setzte. Erfrischend unkonventionell wirkende und unmittelbar sinnfällige musikalische Einfälle verbanden sich zu komplexen musikalischen Organismen, in denen auch der feinfühlig agierende, junge Biberacher Kontrabassist Matthias Werner sowie der beherzt und präzise zuschlagende Drummer Fabian Dettenrieder eine eigenständige, keineswegs nur begleitende Rolle spielten.

Schienen bei Brenners Improvisationen in unkonzentrierten Momenten noch da und dort die Nahtstellen zwischen den musikalischen Einfällen auf, waren Bühls Ideen überwiegend aus einem Guss und meist von eher lyrischem Zuschnitt.  Brenners Kompositionen zeigten jedoch eine hohe Energiedichte, eine wohl besonders von seinem Klavierlehrer und Coach Joe Fessele sowie Herbie Hancock inspirierte, funk- und rockmäßig groovende Rhythmisierung sowie einen ungewöhnlich großen musikalischen Gestaltungswillen bei hoher Ausdruckstiefe.  Letzteres korrespondierte zwar noch nicht immer mit den technischen Fähigkeiten auf dem Instrument, lässt aber gleichzeitig auf eine große musikalische Zukunft hoffen. Salsa und Samba dürften sich dabei eher als ein Übergangsstadium erweisen. Das überraschend junge Publikum feierte ihre „Rising Stars“ mit begeisterten Ovationen, zwei Zugaben rundeten einen inspirierenden Konzertabend ab.