08.12.2006: Peter Lehel Quartett – Jazzclub Biberach e.V.

08.12.2006: Peter Lehel Quartett

Hochkarätiger Modern Jazz im Biberacher Jazzkeller

Peter Lehel Quartett zeigte sich in bester Spiellaune

Atmosphärisch dicht, energiegeladen, höchst kreativ und außerordentlich spannend wurde die engagierte Musik des Peter Lehel Quartetts zu einem der musikalisch herausragenden Ereignisse des fast schon vergangenen Jazzjahres. Einmal mehr erwies sich, dass künstlerischer Anspruch und Publikumszuspruch wohl doch  umgekehrt proportional zueinander stehen. Unter dem Sigel „Modern Jazz“ steckt zwar keine voraussetzungslose Unterhaltungs- oder Stimmungsmusik, aber auch die Zeiten, in denen egozentrische Jazzheroen mit dem Rücken zum Publikum die Reise in ihr abgründiges Selbst antraten sind längst Geschichte.

Die drei Schwaben um den Karlsruher Saxophonisten Peter Lehel gehören mit zum Besten was das Ländle musikalisch aufzubieten hat. Der brillante Stuttgarter Pianist Uli Möck und der frischgebackene Stuttgarter Kontrabassprofessor Mini Schulz, unterstützt durch den Tübinger Schlagzeuger Dieter Schumacher erwiesen sich als kongeniale Mitmusiker eines, trotz schütterer Publikumskulisse eher inspiriert als routiniert wirkenden Peter Lehel an Tenor- und Sopransaxophon. Seiner Feder entsprangen nicht nur die abwechslungsreichen Kompositionen des Abends, seine spannungsgeladenen Soli und Improvisationen ließen auch sonst nichts anbrennen. In schnörkelloser Direktheit entlockte er seinen Instrumenten genau so viele Töne wie erforderlich, keinen einzigen mehr. Das geriet mitunter zu einem Feuerwerk ausgefallener Einfälle, wie etwa in der Hommage an Béla Bartók, dann aber auch zu stimmungsvollen aphoristischen Miniaturen á la „Kind of Blue“ zu Ehren von Miles Davis oder zu klangmächtigen balkanischen Fresken im Gedenken an Zoltan Kodaly. Lehels kraftvollen Gefühlseruptionen stellte Uli Möck am Steinway-Flügel eher narrativ-elegante Elemente gegenüber, im perfekten Kontrapunkt zwischen Engagement und Distanz. Das vor allem erzeugte, über die rhythmische Hochspannung hinaus, eine Energiedichte, die in ihrer kammermusikalischen Konzentration auch die hellauf begeisterten Zuhörer zu Höchstleistungen im Erhören komplexer musikalischer Gehalte anspornte, die Lösung des finalen musikalischen Rätsels erbrachte für die Gewinnerin gar eine CD freier Wahl aus dem Bandangebot.

Lehels Musik besitzt trotz ihres eher intellektuellen Zuschnitts ein Übermaß an Witz, Kraft und Unmittelbarkeit, erlaubt so eine anhaltende Identifikation ohne Reue auf hohem Niveau. Selbstverständliche Virtuosität,  kreative Vielfalt und ehrliche Affekte ohne schalen Beigeschmack oder vorweihnachtlichem Zuckerguss verleihen dem europäischen Modern Jazz des Peter Lehel Quartetts eine stilistische Eigenständigkeit, die sich jeder Konkurrenz stellen kann. Zwei Zugaben, darunter auch in festlicher Vorfreude eine Paraphrase über „Auld lang syne“, rundeten einen inspirierten Konzertabend ab.

 

Gez. Dr. Helmut Schönecker