Das Matti Klein Soul Trio begeistert das Publikum im Biberacher Jazzkeller
Zu den eher seltenen Klangereignissen zählen „Jazz Organ Trios“, umso erfreulicher, dass binnen eines Jahres deren zwei auf der Bühne des Jazzclubs performten. Wunderten wir uns 2025 noch über Manfred Junkers Uralt-Hammond/Leslie-Kombination, so galt es diesmal als Pendant dem betagten Wurlitzer E-Piano aus den 60ern und einem Fender Rhodes Bass Jahrgang 1972 Gehör zu schenken. Und „höre da“, der besondere Reiz der alt-bekannten Klänge stellte sich schlagartig ein. Matti Klein und sein Soul Trio fesselten von der ersten Sekunde an und brachten reichhaltig Groove in den Jazzkeller. Neben dem Organisten Matti Klein brillieren Lars Dieterich mit Tenorsaxophon und Bassklarinette sowie André Seidel am Schlagzeug. Vorangestellt wurden einige Stücke aus ihrem gefeierten Album „Bouncing‘ in Bubbleverse“, einer gekonnten Mischung aus Soul-Jazz, Hip-Hop, Funk und mitunter sphärischen Klangwelten. Klein zeigte sich selbst erstaunt über die tolle Akustik des Jazzkellers, den Reiz des „unplugged“-Spielens, sind die drei doch zumeist in wesentlich größeren Konzerträumen zu hören, und das weltweit seit 2017.
Zwei Bassisten in einem Trio? – das geht. Lars Dietrich entlockt seiner Bassklarinette mit Unterstützung einer ganzen Palette an Effektgeräten Klangvarianten und übernimmt passgenau den Part des Bassisten, wenn Matti Klein beidhändig die Wurlitzer bedient. Wechselt der jedoch linkshändig auf den Rhodes Bass übernehmen die Reeds die Melodieführung. Dann zeigt sich dann auch Lars‘ außergewöhnlich brillante Spielweise von scharf attackierten Patterns bis zum fein ausgehauchten pianissimo Finalton. Die daraus entstehende Klangvielfalt und die überschäumende Spielfreude ist wohl eines der Erfolgsgeheimnisse der drei. Zusammengehalten wird das alles vom meist stoisch blickenden, aber furios agierenden Drummer André Seidel. Er entlockt seinem Schlagwerk die unterschiedlichsten Beats, da wird den meist polyrhythmischen Klängen schon mal ein Shuffle oder second-line drumming unterlegt. Das Ganze höchst präzise solistisch einzigartig und niemals aufdringlich – Chapeau.
Launig erklärt der Berliner Matti Klein nicht nur die Tücken der vorkonzertlich genossenen schwäbischen Küche, sondern auch Hintergrund und Absicht zu manchem der gespielten Stücke. Als „Echo“ des vorangegangenen Stücks wird die ursprüngliche Melodie erweitert, das Gerüst behalten und doch durch feine Improvisationen neu definiert. Gerne eröffnet Klein seine Kompositionen mit perlenden Tonkaskaden und singt murmelnd dazu wie einstmals Errol Garner. Egal ob sphärisch klingende Klangwolken („River Journey“) oder Stücke wie „A Summer Fairytale“, aufgebaut vom Pianissimo zum furiosen Finale, die Zuhörer sind rundum begeistert. Und so ist es nicht verwunderlich, dass die drei Könner erst nach zwei Zugaben („Kill It With A Pill“ und „Tastes Like Strawberry Chocolate“) sowie dem Versprechen recht bald wiederzukommen, mit frenetischem Applaus in den wohlverdienten Feierabend entlassen werden.
Text: Günter Friedhelm
Fotos: Gottlob Volz