18.01.2026: Hardt Stompers – Jazzclub Biberach e.V.

18.01.2026: Hardt Stompers

Gelebte Jazztradition mit den Hardt Stompers zum Frühschoppen
Usambara-Veilchen vom Rio de la Plata erblühen im Biberacher Jazzkeller
BIBERACH – Launige Anmoderationen gehören zum Markenzeichen der schon seit über 40 Jahren existierenden ehemaligen Lehrerband des Reutlinger Bildungszentrums Nord im Gewann „Hardt“, den HARDT STOMPERS. Gestählt durch unzählige Konzerte, Festzelt- und Biergarten-Auftritte fanden die sechs gestandenen Mannsbilder aus dem ganzen Ländle mit ihrer überschäumenden Spielfreude und einer bewährten Stückauswahl unmittelbaren Zugang zu einem honorigen, meist silberhaarigen aber gleichwohl euphorischen Publikum im Jazzkeller. In der traditionellen Besetzung des New-Orleans-Jazz aus Klarinette, Trompete, Posaune, Banjo, Tuba und Schlagzeug erweckten sie, teils in ganz neuen Arrangements und mit frischen Improvisationen die Oldie-Schlager zu neuem Leben.
Humor und Spielwitz gingen Hand in Hand, besonders wenn die Klassiker aus der goldenen Ära deutscher Tanzorchester mit deutschen Texten oder Textübertragungen daherkamen. Der von Max Raabe wieder aufgefrischte jazzige Gassenhauer „Mein Hund beißt jede hübsche Frau ins Bein“ aus den 1930er Jahren wirkt offenkundig auch heute noch als augenzwinkernder Stimmungsgarant. Bestens eingestimmt durch die Moderation des Bandleaders waren freudiges Mitschnipsen und Fußwippen, fröhliche Mienen und langer Beifall selbstverständlich.
Der neu zur Band gestoßene Klarinettist Wolfgang Albrecht ließ durch nichts erkennen, dass er nächstes Jahr 80 Jahre alt wird. Weder weiße Haare noch eine tiefenentspannte Spielweise ließen auf sein Alter schließen. Ganz im Gegenteil. Wohl auch der Rolle der Klarinette im Oldtime Jazz geschuldet, spielte er nicht nur die meisten Töne in der kürzesten Zeit, sondern steuerte auch die virtuosesten Improvisationen zum Geschehen bei. In Sydney Bechets „Blues In The Air“ glänzte er als Solist mit einem besonders weichen, sonoren Klarinettenton und einer weitgespannten expressiven Melodik, die auch sein Spiel auf dem Sopransaxofon auszeichnete.
Die beiden Altmeister der Truppe, der ob seines kraftvollen, virilen Einsatzes oft schweißüberströmte Günter Friedhelm an Trompete, Gesang und Moderation sowie ein cooler Wolfgang Schenk an der Posaune mit seinem stark schwäbisch geprägten Gesang, gefielen mit charakteristischer Louis-Armstrong-Stimme, knackigem Trompetensound und obligatorischem Schweißtuch oder einem wundervollen Posaunensolo über „Kid Ory’s Creole Trombone“. Herausragend der von Schenk völlig authentisch gesungene, lachmuskelstrapazierende „Fernsehturm-Shuffle“ über das altgediente Stuttgarter Wahrzeichen.
Ebenfalls als Neuling und Youngster in der Formation überzeugte Benjamin Reiner an der Tuba und am reisetauglichen, elektrischen Kontrabass. Den flüssig groovenden Walking Bass hat er wohl seit frühester Jugend im Blut, der wohlklingende, satte Bass-Sound ist eher intensivem Ansatztraining und gutem Equipment zu verdanken. Kurt Schlaf an Banjo und Gitarre sowie Karel Vlach aus Prag am Schlagzeug sorgten neben gelegentlichen Soloeinlagen zuverlässig für den harmonischen und rhythmischen Unterbau. Die beiden heftig herbeigeklatschen Zugaben toppten jedoch alles Vorangegangene. Launige Übersetzungen von Fats Wallers „Honeysuckle Rose“ ins deutsche, lateinische und sogar in das, von Günter Friedhelm besonders stilecht intonierte, sächsische Sprachidiom als „Usambara-Veilchen vom Rio de la Plata“ sowie dessen frech-frivole Interpretation ließen die Wellen der Begeisterung nochmals hochschlagen. Abgerundet von Gershwins eingängigem Evergreen „Oh Lady Be Good“ nahm die unterhaltsame Matinee einen beseelten Ausgang. Der einzige Wermutstropfen: Die leckeren Weißwürste waren schon zum Ende der Pause ausgegangen.

Text & Fotos: Helmut Schönecker