Tango Transit – Nomen est Omen
Zweifelsohne steht der Begriff Tango zentral im Raum, wenn dieses außergewöhnliche Trio die Bühne betritt. Und wie zur Bestätigung zitieren Martin Wagner, Akkordeon, Hanns Höhn am Kontrabass und der Schlagzeuger Andreas Neubauer zum Konzertbeginn den Gottvater des Tango Nuevo – Astor Piazzolla – mit dessen bekanntestem Stück – Libertango. Doch schon beginnt der Transit, eine Reise durch musikalische Welten, vom modernen Walzer (Vienna April) über romantisches deutsches Liedgut (Zwischen Berg und tiefen, tiefen Tal) zu komplexen Eigenkompositionen (The Curtain, Akrobat, T-House …) und spaßigen Pop-Interpretationen (Money von Pink Floyd).
Es gelingt diesen Ausnahmekünstlern mit unglaublicher Leichtigkeit, musikalische Bilder zu kreieren, zunächst schreitet ein Dromedar durch den Jazzkeller (A Night in Egypt). Kurz darauf entrücken beim Titel „Schlaf“ Zuhörer und Band gemeinsam beinahe in Morpheus Arme. Zweifellos steht das komplex virtuose Akkordeonspiel im Mittelpunkt, jedoch wissen Kontrabassist und Schlagzeuger jederzeit mit grandiosen Solos und Improvisationen Akzente zu setzen, um danach wieder zum perfekten Tutti zu finden. So geht es munter hin und her im Transit zwischen Jazz und Weltmusik, es wachsen Klangräume vom Bandoneon über die Musette zum rockigen Wah-Wah Bending, man lauscht der zurückhaltenden musikalischen Entwicklung des Eleven hin zum mit allen Wassern gewaschenen Profi, es verblüfft das federleichte Changieren zwischen Tastenveitstanz und schwebend gehauchten Tönen. Durch die erfrischende Mixtur des Programms aus bekannten Stücken und Eigenkompositionen betont Tango Transit seine Professionalität und Vielseitigkeit. Es verbinden sich perfektes Zusammenspiel des Trios mit höchster Virtuosität zu unbändiger Spielfreude, die sich unmittelbar auf das restlos begeisterte Publikum im Jazzkeller überträgt. Zwei Zugaben, die unterschiedlicher nicht sein konnten – „Hey Joe“ und „Ein Jäger aus Kurpfalz“ – beenden diesen bemerkenswerten Januarabend. Übrigens wurde das Akkordeon zum Musikinstrument der Jahres 2026 gewählt, und den Gästen des Jazzclubs war es vergönnt, gleich zu Beginn der Konzertsaison magische Momente dieses unglaublich vielseitigen Instruments zu genießen.
Text: Günter Friedhelm
Fotos: Helmut Schönecker






