Jazzclub Biberach e.V.

r Jazzband

 

Quintessence

Freitag, 10. März 2017
20:30 Uhr | Jazzkeller Biberach

Foto: Helmut Schönecker

Junge Stars mit reifer Leistung und magischen Momenten

"Quintessence" auf dem Weg zur Kernschmelze

BIBERACH – Ohne Umschweife stießen die fünf jungen Musiker der Gruppe „Quintessence" um den Laupheimer Pianisten und Komponisten Samuel Gapp beim Freitagskonzert des Jazzclubs direkt ins Zentrum des zeitgenössischen Jazz vor. Ohne Berührungsängste und mit unbändiger Spiel- und Experimentierfreude verschmolzen sie im Namen des Jazz Elemente aus Pop, Rock und Avantgarde in einer speziellen Mixtur zu einer ganz individuellen Tonsprache, die offenbar dennoch vom Publikum verstanden und mit viel Beifall bedacht wurde. Samuel Gapp feierte just an diesem Abend seinen 20. Geburtstag und beschenkte sich selbst und seine Gäste mit einem höchst inspirierten und inspirierenden Konzert.

Von ganz wenigen Coverversionen und Fremdkompositionen abgesehen, bestritt das muntere Quintett aus den Musikstudenten Max Diller (Trompete und Flügelhorn), François Heun (Alt- und Tenorsaxophon), Korbinian Kugler (Kontrabass), Jonas Kaltenbach (Schlagzeug) sowie dem mit großem Fankreis angereisten Lokalmatador Samuel Gapp (Komposition, Klavier) fast den gesamten Abend mit erstaunlich ausgereiften Eigenkompositionen. Eine für das jugendliche Alter der Bandmitglieder überraschend vielschichtige, abwechslungs- und spannungsreiche Musik, die niemals ins Flache oder Beiläufige abdriftete, entfaltete vielgestaltige und  facettenreiche Emotionen mit zahlreichen magischen Momenten. Dies wurde besonders deutlich etwa im Titel „Genesis", wo in den freien Passagen das Flügelhorn von Max Diller fantastische Geschichten aus der endlosen Weite von Zeit und Raum zu erzählen hatte und, eingebettet in einer höchst filigranen und ausdifferenzierten Begleitung, dennoch niemals seinen Spannungsbogen verlor.  

Wie packend und geerdet der Groove des Quintetts sein kann, zeigten Stücke wie „Gravity in Space" aus der ersten CD des hoffnungsvollen Quintetts. Besonders der ebenso feinsinnige wie beherzt zupackende Mannheimer Schlagzeuger Jonas Kaltenbach aus der Drummer-Schmiede von Prof. Michael Küttner prägte mit seinem differenzierten und präzisen, dabei aber auch höchst eigenwilligen Spiel nachhaltig den Bandstil. Korbinian Kugler durfte mit seinem Kontrabass nicht nur die Schöpfungsgeschichte über den „dunklen Flächen der Tiefe" einleiten, er war mit seiner dezenten, feinfühligen Begleitung auch sonst immer präsent und setzte wichtige Impulse. 

Neben ausgedehnten Soloimprovisationen, aus denen vor allem Samuel Gapp mit seinen köstlichen, brillanten und immer für eine Überraschung guten Klavierpassagen herausragte, waren es vor allem die rasanten Bläserpassagen im Unisono oder in kontrapunktischer Verflechtung von Saxophon und Trompete, aber gelegentlich auch unter Beteiligung aller anderen Musiker, die trotz aller Virtuosität und Leidenschaft auch Coolness und Souveränität ausstrahlten. Offenbar zahlt sich hier ein weiterer Aspekt des Bandkonzepts aus. Die seit Jahren in großer emotionaler und empathischer Nähe verbundenen Bandmitglieder studieren mittlerweile an den Musikhochschulen Mannheim, Köln und Dresden und bringen von dort die unterschiedlichen künstlerischen Facetten gewinnbringend in die Bandarbeit ein. Homogenität und Vielfalt befinden sich so in einem fruchtbaren Wechselspiel. Gut so. Erst kommt die Kernschmelze, dann die Kernfusion mit der Energie zu wirklich Neuem. Die junge Band „Quintessence" wird dabei sein. 

Dr. Helmut Schönecker

 

 

 

 

 

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