Jazzclub Biberach e.V.

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KA MA Quartet Katharina Maschmeyer

Freitag, 17. März 2017
20:30 Uhr | Jazzkeller Biberach

Foto: Helmut Schönecker

Mit Coltrane auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen

Katharina Maschmeyer Quartett begeistert in Topform

BIBERACH – Eingebettet in eine Reihe von Eigenkompositionen, die teilweise bereits beim letzten Biberacher Konzert des Quartetts 2013 ihre Uraufführung erlebten, stellte das „KA MA Quartet" von Katharina Maschmeyer, unterstützt durch die indonesische Conga-Legende Nippy Noya, im Freitagskonzert des Jazzclubs sein im vergangenen Jahr veröffentlichtes Tribute-Album „A Love Supreme" zu Ehren von John Coltrane vor. Wer ohne Reservierung zu dem spektakulären Konzert im Jazzkeller erschienen war, musste mit einem der knappen Restplätze auf den Podesten und Treppenstufen vorliebnehmen.  

John Coltranes berühmte viersätzige Suite „A Love Supreme" markiert den Höhe- und Wendepunkt seines Schaffens und brachte ihn in die „Hall of Fame" des Down Beat Magazins. Die intensive Emotionalität der mythischen Suite inspirierte bereits Carlos Santana und John McLaughlin, die darin eine universelle Tonsprache erkannten, in welcher „der Einzelne im Kollektiv aufgeht". Dieser Leitgedanke hat wohl auch das „KA MA Quartet" nach drei international gefeierten Studioalben dazu beflügelt, die bewunderte Vorlage des Ausnahmesaxophonisten Coltrane in einer eigenen Version in Form einer kultigen, limitierten Vinylauflage des Livekonzertes, aufgenommen in den renommierten Bauer Studios in Ludwigsburg, aufzulegen. Dessen Biberacher Live-Version übertraf in ihrer Intensität alle Erwartungen. Mit kraftvoller, kaum gebändigter Leidenschaft, markanten Grooves und äußerst druckvollen Patterns fetzte das Quartett den zahlreichen Fans die alles mitreißende Musik um die Ohren.

Eingeleitet von Kompositionen des funkensprühenden Gitarristen/Bassisten Nils Pollheide und des ebenso coolen wie hochvirtuosen Pianisten Philipp Rüttgers, der am Kawaiflügel, am Nordstage EX und am Synthesizer gleichermaßen brillierte, begann die Hommage an Coltrane in Anlehnung an Carlos Santana mit dem Pollheide-Stück „Universal Tone". Es folgten die beiden ersten Sätze der Coltrane-Suite, das blueslastige „Acknowledgment" (Anerkennung) und das eher leichtfüßig swingende „Resolution" (Entschluss), bevor das Publikum in die Pause entlassen wurde.  

Nach derselben nahm das experimentelle Streben („Pursuance") nach der universellen Musiksprache unter Einbeziehung lateinamerikanischer Stilelemente seinen Fortgang, bevor im wieder leicht blueslastigen und melancholischen „Psalm" der dramaturgische Höhepunkt und Abschluss der Suite erreicht wurde. Katharina Maschmeyer hat ihren Coltrane nicht nur verstanden sondern verinnerlicht und weiterentwickelt. Und vor allem bringt sie dies auch auf ihrem Tenorsaxophon, gelegentlich auch auf Bassklarinette oder Sopransaxophon in überzeugender Weise kraftvoll und in ungekünstelter Natürlichkeit an ihr Publikum. Nach den dichtesten und anstrengendsten Passagen des Konzertes ging es deutlich leichtfüßiger weiter. Der Ausklang des Konzertes nach fast drei Stunden war mit Titeln wie „Early Bird" oder „Spring Thing" entspannter, transparenter, filigraner und eigentlich auch unterhaltsamer als das Coltrane gewidmete Hauptprogramm. Die Eigenkompositionen von Rüttgers, Pollheide und Maschmeyer brauchten sich dabei hinter den berühmten Vorlagen keineswegs zu verstecken. Für den nötigen Druck und Zusammenhalt sorgte, hier wie da, der präzise zupackende Drummer Jens Otto. Für die sensible, alles einbettende Matrix war Nippy Noya zuständig. Ihm war auch ein phänomenales Conga-Festival gleich nach der Pause zu verdanken. 

Dr. Helmut Schönecker

 

 

 

 

 

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